Ausgabe 
12.3.1927
 
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bet vorn ausgeprägt das BW einer Sphinx tragt. Peter starb unter dem Zeichen der Sphinx, wie er heunatMS und oeroeifen kämpfte unter dein fremden WaMpruch: ..Valeur etdisci- püne Tapferkeit uiü) Mannszucht. Nichts steht hier geschrieben von Ehre und Vaterland: _ . .

Es sind Fremdenlegionäre, die vor der Stirn das Bild der Sphinx trugen. Am Eingang liegt hinter dem grohen Holzkreiy ein MasseN'- grab Zwei Fuß über den rundlaufenden Pfad ist die Erde angehoht. An deni Schmalende ist eine Grube. Man grub das Grab zu groß, denn der Tod war großmütig und ging davon, bevor es gefüllt war. Am Rande stecken in Abständen von einem halben Schritt Holz­pflöcke in der Erde. Auf jedenl einzelnen ist ein Schildchen aus Blech oder Blei festgenagelt. Meist sind es Erkennungsmarken. Regiment, Rame und Heimat sagen, daß hier Bayern liegen. Wieviel? Zwei, hundert etwa in dem einen Grab.

And von jedem Pflock, auf den ein Ramenschildchen genagelt ist, geht ein Draht in die Erde und ist unten dem Soldaten um das Handgelenk gebunden, ihm, dem einst der Rame war, der hier oben noch geschrieben steht. Zweihundert Drähte gehen in die Erde, fassen zweihundert Soldaten bei der Hand.

Lind wenn der Wind von Osten kommt, von Deutschland herüber, dann bringt er mit sich das Gedenken der Mütter, der Väter, der Frauen und Bräute. Leise klirrt dann das lose Ende des Drahtes an dem Pflock, trauernd und grüßend zittert die gedenkende Liebe hinein in die Erde bis dorthin, wo der Draht das Handgelenk des Soldaten umfaßt hält.

And dann geht der Wind weiter zu anderen Gräbern, deren es so viele gibt, dort drüben in dem Lande der Toten.

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Wer von Ornes und Bezonvaux kommend der Straße nach Süden folgt, sieht rechts in viele, von steilen Höhenriegeln eingedämmte Schluchten, ehe sich vor dem Vaux-Grund der letzte Hang erhebt, der Hardoumont. Einst zogen Rächt um Rächt Schattengestalten über diese Höhen, irrten in der vom Tode durchgeisterten Einsamkeit des leeren Landes umher und keuchten durch diese Schluchten, über denen die Vernichtung schwebte. So sie die Laune umwandelte, griff sie unter heißerem Schrillgelächter mit -eisenzackigen Krallen in die Tiefe verqualmter Schluchten: Dann fiel ein Mann.

Heute ist dieses Land verlassen, und nur die schwarzen Stollen­eingänge schauen wie erloschene Augen von Steilhängen und Hügeln. Wenn der Sommer darüber hinzieht, dann vermögen seine leben­bringenden Sonnentage nur Gras und dürftige Blümchen zu wecken: Daum mid Strauch fraß der Krieg, und es blieb nur Stein und Geröll.

Dort in der Hardoumont-Schlucht liegen einige Grüber. Kaum ein Sonnenstrahl dringt auf den steinigen Grund. Immer hausen: Schatten dort, denn steil streben die Hänge empor. Kein Kreuz kündet Ramen und Tag, da hier einem Mann sein Grab ward. Auf einem flachen Hügel steht ein Kochgeschirr; halb ist es in den Boden ge­drückt. Weder Rost noch Regen können an dem weißen, leichten Metall nagen und die Schrift verwischen, die tief eingeritzt den Ramen des Toten kündet.

Denn jener Mann grub einst in sein Kochgeschirr, wie es Soldatenbrauch, seinen Ramen. Run ward er ihm Grabschrift von eigener Hand.

Aus der Sisfonner Heide nahe dem Camp d Orleans ist ein Soldatenfriedhof. Flach, einsam und weit liegt das Land; dort ein Bahnhof ohne Schienen, hier eine Straße ohne Wagen, so ruhen sie verlassen und sinnlos inmitten. Rur wenn rot die Heide blüht, fliegen summend die Bienen darüber hin.

