tt habe keine Befugnis, Auskunft zu geben. Man möge sich an feinen Herrn wenden. .
Während sie nun, nicht unfern der Statte, wo der Admiral Georg die Martvrana--Kirche hatte errichten lassen, im Schatten einer Palme sahen und über die weihen Kuppeln und Wände schauten, die im Abendgold glänzten, geschah es, daß Seite an Seite der Großadmiral Margeritus und der Kanzler Ajellus vorüberritten. Als sie den Prinzen gewahrten, der sich gerade erhoben hatte, um einen Sänftenträger heranzuwinken, stutzten sie, hielten ihre Pferde an, hoben die Hand vor die Augen und sahen sich mit der Miene von Menschen an, die ganz zur selben Sekunde denselben Gedanken gefaßt haben. Sie nickten noch einmal bestätigend mit den Köpfen, berieten sich einen Augenblick und ritten nach den Loren des Palastes zurück. Alexius aber lieh sich, immer gefolgt von Aikephoros, nach einem anderen Gasthof der oberen Stadt tragen, um dort zu Abend zu speisen. Als er aber kaum die Halle betreten hatte und Diener Heranbefahl, die ihm ein Bad bereiten sollten, warfen sich plötzlich einige Grohkaufleute aus Byzanz, die gerade in Palermo eine Traubenernte angekauft hatten, vor ihm auf den Boden nieder, küßten den Saum seines Kleides und riefen:
„Gesegnet sei die Stunde, die uns hierher geführt hat! Gesegnet der Ort, an bent es uns vergönnt ist, den geretteten Sohn unseres unvergeßlichen Kaisers hier zu begrüßen, und so bestätigt zu finden, was unsere Ohren nicht glauben wollten: daß Emanuels Sohn lebt und der Wut des Verbrechers Andronikus auf wunderbare Weise entronnen ist. Aun, da wir Euch von Auge zu Auge gesehen wie bei den Prozessionen in Byzanz, erkennen wir Euch wieder — und Ihr dürft uns nicht der Freude berauben, der ganzen Stadt zu verkünden, daß wir unseren Kaiser hier gefunden haben."
Alexius sah schweigend auf sie nieder, hieß sie aufstehen und hielt, als sie seiner Aufforderung gefolgt waren, seine Fingerspitzen zum Kusse hin.
„O seht! Bei Gott, der schwarze Saphir der Komnenen!" rief einer und preßte seine Lippen auf den Ring, dessen Wasser dunkel waren, unergründlich wie das Schicksal der Sterblichen. Und so taten alle. Der Besitzer des Gasthofes aber sandte Boten in die Stadt und hieß sie, obwohl es schon Abend wurde, die große Kunde verbreiten. Sein Speisesaal war so überfüllt in dieser Rächt, wie nie zuvor, da alle den Prinzen sehen wollten. Alexius aber hatte sich, ermüdet von den vielen Erregungen des Tages, in die Gemächer zurückgezogen, die ihn der Wirt gebeten hatte, für diese Rächt zu bewohnen, und den alten Aikephoros nach Hause geschickt.
Während nun Aikephoros mit der Witwe Bauris im kleinen Blumenhof hinter dem Hause saß und allerhand Erinnerungen an die Zeit austauschte, da er noch im Dienste des großen Königs Roger gestanden und die schöne junge Griechin öfter besucht hatte als ihrem Gemahl lieb gewesen war. ertönte plötzlich Klopfen an der Haustüre und eine Stimme rief laut und deutlich: Sm Aamen des Königs, macht auf!
„Mein Gott," schrie Baucis, „was geht hier vor?"
„Fürchtet nichts," sagte Aikephoros, „ich stehe für alles. Ja, ich zweifle sogar keinen Augenblick daran, daß uns allen di« große Stunde naht, und bitte euch deshalb, den Sklaven Ali die Tür öffnen zu lassen. Ich selbst gehe in mein Zimmer hinauf und warte dort oben auf die Dinge, die sich ereignen werden."
Mit diesen Worten wandte er sich zur Treppe, über der eine blaue Ampel brannte, die Witwe Baucis aber rief dem Sklaven und befahl ihm, die Tür zu öffnen:
„Aber zunächst die Fremden zu mir."
Änd um sich den Anschein vollkommener Gelassenheit zu geben, blieb sie int Garten und begann mit einer kleinen Gieskanne die Wurzeln des Granatapfelbaumes zu befeuchten, der neben bent Goldfischteiche blühte.
Da nahten, von Ali geleitet, die Botett des Königs, drei an der Zahl, zwei Soldaten und ein hoher Beamter des Gerichtshofes. Dieser begrüßte höflich die Witwe, welche nur langsam das Haupt erhob und nicht daran , dachte, die Gießkanne hinzustellen:
„Frau Baucis. es sollte mir leid tun, toenn unser spätes Kommen Euch erschreckt hätte..."
