treten könnte. Homer glänzt in alter Herrlichkeit alterslos wie das Meer, aoer jeinen Heiden Achilleus hat Hölderlins Seelenblick getroffen, und er steht in neuem, ungeahntem Licht. Heraklit, für ein Jahrtausend nichts als ein Name, ist an den Tag getreten, und seine dunkle Lehre ist heute wieder seelenbildende Gewalt. Die dunkeln ältesten Mythen, eingemauert in die Grundfeste des Werkes der Tragiker, haben in dem wunderbaren Schweizer*), 'dem lange verkannten, ihren Deuter gefunden; noch einmal bereitet sich in seinen Werken, wie einst im antiken Lebensbereich, das Ganze dieser Geisteswelt, vom orphijchen Spruch bis zur mythischen Anekdote, dis ein byzantinischer Spätling überliefert.
In der mittelsten Region aber der Naturwissenschaften, dort, wo der Begriff der „Wirkung" den Begriff der „Energie" heute ablöst, wo von den Begriffen Raum, Zeit und Schwere her jenes Geheimnis, das wir zuletzt mit dem Wort Materie bedeckten, einer neuen Enthüllung entgegenharrt, dort, wo das nüchtern-großartige Wort laut wird: Was ich messen kann, das existiert — dort erhebt sich aus den brauenden Nebeln der Theoreme, wie das Licht des uralten, ewig jungen Tages, die Vision Platons von einer Zahlentheorie der Natur und mit ihr die Weisheit des Pythagoras.
Moderne Schatzgräber.
Von Grasen Carl von Klinkowstroem (München).
Deutschland ist, verglichen mit anderen Ländern, nicht übermäßig reich an nutzbaren Bodenschätzen. Der Friede von Versailles und seine Konsequenzen haben uns noch der wertvollsten Lagerstätten beraubt: Erze und Kali im Elsaß, Erze und Kohle in Oberschlesien. So ist die intensive Ausnutzung bzw. Feststellung der uns noch verbleibenden Bodenschätze für Deutschland eine Lebensfrage geworden. Dieser Aufgabe, sind unsere Geologen und Bergleute gottlob vollauf gewachsen, und es gibt wohl kein Land, das geologisch so gut durchforscht ist wie unser Vaterland. Dennoch mögen auch . in deutschem Boden noch abbauwürdige Bodenschätze schlummern, die sich bisher der Erforschung entzogen haben. Wir haben aber gerade in Deutschland in den letzten Jahren eine Anzahl Methoden ausgebildet, die geeignet sind, hier neue Ausschlüsse zu schaffen.
Wenn der Geologe den Aufbau des Landes kennen lernen will, so tritt er an eine Aufgabe heran, die nicht so einfach ist. Hinsichtlich der Obor- stächengestaltung bieten ihm dazu die natürlichen Auffchlüsse die nötige Handhabe: Entblößungen des gewachsenen Gesteins etwa an Felswänden, an Flächen steil eingeschnittener Täler und Schluchten, in Flußbetten usw. Ebenso gestatten Steinbrüche, Sand- und Kiesgruben, Eisenbahneinschnitte und Tunnels, Tagebaue, Brunnen usw. vielfache Rückschlüsse auf anstehende Lagerstätten. Dazu treten die geologischen oder bergmännischen Anfschlußarbeiten: Schürfgräben, -stollen und -schächte, Bohrungen, sowie aus der Erfahrung bekannte Anzeichen aller Art. Schon früh hat man versucht, außer diesen realen Hilfsmitteln sich von weiteren, mehr od:r weniger unsicheren Anzeichen leiten zu lassen, wie z. B. durch Pslanzenwuchs, durch die sogenannten Bergschwaden usw., und von alters her hat im Bergbau die vielumstrittene Wünschelrute eine große Rolle gespielt.
