meine Pirsche. Die Sonne hatte ich im Rücken. Jedes Stück Wild in ' der Grassteppe zeichnete sich genau ab, so auch die Sttauße. Es waren ihrer fünf. Ein Lahn, männliche Strauße sind dunkler als die Weibchen, mußte ein alter vorsichtiger Herr mit trüben Erfahrungen fein, denn er äste nur wenig, und dann sehr hastig, äugte fest dauernd umher und tat überhaupt sehr wenig vertraut. Seine Vorsicht erschwerte natürlich mein Anpirschen. Dasniedere, spärliche Gebüsch, dievereinzeltstehendenBäume gaben herzlich schlechte Deckung. Ein Glück für mich war es, die Farbe meiner Bekleidung paßte sich dem Graugrün der Steppe an, ich mußte auf kurze Entfernung kaum zu erkennen gewesen sein. Ich vermied es nach Möglichkeit, in die Nähe des äsenden Schalenwildes zu kommen, konnte es aber doch nicht vermeiden, oft auf Schrittweite auf bereits ruhen- des Wild, das im hohen, dichten Gras lag, zu stoßen. Mein ausgestreckter Arm hätte es berühren können. Wenig nur erschrocken sprangen die Tiere auf, »erhofften nach einigen stummen Fluchten und äugten mehr erstaunt und verblüfft als voll Furcht demaufallenVierenkriechen- den Wesen nach, das an ihnen vorbeizog und ihnen nichts tat. Ein kleines Rudel Wafferböcke begleitete mich sogar voller Neugierde eine kurze Strecke, blieb dann in einem Laibkreis hinter mir stehen, und ttollte sich erst, als die Tiere Wind von mir bekamen. Günstig für meine Pirsche war, daß das Steppengras über meterhoch, ja zuweilenmanns- hoch stand, so daß ich ganze Sttecken gehend, wenn auch meistens gebückt, mich vorwärts bewegen konnte.
Die Strauße standen in freier Steppe. Ein einzelner Baum,, in dessen Stammnähe niederes Gebüsch wuchs, mußte auf Schußweite von den fünf Vögeln stehen. Zu dem wollte ich hin. Wieder hatte ich eine größere Strecke, bald kriechend, bald gebückt schreitend, hinter mir, verschnaufte etwas, hob mich vorsichtig hoch, um ftmschan zu halten, und merkte, daß alles Wild sich stetig in meiner Richtung sich drängte, sich also in Rudeln und Sprüngen mehr und mehr mir näherte. Auch die Strauße, die in Gesellschaft von Zebras waren, taten es. Ich mußte schleunigst weiter vor, mindestens bis zu der leichten Bodenwelle auf 200 Meter voraus, denn an der Stelle, an der ich mich befand, stand das Gras zu hoch, um einen Lleberblick zu haben und um einen guten Schuß anzubringen. Also weiter! Mit der nötigen Vorsicht »er- suchte ich mein Leil. Bald wurde der Graswuchs niedriger und spärlicher. Zwei Drittel des Weges hatte ich hinter mir, der Boden stieg allmählich an. Ich ruhte einen Augenblick in knieender Stellung, immer scharf auf das Wild und seine Bewegungen achtend. Da, plötzlich sehe ich einen merkwürdig flachen und schmalen Kopf auf langem Lais. Ich zerbiß einen Fluch. Die Sttauße, sie sind eher vor mir, als ich sie haben wollte. Der zweite, der dritte Kopf erscheint, danneineWeilenichts, dann zwei Köpfe auf einmal. Alle verschwinden für Augenblicke, sind wieder da, wieder weg, und fo ging es dauernd. Schnell drückte ich vor mir hohe Gräser herunter, um freies Schußfeld zu haben, rückte mich zurecht, Büchse kniend aufgelegt, und wartete. Offen gestanden, ich glaubte nicht zu Schuß zu kommen. Ungemein scharf äugen Strauße, und ich saß verzweifelt frei da. Ausgesprochen komisch war der.Anblick der plötzlich auftauchenden und ebenso verschwindenden Köpfe der Tiere, die jetzt auf höchstens 100 Meter vor mir fein mußten. In einem Augenblick, in dem ich einen letzten Blick auf das Schloß meines Karabiners warf, war ein Weibchen fast frei vor mir. Langsam kamen hinter ihm die anderen auf und standen, nur noch halbgedeckt von der Bodenwelle und dem Gras- mecr, auf dem sie zu schwimmen schienen, vor mir. Scharf zeichneten sie sich gegen den tiefblauen, flimmernden Simmel ab. Deutlich konnte ich die großen Augen der fünf Sttauße erkennen, die wie erstaunt am nackt erscheinenden Kopf die Umgebung absuchten. Jetzt — der eine Lahn trat einen Schritt vor — ich fühlte mich gefeiten, wenn auch nicht erkannt, jetzt mußte es knallen. Auf den Lalsansatz, der sich deutlich von der Brust abhob, fetzte ich die Kugel. Ich hörte ihren Anschlag, fekunden- lang schien der Strauß erstarrt, ein Zittern überlief ihn, bann brach er zusammen. Ich repetierte, um noch einen Schuß auf den zweiten Sahn anzubringen, hatte das Schloß im Augenblick zu weit zurückgerissen, es klemmte, und ehe ich den Karabiner soweit hatte, waren die vier anderen Großvögel in rasender Eile davon. Ein nachgeworfener Schuß ging
Öb der erlegte Strauß der alte, immer sichernde Scrr gewesen ist, weiß ich nicht zu sagen. Gute Federn hatte er. Sorgfältig löste ich alle, auch die kleineren von den Schwingen, band sie zusammen und nahm sie, wie auch den Schädel des Vogels, den ich erst mit vieler Mühe vom Salfe trennen konnte und den ich meiner Sammlung einverleiben wollte, mit zu meinem Falben, den ich ruhig grasend dort fand, wo ich ihn verlassen.
