oas direkte Sonnenlicht aber Vlendungserschelnungen Hervorrufen würde. Es kommt nicht |o auf ein Maximum von Licht, sondern auf ein Optimum an. Diese kurze Erwägung schon zeigt die geringe Bedeutung gewisser heutiger Baubestrebungen, Häuser ganz aus Glas zu propagieren, die sich unter dem alles deckenden Schutznamen des Modernen bergen. Da solche hinsichtlich des Kälte- und Wärmeschutzes ganz unerträgliche Bedingungen schaffen würden, die nur mit ausgedehnten und sehr kostspieligen Hilfsmitteln zu mildern wären, bliebe als einziger Vorteil das Maximum von Licht, das bei der überragenden Mehrheit der menschlichen Arbeitsvorgänge nicht nötig, ja unbequem oder lästig ist. Deshalb bringt man an den Fensteröffnungen eines Ateliers auch meist Vorhänge an, die gleich der Jrisblende eines photographischen Objektivs die jeweils günstigste Abblendung herbeiführen.
Bei Arbeitsvorgängen ganz im Freien, die mit grobem Material hantieren, wie etwa bei dem Beispiel des Bauplatzes, würde die künstliche Erzeugung mit der gleichen Lichtquaniität wie am Tage viel zu hohe Aufwendungen verursachen, die sich weder bezahlt machen, noch sich auch als erforderlich erweisen könnten. Dagegen liehe sich der beschränkte und abgeschlossene Jnnenraum einer Werkstätte schon eher unter die annähernd wiederholten Bedingungen des Tageslichtes setzen. Man müßte dann die Lichtquelle nicht im Raum, sondern vor dem Fenster anordnen und Vorrichtungen anbringen, die das Licht beim Passieren des Fensters zerstreuen. Dabei bliebe dieses in der gleichen Weise gerichtet wie am Tage. An sich ließen sich solche Einrichtungen wohl konstruieren, es wäre indessen die Frage, ob sie sich lohnen und den erheblichen Aufwand rechtfertigen würden. Jedenfalls muß die Aufgabe von Fall zu Fall untersucht werden. Eines der extremsten Beispiele liefert das heutige Filmatelier. Der darin ausgenommene Filmstreifen wird beim Beschauen des vorgeführten Bildes die Illusion des Vorganges im Tageslicht Hervorrusen. Tatsächlich aber stellt sich die Filmtechnik immer mehr auf Aufnahmen ganz bei künstlichem Licht ein. Das geht so weit, daß man die Filmateliers heute von vornherein ohne Fenster baut. Die Beleuchtungen der Objekts werden allerdings mit Mitteln hervorgebracht, die ein Optimum sür die photo- graphifche Platte herbeiführen, also möglichst viel photographisch wirksames Dicht erzeugen. Diese Beleuchtung hat indessen nichts mit dem natürlichen Beringungen unseres Auges zu tun, sondern wird im Gegenteil von diesem als schwer erträglich empfunden.
In den letzten Jahren hat unsere Beleuchtungstechnik sehr eifrig das Problem bearbeitet, mit Lichtquellen innerhalb des Raumes eins Beleuchtung zu erzielen, die dem Tageslicht nahekommt und dabei nach Mitteln gesucht, es nach Möglichkeit diffus zu machen. Wie weit sie damit überall auf dem richtigen Wege ist, sei dahingestellt. Man hat es zwar mit allerhand geschickt ersonnenen Vorrichtungen dahin gebracht, daß sich mit dem geringsten Kraftaufwand eine durchaus gleichartige Helligkeit im ganzen Raume ausbreitet; es inuß nur gefragt werden, wo und zu welchem Zweck eine solche gleichmäßige, alles auslösende Helligkeit wirklich erforderlich oder auch nur erwünscht ist. Es war hier schon einmal darauf hingewiesen, daß wir durch Fenster des geschlossenen Raumes das Licht gleichsam richten können. In noch viel stärkerem Maße läßt sich das aber auch mit künstlichen Lichtquellen erzielen, indem wir dieLicht- Verteilung auf Objekt und umgebenden Raum in ungleicher, aber sinngemäßer Weise verteilen. Hier lassen sich natürlich keine allgemeinen Richtlinien aufstellen, sondern der Arbeitsvorgang selbst muß die jeweiligen Richtlinien bestimmen. Wo eine vollständig gleichartige Beleuchtung des ganzen Raumes bis in den fernsten Winkel hinein ohne Schattenwirkung und ohne Betonung einzelner Objekte erwünscht ist, liefert die indirekte Beleuchtung, die die Lichtquelle vollständig abblendet und die Lichtstrahlen gegen die helle Decke wirft, geeignete Methoden. Nur ist sicherlich ihr Verwendungsgebiet weit geringer, als gewöhnlich angenommen wird. Auch wenn man die Tatsache übersehen kann, daß nur ein Bruchteil der auf- gewandten