Ausgabe 
5.11.1927
 
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neue, ob es

m-

war wie Chopin,

trogen sich verdorben hat.

echt war.

C«rl Maria von WeLsr.

Bon Emil Ludwig.

Emil Ludwig läßt soeben bei Ernst Rowohlt in Berlin eine neue Reihe seiner Kiinstler-PortrSts erscheinen, Re aus den Charakteren Rembrandts, Beethovens, «Bebers Uich Balzacs die geheftmiisvollen Beziehungen vonKunst und Schicksal" beleuchtet. Ein Meisterstück ist Re Darstellung der Kunst Webers, Re wtr hier wiedergeben.

dramatisch. ...

Bon dem, was er für den Konzertjaal schrieb, .behalt wenig BestaM, das herrliche Klarinettenkanzert, das Konzertstücks Klavier. Was WM, sind nur ein paar Stücke, aber wenn vier Gedichte von einem Dichter bleiben, ist das nicht wenig.

Zuerst die drei Ouvertüren: die Essenz des Dramatikers Grundsttm- mungen wie bei Gluck und später bei Wagner, doch an Ganzheit alle übertreffend, was diese beiden Meister des Vorspiels vor und nach ihm geleistet. Denn mit Ausnahme der Ouvertüre zum Figaro Wunder und deshalb mit nichts zu vergleichen stehen die drei ©tude außer Vergleich: die ganze spannende Kraft jener furchtbar schonen Augenbuci

Kommt man von der Musik, so zweifelt man- ---

möglich sei, von ihr zu reden; die Kunst des historrsäun Hortrats kann in den überlieferten Formen Res Reich nicht erobern. Neue Wege wären zu finden. Einer führt Wer den Vergleich. ,

Sn der Psychographie hat Web er mit Wagner auf der einenSelte so wenig zu tun wie mit Schumann aus der anderen, obwohl beDe ferne Nachfolge aus verschiedenen Gebieten antraten; ro,ondechert ist derleicht faßliche Schumann kein Wegweiser zurück zum höheren Weber. Weber ist unmodern? daß man bei voller Gesundheit die feinsten Neroen Kenntnis der Seele und noch dazu ein singendes Herz haben kann, wird Herste bezweifelt. Tritt man aus der Helke der Philologiern die Dämmerungen seelischer Verwandtschaften zurück, so wird man Weber in der Nahe hochzeitlichen Correggio finden, dessen Zauber er freilich nur selten erreicht. Zu seinen Zetten ist er flankiert von S ch u b e r t und Chopin.

Me drei starben jung, Chopin im 40. Jahre wie Weber, Schubert kder sich übrigens mit Weber überworfen hat), in tote von m«naEN erreichbar, vollendete in allen anderen Gattungen der Musik als Deistscher das was Weber im Drama erreichte. Will man den Geist deutscher Musik mit' ben Nachbarn vergleichen, so soll man Weber nach Chopin anhoren, als Sänger sind sie gleich begnadet.

Welche Naturkraft, die Schwäche und Leiden des Schöpfers derart in feinem Werk verschwinden läßt! Wd man es nicht, an W^rs^Mustk könnte man ables

nur zart und nur durch Taumel und Kränkungen sich verdorben hast Weber schmilzt nie, er bittet, ja, er fordert, aber im letzten Augenblick weiß er sein Begehren in einer Verbeugung zu verbergen, wie er sie auf Deardsleys delikater Zeichnung macht. Sein Antrieb ist immer