Ein Gedenkmal auf dem Totenfeld in der Heide von Sissonne aber überragt die niederen Kreuze in Schwarz und Weiß, und niemand vergißt es, der einmal davor stand. Ein Propeller, mit dem einen Ende in den Boden zementiert, strebt in die Luft. Zerfetzt und zerkaut wie von einem Riesenmaul trauert die obere Hälfte der Luftschraube.

Hier ruht der Königl. Preußische Hauptmann... steht aus dein glanzlackierten Holz geschrieben. Hoch in der Luft zerschoß man ihm die Seele feines Apparates; er mußte niedergehens er stürzte viel­leicht er starb. Aber der Propeller wächst wie ein Schwurfinger aus dem Grab und spricht:Wir taten viel, mein Hauptmann und ich, darum blieben wir zusammen vergeht uns nicht I" Aber einsam liegt das Fliegergrab in der Sissonner Heide.

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Ich ging zur Rächt über den Chemin des Dames, über Trucy, Ostet, Vailly. Der Mond schien hell und um die gestorbenen Stümpfe der zerrissenen Bäume spielten Nachttiere, Ratten, Kaninchen, wer weih was.

Änd ich sah viel Kreuze im Silberlicht schimmern, ich fiel in Granatlöcher, auf deren Grund ein Stock stand oder ein Seitengewehr mit einem Stahlhelm darauf. Da steht kein Wort geschrieben, da ist nicht zu lesen:Ein unbekannter deutscher Soldat". Zeichen des Toten ist nur ein Helm auf einem Stock oder auf einem zervosteten Seiten­gewehr. Als ich wieder hinaufkletterte, löste mein Fuß einen kleinen Stein von dem steilen Trichterrand. Der kugelte, rollte und klang dann helltönend gegen den Stahlhelm, den der Soldat, der nun darunterlag. getragen hatte im Leben und im Sterben. Kling... machte das, und es war wie ein Wort des Toten.

Und in der Ebene, die sich jenseits der Vesle weit hinüberzieht zur Marne nach Fere en Tardenois, da grüßte mich zwischen zwei Aeckern, auf denen schon wieder halbhoch und grün der Weizen stand, ein Fähnlein. Ich ging hinzu und fand, sauber eingezäunt, das Grab eines Alanen. Die Kreuzesinschrift war schon zerwaschen, nur eine Flasche, dick versiegelt, bewahrte einen Zettel, auf dem Wohl geschrieben steht, wie der Alan hieh, der dort liegt.

Zur Seite, fest in den Boden gesteckt, stand seine Lanze, und daran flatterte das Fähnchen genau so lustig und gestrafft im

-end, Seiler

Mittagswind wie einst Wohl, als die Ulanen durch ihr Städtchen ritten und zu den Mädchen in den Fenstern hinaufsahen. Als ich davonging, wehte das Fähnlein mir Abschied zu, lange noch sah ich über das grünende Korn zu ihm zurück.

Das war im Jahre 1919... ob das Fähnlein über dem Grabe des Ulanen wohl heute noch weht?

Le Cateau liegt ein ganzes Stück davon ab. Man mutz am Sambre-Oise-Kanal vom Dchleusenhäuschen von Tupigny aus eine kurze Strecke gehen, bis rechts ein schmaler Weg zur Höhe fuhrt. Dort ist im trockenen Sande ein Hügel gewesen, in den waren vi^ Gewehrstöcke wie ein Gerüst gesteckt, und darauf ruhte als Dach ein Stahlhelm. , . .

Auf dem flachen Kiesel aber, der wie ein Opferstem darunter­geschoben war, lag eine Brieftasche aus Zeltbahnbuch genaht. And darin die Briefe einer Mutter an ihren Sohn, den Kanonier. Kame­raden mögen sie dahingelegt haben, weil man sonst nichts janp bei dem Toten. Nachher hat man ihm ein Kreuz gesetzt und seinen Namen darauf geschrieben; die Briefe aber ließ man unter dem Stahlhelm auf dem Stein liegen.

Man dachte Wohl, es sei der Mutter am liebsten so Und wenn sie heute vielleicht auch vermodert sind, unter dem W'.nd.untrr dem Degen und Schnee, so sind die Briefe der Mutter doch bei dem Sohn geblieben, denn er liegt ja, von wenig Schollen bedeckt, gerade darunter.