Lichtenergie zur tatsächlichen Ausnutzung kommt, während der weit erheblichere Teil verlorengeht, wird auf ein einzelnes Arbeitsobjekt verhältnismäßig wenig Licht konzentriert. Meine eigenen Versuchs in Zeichenwerkstätten erwiesen immer wieder, daß die Verwendung einer kleineren, aber aus die Zeichnung gerichteten Lichtsumme weit günstigere Verhältnisse für das Auge ergaben, wenn die Lichtquelle selbst gegen das Auge abgeblendet war. Auch rein wirtschaftlich ist diese letzte Methode die günstigere, da es bei dem herangezogenen Beispiel eines Zeichenbureaus gänzlich unmöglich ist, in die entfernten Ecken des Raumes die gleiche Lichtmenge zu richten wie auf das Zeichenblatt. Die Beleuchtung jenes Winkels braucht ja auch nicht ständig vor sich zu gehen, sondern kann jeweils eingeschaltet werden, wenn er wirklich gebraucht wird. Und hier kommen wir zu dem springenden Punkt der ganzen Frage: Man darf nicht übersehen, daß es eine große Menge menschlicher Betätigungsfelder gibt, die bei künstlichem und abgeblendetem Licht besser« Bedingungen finden, als bei hellem Tageslicht. Es ist dies eine Erfahrung, die sich vor allem bei unzähligen geistigen Arbeitern wiederholt, die alle mit Vorliebe die Abend- oder gar Nachtstunden benutzen. Die geistige Konzentration ist offenbar größer, wenn sich der Arbeitende ün einem Schreib- oder sonstigen Arbeitstisch befindet und nur seine Papiere oder sonstigen Objekte hell be- leiichtet vor sich, hat, der Raum aber im übrigen in Dunkelheit oder Dämmerung versinkt. Schon durch die Kontrastwirkung wird hierbei nur ein Bruchteil des Lichtauswandes erforderlich, um das Optimum der Helligkeit hervorzubringen, während jede weitere geistige Ablenkung durch das Auge wegfällt. Aehnliches gilt für viele mechanische Arbeiten, bei denen sich die Beschäftigung allein auf den Einzelgegenstand richtet, während die weitere Umgebung vernachlässigt oder ausgeschaltet werden kann.
In gleichem Grade gelten diese Beobachtungen aber auch für die rein familiären oder geselligen Gebiete. Für das trauliche abendliche Zusammensein eines Kreises beim Essen, beim Lesen, Plaudern, Handarbeiten, und was dergleichen mehr ist, gibt es keine ungünstigere Beleuchtung, als eine helle, unabgeblendets Mittelbeleuchtung des Raumes, die unbarmherzig ihre Strahlen überall gleichmäßig versendet, oder gar die gänzlich diffuse Beleuchtung. Der besondere Reiz der abendlichen Stunden wird dadurch in keiner Weise ausgenutzt, und die Mittel, wie sie besonders die elektrische Beleuchtung in so reichen Grade darbietet, unnütz
vertan. Denn gerade das gänzlich gesahrlose elektrische Licht läßt sich in vfel mannigfaltigerer Weise abblenden und dämpfen, als es mit einer offen brennenden Flamme der Fäll ist. Es ist hier nicht der Raum oder die Aufgabe, die Methode einzeln auszuführen. Nur kurz sei darauf hingedeutet, daß die mit einem großen L>chirm versehene Hängelampe über dem Eßtisch, dem Familientisch, die auf dem Tisch oder auch aus dem Boden stehende hohe Stehlampe nie und nimmer durch den Kronleuchter oder sonstige offene Mittelbeleuchtung ersetzt werden kann. Cs gibt selbstverständlich festliche oder sonstige Gelegenheiten, in denen die direkte (oder indirekte) Belichtung des ganzen Raumes notwendig wird, nur sind beide Vorgänge in keiner Weise gleichzusetzen oder gar zu vertauschen.
Wie es heute eine rationell durchdacht Wärmewirtschast gibt, so versucht man heute vielfach auch die Lichtwirtschaft unter gleichen Gesichtspunkten zu bearbeiten. Die sich ständig verbessernden Konstruktionen der elektrisck)en Lichttechnik eröffnen ein reiches Gebiet, das sicherlich immer mehr in erfolgreichster Weise erschlossen wird. Andererseits kann man sich aber auch hie und da nicht der Beobachtung verschließen, daß viele an sich ganz einfache Aufgaben mit großem Aufwand erst kompliziert gemacht werden, ohne daß die Lösung eine tatsächliche Verbesserung bringt. Ost werden sogar durch Unkenntnis oder Verkennung der tatsächlichen Bedingungen wesentliche Verschlechterungen erzielt, wenn, wie heute so häufig, der Wunsch, von dem natürlich Gegebenen um jeden Preis abzu- weichen, größer ist als der, der Sache zu dienen.
