im
— es handelt sich um
da
in in
Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen; es grünten und blühten Feld und Wald; auf Hügeln und Höh'n, in Büschen und Hecken liebte« ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel; Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen, Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.
Goethe und Pfingsten.
Noch ein unentdecktes Gespräch.
Von I. P. Eckermann redivivus.
Vorbemerkung der Redaktion: Für die Echtheit können wir leider keine Gewähr übernehmen.
sesseln ...
Zwei Stunden später. Auch Goethen hat es heut früh nicht im Arbeitszimmer gelitten, da ich komme, finde ich ihn schon zu einer Spazier- sahrt bereit, nun lädt er mich ein, ihn in seinem Wagen zu begleiten. Unser Weg geht wieder wie so oft durch Oberweimar über die Hügel, wo man gegen Westen die Ansicht des Parkes hat. Die Bäume blühten, die Birken trugen ihr zartestes Laub, die Wiesen waren durchaus ein grüner Teppich, aus die ein paar Vormittagswölkchen farbige Schatten malten. Ich konnte nicht umhin, zu bemerken, wie mir jetzt, just im Genüsse der so ähnlichen Landschaft, die oben gedachten Verse erst recht folgten, ja, Goethen zu eröffnen, wie sie mir schon seit dem Morgen den vollkommensten Ersatz einer andächtigen Lithurgie, oder des frommen Gottesdienstes daheim im gläubigen Bauernhause zu bieten schienen.
Goethes Antwort war nun sogleich aus einen scherzenden, neckenden, s sogar etwas sarkastischen Ton gestimmt. „Sieh da, so dürfte ich am Ende doch nicht so ganz der heidnische ungläubige Dichtersmann heißen, als den man mich schon verschrien hat! Da habe ich sogar Pfingsten besungen und fromme Empfindungen geweckt. Und wollte mich neulich ja fast schon ausjpielen, weil ich kein einziges geistliches Lied gemacht hätte! Nun, mich deucht, — es fiel mir selbst erst bei Ihren Worten ein — da habe ich gar unversehens den christlichen Mantel um ein doch arg weltliches Ding, wie einmal solche Tierfabel ist, geschlungen, wie steht es eigentlich um solchen Zwitter?"
Ich hatte Goethen schon selbst — bei längerem Nachdenken, um die Struktur seiner herrlichen „Reineke-Fuchs"-Erweckung befragen wollen, ob er denn etwa diese Zeit so genau auch schon in der alten Quelle angegeben gefunden habe, — da doch die Tiere sich schwerlich um unser Pfingsten kümmerten!, — und daß ihm also sicher unter der eigenen, noch näheren, liebevollen Ausschmückung solchen Eingangs vielleicht noch allerlei mehr vorgeschwebt haben dkürste.
„Hat es auch!" antwortet mir da Goethe lachend nach kurzem Besinnen, „und zwar scheint mir dieses Fest, obzwar es sich hie und da, jo wie auch heuer, in den Juni verirrt, doch von je das richtige Maienoder Wonnemondsfest gewesen zu sein, daher man ja auch die Birke, die wir Pfingsten vor allen Häusern sehen, auch schlechthin als Maibaum oder Maienbäumchen bezeichnet, und unsere berühmten „Pfingstochsen" halt überall mit „Maien" schmückt. Wenn Sie das aber bedenken und sich nun ferner erinnern, wann unsere altgermanischen Könige alljährlich den „Thing" oder Gerichtstag einzuberusen pflegten, wie auch Karl der Große im Wo nemo nd auf der Pfingstwiese vor Paderborn seine Mannen versammelte, so möchte wohl schon mit diesem Zug die Tiersage — deren erste Entstehung zudem in das Zeitalter kurz nach dem großen Karl fällt — eben das menschliche Vorbild und menschliche Sitte streifen wollen."
„Und das nun", griff ich jetzt mit Lebhaftigkeit wieder auf, „würde doch gewissermaßen nur die äußerliche Seite und den ganzen Rahmen der Fabel betreffen. Wissen Sie aber auch, Exzellenz, daß mir während Ihrer Worte auch noch ein viel tieferer, gleichsam innerlicher Bezug zum Ganzen klar geworden ist, weshalb man es bisher auch noch im mindesten nicht gewahr geworden zu sein scheint, daß Natur und Festzeit
Du weißt: -all diese Kraft kann nicht aus dem großen Rhythmus fallen, der dich erfüllt, weißt: auch dies alles schwingt nicht außer ihm. Und so ist es wohl eine große, sich bereitende Erfüllung, Vollendungsgang eines hohen Werkes. Vollendung der Menschheit. Steht geschrieben: Es wird eine Herde und ein Hirte fein? Europas Zivilisation zur allgemeinen Weltzivilisation, Menschheitsbindung werdend. Die Befreiung, das endliche Gleichgewicht aller Völker, sich vollendendes Prinzip der Gerecht,^ feit. Die äußere Gewaltpolitik zur einigenden, den Austrieb der Kraft nach innen, ins Seelisch-Geistige wendenden Kulturpolitik werdend. Durch was auch immer hindurch ist dieser Tag im Nahen. 2tm Tage aber eines letzten großen Menschheitspfingstens dereinst, nach vollbrachter äußerer Zusammenfassung Ausgießung der letzten, höchsten Offenbarung erst ganz verbindenden Gottgeistes, und das weitgeöffnete Tor einer letzten Freude allen Menschen.