Die Riederuiigen der Somme-Landschaft waren schon in den Zeiten, da der Krieg noch nicht über dieses Land dahingestampst, gar still und von einem leisen Hauch der Einsamfett ubeiweht. Um Kanal bei Manancourt lag ein hohes, altes Schloß. Von dort fuhrt ein Weg nach dem Wald von St. Pierre Daast. Aoer mir dar Name blieb denn das Trommelfeuer fraß die Däume und benschen und "Ä M?®« «Ma». » °->- *,* i«? die den Gesottenen in di- Erd- senkten, eine K-rt-ninsche g-noo-lt, und unter dem Marienglas ist eine Photographie Das Bild deßm , der hier in fremder Erde schläft. Da steht feine^aufrechte ^-^ltweck und klar blicken die Augeii, und doch ist ihr SäMiisa-rmlange erloschen. Das Bild dessen, der langst zu Staub Waid, steht auf dem Grab, als wolle es Wacht halten über dm, dessen Abglanz es ist. Dort sah ich ein Mädchen vorubergehen, das nach dem Kriege nur noch Trümmer fand, wo einst seine Heimat gewesen. Sie sah das BW auf dem Kreuz, sah den Mann und seine klaren, ruhigen Augen. Da strich sie sich zögernd über die Stirn, als wollte sie fragen: Wer war der Mann? *

Verloerenhoeck liegt in Flandern; doch der Rame der traurig trostlose, sagt uns mehr. Er spricht zu uns von den Vermigten.

!-n°--i> zahllos und ohne Ramen ruhen sie in Italien, in Außland, rst D u mänien, in Serbien, im Wüstensand von Suez bis ins ferne Afrika, und auch die Wellen aller Meere decken gar viele. Sie sind es, die nickt bearaben wurden, über deren bleiche Stirn Regen und Schließ Ken, Unwmand fand, und die zerfielen, bis der meßende Wind ihren Staub mit sich nahm: Der unbekannte Soldai.

And von ihnen singt Heinrich L e r s ch, der Dichter: Wenn die letzten Strahlen der sinkenden Sonne über das Kamp feld steigen aus Gräbern und Grüften die toten Soldaten heraus! au/ Gräbern in Wäldern und Schluchten, aus Grabern in^Hecke und stehn vor ihren Hügeln betend, der Heimat zugewandt.

auf fremder Erde."

Mutter WiKers.

Von Hans Friedrich Blunck.

Mutter Willers faltete den zerknitterten ^ief zusammen und strich rasch noch einmal mit unruhigen Fingern über den Rock. Dann rückte sie den Stuhl ans Fenster, barg das Papier unter der und blickte nachdenklich über die Elbe, die im Dammergrau uneiidlich dahinfloß, ohne Strand und ohne Marsch, als Ware sie ein Meer, das fern, fern, irgendwo ins dunkie Wolkenland uberstronite.

Der Brief knitterte ein wenig, sie dachte freudig erschreckt an das, was in ihm stand. 3a, ja, das war nun ,hr Letzter, der eingeschlagen | war. Er hatte ein gutes Schiff und einen guten Kapitän gehabt und I schrieb von seiner ersten Fahrt von Chile herüber.

Die alte Frau sah nachdenllich in die Dämmerung. Run war nur iwch das Mädchen da, das sich nicht besinnen konnte. wurde «3 daß sie ans Heiraten dachte. Zwanzig war sie und hatte wohl zu- greifen können, das eine oder das andere Mal. Aber die hatte von ihrem Vater das Leichte. Lustige, die wollte gern nut allen laufen und an jedem neuen Gesicht ihre Freude haben.

Mutter Willers wiegte leise den Kopf und nickte vor sich hm. Das heißt, da sollte nur mal der Richtige kommen und fest zufasfem Vielleickt Peter Petersen, der Kätner aus Dockendiel. Der brachte auch gleich ein, wovon die beiden leben konnten. Oder Lars 3ochrmsom der- auf Schiffer BruhnsAnne Marie als Bestmann fuhr. Oder Mutter Willers schüttelte den Kopf. Am allerliebsten hatte sie so einen, der genau wäre wie ihre Lungs, von denen wußte iie, was sie von ihnen halten sollte.

Gesa kam in die Stube und brachte die Lampe.

Hast abgeräumt?" , , ,

Das Mädchen nickte.Was hat Will, geschrieben?

Er kommt im Rovember zurück."