Ausgabe 
10.5.1927
 
Einzelbild herunterladen

gut

griffliche Begrenzung, schier Unaussprechliches sprachliche Formung. Zeigen dies schon die feinsinnigen kulturphilosophischen Wanderbücher Der Bodensee",(Sommertage am Bodensee",Reise und Einkehr", Städte und Schlösser") in ihrer unnachahmlichen Harmonie zwi-

Ben Geschichte und Landschaft, so leuchtet es doch am schönsten aus der nklen Tiefe seiner Geschichte. , .

Scholzens Lyrik wird für den, der nicht dieLiebe und damit die Empfangsmöglichkeit besitzt, stets ein Rätsel bleiben Zwar tritt immer bei diesemHineinhorchen in die Melancholie des Weltalls Gedankliches stark hervor; doch es erstickt nie die Poesie, deren berauschende Musikalität reilich im Gegensatz zu der eines Rilke oder George tief unter der Ober­fläche schwingt und das fernste, ober vielleicht tiefste Wesen der junge zum Klingen bringt. Eine bis zur Höchstleistung gesteigerte Intensität seelischen Tatfinnes erzeugt da notwendigerweise em kosmisches Gefühl, das sich bereits, freilich in nur wenigen Fällen, als starker Anreger be­wiesen hat. Schier unübertrefflich sind einige Rachtgedlchte, die wohl das schönste sind, was in dieser Art überhaupt unsere Literatur aufz«. nCigm Schnittpunkt von Raum und Zeit ruht das Schicksal und mit ihm seineVorform", der Zufall. Ihrer Deutung, schon in einigen Gedichten versucht, ist des Dichters episches Werk geweiht, das erft verhältnismäßig spät in zwei Novellenbänden und sogar jetzt erst in einem Roman der Welt vorgelegt wurde. Die TitelZwischenreich",Die Unwirklichen und der so geheimnisvoll klingende KiosternamePerpetua lassen bereits den Inhalt ahnen. Und doch dürste der, der etwa eine Sensation >n der Art Edgar Allan Poes erwarten sollte, gar bald enttäuscht sein; denn all dieser Okkultismus, diese Telepathie, dieses Hellsehen, das in den spracy- lich feingeschliffenen und ausgereiften Dichtungen gegenständlich wird, ist und bleibt nur Mittel zu dem Zweck«, die oft seltsam verschlungenen Lebensfäden zu entwirren, die geheimnisvollen Beziehungen von Menfch zu Mensch aufzudecken und fo aus der Synthese von tausend schier uner­klärlichen Zufälligkeiten eine Deutung des Daseins zu geben.

Daseinsdeutung in diesem höheren Sinne gibt vor allem aber das Drama, dessen freies Spiel und Gegenspiel der Dichter gleichfalls mjene räumlich und zeitlich gesteigerte und daher nur symbolhaft deutbare Wirklichkeit" verlegt. Steht er in dem frühen, mystisch umwehten Sa- qenbramaSer Besiegte" noch zweifelnd, fragend, so wird er bereits m der nächstenDer Gast" betitelten großartigen Totentanzdichtung ganz jenersymbolische Realist", wie er sich selber einmal nannte Dura; den Mund der Darstellerin der Zeit charakterisiert er diese seine Anschauung:

Symbol ist alles jener stillen Welt, in die ein Schein aus ird'schen Tagen wie Licht in Meerestiefen fällt, Wunder erleuchtend, die wir selber tragen.

