Ausgabe 
13.8.1927
 
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Aeschäfismann passen, der einst bankerott gemacht, nun aber seine Schuld voll bezahlt hat. Dazu kommt ein gut Teil Verachtung für die Meinungen der bürgerlichen Gesellschaft, deren Moral und Normen sehr tief em- asschätzt werden, Mele der Verbrecher haben unter den Bolschewiken Karriere gemacht, manche find Kommissare geworden und wieder in ihre alten Gewohnheiten verfallen, Treiben sie aber ihr neues Räuberhandwerk zu arg, so ist es oft genug vorgekommen, daß sie kurzerhand vom Revo- Mionstribunal erschossen worden sind. .

Es war ein eiskalter Abend, das Thermometer zeigte auf 48 Grad Frost, und aus der Angara stiegen dunstige Schneenebel in 'die windstille Dämmerung, als plötzlich die Nachricht m Balaganfk eintraf, daß sich in der Nähe einer Burjaien-Ansiedlung auf dem Wege zur Bahnstatton i Lyretj eine Räuberbande gezeigt habe, die zwar bisher niemanden er« j mordet, aber von allen Schlitten einen erheblichen Tribut erhoben und die I Reifenden ausgeplündert habe. Die Nachricht erregt Aufsehen. Die Leute " ^xten zusammen und besprechen mit Sachkenntnis den Vorfall. Spucken dann verächtlich aus und kommen zum Schluß, daß es sich hier nur um Räuberdilettanten handeln könne, denn wenn man die Zeugen nicht be- S, so müsse man bald gefaßt werden. Nun werden Erinnerungen und rungen ausgetaufcht, die gruselig klingen, die aber nicht böse gemeint i .find und nur Fachken-ntnisse beweisen sollen. Es wird beschlossen, den Räubern ihr Handwerk zu legen. Einige Freiwillige bewaffnen sich, laden Proviant, Blöcke von gefrorener Milch und Pelmeny, in die Schlitten, , hüllen sich in ihre Ziegendochas und Wolfsfelle und fahren in den mond­durchleuchteten Abend hinaus.

Bei der furchtbaren Kälte, di« sich wie ein eisiger Bann um den Körper legt, und die beim Atmen als leichter Schmerz empfunden wird, ist es nicht möglich, sich zu unterhalten. Die Glieder beginnen unter ben Fellen zu erstarren, das Denken stockt, und das silberne Klingen der Glocke bohrt sich allmählich tief ins Gehirn, bis es als physische Qual empfunden wird. Die Schneelandschaft schweigt, es ist die beängstigende Stills vollster Einsamkeit, aus der alles Leben gewichen. Das Geheul hungriger Wölfe aus dem nahen Buschwerk bricht den entsetzlichen Zauber. Die Wölf« wagen es noch nicht, sich zu zeigen, aber ihr gieriges Belfern kommt naher und wird drohender. Die Pferde werden unruhig und jagen im Galopp dahin, aber dis Insassen des Schlittens fürchten sich nicht, sie I wissen, daß die Wölfe nur in der Nähe von Burjatenniederlassungen zu ' ** streifen pflegen, wo es ihnen gelingen kann, ein Rind oder ein Pferd außerhalb der Umzäunung zu zerreißen, daß sie es aber kaum jemals wagen, bewaffnete Männer zu überfallen, es fei denn, daß ein Pferd ! gestürzt oder sich ein einsamer Wanderer in Schneewehen verirrt hat. Grau« Schatten huschen längs des Weges dahin, versuchen den Schlitten zu überholen, aber ein Schuß treibt sie wieder zur Flucht. Der Kutscher ' peitscht auf die Pferde, und bald werden auf hohen Stangen auf,gespannt die Sichouetten von Pferden und Rindern sichtbar, die den Göttern des Windes geweiht find, damit, wenn sie über die Schneefläche unsichtbar dahinstürmen, sie die Opfergabe bemerken und dem Darbringer geneigt bleiben. Noch einige Minuten fchüttelt der Schlitten über Höcker und durch Gruben, und dann ist die Burjatenniederlasfung erreicht. Die kleinen, zottigen Pferde werden ungedeckt im Frost stehen gelassen, sie sind daran gewöhnt und sind unempfindlich gegen di« Kälte. Unbekümmert um das . wütende Bellen und Kläffen der Hunde werden die Bewohner der Jurte aus dem Schlafe geweckt.

