Ausgabe 
8.1.1927
 
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wird. In dieser Bucht liegt ein besonders geschützter Winkel, den die Wal- fischfänger Port Rendezvous (Stelldicheinhafen) nannten. Jetzt geht er unter dem Namen der Tagusbucht. Es ist ein kleiner, enger Lasen, mit tiefem Wasser fast bis unmittelbar an den Fnß der hohen schwarzen Klippen, die ihn umsäumen.

Seltsamerweise war die erste Niederlassung irgendwelcher Art auf den Galapagosinseln ein Postamt, obwohl es keine Einwohner gab. Es war ein sehr einfacher Bau. Er bestand aus einem Fass, das an einen Baun, gebunden war, und lag an einer Ankerstelle der Insel Charles, die noch heute den Namen Postamtsbucht trägt. Lier ließen die Walfischsänger, die um das Kap Lorn gefahren waren, auf Reisen, die vielleicht zwei, drei oder sogar fünf Jahre dauerten, Briefe für ihre Angehörigen zurück, und hier hielten die heimfahrenden Schiffe, um die Post an Bord zu nehmen, die sie dort vorfanden. Es war ein ganz nnanttlicher, völlig freiwilliger Dienst.

Die Vorräte an frischem Fleisch, die die Inseln lieferten, waren für die Walfischfahrer eine wahre Fundgrube; denn sie entdeckten, dass die Riesenschildkröten monatelang ohne Futter und Wasser leben konnten und erstaunlich wenig Fleisch verloren. Auf ihren endlosen Reisen waren die Seefahrer ständig vom Scharbock bedroht, und die Schildkröte war in je­nen Tagen etwa das, was heute ein Kühlraum bedeutet, da es kein ande­res Tier gab, das sie lebend mitführen konnten, um immer frisches Fleisch für die Monate zu haben, wo sie nie Land sichteten. Die meisten Wal­fischfänger legten ganz regelmässig auf diesen Inseln an, und jedes Schiff nahm so viele Schildkröten mit, wie im Schiffsraum verstaut werden konn­ten, wo sie in der ihnen eigenen Art ohne scheinbares Unbehagen weiter­lebten. Es liegen Berichte von Schiffen vor, die fünf- und sechshundert Tiere auf einmal mitnahmen und so eine Speisekammer hatten, die man nach Lerzenslust plündern konnte. Kein Wunder, daß 1923 die Expedi­tion unsererNoma" nur noch eine einsame Schildkröte vorfand, die nach allem, was man dagegen anführen mag, vielleicht die Lehre eines grossen Geschlechts gewesen ist.

Die Geschichte des ersten Bewohners der Galapagosinseln ist der Er­zählung wert. Wir entnehmen sieKapitänPortersJournalof aCruise":

,.. .aus der Ostseite der Inffl (Charles) findet sich eine andere Lan­dungsstelle, die er Pats Landungsstelle nennt. Dieser Ort wird wahr- scheinlich einen Iren namens Patrick Watkins unsterblich machen, der vor einigen Jahren ein englisches Schiff verließ und aus der Insel seinen Wohn­sitz aufschlug. Er baute sich eine dürftige Lütte, etwa anderthalb Kilo­meter von der nach ihm benannten Landungsstelle. Sie lag in einem Tale, das etwa 80 Ar bestellbaren Bodens enthielt und vielleicht der ein zige Ort auf der Insel war, der zu diesem Zweck genügend Feuchtigkeit bietet. Lier gelang es ihm, Kartoffeln und Kürbisse in großen Mengen zu ziehen, die er im allgemeinen gegen Rum aus tauschte oder bar verkaufte. Die. äussere Erscheinung dieses Mannes warnachdein, wasmanmirvonihm erzählt hat, so schrecklich, wie man es sich nur denken kann; er hatte zerlumpte Kleider an, die kaum genügten, seine Blösse zu bedecken, und starrte vor !ln- gezieser; seine roten Laare und sein Bart waren wirr, seine Laut völlig verbrannt, weil er sie beständig der Sonne ausgesetzt hatte, und er erschien so wild und furchtbar in seinem Benehmen und Aussehen, dass er jeden mit Grausen erfüllte. Verschiedene Jahre lebte diese Elende allein an diesem öden Ort, scheinbar ohne jeden Wunsch als den, sich Rum in genügender Menge zu verschaffen, um dauernd betrtrnken zu sein; dann sand man ihn wohl nach einer inehrtägigen. Abwesenheit von seiner Lütte in einem Zustand völliger Bewusstlosigkeit, sich auf den Steinen der Berge muherwäl- zend. Er war offenbar aus die niedrigste Stuse gesunken, auf die ein Mensch nur sinken kann, und schien außer den Schildkröten und andern Tieren der Insel nur das eine zu begehren, sich ztt betrinken. Aber so elend und erbärmlich dieser Mann auch erschien, er toar nicht ganz ohne Streben und auch nicht unfähig, ein Unternehmen zt> planen, welches das Lerz jeden andern Menschen entsetzt hätte. Er besaß auch das Geschick, andere ztt bewegen, seine Mühsal zu teilen.