So nimrn's, so stell dich ein, so fährst du gut, bist du des rechten Geistes.
Pfingsten in Eis und Schnee.
Ein Erlebnis an der feuerländifchen Küste.
Von John F r e e m a n.
Eine Woche vor Pfingsten ging ich an Bord des Tramp Jossifoghu. Es war in Buenos Aires. Solch ein Tramp, ein kleiner Frachtdampfer, der, ohne eine bestimmte Schiffahrtsroute zu haben, auf, wilde Fahrten gebt, wohin gerade die Frachtgelegenheit ihn führt, solch ein Tramp, sage ich, ist ein gottverlassenes Fahrzeug. Der Kapitän ein lunger Abenteurer, in Smyrna zu Hause, ein waschechter Levantiner. Diese halben Griechen, im übrigen Türken und Armenier, haben den Teufel im Selbe. Sie haben . das Zeug dazu, Piraten zu werden. Die übrige Mannschaft war dementsprechen, roh, ungebildet, streitsüchtig. Eine tolle Gesellschaft vmt Lacedämoniern, Jnselgriechen und im Kesselraum — westindische Misch- blüter. Sie würfelten und spielten Karten um hohes Geld, verprellen dabei im voraus ihren Lohn für die nächsten sechs Monate, fluchten, kauten getrocknete Oliven und tranken einen fluchwürdigen Schnaps, der Mastica hieß.
Wir steuerten bei bewegter See an der Küste Patagoniens dahin, an Bahia Blanea vorüber, dann kam das Leuchtfeuer des Cabo de las Vir- genes in Sicht, denn es war Nacht. Der Winter hatte feinen Einzug gehalten, nachdem der herbstlick-e April vorüber war. Der Mai brachte heftige Schneegestöber, die Temperatur sank, je mehr wir uns der Sud- fpitze des Kontinents näherten. Die Griechen hockten tagsüber, sobald sie die Hände frei Hatton, in der Schiffsküche, sich die klammen Pfoten über dem rotglühenden Herd wärmend, indes der Koch, ein zierlich gebauter, gutmütiger Mann von der Insel Chios, Hammelköpfe in einem kesjel- ö rügen Riefentopf kochte. Von Zeit zu Zett schöpfte er den schmutzigen Schaum von dem brodelnden Wasser. Da kamen die Felsen an der Einfahrt zur Maghellanstraße in Sicht, denn das Schneegestöber, das erneut eingesetzt hatte, begann nachzulassen. Zu unserer Linken, also an der Backbordseite, zeigte sich nun im Tageslicht die flache Küste Feuerlands. Eis und Schnee, so wett das Auge reichte. Am anderen Tage war Pfingsten! Mein Gott! Und wie anders hatte ich dieses Blütenfest bisher begangen! Ausflug in die neu erwachte Natur, Vögel singen, Dbftbaume stehen blütenbedeckt, frohe Menschen ziehen vergnügt plaudernd ins Freie, hinaus in die Berge, oder wenigstens in die umliegenden Dörfer.
Hier nun faß ich bei bitterster Kälte unter Griechen, deren Kalmder zu dieser Zeit des Jahres kein Pfingstfest nennt, unter Schiffsknechten deren heisere Flüche in allen Sprachen Europas und Vorderaftens micy nicht gerade in Eittzücken versetzten. Doch ich schluckte meinen: Mißm-u darüber ebenso hinunter, wie die seltsamen Speisen dieser JJittteinue völker, nämlich Tintenfischf angarme in Olivenöl, Stockfisch und awocr Gerichte. Eis und Schnee ringsum! Je weiter wir in die wildromanttzcye, felsenstarrende Meerenge hin-einfuhren, um so mehr nahm die ra Pracht der Natur zu. Gletscher leuchteten grün, und die gewaltigen e starrten Massen zogen sich bis tief hinab in die See, die, ungleich azurnen Ozean, smaragdgrün leuchtete. Albatrosse flogen init ungege Flügelspannweite vorüber, schreiende Seelöwen streckten herdenweye schwarzen Kugelköpfe aus der Flut hervor. _ , ü
Dann war das Pfingstfest da. Unter der Mannschaft herrjchte 1 Wochen Unzufriedenheit, und dieser verhaltene Ingrimm kant fprave,. diesem mir so lieben Fest zum offenen Ausbruch. Es war eure ep» rechte Meuterei; Kapitän und Offiziere gegen Matrosen, Heizer, Itmu
Noch hatte ich mit keiner Sylbe meines täglichen hohen Geschäftes hier Weimar gedacht, und wie mich Kleinen das Schicksal weiter und weiter seine wunderlich-geheimnisvollen Kreise einzuspinnen unternommen, „„ es mich einmal des nächsten und häufigen Umgangs mit wohl einem der größten je lebenden Menschen gewürdigt hätte. Nun erst fällt mir ein, daß ich ihm ja in zwei Stunden wieder gegenübertrete, — aber es sind nicht bloß diese kleinen Dienste, die ich dem Menschen leiste, es sind auch fern von ihm, überall und stets, seine Worte, die Worte eines Dichters, die mich in so unzerreißbare Anhänglichkeit an ihn
ja weiterhin im Epos keiner weiteren Ausführung oder Schmückung ' bedurften? Es mußte nur einfach, Exzellenz, diese ganze Handlung, dies ganze Schauspiel sich um Pfingsten begeben, zur Zeit der Aus- ' gießung des 'Geistes, — eines Geistes nämlich der allumfassenden Gemeinsamkeit sowie der höchsten göttlichen Gerechtigkeit, deren Ahnung wenigstens hier satt auch sämtliche übrige Kratur ergreifen will . . ."