„Aber nicht im geringsten, erlauchter Claudius!"
„Wie — Ihr kennt meinen Aamen?"
„Wer kennt nicht Euren Aamen? Das Land ist voll von der Weisheit Eurer Llrteilssprüche und von der Milde, di« Ihr gegen geringe Leute übt... Ihr wollt zu Aikephoros?"
„Ihr habt es erraten! So ist es also wahr?
(Sortierung folgt.)
Elisabeth« Keller.
Im „Grünen Heinrich" hat Gottfried Keller seiner ÜDtutter em rührendes Denkmal gesetzt, der Mutter, die in opferooller Selbstlosigkeit ihrem Sohne aus Not, Enttäuschung und Entbehrung immer wieder den Weg mit ihren arbeitsharten Händen freimachte. Sie, die Tochter des Arztes und Vezirksrichters Schleuchzer, hatte den Drechslermeister Keller geheiratet und ihn nach siebenjähriger Ehe verloren, damit dem Schicksal ihren Tribut entrichtend wie in der Todesernte unter ihren sechs Kindern, oon denen ihr nur zwei. Gottfried und seine Schwester Regula, blieben. Auch ihr Glaube, in dem ersten Gesellen des Meisters wieder eine Stütze fürs Leben zu finden, wurde in bald gelöster Ehe enttäuscht. Elisabetha Keller muhte fortan sich mit den Kindern von dem kargen Mietzins des ihr überkommenen Hauses durchbringen, rechnend, sparend, darbend.
Ein heute schon alltäglich gewordenes Witwenschicksal. Erinnernswert
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nur die Art, wie sie, immer wieder den Nackenschlägen des unbarmherzigen Lebens trotzend, mit unbeugsamer Energie es meisterte.
Sie ist nicht, wie Frau Aja, die umschmeichelte Mutter des weima. rischen Gemeinderats »cheruhmt" geworden. Wie wenige wissen von ihr, die ihr ganzes Dasein drangab, damit aus ihrem Sohn eben jener Gottfried Keller werden konnte, den die Literaturgeschichte unter den Auserwählten nennt. Sie ist nur Mutter, Mensch; sie schließt keineswegs die (ehenden Augen vor seinen Fehlern und Schwächen, und dennoch schaut ie weder rechts, noch links, wenn es gilt, den mit sich selbst Zerfallenen von neuem mit starker Hand unter die Marschierenden aus der Lebens« straße einzureihen. Wie oft hat sie ihn aufheben, trösten, stärken müssen... Daß er wegen eines Jugendstreiches die Industrieschule verlassen muhte, war der Auftakt zu den ungeahnten Mühseligkeiten. In dem Fünfzehnjährigen rang seine dichterische Veranlagung mit unklarem Hinneigen zur Malerei als einer wesensverwandten Kunst. Die lebensuntunbige Mutter ließ ihn von Zürich weg nach München gehen. Die wenigen Gulden, die sie zu vergeben hatte, wanderten mit, wanderten nach, bis eines Tages nichts mehr da war.
Da begab es sich, daß man sie aufs Rathaus lud wegen der Münchener Schulden ihres Sohnes. Sie leiht mit unsäglichen Schwierigkeiten 300 sl. auf ihr Haus und schickt sie dem Jungen. Im „Grünen Heinrich" ist das
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also geschildert:
„Sie fügte die Taler zu Rollen und diese zu einem unförmlichen Pakete, umwand es mehrmals mit starkem Papier und dieses mit Schnüren, beträufelte es überall mit Siegellack und drückte das Petschaft darauf, alles sehr unkaufmännisch mit überflüssiger Mühe. Dann schob sie das schwere Paket in eine taftene Handtasche oder Ridikül, legte es auf den Ann und eilte auf Seitenwegen zur Post: denn sie wünschte nicht gesehen zu werden, weil sie nicht gesonnen war, zu antworten, wenn jemand sie befragt hätte, wo sie mit dem Gelds hin wolle. Mühselig und mit zitternder Hand streifte sie das seidene Säcklein von dem Geldkloben, reichte ihn durch das Schiebfensterchen und gab ihn mit einem Gefühle der Erleichterung aus der Hand. Der Beamte besah die Adresse, bann die Frau, machte seine umständlichen Verrichtungen, gab ihr den Empfangsschein, und sie begab sich, ohne sich umzuschauen, hinweg, als ob sie soviel Geld jemandem genommen anstatt gegeben hätte. Der linke Arm, auf bem sie die Last getragen, war stets und ermüdet und so kehrte sie etwas angegriffen in ihre Wohnung zurück, stillschweigend durch ein Gedränge von