Ontje Arps.
Erzählung von Manfred Hausmann.
(Fortsetzung.)
Als sie ihre Milch getrunken hatten, rannten sie durch den Obstgarten nach der Burg, alle fünf. Fünf? Ja, leider waren auch die Kreyenhops an diesem Sonntag auf Weyerhorst zu Gaste. Die Alten schlenderten in die Bibliothek und beredeten dies und das. Nebelfetzen trieben ums Haus. Herr von Kreyenhop meinte, gegen Abend würde Regen kommen, Höm, höm, es ging wieder einmal mit Macht auf den Wmter los. Was war das Leben?
Die Damen fanden es am Kamin ganz behaglich.
„Stöcke her!" schrien Richard und Ludolf, die heute ihren wilden Tag hatten. Sie saßen als die ersten in der Burg. „Wir sind drin! Ihr könnt ja die Schanze nehmen und uns belagern! Wo sind denn die Stöcke, verdammt noch einmal!"
Gut, Hinnerk legte sich hinter die Schanze. Wie einerlei es doch war, wer die Burg hatte! Der Nachmittag war verpfuscht. Er hatte sich darauf gefreut, mit Ontje ein wenig an der Burg zu bauen, im Boot auf der Northe zu träumen und hernach auf dem Puppentheater die Pfalzgräfin Genoveva mit Kerzenbeleuchtung und Spieluhr erscheinen zu lassen. Statt dessen gab es jetzt Geschrei und Getrampel. Pfui Teufel!
„Ich kann nichts dazu," sagte er leise zu Ontje, „ich hätte gleich auf- weinen mögen, wie ich sie den Pappelweg herkutschieren sah."
Ontje gab den Tag keineswegs verloren. Vorhin bei der Milch war er freilich verzagt gewesen, als das wabblige Tortenstück beim besten Willen nicht auf seinen Teller wollte. Melusine hatte vor Lachen von ihrem Stuhl aufstchen müssen, und sogar Hinnerk hatte mit den Augen gezwinkert. Aber jetzt!
O jetzt! Aufs Kriegsführen verstand er sich besser als aufs Balancieren von Tortenftücken. Wartet nur! Ueberdies sollte er sich Seite an Seite mit Hinnerk ins Gefecht werfen. Ein verlorener Tag? Es war gar nicht auszudenken, wie herrlich alles noch werden konnte!
„Jetzt müssen wir sie erst einmal aus der Burg rausschmeihen, und dann verhauen wir sie, und dann brennen wir ihnen durch. Ihr habt hier ja allerlei Rohr und Gebüsch und so, da machen wir uns ein Versteck mit richtigem Wasser drumherum."
Melusine beschloß, dem Getriebe fürs erste von weitem zuzusehen. Sie hatte einen pelzbesetzten Mantel an und ein weißes Spazierstöckchen in der Hand.
Gegen den Obstgarten hin rauschten ein paar mächtige Kappeln, auf der andern Seite nahm die dunstig« Ebene mit einem hohen Schilfwald ihren Anfang.
„Im November wird die Brakhuder Schleuse aufgemacht," sagte Hinnerk, „bann ist hier alles überschwemmt."
„Und wenn ihr mal hinüber wollt?"
„Das geht nicht, oder wir müssen ein Boot nehmen. Aber das Wasser friert ja bald zu. Wir können alle jchlittschuhlaufen."
„Nun gut."
Der Spielplatz schob sich wie eine kleine Halbinsel in das Röhricht hinein. In der Mitte hatte Hinnerk seine Burg angelegt; ein runder Erd wall, ringsherum ein Graben, darüber ein Kiftendeckel als Zugbrücke. Richard zog ihn hoch und verrammelte den Eingang.
Die Schanze war neben einem Weidenknorren dicht am Schilf aufgeworfen.
Ein schmutziges Taschentuch schwingend und einen Apfel benagend, kam Ludolf herbei und wollte die Stöcke holen. Drei waren noch da, Ontje brach sich aus den Weidenknorren einen neuen. Cs konnte losgehen.
Bums, da ging es schon los! Ludols schoß den Rest seines Apsels Hinnerk an den Kopf, Richard warf Erdklumpen hinterher. Da blieb Ontje nicht faul mit meisterlichen Granaten und Kartätschen, und auch Hinnerk eröffnete ein schwaches Bombardement. Viel Schade wurde nicht angerichtet, Wall und Schanze boten gute Deckung. Der Wind wühlte sich in die Pappeln, Blätter trillerten durch die Luft, das SchUf