Wir betreten die Wohnung eines reichen Burjaten, der viele Rinder M besitzt und nebenbei mit allerlei Dingen handelt. Auf 'dem Tische brennt V ein« Petroleumlampe, längs der Wand auf Holzpritschen liegen weiche I Felle ausgebreitet, die als Lager dienen, und der Fußboden starrt von Schmutz. Hühner und Kleinvieh treiben sich im Raume unbekümmert herum, und am überheizten Ofen hängen in kribbelnden Garben Wanzen­nester. An den Wänden kriechen Läuse, aber Ungeziefer stört die meisten Burjaten, es sei denn, daß sie bereits Städter geworden sind und sich einer höheren Kulturstufe angeschlossen haben, nicht, sie behaupten, daß 6 frören, wenn sie ohne Bisse von Ungeziefer schlafen mühten. Wirt und irtin begrüßen uns herzlich. Wir schälen uns aus unseren Fellen, und die stickige Wärme dringt langsam in unsere Glieder und verjagt den Erstarrungstod, der draußen in der eisigen Kälte unser Herz zu lähmen drohte. _ , ri. .

Unsere Ankunft hat anderes Volk herbeigelockt. Mehrere m stinkend« Schaffelle gehüllte Burjaten umstehen uns bald und schauen uns, neu­gierig mit ihren schmalen Schlitzaugen, dabei unterhalten sie sich in ihrem Kauderwelsch, das kaum jemand von den Russen verficht. Di« freundliche Wirtin, deren mit Fett eingeriebenes Gesicht strahlt, und deren Röcke Dungproben aus aller Herren Länder aufzuweisen scheinen, stellt in einem Kessel Ziegelsteintee auf und läßt einen Eimer gefroren« Milch auftauen. Der Wirt holt eine Flasche mit Fuselschnaps herbei, der der örtliche Schamane mit besonderem Eifer zuspricht, und erst nachdem die Machorka- zigarette in Trichterform gedrcht und man sich gewärmt hat, beginnt man, fachliche Dinge zu besprechen. ,

Es ist sicher, -daß die Wuber bei der furchtbaren Kälte nicht um Freren. , übernachten werden, sie müssen irgendwo einen, Unterschlupf, gefunden haben oder ihn suchen. Er erscheint den Ortskundigen wahrscheinlich, daß es Bewohner aus -dem großen Flecken Tscheremchowo sein müßten, wo sich immer allerlei Abenteurer zu versammeln pflegten, die sich, anstatt in den Kohlengruben zu arbeiten, gelegentlich aufs Räuberhandwerk gelegt hätten. Da Tscheremchowo aber noch über 70 Kilometer entfernt war und sie ihren Beutezug nicht so schnell aufgeben würden, so müsse man sie irgendwo in dön umliegenden Jurten suchen, es gälte nur, ihre Spuren zu finden.