Ich sah, wie Goethe die Augenbrauen hochzog, was er immer tat, wenn er von einer bloß abstrakten Idee oder allegorischen Deutung mißbilligend ablenken wollte, und hörte ihn auch schon sagen: „Und ent- sinnen Sie sich nicht mehr unseres Gespräches von neulich, ba wir denn die falsche Tendenz solcher Künstler, welche die Religion zur Kunst machen wollen, während ihnen die Kunst Religion sein sollte, festgestellt haben?"
„Und sehe ich nicht gerade auch hierin das Tiefreligiöse," antwortete ich Goethen begeistert, „daß selbst aus einem scheinbar so weltlichen Stoff wie dem „Reineke Fuchs" sprechen muß und immer wird, wenn Jemand wie Sie mit vollster Nüchternheit nur bei den einmal angenommenen Gegegebenheiten und Voraussetzungen d. i. den „Tatsachen" auch dieser bloßen „Fabel" bleibt, indem er unter allen vielleicht ja auch sonst noch beim Tier zu treffenden Mängeln stoffgetreu solche wählt und schildert, womit unermüdlich, unerbittlich grabe nur alle menschlichen Schwächen vor Augen geführt und enthüllt werden; so -daß wir uns, alles andere vergessend, ganz zuletzt eben nur wie in der einig-einzigen anerkannten und immer cmzuerkenenden Kirche der einen gemeinsam handelnden, gemeinsam leidenden Kreatur zu befinden glauben!? Deshalb haben Sie Recht, dreimal Recht, Exzellenz, wenn Sie diese uns scheinbar doch immer noch am allerfremdesten anmutenden „Tierstimmen" wie zum ersten Mal ebenfalls an einem Pfingstfest reden, zusammentönen, auch sie unter Einwirkung des heiligen Geistes, d.h. noch immer derselben einzigbleibenden göttlichen Gerechtigkeit, gleichsam „dasselbe" verkünden lassen! Hierbei nun aber macht es für den echten und wahren Leser auch nicht das mindeste aus, daß ja nach eben dieser Fabel Reineke selbst, der Böse, der Schlimme, der ewige Ränkeschmied noch geehrt und geachtet davonzukommen scheint: es bandelt sich doch überhaupt nicht um irgendwelchen äußeren, irdischen Sieg, — es handelt sich um Idee und Notwendigkeit des Gerechtseins selber, -das hier zum ersten Ma! als Ahnung in die unvernünftige Natur einzieht, auch sie psingstlich mii- einbegreifen möchte!"
Goethe schien es jetzt zufrieden zu fein. Wir waren indes um das Gehölz, das WÄ>icht, gefahren und bogen in der Nähe von Tiefurt in den Weg nach Weimar zurück, wo wir zur gemeinsamen Mittagstafel von den Frauen im Haufe schon erwartet wurden.
Weimar, Pfingsten 182 . Einer der wunderbarsten Morgen weckt mich heute schon früher, als sonst; mein Zimmer ist in Sonne gebadet. Alle Schwermut von gestern Abend wegen der I . . ist, wie verflogen. Ich kleide mich rasch an, trete ans Fenster, 6a haben sie überall schon die Maibäume vor den Türen gepflanzt. Mein Spion zeigt mir ein paar Burschen und Mägde, festlich geputzt, lachend und schwatzend auf der unteren Straße nach Berka, die schwänzen heute sicherlich auch die Kirche. Ich glaube singen zu hören, — und auch mir summen plötzlich
Kopf die herrlichen Anfangsverse des „Reineke Fuchs":