Monatelang sah ich keine Strauße wieder und dann in so weiter Ferne und unter Verhältnissen, die ein Ankommen und Erlegen unmöglich machten.
Einer der vielen arabischen Sänbler, fein Name ist mir entfallen, irgenbctn Ben Soundso, nahm das wohlvervackte Paket Federn mit zur nächsten Poststation. Er hat es wirklich aufgeliefert, und mein blondes, blauäugiges Mädel im Norden schrieb mir einen langen Dankesbrief, der mich ein halbes Jahr nach Erlegung „ihres" Straußes erreichte. --
Lichtrvirtschasl.
Von Dipl.-Jng. Mangold.
Lichtwirtschast — der Begriff ist bei uns heute noch jo gut mie gar nicht geläufig. Man betrachtet das Licht als eine mehr oder weniger felbstverftändliche Angelegenheit, etwa im Sinne der Zusammenstellung „Licht und Luft"; als ein Etwas ohne Seltenheitswert und Unterschiede: das Tageslicht, das ist ja ohne weiteres da, und, wenn's dunkel wird,
knipst oder, das gibt es ja heute auch noch, zündet man das
Licht an, und dann so gut oder so schlecht es eben geht, weiter feinen Geschäften nud sonstigen Obliegenheiten nachzukommen. Datz
vas alles nicht „So gut es eben geht", zu fein braucht, daß
man mit Vorbedacht und System für eine einwandfrei Tages- und Abendbeleuchtung sorgen kann und sorgen muß, well das Licht einer unserer wichtigsten Wirtschaftsfaktoren ist, dafiir hatte man bis letzt noch wenig Verständnis
Tatsächlich hängt aber der Ertrag unserer Arbeit sowie unsere ganze stimmungsmäßige Lebensatmosphäre im höchsten Matze davon ab, daß mir uns in einer Hellen Umgebung bewegen, die den Augen {einerlei Anstrengung durch Unklarkeit und schwarze Schatten und keine Behelligung durch Blendung ungeschickt angebrachter Lichtquellen zumutet. Die reiche üppige und blenbungsfreie Helligkeit übt einen anregenden, geradezu belebenden Einfluß auf eine bestechende Anziehung auf den Menschen aus. Jede Arbeit vollzieht sich rascher, fehlerfreier in einem zweckmäßig erhellten Raum, als in einem spärlich beleuchteten; ganz gleich, ob es sich um Fabrik-, Werkstatt- oder Bureauarbeit, um Handarbeit im häuslichen Kreise oder welche Arbeit immer handelt.
In Amerika, wo man mit kluger Wirtschastspraxis auch Wirischafts- iheorie, soweit sie der Praxis unmittelbar zustatten kommt, immer voran ist, ist man diesen Dingen' längst nachgegangen, und zuverlässige amerikanische Statistiken beweisen bei verbesserter Beleuchtung der Fabriken usw. eine Zunahme der Arbeitsleistung bis cä. 25 Proz. Desgleichen wurde dort praktisch festgestellt, welch ungemeinen Einfluß die Verbesserung der Schaufensterbeleuchtung auf den Besuch und den Umsatz der betreffenden Ladengeschäfte ausübte. Es zieht die Menschen eben ganz stark zum Licht, und diese Tatsache müßte der Kaufmann entsprechend auswerten; auch in der Häuslichkeit könnte durch die zweckmäßige, helle Beleuchtung ein viel höheres Maß von Wärme und Stimmung geschaffen werden, als dies heute gemeinhin der Fall ist. Was, um ein anderes Sagtet zu streifen, die Helligkeit bzw. ihr Gegenteil für die Straßen- und Verkehrssicherheit bedeutet, tun leider am besten unsere eigenen Straßen-, Unfalls- und Kriminalstatistiken dar, deren Ziffern mit der Verschlechterung unserer Beleuchtung in den letzten Jahren erschreckend in die Höhe, gingen.