Ehe wir auf die in neuerer Zeit ausgebildeten geophysikalischen Hilfsmethoden näher eingehern seien dem interessanten Problem der Wünschelrute einige Worte gewidmet. Dieses Problem ist jetzt in manchen Punkten so weit geklärt worden, daß man darüber immerhin schon einige positive Angaben machen kann, die als gesichert gelten können. Abgesehen von rein psychischen Einflüssen, die die Reaktion der Wünschelrute veranlassen können, wie Autosuggestion, Wunsch, Erwartung oder auch unbewußte Deutung etwa perzipierter Bobenmerkmale, stich es zwei Hauptkomponenten, aus denen sich das Problem znsammensetzt: der physikalische Teil, die Wirkung der Reizursache auf das sensible Nervensystem des Rutengängers, die in unwillkürlichen und unbewußt bleibenden Muskelbewegungen ihren Ausdruck findet. Der physikalische Teil ist noch nicht hinreichend geklärt, doch stehen heute Geologen wie Professor Johann Walther (Halle), oder Physiker, wie Dr. R. A m b r o n n (Göttingen), Herzfeld (München) und H a s ch e k (Wien) nicht an, eine tatsächliche Beeinflussung des Rutengängers durch Störungszonen im Untergründe, durch Verwerfungen und Spalten, in denen sich etwa Erze abgesetzt haben oder Wasser zirkuliert, vollauf anzuerkennen. Haschek und Herzfeld sehen die Reizursache in plötzlichen Veränderungen des elektromagnetischen Feldes, und Ambronn hat eine Veränderung der radioaktiven Zustands- größen an solchen Stellen festgestellt, an denen der Rutengänger reagiert. Die physiologische Seite des Reaktiondvorganges ist neuerdings in weitgehendem Maße aufgeklärt worden, wenigstens soweit es den typischen Ausschlag der Wünschelrute betrifft. Es handelt sich um Kontraktions- schwankungen der Brust- und Armmuskulatur, die sich auf die Rute übertragen. Dec schwache Punkt beim rutengängerischen Aufschlußverfahren ist die Deutung der jeweiligen Reaktion, die naturgemäß leicht zu Fehlschlüssen Anlaß geben kann. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß demnächst mit Unterstützung des Verbandes zur Klärung der Wünschelrutenfrage durch einen auch psychologisch geschulten Geologen, Rudolf v. M a l tz a h n München), der zugleich Rutengänger ist, unter Heranziehung berufener Fachleute eine weitere experimentelle Klärung des verwickelten Wünschelrutenproblems in Angriff genommen werden soll.
Vhysikalische Apparate in den Dienst bergmännischer Schürfarbeit zu stellen, ist schon ziemlich früh versucht worden. Das einfachste Verfahren dieser Art ist die magnetische Schürfung mittels des Bergkompasses. Im übrigen sei von älteren Apparaten nur das Magnetometer des chwedifchen Physikers R. T h a l e n (1875) genannt, mit dem Erzlager- tätten durch ihren örtlich störenden Einfluß auf das erdrnagnelische Feld estgestellt werden sollten. Tatsächlich hat man auch in Schweden und in Südrußland erfolgreich durch magnetische Vermessung die Ausbreitung von Eisenerzlagern bestimmt.
In neuerer Zeit ist nun eine Anzahl Methoden zur Erforschung des Erdinnern ausgebildet worden, die vielfach bereits zu prak- tffchon Ergebnissen geführt haben. Sie umfassen in der Hauptsache
e) Böcklin.
Messungen über die Verteilung der magnetischen Bestimmungsgriißen m* deren lokale Anomalien, elektrische Messungen, Bestimmung der Au» breitung elastischer und Schallwellen im Erdinnern, StMum der Verteilung 6er radioaktiven Substanzen im Erdinnern oder an der Erdoberfläche usw.
Die gesteigerte Schürftätigkeit läßt diese geophysikalischen Meßmethoden heute besonders wichtig und aktuell erscheinen, so daß eine kurze Beschreibung derselben nicht überslüssig erscheint. Die verschiedenen Gesteine, aus denen sich die Erdkruste zusammensetzt, weisen sehr verschiedene Eigenschaften auf: ihre elektrische Leitfähigkeit, ihre magnetischen Eigenschaften, chre Dichte und Schwere usw. gaben Anhaltspunkte für besondere Methoden ihrer Erforschung, die besonders von den Göttinger Physikern G.Leimbach und R.Ambronn ausgebildet worden sind. Die elektrischen Methoden gliedern sich in zwei Gruppen, je nachdem es sich um die Untersuchung leitender oder nichtleitender Gesteine handelt. Erstere waren mittels elektrischer Ströme, letztere mittels elektrischer Wellen durchforscht. Das zuerst genannte Verfahren dient z. B. dazu, um in sonst schlecht leitendem Gebirge einzelne besser leitende Teile — Erzgänge, Wasservorkommen u. ä. — aufzufinden und festzulegen. Durch in den Boden geleiteten Wechselstrom werden die Stromlinien gleichen Ponten- tials festgelegt und kartiert. Deren Konfigurationen geben dann Anhaltspunkte zu Rückschlüssen auf das Vorhandensein und die Form etwaiger bergbaulich wertvoller Objekte. In größeren Tiefen sind die Gesteine im allgemeinen — außer Kohle, Erzen u. a. — völlig trocken und nicht leitend. Dann tritt das Verfahren der Hertzschen Wellen ein. Diese haben die Eigentümlichkeit, daß sie sich nur in nichtleitendem Gebirge ungehindert aus- breiten, von leidenden Schichten aber — z. B. Kohlenflözen — reflektiert werden. Man sendet also die Hertzschen Wellen nach Art der drahttosen Telegraphie ins Erdinnere und kann aus der Art ihrer Ausbreitung feine Rückschlüsse ziehen.