Mitten in der Beratung ertönt draußen Glockengebimmel, und das wütende Bellen der Hunde zeigt die Ankunft von neuen Gästen an. Da nun nächtliche Reisende bei dem knackenden Frost und bei der Räuber­gefahr eine große Ausnahme bilden, fo bitrfte man einen Besuch der Räuber selbst erwarten, die nicht nur in der Jurte übernachten, sondern auch -den reichen Wirt ausplündern wollten. Die Tür wurde aufgestohen, und drei wild aussehende Burschen mit ganz vereisten Bärten drangen in die Hütte, aber ehe sie noch zur Besinnung kamen, waren unter dem Ruf:Ruki wwerch!" (Hände hoch!) vier Flintenläufe aus sie gerichtet,

und bald darauf waren die Hände der Räuber gefesselt. Die Waffen wurden ihnen abgenommen und die Taschen nach Geld untersucht. Nun aber begann sich bei den Verfolgern doch allmählich ein kollegiales Fühlen bemerkbar zu machen, zumal es sich scheinbar um Mutige Anfänger handelte, die an gar keinen Widerstand dachten. Man entledigte sie bald wieder der Fesseln, bewirtete sie mit Schnaps, damit sie sich erwärmten, und gab ihnen gute Lehren, wie ein richtiger Räuber handeln müsse. Nach einer zweiten Flasche Schnaps sah man in freundschaftlicher Unter­haltung zusammen, und es wurde beschlossen, die drei Burschen am andern Morgen unter der Bedingung, -daß sie sich für ihre Taten entweder einen andern Bezirk auswählten oder wieder zur Arbeit nach Tscheremchowo zurückkehrten, laufen zu lassen, und da das Wort eines Räubers in Si­birien als das eines Genleman gilt, so war man sicher, daß Balaganfk durch keine weiteren Uebersäll« mehr berunruhigt würde. Mit Morgen­grauen trennten sich di« Räuber und Verfolger unter dem breiten Lächeln der Burjaten als Freunde.

Wie lange kann der Mensch Wachen?

Von Professor Dr. Franz Schütz, Berlin.

Wachen und Schlafen beherrschen das Leben des Menschen in ewigem Wechsel, Arbeit und Ruhe, Ermüdung und Erholung folgen einander wie die Wellen von Ebbe und Flut. Das Wachen führt automatisch den Schlaf herbei, und wiederum ist der Schlaf die Borbedingung für bas Wachsein. Alle Lebensprozesse des Menschen sind daher den Gesetzen des Schlafes und des Wachens unterworfen; diese sind nicht die gleichen, erst beide zu­sammen formen vielmehr das Lebensbild jedes einzelnen. Es lag in der Natur der Sache, daß alle Erscheinungen, die beim Wachen des Menschen beobachtet wurden, der wissenschaftlichen Deutung eher und leichter ver­ständlich wurden als diejenigen Dinge, die den Schlaf ausmachen: Phan­tasie und Mystik haben feit altersher den Schlaf mit dem Mantel des Geheimnisvollen umwoben. Warum schläft der Mensch? Warum kann er nicht immer wachen, warum verliert er von seinem Leben mehr als ein Drittel durch den Schlaf?

Das erste Erwachen des Menschen geschieht, wenn er geboren wird. Mit einem Schrei begrüßt der neue Weltbürger das Licht und die Atmosphäre dieser Wett. Bald aber versinkt er wieder in Schlaf. Nur drei Stunden am Tage ist er wach. Nach einem halben Jahre sind es erst vier Stunden, nach weiteren zwei Jahren bleibt er zehn'Stunden am Tage wach, und nun wird sein Schlafbedürfnis in langsamerem aber stetem Zuge ständig kleiner. Der Schulrekrut braucht noch elf Stunden Schlaf, der Vierzehnjährige nur noch neun. Bei den Erwachsenen erfordert der Schlaf acht Stunden des Tages gebieterisch für sich. Nur gegen Ende des Lebens, beim Greife, sinkt diese Zeitspanne auf sieben Stunden und noch weniger herab.

Alle physischen und psychischen Lebenserscheinungen des Menschen find im Schlaf verändert. Das Herz fchlägt langsamer und schwächer, die Atmung wird ruhiger und tiefer, die meisten Drüsen schränken ihre Sekre­tton ein, die Muskeln erschlaffen, alle Nerven- und Hirnfunktionen sinken bis zum Verlöschen des Bewußtseins. Die Tätigkeit der Sinn« verschwindet, so daß im Schlaf -die Verbindung mit der Außenwelt nahezu vollkommen unterbrochen ist, und alle Reflexe, die sich im wachen Zustande in rascher Wechselwirkung auf die Veränderung der Umwelt einstellen, verlöschen.