Ich verließ sie so, aber unten im Dorfe war ich von memem Fenster Zeuge ihres Einzugs. Der Amerikaner sprang im Uebermut über ein stäket und stahl zwei rote Rosen, die er den Reiterinnen reichte, zum Erfatz für die vereitelte Huldigung oben auf dem Berg. Er schien es zu­erst bei einer bewenden lassen zu wollen, aber überlegte es sich und brachfe seinen Tribut mit einer Galanterie dar, Re fernen Unterschied in dK Person machte. Miß Maud war die erste auf seinem Wege, unb als sie bie Rose nahm, beugte sie sich tief über das Pferd, so daß ihr Gesicht vor mir verborgen war. Aber Re Hand zitterte, und es dauerte einige Zech bis Re Blume an der Brust befestigt war. Die Schwester nahm Re ihre lächelnd und unbekümmert und hielt sie zwischen den Zügeln m der Hand, Unbam aben^fonblm Hotel eine Unterhaltung statt. Schon ein paar Tage war sie an den Wänden des Speisesaales durch ein paar prachM Plakate annonciert, bie bie Neugier jedoch nicht sonderlich Xu lockG schienen. Cs waren zwei übernatürlich große unb übernatürlich färben- Kne Porträts des unvergleichsichen Hypnotiseurs und Gedankenlesers Monsieur Soundso aus Paris unb feines ebenso hervorragenden magneti­schen telepathischen unb auch offenbar etwas apathischen Mediums und Ehegesponses. Sie waren in großer Toilette abgebdbet, mit blendende.^ Diamanten an der Hemdbrust des Herrn unb den Negern der Frau, wie es den Löwen einer Weltstadt geziemt. Sie hätten vermutlich trotz alledegi nicht viel Zuhörer angezogen, märe der Zufall ihnen nicht SU Hüse ge­kommen. Es war im Laufe des Tages sehr heiß geworben, unb b,e Lust war schwer. Während der Mohlzest rüttelte es plötzlich an den Fenstern, und es wurde so dunkel, bah Licht angezündet werden mutzte^ Das Ge­witter war über uns, plötzlich unb gewaltsam wie immer im Gebirge; eg zog rasch vorüber, aber ber Regen ließ nur langsam nach. Es war will­kommen, nicht nach Hause gehen xu müssen, sondern mw über den Hof zu einem anderen Gebäude zu laufen, wo bie Vorstellung eben in einfm Saal im ersten Stockwerk stattfinden sollte. Die Possaae vollzog sich er Lachen und Geschrei, bloße Damenkopfe, gehobene fcotfe, lmr#ro«ng Strumpfe und HalRchuhe, Re über den feuchten Sand huschten.. Die kleinen, weihen Amerikanerinnen blitzten wie selbsileuchtenbe Dinge in der Dunkelheit auf. Die Lust war noch trotz ihrer ^e gleichsam von elek­trischer Bewegung erfüllt, unb der Donner grollte wie eine ferne KanH nabe. Der Magnetiseur hat leichtes Spiel, sagte man. Er muß sich nur vor 3U S^betam'meinen Platz in ber Nähe von Miß Maud und sah sie mit Ueberrafdiung an. Sie hatte vom Lauf mehr Farbe als gewöhnlich, unb tn ihrem 'schönen Haar glifeertcn Regentropfen. Die rote Nos« steckte grgß und leuchtend an ihrer Taille, und auch sie hatte zitterndes Naß SwisclM den Blättern. Basilics sah neben ihr, ganz naive Bewunderung, bann die Schwester und der junge Verwandte.

(Schluß folgt.)

Die neuen Ankömmlinge blieben nach den ersten Rufen des Staunens eine Weile stumm. Ader bann begannen sie sich heimlich zu fühlen und Städte unb Orte unten am See wieberzuerkennen, unb ließen das übrige fein. Es gibt eine Sage, die sich gerade an bie Stelle knüpft, auf ber sie standen. Die fanden sie in ihren Büchern, unb als echte Amerikaner ver­gaßen sie alles andere über dem Leckerbissen einer solchen romantischen Antiquität. Miß Maud las sie laut mit ihrer dünnen deutlichen Stimme, «nb da ich den Inhalt kannte, konnte ich von meinem Platze ans Jo halb­wegs folgen. Ein Brautpaar war einmal unmittelbar von der Trauung dort hinaufgewandert, mit seinem ganzen munteren und prächtigen Ge- K. Der Bräutigam war zu weit an den Raub des Abgrunds vorge-

rt, um eine Blume zu pflücken, hatte den Halt verloren unb war hin- mitergestürzt. Die Ueberiebenbe hatte in einem Augenblick die Tiefe des Unglücks ermeßen und auch noch eine andere Tiefe in sich. Ehe noch ein Schrei sich Luft gemacht ober eine Träne hervorgestürzt war, war der Sprung getan, unb mit ausgebreiteten Armen suchte und sand sie den Bcrlotenen in gemeinsamem Tobe wieder. Es war etwa dieselbe rühreiwe «nb schlichte Tragik wie in Boccaccios Novelle von Simona und ber Gift­blume, dieselbe Unmittelbarkeit, dieselbe blitzartig erhellte Unendlichkeit m einem Herzen. Das Ganze war so himmelweit von moderner Reflexion. Ein Schmerz, der sich nicht Zeit lieh, auch nur zu ahnen, wie interessant er war und wie unerhört das Schicksal, ein Mut, ber seinen Entschluß in instinktiver Sicherheit faßte, ohne ein Zaudern ober eine Klage! Kein Wunder, daß bie Zuhörer dem wie etwas halb drollig Unbegreiflichen und Unwahrscheinlichen lauschten, eben nur einer Sage, bie dem Ort Stimmung gab. Aber ihr, die las, hatte die Stimme zu zittern begonnen, und sie stand bleich unb ergriffen, bis sie durch die Diskussion abgelenkt wurde, die sich entspann. Sie drehte sich darum, ob einer von ihnen so hatte handeln können wie die Heldin in der Geschichte; sie wurde sehr munter und leb­haft. Der amerikanische Herr wollte versuchsweise ein paar Blumen pflücken, die gar nicht besonders gefährlich ftanben, unb wurde mit Ge­schrei, Lachen und Bitten zurückgehalten. Die zwei Mädchen faßten ihn an ben Armen, und es wurde eine recht graziöse und kokette kleine szene. Basilics wurde so befeuert, daß er nur um ber Sache selbst willen hm- miterspringen zu wollen schien, mit Pickel unb Seil und allem, gleichviel, ob jemand nachfolgte, wenn er nur sicher war, betrauert zu werben. Dieses Versprechen erhielt er von zwei Seiten, aber verzichtete doch darauf, m einer Begeisterung strahlend, Sie etwas unbestimmt, aber offenbar