Leuten, ,z welche feinen Gulden für ihre Kinder hergeben, ohne damit zu prahlen, zu lärmen oder darüber zu jammern und zu klagen. Zu Hause fand die Mutter die Klappe des Schreibtisches noch geöffnet und die Schublädchen aufgezogen, die nun leer waren; sie schloß dieselben und öffnete Beiläufig dasjenige, in welchem für ihr tägliches Bedürfnis ein unbeträchtliches Häuflein Münze in einem Schälchen lag und verkündigte, daß zunächst nun jede Wahl verschwunden war zwischen Gütlichtun und wei- terern Darben, und daß die gute Frau jetzt mit dem besten Willen sich keine guten Tage mehr hätte machen können. Allein das wurde von chr weder bemerkt, noch kam es in Frage. Sie stieß auch dies Lädchen sogleich wieder zu, versorgte Schreibzeug und Siegellack, verschloß den Schrank und setzte sich auf das alte Sorgenstühlchen ohne Lehne, um von ihren Taten ansKiruhen, aufrecht wie ein Tännlein." . H
Zweieinhalb Jahre dauerte dies Martyrium von Angst und Besorgnis . für sie, mit intuitiver Frauenahnung fühlt sie beinahe, daß ihr Sohn erst einem Pfuscher und bann wohl einem Künstler, aber einem geisteskranken, in die Hände gefallen und selber durch Krankheit kampfunfähig geworden war. Ein Jugendfreund schreibt ihm einmal: „Deine liebe Mutter spricht immer nur von dir, wann du kommst. Sie schauet vielmal auf die Straße, . und wenn sie irgendeinen so kleinen Burschen sehe, so meine sie, sie muffe rufen: Regelt, der Gottfried kommt!" _ . , .
Man schreibt 1842 und es ist die Zeit der Schweizer Sonderbunds, kämpfe. In bem zurückgekehrten Dreiundzwanzigjährigen regt sich das politisch leidenschaftliche Blut des Vaters. Seine lyrische Begabung drangt zum Licht. Noch heute ist eines seiner ersten Gedichte die schweizer Rationalhymne. ,
Nach sechs Jahren Seßhaftigkeit beginnt wieder sein Wanderleben. Alles zerrinnt unter seinen Händen: das die Mutter so stolz machenoe Reisestipendium der Züricher Regierung, die Honorare für seine Bucher, Er schreibt der Mutter nicht mehr, er will nicht Hunger und Demütigung eingestehen . . . Ober schließlich muß sie doch mit den Notgroschen ihres Alters einspringen. Cs war rote vor vielen Jahren, da sie zitternd uns doch mutig mit dem Gemälde ihres Sohnes von einem Herrn des -Oscher Ausstellungskomitees zum andern gelaufen war, bittend, empfehlend, uns schließlich voller Angst, ob es verkauft werde . . . Und Enttäuschung über Enttäuschung. Bitternis über Bitternis. Das war damals in der Münchener Zeit ihres Sohnes, wo er seinen ganzen Künstlertraum an einen r Trödler verhökern muhte. Skizzen, Farben, Aquarelle. Stück für Stuck um 24 Kreuzer. Wo er, der Maler, zur Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Fahnenstangen anstrich... „ , .
Die Mutter sorgt, spart, darbt voller Gottvertrauen. Doa; immer war es für sie „eine eigentliche Ehrensache, sich zuerst selber mit Hand uns Fuß zu wehren. Denn ein doppelter Strick hatte besser, und wenn auf Erden und im Himmel zugleich gesorgt würde, so könne es um weniger fehlen". n
Nicht nur im „Grünen Heinrich", auch in den spateren .Leuten von Seldwyla" hat Keller sein tiefstes Erleben um die Mütterlichkeit verewigt, die für hin, nach manchen Enttäuschungen des Herzens, Angelpunkt oes Menschengeschehens in den Werken seiner epischen Gestaltung wurde.
Elisabeth Keller ist, betreut von Dankbarkeit, als Greisin nach einem Leben der treuen Muttererfüllung in der behäbigen Amtswohnung >h"° inzwischen 47 Jahre alt gewordenen Sorgenkindes heimgegangen. Sie Y«> . noch seine dichterischen Erfolge, fein geehrtes Ansehen als Staatsschreiv« von Zürich erlebt. Die stille, in all ihrer Schlichtheit großzügige, verschwenderisch ihr Herzblut austeUenbe Frau steht hoch über so maiuye geistvollen iveidlichen Berühmtheit der Geschichte. Das leuchtende w eroigte Mutteropfer ragt über alle Zeiten im Pantheon deutschspraaM Dichtung als Urbild des Tiefsten und Höchsten geheimnisvoll sch^ps^^