Und doch besteht das Leben fort, es ist nicht erloschen, sondern nur auf ein Mindestmaß an Intensität zurückgeführt. Das zeigt 'das Fortbestehen der Atmung, das schlagende Herz, das zeigen die Träum«, bi« uns im Schlafe umgaukeln. Aber der Schlaf ist noch mehr als ein herabgesetztes Watten aller Lebensäußerungen. Wenn wir annehmen, daß jede Tättgkeit im Wachen verbunden ist mit einer Anhäufung von Ermüdungsstoffen im Körper, fo ist es ein eigenartiges Gesetz, daß nur der Schlaf diese Stoffe beseitigen kann; nur durch den Schlaf wird der Mensch wieder fähig zum Wachen, znm Ärbeiten.

Noch weitere Faktoren außer der Ermüdung begünstigen das Auftreten des Schlafes. Dies sind einmal das Ausschatten von äußeren Reizen, di« die Sinne treffen, Gehör, Gesicht, Geruch, Gefühl usw. und weiter gewisse psychische Vorstellungen, die den Schlaf herbeiwünschen, das Gefühl der Beruhigung, des Losgelöstseins von Gedanken und Sorgen, Aufregungen, freudigen ober ängstlichen Erwartungen. Es ist also auf jeden Fall ein gewisser Wille zum Schlaf, -der mitbestlmmend ist für das Eintreten dieses Zustandes, von dem wir wissen, daß er Erholung bedeutet und neue Frische gibt.

Die Beantwortung der Frage, wie lange ein Mensch wachen kann, wird da-h«r von einer Reihe vom Faktoren abhängen. Rein automatisch wird sich der Schlaf von selbst normalerweise bei jedem Menschen ein­stellen, wenn bas Bedürfnis dazu, das durch den täglichen Rhythmus von Arbeit und Ruhe bedingt wird, seine Befriedigung verlangt. Wille und Energie tönen den Schlaf vertteiben, aber auch nur bis zu einem gewissen Grade. Wemi jemand längere Zeit am Schlafe verhindert wird, fo treten sehr bedeutende, sowohl geistige wie körperliche Störungen auf. Das kann man auch an Zieren beobachten. So starben Hunde, wenn man sie am Schlafen verhinderte, nach fünf Tagen, einige hielten es länger aus bis zu 22 Tagen. Vom Menschen kann man annehmen, daß er im allgemeinen unter Aufbietung äußerster Willensanstrengung kaum länger als vier Tage ohne Schlaf zu fein vermag. Diese Erkenntnis war wohl auch früher schon bekannt und wurde gelegentlich zu besonderen Zwecken in höchst grausamer Weise nutzbar gemacht. Die Fähigkeit zmn Wachen ist ganz sicherlich sehr verschieden stark bei den einzelnen Menschen ausgeprägt. Das wechselnd starke Schlafbedüfnis in den einzelnen Lebensaltern erwähnten wir schon oben. Es ist abhängig von der geistigen und körperlichen Arbeit und von der Konstitution des Betreffenden, die nicht feiten auch durch gewiss« Drüsen mit sogenannter innerer Sekretton in Mitleidenschaft gezogen wird. Bekannt ist außerdem die schnelle Erschlaffung in der Arbeit und das ge­steigerte Bedürfnis nach Schlaf beim Neurastheniker. Starke Muskeltattg- keit besonders an frischer Luft, befördert das Schlafbedürfnis. Man kenni Zustände von überlangem Wachsein bei gewissen Krankheiten, besonders nervöser Natur. Aber auch all« Faktoren, von denen wir oben gesehen