Stofflich kompakter sindDer Jude von Konstanz" undMeroe"; sie zeigen in ihrer äußeren Struktur, wohl infolge der theoretischen Studien, Anklänge an Hebbel, finden innerlich jedoch kein rechtes Verhältnis mehr zu ihm. Darob von voreiligen Kritikern proklamierteRachsolgefch«ft widerlegten dieVertauschten Seelen", >-»« merkwürdigerweise als Gro- teste" bezeichnete, wirklich ernsthafte Komödie, d>« die indische Seelen- wanderungslehre im tiefsten und schönsten Sinne ^^'sch verwertet Heber das hübsche MarionettenstuckDoppelkops und die für Lnt Wicklung weniger wichtigen SchauspieleGefährliche Liebe unb ,,6emb schreitet der Dichter dann zur Hohe, die er nut dem ."emen mystischen Marien-MirakelspielDas Herzwunder" erreicht. Daneben steht, stofflich rroitt* nnm nnhprs aetDcnbct endlich das befanntefte SDrcunn2er Weil- lauf mit dem Schatten", das in seinem seltsamen Problemwirbel fast wie ein BekenmniErk wirkte Der 'Dichter als Hellseher unb Enthüller ge- lebtcfter Wirklichkeit! Das letzte Werk dieser ArtzDie gläserne Frau, kommt ihm nur menschlich, nicht mehr künstlerisch gleich.

Doch zu welchem Ergebnis so werden jetzt wohl manche fragen führt des DichtersLebensbedeutung", um derentwillen er solch «msame Weae aebt die Zeit zu brechen und den Raum zu überwinden trachtet, N Zufall nachsKr? und dem Schicksal neue Ziele bietet? Es 'stda- qteidje, was er auch von uns, seinen Lesern, erlangt und verlangen muß Liebe! Und zwar Liebe, die vom Wechselstrom zwischen Mensch und Mensch fich steigert bis zu jener Kraft, die da die Welten bewegt und mit dem Odem des Lebens erfüllt.

öuftfa^rt in Wirtschaft und Politik.

Von Professor vr. E Everling, Berlin.

Luftfahrt ist not!" das ist fast schon zum abgegristenen Schlag­wort geworden; und doch ist es eine wirtschaftspolitische Wahrheit; si- zeichnet sich von Jahr zu Jahr klarer ab, sie drangt sich von Monat zu Monat immer weiteren Kreisen auf. Recht deutlich zeigt das die «Stimme des Volkes", die Presse. Luftfahrt ist not, denn sie fordert unsere K u l tur, nützt unserer Wirtschaft, stärkt unsere W e l t ge l t uno

Die uralte Sehnsucht der Menschheit, den Vögeln gleich in der Luft zu schweben, zu fliegen wie Dädalus, der griechische Ingenieur, und Wieland, der germanische Schmied, ist seit einem Viertestahrhundert Wahrheit g morden. Das Luftfahrzeug hat sich das Reich der Wolken erobert es b- herrscht die gesamte Kriegführung, es erringt sich emen Platz un Getnev des Verkehrs, es dient mancherlei Berufen, es stahlt die Jugend m b«r lichem Sport, es erobert sich auch das Herz des Volkes und gibt dem Denken und Dichten ungeahnte Nahrung: die dritte Dimension ist besieg, die Streitfrage:drunter durch oder drüber weg? hat einen neuen «mn erhalten; nie hat menschliche Technik Größeres errungen. Die Kulm, manche schon sterben sehen, $*st das Letzte, Größte erreicht!

Nein, es ist nicht nur dieZivilisation", was durch das psliegen ß fördert wurde, mag auch die Luftfahrt ein Kind der Techm. sein:. Umwälzung der Wirtschaft, die sich hier anbahnt, greift aufs tief! unser ganzes Leben ein. Freilich, jetzt erkennen wir's stückweise nu , wir müssen uns klar machen, was sich hier vorbereitet, welche Jia Luftfahrzeug schon in wenigen Jahren in Verkehr und Canonnr i für Handel und Geldwesen spielen kann, wie wir den Orgamsmu

Wilhelm von Scholz.

Von Alexander B a l d u s.