irgendeine Weise kam er in den Besitz einer alten Muskete, so­wie von ein paar Ladungen Pulver und Kugeln; der Besitz dieser Waffe reizte wahrscheinlich zuerst seinen Ehrgeiz. Er ftihlte sich als mächtiger Lerrscher der Insel und war begierig, feine Macht an dem ersten mensch­lichen Wese" zu erprobe», das ihm in den Weg lief. Dies war zufälltzz ein Neger, der auf ein Boot aufpassen sollte, das zu einem ainerikanischen Schiffe gehörte, welches hier angelaufen war, um frische Nahrungsmittel aufzunehmen. Patrick kam zum Strande, wo das Boot lag, mit seiner Muskete bewaffnet, die nunmehr feine beständige Begleiteritt geworden war, wies den Neger in gebieterifchem Ton an, ihm zu folgen, und als er sich weigerte, drückte er seine Muskete zweimal auf ihn ab. Glücklicherweise versagte sie. Der Neger indessen bekam es mit der Attgst und folgte ihm. Patrick hingnun seine Muskete über die Schulter, marschierte voran ttnd teilte dem Neger auf seinem Wege den Berg hinauf frohlockend mit, er hätte künftig für ihn zu arbeiten und sei fein Sklave; ob er gut oder schlecht behandelt werde, hänge ganz von seiner weiteren Führung ab. Als sie ztt einer engen Schlucht kanten und der Neger sah, daß Patrick nicht auf der Lut war, nutzte er den Augenblick, packte ihn, warf ihn zu Boden, fesselte ihm die Arme auf den Rücken, nahm ihn auf die Schulter und schleppte ihtt zu seinem Boot, und als die Mannschaft ankant, wurde er an Bord des Schiffes gebracht. Ein ettgiisches Schmugglerschiff lag ge­rade im Lasen, und der Kapitän diesesSchiffes verurteilte Patrick, anB ord beider Schiffe gehörig ausgepeitscht zu werden. Dies geschah auch, und spater wurde er von den Engländern mit Landschellen cm§ Ufer gebracht. Sie zwangen ihn, die Stelle zu zeigen, wo er die paar Dollar versteckt hatte. Welche er sich aus dem Verkauf seiner Kartoffeln und Kürbisse hatte spa­ren können. Sie nahmen sie ihm weg. Aber während fte mit der Zerstörung seiner Lütte und feines Gartens beschäftigt waren, entfloh der Unglück­liche und verbarg sich zwischen den Felsen im Innern der Insel, bts das Schiff fortgesegelt war. Dann erst wagte er sich aus seinem Versteck her­aus und befteite sich von den Landschellen mittels einer alten Fette, die er in einen Baum trieb. Jetzt sann er eine grausame Rache aus, lief; aber von seinen Absichten nichts merken. Die Schiffe legten weiter dort an, und Patrick belieferte sie. Wie gewöhnlicb, mit Gemüsen; aber von Zeit

zu Zeit gelang es ihm, dadurch daß er einigen Leuten der Schiffsbesatzung ein paar kräftige Schluck seines geliebten Branntweins verabfolgte, sie so betrunken zu machen, daß sie ganz bewusslos wurden; dann versteckte er sie, bis das Schiff abgefegett war. Wenn die Leute sich dann ganz auf ihn angewiesen sahen, traten sie gern in seinen Dienst und wurden seine Sklaven, er aber wurde der gewaltherrlichste Leuteschinder. Auf diese. Weise hatte er die Zahl der Inselbewohner auf fünf erhöht, sich selbst ein­gerechnet, und er tat alles, um für sie Waffen zu bekommen, aber ohne Erfolg. Wahrscheinlich hatte er vor, irgendein Schiff zu über- fallen, die Besatzung niederzumetzeln und das Schiff wegzunehmen. Während Pa­trick seine' Pläne schmiedete, legten zwei Schiffe an, ein amerikanisches und ein englisches, und baten Patrick um Gemüse. Er versprach ihnen reichlich davon,wennsteihreBootezuseinemLandungsplatz senden und ihre Leute schicken wollten, sie aus seinem Garten zu holen; seine Kerls seien näm­lich in der letzten Zeit so faul geworden, dass er sie nicht mehr zur Arbeit zwingen könne. Man ging aus seinen Vorschlag ein; zwei Boote wurden von jedem Schiff abgesandt und auf den Strand gezogen. Die Leute von der Schiffsbesatzung gingen alle zu Patricks Behausung, aber weder er noch einer von seinen Leuten war zu finden. Nachdem sie gewartet hatten, bis ihre Geduld erschöpft war, kehrten sie an den Strand zurück, wo sie nur die Trümmer dreier ihrer Boote sanden, die in Stücke geschlagen waren. Das vierte fehlte. Es gelang ihnen indessen unter großen Schwierigkeiten, um die Insel herum zu der Bucht zu kommen, die ihren Schiffen gegenüber lag. Andere Boote wurden ausgeschickt, sie zu holen; aber die Führer der Schiffe, die noch irgendeinen andern Streich fürchteten, beschlossen, der Sicherheit halber von der Insel zu fliehen, und ließen so Patrick und seine Bande ruhig im Besitz des Boots. Liber ehe sie abfuhren, steckten sie einen Vries in ein Fass, der die Angelegenheit meldete, und machten es in der Bucht fest. Lier fand es Kapitän Randatt, freilich erst, nachdem er sein Boot an Patricks Landungsplatz abgeschickt hatte, um frisches Gemüse zu holen. Wie man sich denken kann, war er in ziemlicher Sorge, bis das Boot zurückkehrte und ihm einen Brief brachte, den Patrick von man in seiner Lütte gesunden hatte und der folgendermaßen lautete:

