Ausgabe 
8.3.1927
 
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Werken.

seinen

Errechnete Ziere.

Lvn Dr. Walter Dammer, Leipzig.

den Kräfte erkannte.

Zum Schönsten, was Haider je gemalt hat, gehören zwei aus dem Glück der Liebe entstandene Bilder, dieBlumemviefe" (1873) und das Porträt feiner ersten Frau" Katharina Haider, geborene Brügger (1875), sowie das ganz groß gesehene, packend einfacheSelbstbildnis von 1875. Und die 'Blumenwiese hat er, der sich so streng an die Natur zu halten pflegte, ganz aus der Borstellung gemalt; zu einem Hohenlied des Glückes ist dieses Bild geworden, von einer Wahrheit höherer Art als alle nur durch die Sinne vermittelte Wirklichkeit. Es folgten in den nächsten Jahren eine Reihe herrlicher Werke, darunter das in der üarbe besonders reizvolle BildnisElise Greinwald" (1877). dieBirken am Bach" (1877), die ZeichnungDer Jäger Berger" (1878) und der viel­leicht am bekanntesten1 gewordeneNeue Stutzen" (1880).

Die glückliche erste Che, aus der zwei Söhne stammen, wahrte nicht lange. Schon 1882 verlor Haider seine Frau Kathrin durch den Tod. In seiner Erschütterung fand er Trost bei dem Mann, der ihm bis an das eigene Lebensende der treueste, aufopferndste Freund bleiben sollte. Das war August Pauly, der Zoolog und Philosoph. Sem Ver­ständnis und lebendiges Gefühl für die Kunst, fein lebenbejahendes Tem­perament haben dem schwer Ringenden noch manche Klippe überwinden helfen. Und der Trost, den Haider damals in feinem Schaffen suchte, dieErhebung über das Schicksal", fand Ausdruck in einem Bild von ungewöhnlicher Gröhe:Die Moni" (1883). Wenig hat die deutsche Kunst diesem Bild zur Seite zu stellen. Gleichwohl durfte eszu einer Zeit, da Seibis Arbeiten schon als Nationalgut betrachtet und deren

) Gruft Haider: Karl Haider. Leben und Werk eines süd­deutschen Malers. Mit 90 Bildern. Dr. Benno Fiiser, Verlag G. m. b. H., Auasbura 1926.

Vor lauter Lauschen...

Von Rainer Maria Rilke.

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still, du mein tieftiefes Leben;

daß du weiht, was der Wind dir will, eh' noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach, lah deine Sinne besiegen.

Jedem Hauche gib dich, gib nach, er wird dich lieben und wiegen. Und dann, meine Seele, sei weit, sei weit, dah dir das Leben gelinge, breite dich wie ein Feierkleid über die sinnenden Dinge.

Wilhelm Leibl, Hans Thoma, so umschreiben wir klarer, wie

neben ihnen steht: Karl Haider.

Jur rechten Stunde erscheint da ein Buch, welches bas ~eben und Schaffen des süddeutschen Meisters in eindrucksvoller textlicher Darstel- hma unb einer großen Zahl sorgfältiger Bildwiedergaben schildert ). Ernst 5)aider heiht der Verfasser, und ein großes Wagnis wird uns offenbar: Karl Haiders, jüngster Sohn, selbst em Maler von Eigenart und ernstem Streben, wurde hier zum Biographen seines Vaters. Kem Kunstschriftsteller wenn wir von der 1910 erschienenen, von Fer­dinand Ävenarius eingeleiteten Haidermappe absehen hatte bisher nach diesem großen Gegenstand gegriffen. Wie tragische Ironie mutet es uns an, wenn wir an den Ausruf jenes modernen Kunst- ünqers denken:Nun habe ich der Welt schon fünf Vorsatzpapiere und -wel Exlibris geschenkt, und trotzdem hat man erst drei Monographien Übei mich geschrieben!" Daß es dem Lebenswerk von Karl Hacher so ganz anders erging, das spricht eine beredte Sprache; doch dieses Werk konnte seine Stunde erwarten. Als unvergängliches Kulturgut der deut­schen Nation (begriffe diese Nation doch endlich, welche Schatze sie be= fißt!) liegt es heute ausgebreitet vor uns, vermittelt durch eine glückliche Einheit von Sohnesliebe und künstlerischem Urteil, so dah jene nie zum blinden Anbeten, dieses nie zur kalt verstandesmäßigen Analyse wirb.

Der Besitz von inhaltsreichen Briefen, die Kenntnis feiner künstleri­schen Absichten und meine innere Vorstellung des Menschen haben nur Lust gemacht zu dem Versuch, die ehemals lebendige Einheit von Menjch und Werk in einem Buche festzuhalten", heißt es im Vorwort. Und wenn wir sagen können, daß dieser Versuch gelungen ist, was hatten wir zum Lob des Buches noch hinzuzufügen?