Auch die Verteilung der radioaktiven Stoffe im Erdinnern ist zur Er- sorschung des Untergrundes herangezogen worden, denn die Verteilung der Radioaktivität an der Erdoberfläche hängt wesentlich vom Untergründe ab. So erhält man (nach Ambronn) stets eine Erhöhung der Radioaktvität über Verwerfungen, über Eisenerzlagern eine Verminderung. Dieses Verfahren eignet sich auf Grund radioaktiver Messungen zum Auffuchen von Störungszonen in der regelmäßigen Gebirgslagerung, mich unter starkem Deckgebirge, zum Auffinden von Erzgängen unter Gehänge- und Tat- schutt, zur Untersuchung des Baugrundes von Talsperren usw.
Zu nicht minder interessanten Resultaten haben die Schwerkraftmessungen geführt. Die empfindlichste Vorrichtung für solche Messungen ist die Drehwaage (Schwerevariometer) des ungarischen Physikers R. von E ö t o ö s , welche die Veränderung der Schwerkraft auf der Erdoberfläche zwischen Punkten von nur wenigen Dezimetern Entfernung zu messen gestattet. Diese genauen Messungen können z. B. dazu dienen, di« Lage einer Verwerfung in schwerem Grundgebirge, deren einer Rand einige hundert Meter emporragt, unterhalb sehr dicker Sandschichten festzustellen ober die genaue Begrenzung «nes spezifisch leichteren Salzstocks gegen das schwerere Nachbargebirge.
Mit Hilfe der Methode der elastischen Wellen «Mich läßt sich z.B. die Tiefenlage der Oberfläche des anstehenden Gebirges und des Ausgehenden von Salzlagerstätten unter toniger oder sandiger Bedeckung dort feststellen, wo scharfe Grenzen zwischen Schichten verschiedener Elastizität auftreten. Die elastischen Wellen (künstliche Erdbebenwellen) werden dabei etwa durch Dynamitexplosionen unter der Erdoberfläche erzeugt, und die Fortpstanzungsgefchwindigkeit dieser Wellen läßt Rückschlüsse zu auf die Verteilung dec Elastizität und damit auf den Bau der tieferliegenden Schichten der Erdrinde.
Alle diese Verfahren haben sich, von sachkundiger Hand benützt, bereits bewährt.
Die Handschuhe der Kaiserin.
Eine Novelle von Alfons v. Czibulka.
(Fortsetzung.)
„Halbregiment de Signe und Regiment Savoyen hatten gestern Rast", entgegnete der Adjutant verärgert.
„Versteh' Er doch einen Spaß!" brummte der Hadik.
Der Rittmeister überlegte, dann wagte er es. Denn er hielt sich immer etwas auf feine höhere militärische Bildung zugute, die ihm auch die Adjutantenstelle eingetragen. Er gab zu bedenken, daß die beiden feindlichen Korps und die beste Reiterei des Königs doch eigentlich im Rücken des kleinen kaiserlichen Beobachtungskorps stünden, daß auch von Schlesien her preußische Truppen im Anmarsch feien, also mit jeder Stunde der Rückmarsch aus der Lausitz nach Böhmen gefährdeter werde.
Belustigt blickte der General auf den jungen Offizier, bann fragte er den Major: „Wohin schaut er, der Moritz?"
Der Husarenmajoc, der merkte, daß der General plötzlich bet Laune sei, lachte und gab Antwort: „Den Moritz selbst haben meine Husaren nicht gesehen."
Der Hadik tat entrüstet: „Richt gesehen? Nicht gesehen! — Wo stehen denn seine Hauptposten?"
„Südlich der Elbe, Euer Exzellenz."
„Na also, bann schaut er nach Süden, der Moritz — kapiert?"
Selbst der hochmütige, immer ein wenig indigniert und gelangweilt dreinschauende Kolowcat, Reichsgraf und Rittmeister, mußte lachen. Denn so war er, der Hadik. Der aber reichte dem Husaren die Zeitung, tippte mit dem Finger auf die Stelle und sagte: „Les' Er und geb' Cr's bann den andern! Bonsoir die Herren!"
Aber der Rittmeister blieb noch stehen und fragte: „Die Befehle für morgen. Euer Exzellenz!"
Da lachte der Hadik infernalisch — der Teufel mochte wissen, warum — und gab bann gleichmütig zur Antwort: „Morgen? Morgen ist doch Sonntag? — Feldmesse wie gewöhnlich für meine Heiden, bann Parade acht Uhr! Oder glaubt Er vielleicht, ich reiße aus von dem Moritz?"
Die Offiziere waren entlassen.