sm Schnee sprießt. Vermutlich hielt sich bie ganze Familie ihretwegen hier euf.roo die Lust sich zum Uebergang von ben Hohensanatorlen eignete. Sie war jetzt ganz wähl, sagte der Rumäne, unb ftuher uberhmtpt nw krank geraden er hatte es offenbar von Zuverlässigster Seite. Er kam immer gerade von dieser Gruppe zu mir unb kehrte, (obalb er glaubte, haß es anging, wieder dorthin zurück. Es fehlte auch sonst dort nicht an einem ständigen Kavalier, denn da war ein anderer junger Mann, ein Verwandter, so gut wie ein Bruder, sagte der Rumäne, ber nie von ber Seite ber Schwestern wich. Sie waren zierlich unb vogelahnlich tn ihren Bewegungen, hatten bünne, amerikanische Stimmen unb jenen aufge* eckten, unbefangenen Blick, ber für Amerikanerinnen charakteristisch ist. Aus ber (Entfernung, aus der ich sie gesehen sie atzen auch an meiner Zahle b'hote, aber nicht am selben Tisch, hatte ich nur jenes Typische bemerkt, bas bei fast allen Amerikanern der erste unb oft der einzige Eindruck ist. Aber Basilics so hieß mein junger Freund wußte stets neue Züge von ihrer Originalität, ihrer Intelligenz und ihren Kennt­nissen zu erzählen. Namentlich war Miß Maud, die Blassere, etwas Merk­würdiges. Dieses Wort gehörte zu feinen Lieblingsausbrücken unb er­weckte beim Zuhörer nicht biefetbe feurige Witzbegierde, die er selbst aus­strahlte. Für ihr war alles rührend neu unb frisch, das hatte mir schon (eine erste Replik gezeigt. Wir sprachen von einem Monument in Genf. Unb ich begegnete feiner Begeisterung mit einem kleinen Vorbehalt.3a, gewiß, mein Herr/ sagte er mit leuchtenden Augen,selbst die Sonne hat ja Flecken, wie unser geistvoller Colorescu so treffend sagt." Das bezwang mich sofort. Ich konnte mich gar nicht bei dem Gedanken an Colorescu unb feinen offenbar beneibenswerten leichten Posten aufhalten, ich be­neidete Basilics, unb es fiel mir nie mehr ein, ihm im geringsten zu wider­sprechen. Darum kam er auch zu mir und erzählte, was Miß Maud in dem wunderbarsten Französisch gesagt hätte sein eigenes roarmffit wunderbar, aber immerhin viel bester als meines, und auf diese Weife wurde ich aus zweiter Hand mit ihr bekannt.

Eines Tages fließ ich mit der ganzen Gesellschaft oben auf La-Döle zusammen. Sie hatten Pferde für bie Damen mit, unb der Zug nahm sich ganz stattlich unb cntbccfermägtg aus, wie er sich unten auf dem Reitweg dahinschlängelte. Ms dieser aushörte, gingen alle zu Fuß mit Stocken und Bergschaden weiter und machten auch aus dieser Promenade so viel als möglich. Basilics hatte sogar eine volle Alpinistenausrüstung mit Seil und Eispickel. Seine Freude wurde nur ein wenig von dem Bedauern ver­schleiert, nichts davon anwenden zu können, um Miß Maud aus Lebens­gefahr zu erretten. Sie achtete nicht viel auf ihn, wie sie da tn ihrer Abenteuerstimmung dahinhüpfte, und schien mehr geneigt, sich dem anderen Kavalier zuzuwenden.

Oben auf dem Gipfel hatte man an diesem Tage eine wunderliche Aus­sicht. Der See und der ganze Abhang hinunter waren beinahe voll be- wucht-t. Da mar es Hefter und berückend schön, wie gewöhnlich, eine Idylle in großem Stil, eitel Harmonie in allen Linien. Aber auf ber anderen Seite, über Savoyen, lag ein Wolkenseld in langen, weihen Bändern, und aus dem Nebelmeer schoß der Montblanc empor, viel höher als sonst, rote eine leuchtende Riefeninsel. Es war ein fast schmerzlich starker Kontrast zwischen diesen Welten. Die eine für bas Glück, bie andere streng unb un­faßbar, aber bei all ihrem fremben Gepräge in irgendeiner Weise wirk­licher. Es war, als sagte sie: So kann man dort unten spielen. So mttb und faust kann man träumen. Aber sieh hier, was schließlich daraus wird. Es war, als ob die Wolken sich einem die Phantasie anreizenden Fernblick öffneten, einem Märchen gleUenber und wechselnder Gewaltigkeit. Äser Nichts rührte sich darin, es stand wie verzaubert unb unveränderlich.