Karl Haider ist geboren zu Neuhaufen bei München nm 6. Februar 1846 als Sohn des König!. Hofjägers und Jagdzeichners Max Haider und feiner Frau Therefe, geborene Fühler. Die liebenswürdige, aus Phantasie und scharfer Raturbeobachtung schöpfende Kunst des Vaters wurde ihm zur ersten Anregung, der Vater selbst zum frühen Lehr- meisier im unmittelbaren Schauen. Einige «Studien aus diesen Knaben­jahren find be fer als alles, was er später an der Schule nach Gips und Vorlagen zeichnen mußte. Zum Kunstjünger nach dem Herzen eines abgestandenen Akademieprofessors ist Haider nie geworden: die alten Meister und die Natur, die Meisterin aller Meister, wiesen ihm sicherer seinen großen, schweren Weg. Selbst der Widerstand des Vaters der ihn zum Chorsänger ausbilden lassen wollte, muhte nut zähem Willen überwunden werden. Erst das Bild derim Gebetbuch lesenden alten Frau", 1869 aus derInternationalen" zu München ausgestellt, vom Publikum nicht verstanden, von der Kritik totgeschwiegen, machte solchen Eindruck auf den Alten, daß er der Berufswahl feines Sohnes zu- ftimmte. Und bald darauf, 1871, entstand das BildMädchen unterm Blütenbaum", das Wilhelm Leibl immer wieder mit einemförmlichen Katzenjammer" betrachtete, weilihn Haider so übertroffen habe .

In die Zeit des jungen Malers Haider fällt der Siegeszug des französischen Realismus; der Name Gustave C o u r b e t leuchtet auf, immer mehr deutsche Maler zieht es nach Belgien und Paris Doch auch in Deutschland hat das neue Sehen, unabhängig von der Barbi- zoner Schule, seine Wiege. Karl Haider ist niemals irgendwelchen Ein­flüssen, die nicht seinem Wesen und seinem Volkstum entsprungen wären, verfallen. Und fein Freund Hans Thoma konnte von sich lagen: Ich habe meine Malere! an Courbet bestätigt gefunden. Der Kreis der jungen, aufstrebenden Malerpersönlichkeiten, die sich damals zu- sammenscharten, wird gewöhnlich als derLeiblkreis" bezeichnet; rich­tiger führte er feinen Namen nach dem allzufrüh verstorbenen Viktor Müller. Diesem Kreise gehörte auch Adolf Bay ersdo rs er, der Theoretiker und Kunsthistoriker, an, der feinsinnige Mann mit dem schar­fen Urteil, der als erster die Bedeutung der hier sich nn das Licht ringen-

Einer der größten Triumphe der Astronomie war k^annllich die Entdeckung des Neptuns, welche aus Grund theore ifcher E Wägungen und Berechnungen an der vorausgesagten Stelleerfolg Seitdem nämlich Herschel 1781 den Uranus ausgesunden hatt^ bemühte man sich vergeblich, die beobachteten Abweichungen dessen Bahn zu erklären. 1846 kam nun der Mathematiker Leve

Ausfuhr nach Möglichkeit verhindert wurde, ruhig in die «chweiz ver­kauft werden". Dem Künstler aber brachte es auf der Ausstellung mi Glaspalast 1883 keineswegs den Erfolg, den man hatte erwarten dür­fen. Im Gegenteil, es scheint geradezu seine schwerste Zeit einzulelten. Rot Und Verkennung aber können ihn nicht brechen, ob er sie auch Jahr­zehnte hindurch zu tragen hat. Im engen Bunde nut der Natur, von allem Großen >n der Musik und Dichtung erfüllt, alles Niedere stumm verachtend, wird er zum Maler der oberbayerischen Lanbjchast, zum Ver­künder ihrer Anmut wie ihrer Gröhe. Die Leutstetiener Friih ing^- landschaft" (1893), dieGautinger Vorjruhlingslandschaft (1894),Heber allen Wipfeln ist Ruh" in vier verschiedenen «Mngm(Zwstchen$18.6 unb 1912), dieHerbstlandschast nut dem Felsblock (1898), dieGroße Gewitterlandschaft" (1899) und dieWörnsmuhler Strahlenlandjcha,t (1899) herausgegriffene Namen find es nur, jeher einen Hymn nennend, der unvergänglich die Heimat preist.

Anregungen, die aus den ihm wefensverwandten Schöpfungen der menschlichen Kultur stammen, ließen dieHeilige Familie (1899), den Charon" (1902) undDante und Beatrice" (1904) entstehen. In> be-

KÄäS« 5« zehntes sondern gerade auch weil es die siegreiche Herrschast über sie nUSSoUCtfül>rte das ungebeugte Alter noch zu einem neuen Höhepunkt in den beiden jugendlichen BildernFrühlingWk (1909 bis iQim die nur mehr das Glück einer reinen Seele, keine Spur aber oon ÄÄiÄÄÄÄ'S- etwa sich an diesen Vorwurs gewagt hatte! «ÄMHKWW 8SWWEZM WWMM-L-S 3U S. «MNg-N«, Ä

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