Im Dämmerlichte jener Grenzgebiete zwischen Wirklichkeit und Heber- Wirklichkeit, Raum und Unendlichkeit, Zeit und Ewigkeit, dort, wo der Verstand und all seine Objektivität ohnmächtig versagt, und nur noch rem subjektiv das Gefühl Wesenheiten zu erfassen vermag, hoch oben auf den höchsten Höhen liegt das Reich des Dichters Wilhelm von Scholz. Der Eingang ist wahrlich nicht leicht, und nur die Liebe, teuer geheim­nisvolle Wechselstrom von Mensch zu Mensch, vermag die Tore zu offnen und für ein objektives Verstehen die Wege zu bahnen. Da nun das Deffnen dieser Tore nicht nur von literarischer, sondern wett mehr noch von kultureller Bedeutung ist, so sei hier dieser Versuch unternommen.

Wilhelm von Scholz, sächsischem Blute entstammend, in Berlin ge­boren, aber erft am Bodensee heimisch geworden, ist eine durchaus singu­läre Erscheinung, wie sie wohl in keinen der noch so aufnahmefreudigen Karthotekkästen passen dürste. Hatte er sich einst mit seinem Programm, daßdie Phantasie Kern, Wesen, Quell« und damit die Wahrheit der Kunst" sei. in bewußten Gegensatz zu dem Naturalismus jener Tage ge­stellt, so lehnt er anderseits heute die immer noch revolutionierenden Expressionen unserer Jüngsten ab. Seine nach innen gerichtete Natur wäre am ehesten noch mit jenen mittelalterlichen Mystikern zu vergleichen, die auch der engbegrenzten Materie die Weite der Idee, der Passivität des Ich die Aktivität einer Persönlichkeit, der sinnlichen Formung des Lebens eine übersinnliche Deutung zu geben bereit waren. Heber sie hinweg aber greift er wenn er, vielleicht aus der Sehnsucht der Moderne heraus, den Zufallsbegriff im augenblicklichen Werden zu dem schicksalhaften Sem jener Kräfte erweitert, die da als Raum und Zeit für die Gestaltung des Menschenlebens von entscheidender Bedeutung sind.

Raum und Zeit! Für den Dichter bas höchste und zugleich tiefste Erlebnis, das in all feinen äußerlich noch so verschiedenen Werken immer wieder wach wird und Gestalt gewinnt. Das Zusammenfließen dieser beiden Pole im Helldunkel der Dämmerung gibt ihm allein Wesenhaftes, timt ihn allein Fernstes und Feinstes erfühlen. Hnendliches findet da be­

ste Familie in Berlin W, von der die Rede ist, wohnte in einem Etaqenhause und hatte vor nichts mehr Angst als vor einem Einbruch. Nie den Schlüssel abziehen nachts," sagte das Oderhaupi oft genug, stecken lassen, halb herumdrehen, bann kann nichts Schlimmes passieren.

" Leiber wies ber Schlüssel einen unbebeutenben Fehler auf, er war hobl So schob beim ber erste Einbrecher eine Dreikantfeile von außen n ben Schlüssel und schloß die Tür so leicht und leise auf, daß er n,e- Hianben im Schlaf störte und infolgedessen auch seinerseits beim Raub oer wundervollen Pelze und Mäntel nicht gestört wurde

Daraufhin orgte das Familienoberhaupt dafür, daß nicht nur ein nobernes Sicherheitsschloß, sondern auch ein höchst komplizierter und un- erftörbarer Kettenriegel vor die Tür gelegt wurde.

' Leider war die Tür aus Holz. So kaufte sich denn der zweite Ein­brecher ein halbes Pfund Schmierseife und eine gute Stichsage. Die Seife reßte er an die Tür, so daß die Säge beim Arbeiten gleichzeitig durch )olz und Seife glitt. Auf diese Weise gelang es ihm, nicht nur lautlos in Loch in die Türfüllung zu fügen und, mit der Hand hmburchgreifenb, kettenriegel und Sicherheitsschloß zu öffnen, sondern auch sämtliches aselsilber und den Schmuck, den die jüngste Tochter morgen zur Kon­fination bekommen sollte, von bannen zu führen.