Sehr geehrter Lerr, ich habe wiederholt Schiffskapitäne gebeten, mir ein Boot zu verkaufen oder mich von diesem Ort fortzuschaffen; aber in jedem. Falle wurde meine Bitte abgeschlagen. Es bot sich mit die Gelegenheit, ein Boot zu bekommen, und ich nutzte sie. Ich habe mich lange durch harte Arbeit und viel Mühsal bemüht, mir etwas z« sparen, um es mir später behaglich zu machen, aber verschiedene Male hat man mich beraubt und misshandelt; so züchtigte mich noch kürzlicb der Kapitän Paddock und raubte mir etwa fünfhundert Dollar, in bar und andern Gegenständen. Solches Benehmen verträgt sich weder mit den Grundsätzen^ zu denen er sich bekennt*), noch sollte man so etwas nach seinem glatten Rock erwarten. _

Am 29. März 1809 segle ich von der Vernnmschenen Insel im Black Prince zu den Marquesas.

Töten Sie nicht die alte Lenne; sie gluckt jetzt und bekommt bald Küken. gez. Fatherless Oberlus.

Patrick kam allein in seinem offenen Boot in Guayaguil an. Die übrigen, die mit ihm segelten, waren bei dem Wassermangel verdurstet, ober, wie man allgemein ännahm, von ihm umgebracht worden, als er sand dass das Wasser ausging. Von dort zog er nach Payta, wo er die Zunei­gung einer braunen Maid gewann. Er redete seiner Liebsten so zu, daß sie schliesslich ehiwtlligtc, ihn zurück zu seiner verwunschenen Insel zu begleiten, deren Schönheiten er ihr zweifellos in glühenden Farben ausmalte. Aber bei seinem wüsten Aussehen galt er bei der Polizei als verdächtiger Mensch, und als man ihn unter dem Kiel eines kleinen Schiffes fand, das vom Stapel gelassen werden sollte, vermutete man, dass er böse Ab­sichten hegte, und steckte ihn in das Gefängnis in Payta, in dem er noch ist. Diesen Amstand ist es wahrscheinlich zuzu schreib en, daß die Insel Charles sowie die übrigen Galapagosinseln noch viele Jahre unbewohnt bleiben werden. .. .

Wenn Patrick aus der Last entlassen würde und mit seiner Liebsten zu dem verwunschenen Ort führe, dann möchte eS wohl geschehen, daß, wenn er und die Galapagosinseln längst vergessen sind, ein künftiger Seefahrer die Welt durch eine Neuentdeckung der Insel überrascht, und er wird dann von den seltsamen Bewohnern erzählen, die er wahrscheinlich auf ihnen antrifft. Bei dem Ahnherrn, von dem sie abstammen, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sie einen Charakterzug zeigen werben, der den Ein­geborenen aller Inselti im Stillen Ozean gemeinsam ist, nämlich «ine Neigung, sich das Eigentum anderer anzueignen. Dieser Umstand mag künftige Forscher dazu sichren, ihren Xlrfprtmg mit dem aller übrigen zu vermengen."

Das Domkind.

Copyright bei Führer-Verlag, M.-GIadbach.

Van Nikolaus Schwarzkopf.

(Fortsetzung.)

Familie Strohschnitter stand um den Alten, ihm diese Pracht zu zeigen, als Jci sie ein Familienstück, das man nur selten aus der Truhe hervorholt!

Der Alte freute sich und streichelte Paulus fortgesetzt über die blonden Locken, die lang bis auf die schmalen Schultern niederhingen, als liebe er Paulus sehr.

Tipppengucker!" sagte plötzlich der Türmer, und die Tiirmerm nahm ihr Kind von den Männern weg mit hinein in die Stube.Tippengucker, was für schreckliche Dinge erzählt ihr alten Männer meinem Sohn?"

Wissen Sie das auch schon wieder, Herr Türmer? Der Joseph hat Angst vor dem Teufel!" antwortete der Alte verschmitzt lächelnd, jedoch der Türmer sah ihn fest an und sprach:Angst hin, Angst her: auch Sie haben schon Spuk und Dreck dem Kind aufgehalst: das dürfen Sie nicht, Tippen- guckeri Sonst können wir nicht lang Freunde bleiben, verstanden?"

Da ging der Gloriaengel betrübt schlafen, und bas Kind sagte ihm nicht einmalGute Nacht!"

*) Kapitän Paddock war Quäker.