Der so überaus wichtige Wirtschasts- und Lebensfaktor „Licht" verdiente es demgemäß, auch bei uns entsprechend in die Wirtschaftspraxis und Wirtschaftstheorie eingeordnet zu werden. Wir brauchen eine Licht- wirtschaft, die es sich angelegen fein läßt, die zweckmäßigsten Methoden zur günstigsten wirtschaftlichen Ausnutzung des Lichtes durch den Verbraucher herauszuarbeiten. Gleichviel, ob es sich um Tageslicht ober künstliches Licht handelt, es ist dafür Sorge zu tragen, daß möglichst reichliche Beleuchtung, unter dem Äuge genehmen Borausfetzungen, auf den Arbeitsplatz, die ausgestellten Waren, in den Aufenthaltsraum usw. gelangen.
Da ein großer Teil unseres Lebens sich nach Sonnenuntergang bzw. in der Dämmerung abspielt, und es auch schwieriger ist, mit künstlichem Licht die notwendigen Helligkeitsgrade zu erreichen als bei Tageslicht, wird die Bewirtschaftung des künstlichen Lichtes die umfassendere Aufgabe sein. Immerhin gilt es auch für das Tageslicht eine fystematische, sorgfältigere Zuleitung als die bisher üblichen zu erwägen; vor allem in dem einen oder anderen Falle Entscheidungen zu treffen, ob es richtiger, d. h. wirtschaftlicher ist, hier in den Tagesstungen für eine Verbesserung der Tageslichtzuführung zu sorgen, oder aber auch während des Tages mit entsprechendem künstlichem Licht nachzuhelfen.
Die Lichtwirtschaft ist, wenn auch ein üppiges, reiches Licht ein über das Materielle Herausgehendes, ästhetisches Material ist, wie der Name sagt, zunächst eine rein wirtschaftliche Angelegenheit, die sich in nüchternen Zahlen darstellen läßt. Was kostet eine Verbesserung der Beleuchtung bis zu dem erstrebenswerten Wirkungsgrad, der ein Höchstmaß der Arbeitsleistung gewährleistet (einschließlich der notwendigen Instandhaltung)? Wieviel beträgt ziffernmäßig der Mehrwert dieser bei günstiger Beleuchtung gesteigerten Produktion oder sonstigen Leistung gegenüber der bei ungenügender Beleuchtung erzielten? Rentiert sich demgemäß die Verbesserung der Beleuchtungsanlage? Diese Erwägungen sind entfdjei'benb. Eine Verbesserung der Beleuchtung wird sich voraussichtlich in jedem Falle rentieren, aber in jedem Einzelfalle werden sorgfältige, genaue Untersuchungen anzustellen sein. ...,
Den Lichtverständigen, Theoretikern und Praktikern, ,allt die Aufgabe zu, die verschiedenen Gebiete der Lichtwirtschast selbst entsprechend experimentell herauszuarbeiten und soweit als möglich zu popularisieren; den großen Lichtverbraucherkreisen gewisse Normen für die Beurteilung ihrer Beleuchtung an die Hand zu geben, sie ihre Beleuchtung mit einfachen Instrumenten messen zu lehren usw.
In Amerika werden, wie gesagt, diese Bestrebungen schon seit Jahren mit großem Nachdruck verfolgt und sind, dank ihrer durchschlagenden praktischen Erfolge, ungemein populär geworden. Der Amerikaner ist sich heute schon bewußt, was er dem „better light“ verdankt. Auch in England und Frankreich hat man bereits energisch die lichtwirtschaftliche Arbeit aufgenommen. Wir Deutschen haben solche Rationalisierung unserer Wirtschaft gewiß nicht weniger nötig als fremde Länder, um so mehr wäre auch für uns ein tatkräftiges Bemühen um die Lichtwirtschaft wünschenswert.
Das Domkind.
« Copyright bet Führer-Verlag, M -Gladbach.
Von Nikolaus Schwarzkopf.
(Fortsetzung.)
Die Dachdecker erschienen wieder, und da Paulus im Betts lag, brachten sie ihm den Hahn herein. Der Domdekan kam auch herzu, und nun kleidete die Mutter das Kind feiertägig an. Die Männer stellten den Hahn im Rundgang auf und setzten Paulus rittlings zwischen Schwanz und Hals. „Husch!" machte der geistliche Herr und klatschte in die Hände, „husch, husck!" Jedoch da fing das Domkind an zu schreien, weil es fürchten mutzte, der Hahn fliege fort mit ihm, und es lieh sich kaum beruhigen. Der Domdekan photographierte Hahn und Reiter, aber der Hahn machte ein besseres Gesicht als der Reiter, und dann wurde der Reiter sogleich wieder ins Bett gesteckt. _
Draußen sah nun das Domkind auch den König «aut stehen, und es rief ihn herein: er solle sich zu ihm setzen! Der Kapellmeister ergriff des Kindes Hand und sagte zur Mutter: „Aha, es geht wieder auf Weihnachten zu!" Denn immer um die Weihnachtstage war es mit dem Kind nicht ganz geheuer.