Daraufhin wurde die Tür jeden Abend mit dem Bügelbrett, dem Werkzeugkasten, dem Küchenstuhl und dem Kuchenblech derart oerbarn« adiert, daß die ganze Einrichtung bei befa leisesten Versuch, der Tur twas, wo auch immer und wie auch immer, zu Leide zu tun, mit einem Leltuntergangsgepolter zusammenkrachte. Dies nannte bas Oberhaupt ine Alarmverrichtung. Sie funktionierte in ber Tat so vortrefflich, daß ie Familie jedesmal, wenn ein gewichtiger Mann nachts die Treppe affierte, aus dem Schlaf gedonnert wurde. .

Da das Oberhaupt aber nach einigen Wochen am Datterich, feme Ge­mahlin an periodischen Schreikrämpfen und seine drei Töchter an chro- üscher Hysterie litten, war es wirklich ein Glück zu nennen, daß der dritte Einbrecher, der an ber Fassade emporstieg und durch die Balkontür em- > rat, nicht nur bas handliche Geldschränkchen und die Wembrandsia,chen des Hausherrn, sondern auch bas Kuchenblech, ben Werkzeugkasten und das Bügelbrett an einem Vinbsaben seinem Komplizen in ben Hof hinabließ.

Um 5 Hhr, 7 Uhr, 9 Hhr: Der Weltkrieg. Im Kino. Man läßt sich dabei Likörbohnen auf der Zunge zergehen ober verspeist Käsestullen. Auf der Leinewand stürmen sie gerade einen Schützengraben und werden von Ekrasit zerfetzt.Interessant!... Gib mir noch eins, Lisa, mit Kirsch...

Aber das soll man bald in Tuntenhausen an der Tunte auch zu sehen bekommen Eine andere Sensation behält Berlin vorläufig für sich allem: eine riesige Halle, phantastisch bskoriert. Zu drei Vierteln nut Stühlen und Tischen bestellt, Cafö-Betrieb, Jazzmusik. Der übrige Raum em künst­liches Gebirge, wo man auf Sodaschnee, made in,England, Ski lauft unö rodelt. Ein großer und ein kleiner Sprunghügel. Der große erlaubt fünfzehn Meter Sprünge. Flache Hänge, steil« Hange^ Berge, -talcr. Valencia . . . tattata . . . tattata . . ." Abends bei Jupiterlicht: Ge­ländelaufen, Schauspringen, Hindernisrennen.Ober, ein Hals und Hals! Eintritt 1 Mark. Dem Sieger ein Saxophontusch. Black Bottom auf Skiern. Girls. Applaus. Beine. Der Radio-Lautsprecher:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre..." Ratschende Skier. Christiama. Umsprung. August . . . Auaugust ..." *

Das Palois des Reichspräsidenten. Rechts und links zwei Soldaten, breitbenig gestemmt. Mantel, Stahlhelm, Gewehr. Es ist, als ob bte nanze Wucht des deutschen Schicksals, als ob alle Sorge, Geheimnis und Hoffnung des Reiches hier zusammengedrangt wär«. Ein todernstes Sym­bol über ben Grimassen ber Stunde. Ein Mythos von Untergang und Trotz.

unzui Dazu Lufts kund, das vielle rigen

T bauer bie% oereit ein 5 der L wird.

N sagt, zu b( bauer ist u schrär roerti die F

D Luftsi Iunki vorge stung ten L auf i die j, Durck und ftens

D fahrt

Wir! volle 2

Fun wird wich chw ergi flr

Betr Platz es g< vom grüß * aber roani Es f. er fd gen verbi E

Scho rasch Arzt, oben Phar ange| wir stung Eröß A unb

Reise unb i berur Zehn v Köln

Ersai touri] für 3 lieber und ! hochn Schee Bei i gewit tem c daß e niebri

D schwä ' wie t Flug; Forst unter befän f Bode Abw, Pflar