Ausgabe 
11.1.1927
 
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Während ich dieses schreibe, sachlich, referierend, kühl bis ans Herz hinan, sehe ich etliche Kopse wackeln und suhle die Blicke, die mich zu überrennen suchen. Das hat er sich nachher eingebildet . . . das hat er sich nachher, im besten Glauben vielleicht, zusammengereimt! sagen Jte. Ao er hier ist gar nichts zusammengereimt oder konstruiert, ich habe nicht den geringsten Ehrgeiz, mich interessant zu machen, wenigstens nicht aus diese Weise, und sollte jemand 'm mir einen verkappten Spiritisten ver­muten, so dars er sich gesagt sein lassen, daß er irrt. Ich kann nur wieder an den Anfang anknüpfen: ich will keine Meinung haben, aus dem urein­fachen Grunde, weil ich glaube, daß eine zu haben nicht möglich ist. Schlicht breite ich Begebenheiten aus und tue das betont subjektiv, m der Absicht, keine Ueberlieserungen heranzuziehen, die durch Kettenerzahluiig zu Magazingeschichten aufgeschwollen find. Leise an die 'Grenze unseres Bewusstseins zu rühren: ist das gerade im Zeitalter des Radio jo un­sinnig? Wer denn würde mich vor 20 Jahren, als ich den ersten Traum

träumte, nicht einen Narren genannt haben, wenn ich seherisch versprochen hätte ihm die Oper dereinst ans Bett zu bringen? Wir können uns, bei Erörterung der seltsamen Vorgänge des Traumlebens so schwer gegen den Schauer im Rücken wehren, ich weiß! aber wollen wir uns nicht bewußt sein, daß dieses Erschauern ganz gewiß auch der Negerhauptling empfunden hat, als er zum erstenmal ein Grammophon horte?

Einmal, vor Jahren, erschoß ich mich im Traum, und unmittelbar darauf starb der mir Nächststehende. Bor wenigen Tagen hatsich d^er Vorgang wiederholt. Aus der Feder, die ich führe, tropft nicht die Gier nach Effekten, sondern ein stummes Nichtwissen.

StrautzenMgd in Ostafrika.

Von Curt Bloedorn.

Spätnachmittag. Ich hielt auf meinem Falben am-Rande der Stevve und schaute weit hinein in die Ebene, die, vom Gold des sin- fenben Tagesgestirns. übergossen, vor mir lag. Der Sonne Strahlen blendeten derart daß ich selbst mit meinem ausgezeichneten Glas nicht die sich lebhaft bewegenden schwarzen Flecke, da weit hinten, nn hohen Gras auf Art und 'Namen ansprechen konnte. Es ist immer argeriich kür einen Jäger, nicht ergründen zu können das, was er steht oder zu sehen glaubt WUd mußte es sein, was ich da im Glase hatte Sckstvarze waren es nicht, soviel stand fest, denn die großen Antilopenrudel, 3ehpaKrünge n»d das Kleinzeug, das da draußen aste, waren bei Annäherung Eingeborener unruhig geworden und flüchtig abgegangen. Büffel onn- ten es auch nicht sein, deren graue Färbung wirkt sticht so mtenstv dunkel im Sonnenschein, für Leierantilopen standen die sieh bewegenden, checke zu hochgestellt und warm zu kurz im Körperbau. Ich r »et alle mir bekannten Wildarten durch, es waren viele, doch ich kani nicht auf Vie richtige: an Strauße dachte ich nicht rm entferntesten. q«

Mit diesem Tag war ich mehr denn unzufrieden. Am frühen &ÄÄbÄttIÄ

S «Ä mol flüchtig geworden, wenn ich sie aufs neue anritt. rschopfantilopen. die ! im Aeberfluß^vorhanden waren, wollte ich nicht schießen, von diesem1

Jawohl, '10 geht es auch cinnial. Jagen kann man drüben alle ^age, I wo man will, aber ausgerechnet das erlegen, was man haben will, so etwas gibt es in den seltensten Fällen und auch mcht in der wildrerchen

meSn die' berüchtigten Fehlerquellen abzudämmen. Haupterfordernis lchien 'mir keiner Erzählung zu trauen. Man muß es also aus dem Willen, rrahr zu fein erklären, wenn hier lediglich von Selbstgetraumtem ge­wöhn wird wie sich'- an Hand genau geführter Tagebücher verfolgen läßt Mein Leben wähl kaum vierzig Jahre, war "der an äußeren und inneren Abenteuern überreich. Kurz vor meinem 17. Geburtstag hatte ich das erste Traumerlebnis. Ich schlief 'st der schwulen. Koieei^s Segel­schiffes auf der Reede eines westamerlkanischen Hafms. Die Bnefe aus her iieimai die ich empfangen hatte, strahlten Zufriedenheit. Nichts war, das mich hätte erregen können. In jener Nacht nun sah ich fernen Mngsten Bruder damals Sextaner, wie er, in fernem grauen Anzug, klitschnaß, kledttch dw^ände nach mir ausstreckte. Alles um ihn l-ernm war weiß; ich konnte dieses Weiße nicht erklären, legte ihm auch kein Gewicht bei. Uni so mehr erschreckte mich der Gesichtsausdruck, der äußerste Verzweif- luna Todesanast spiegelte. Ich erwachte; es war gegen 4 Uhr morgen^. DaMim mußten sie jetzt zwischen 10 und 11 Uhr vormittags haben, Sonn- NvmmMag und Z konnte ziemlich sicher sein, daß mein Bruder, der Feiertaqslangschläser, um diese Zeit noch tief in den warmen Federn lag. Dennoch trug ich das Traumbild lange mit mir herum, machte auch enw Cintraauna ins Tagebuch, schrieb aber merkwürdigerweise mcht- nach Hause Stürmische Fahrt über die Südsee ließ mich vergessen. In Ailstra- lien empfing ich, ein Vierteljahr später, einen Brief, in dem stand: Erwin sei mit knapper Not dem Tode entronnen, denn er sei beim Schlutschuh- lalisen (das Weiße!) in ein Eisloch geraten und nur mühsam heraus- gefischt worden. Datumsangaben fanden sich nicht. Nachfrage ergab, daß Tag und Stunde man beachte die Zeitdifferenz! mit meuter Ein­tragung genau Übereinstimmten. Auch erfuhr ich, daß Erwin, nachdem er | in warme Decken gepackt worden war, geäußert habe, er habe rm Augen­blick des Versinkens einenkomischen" Gedanken gehabt. Welchen. Nun, i Waldemar fahrt ums Kap Horn und kommt wieder, und icy muß hier ! in einem Teich ersaufen ...

Während jener fünf Jahre, die ich, ein ganz lunger Mensch, aus | schiffen und Kopraplantagen verbrachte, deutete nichts, über auch gut nichts darauf hin, daß sich mein Leben einmal andern wurde. Wunsch> und Vmsatz war: immer, immer diese Südsonne zu kosten, fr« »u i^n, heute hier und morgen dort. Ich konnte daher auch mit der wildesten Phantasie und gerade mit dieser keine Deutung sinden für einen anderen Traum, der mir wesentlich seltsamer scheint als der eben erzählte, zumal er nicht nur eine reale Erfüllung hatte, sondern sich zwischendurch m abgetoam beiter, vorausqesagter (form wiederholte. Niemals, außer in diesen beiden | ^rächten, habe'ich von meiner frühverstorbenen Mutter geträumt. Es war in Australien im Jahre 1906, als ich, nachts, fest schlafend, meine Mutter im Moraenkleid vor mir stehen sah. Sie schaute mich mir ihren Mauen Augen durchdringend an, zuckte mit keiner Wimper und sagte diese Worte Wenn du die zwei Dreien siehst, wird sich dem bitteres Leben zum Guten iveiiden. Aber achte auf! Du kannst alles verderben! Ich komme noch I einmal, zeitig genug, nm dich zu erinnern." Auch diesmal erwachre ich ; sofort nach dem Traum und schrieb die Satze, die mir deutlich m den Obren klangen bei grellem Mondenschein auf einen weihgefcheuerten Tisch Mchts konnte dunkler sein als dieser Ausspruch. Mein Leben war gar nicht bitter, es war schön. Und die zwei Dreien? Sehen sollte ich sie? Ich muß allerdings zugeben, daß ich die Bedeutung dieses Verbums erst erkannte, als es soweit war; einstweilen glaubte ich, Mm .um die Wende des 33. Lebensjahres sich etwas begeben werde. Aber nein. Der 33 Geburtstag kam, ging, und nichts ereignete sich. Das Dasein sedoch schmeckte längst bitter Man hatte den Kopf so voll, daß pur den Traum kein Platz darin war, und nur wenn man dann und mann, einmal die Tagebücher durchblätterte, stieg die Erinnerung, für Minuten, für Stunden vielleicht empor. Da, im Herbst 1924, also volle 18 Jahre spater, träumte ich in meiner Berliner Wohnung abermals dies: meine Muster stand vor mir, im Morgenkleid, mit festblickenden Augen, und ich, höre noch wie aefteni die Worte:Es ist Zeit! Denk an die zwei Dreien, Nichts weiter. Auch jetzt konnte ich mit den zwei Dreien nichts anfangen, konnte Jic in keine Beziehung bringen zu mir ober meiner Umwelt. In diesen -tagen hatte ich eine Freundin gebeten, eine neue Wohnung für mich zu juchen. Ich kannte die Fra» erst seit kurzem, nie hatte ich zu ihr von meinen Träumen gesprochen. Eines Mittags klingelte sie an, erklärt kurzerhand, daß sie gemietet habe, ich möge mich mit ihr treffen, ste wolle nur die Wohnung zeigen. Und dann stand ich vor dem Hause Nr.33, sah die zwei Dreien nie vorher hätte ich Nr. 33 gewohnt! Ich verharrte in Schweigen, aber es wuchs ein Trotz, der nicht zu bezähmen roar: m dieses Haus sollte ich nicht einziehen, nein, tausendmal nein! Den Mietvertrag löste ich, die Freundin sollte eine andere Wohnung besorgen. Nach acht Tagen stand ich wieder vor einem Hause Nr. 33, bin eingezogen und . . . was bann wurde, kann man nicht berichten, aber infolge eines sehr schweren Entschlusses, den ich in diesem Hause Nr. 33 faßte, trat wirklich eine vehemente Aenderung meines Lebens ein.

^eitund Langeweile! Was soll man da anderes beginnen, als lagen, auch

K einen leichten Galopp. Ich hatte chm die Ziigel freigeg^ben mochte SZZGWSL------ SS-ZSMM WSM--LS--W - MLSM-UMS 5!!2'L»»N''si7'X SXf jÄÄÄ;

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mich beneiden können."Herrgott ja, Kleine, dusollst Federn hab n, nur ist das nicht so einfach, Strauße zu. erlegen..So> dicke,wie aus etw I&säääFFSBs

ich nahm den Karabiner vom Rücken, fAtte das Magazin r» o 3