Nummer 78
Samstag, den Mover
Jahrgang M7
der
3 hAer aber »egt bie Entscheidung bei der jungen Generation des Volkes, als der Trägerür der Zukunft. Nicht zufällig erscheint es deshalb daß aerade dem jungen Menschen in besonderer Werse die Fähigkeit verliehen ist. das Gepräge überragender Persönlichkeiten in sich aufzunehmen und in lebendiger Assimilierung gleichsam neu zu verkörpern. An der Jugend haben die Helden zu allen Zeiten nicht nur ihre Verehrer sondern auch ihre Gefolgschaft gehabt. , . .. , .
Geht man diesen Gedankengängen nach, so erhalt in die en Tagen, da wir das Lebenswerk Hindenburgs in seiner bleibenden Bedeutung zu würdigen versuchen, die Frage ein besonderes Gewicht, in welcher Weise die Lebensauffassung, die die Persönlichkeit und das Werk unseres Reichspräsidenten verkörpert, das innere Verständnis der Jugend der Gegenwart gefunden hat.
Da wäre es dann unehrlich, zu leugnen, daß es weiten, und zumal den lebendigsten Kreisen deutscher Jugend zunächst nicht leicht geworden ist, ein inneres Verhältnis zu der Persönlichkeit Hindenburgs zu gewinnen. Dis Jugend, die aus den unruhigen Jabrrn des Umsturzes hervorging und unter den Einflüssen der damaligen Jugendbewegung stand, war selbst in ihrer gesamten Haltung so stark problematisch, daß iie sich schwer in der rnbiaen und dem nüchternen Pflichk-
Es gehört unabtrennbar zu der Sendung überragender Gestmten Geschichte, daß sie den Stempel ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensauffassung dem zeitgenössischen Geschlechte aufpragen. Mag die einzelne em- maliqe Tat, mit der sie in das Gefüge des geschichtlichen Geschehens em- areifen noch so gewaltig und außerordentlich sein, bleibende Bedeutung über die flüchtige Stunde hinaus erhält sie doch erst dann, wenn sie aus einer Gesamtanschauung heraus wächst, die Tausende in ihren Bann zu
bewußtsein des greisen Feldmarschalls zurechtfand. Pflicht aber war und ist das kennzeichnende Wort für die Lebensauffassung, die uns hier entgegentritt, Pflicht in dem Sinne des schlichten Gehorsams gegen das jeweilige Gebot der gegebenen Stunde. Wahrlich ziinächst etwas schier Unfahllches für eine Jugend, die sich in eine Kulturkrisis von unerhörten Ausmaßen hineingestellt wußte und darum meinte, vorerst einmal die letzten Probleme der Menschheit und des Lebens von Grund aus neu lösen zu müssen, ehe der Weg zur schaffenden Tat frei werden könne! Da war ein Mann, der sich mit jchlichter Selbstverständlichkeit auf den Boden der gegebenen sozialen und staatlichen Verhältnisse stellte, so sehr ste vielleicht gerade auch ihm schwer zu tragen sein mochten; und ihm gegen- über eine Jugend, der zunächst einmal das Recht dieser Verhältnisse völlig in Fraoe stand. Das war ein Mann, der wie kaum ein zweiter den Zusammenbruch deutschen Schicksals in sich durchlebt haben muhte, und der doch mit einem fast unheimlichen Vertrauen das Wort sprach: „Ich habe das Heldenringen meines Volkes gesehen und glaube nie und nimmer, daß es sein Todesringen gewesen ist"; und ihm gegenüber eine Jugend, die aus den Schützengräben heimgekehrt, in ratloser Verwirrung der Zukunft geqenüberstand. Da war ein Mann, der mit dem vollen Ernst eines gereiften Mannes, aber auch mit unerschütterlicher Sicherheit fein Vertrauen auf Gott bekannte und für die Wiedergeburt Deutschlands betete; und ihm gegenüber eine Jugend, die wahr- hastig an der Frage nach Gott nicht mehr gleichgültig vorübergmg, aber der doch die Gottesfrage zum furchtbarsten Problem geworden war. ,
Was Wunder, wenn diese Jugend zunächst mit einem saft verständnislosen Staunen den Mann betrachtete, der durch Zusammenbruch und Umsturz hindurch seinen Weg mit so ruhiger Entschlossenheit ging!
Täuschen wir uns nicht, so hat sich indessen in den letzten Jahren gerade in der angedeuteten Richtung im Anüitz der bewegten deutjchen Jugend mancherlei gewandelt. Richt, daß ihr das Bewußtsein für den Ernst der geschichtlichen Stunde, in die sie gestellt ist, verlorengegangen wäre wie so vielen anderen, die ihn noch heute nicht erfaßt haben und in oberflächlichem Taumel ihre Jugend vertändeln. Aber die Stunde einer unfruchtbaren Problematik deutscher Jugendbewegung ist vorbei. D°r Wille zur Tat und zum nüchternen Gehorsam gegen die Forde- runaen des Tages ist neu in ihr erwacht. Damit zugleich wird die Bahn frei für ein neues Verständnis der Ge sch i ch te und für eine W^ederentdeckung der alten ewigen Wahrheiten, die unauflöslich mit dem Werden unseres deutschen Volkstums verbunden find. Wie ste sich die deutsche Heimat neu erwandert, das alte deutsche Lied neu ersungen hat, so lernte die Jugend auch neu die Ehrfurcht vor dem Gott, den wir m
1 Jesus Christus unseren Vater nennen. r (rx„ .
i Noch ist das alles im Werden. Wer die großen Bund« der werk-
tätigen Jugend unseres Volkes kennt, der weiß, wie heiß gerade dort zur Zeit um ein neues Berussethos und ein neues Verständnis von Familie und Volkstum gerungen wird. Unter der Losung „Du sollst den Werktag heiligen!" rüsten sich soeben die Evangelischen Jungmannerbunoe Deutschlands zu ihrem Jugendwerbetage, und die Frage nach einer Versitstichung des wirtschaftlichen Lebens steht auf der Tagesordnung fast jeder Tagung unserer gewerkschaftlichen Jugendbünde aller Richtungen. Da butfc studieren junge Leute von neuem an dem alten, so oft mißverstandenen Wort „Pflicht", das über der Lebensanschauung unseres Hindenburgs wie 6111 ®irbmifien,1 daß^die Wirkung großer Männer in der Geschichte nicht zuletzt davon abhängt, daß sie die Stunde finden, die für ihr Werk reif ist Täusck'en wir uns nicht, so ist für Deutschlands großen Feldmarschall und Reichspräsidenten diese Stunde heute im Anbrechen. Von einer neuen
Sachlichkeit" spricht man und meint danrit vielleicht heute erst nur eine neue ästhetische Mode. Wer die Wandlungen der Jugend unserer Tage mit offenem Auge beobachtet, der weiß, daß jenes Wort vielleicht morgm schon mehr sein kann, nämlich Ausdruck einer neuen Lebensauffassung d-r jungen Generation, und damit zugleich der Stunde Hindenburgs. Größeres aber fürwahr könnte man dem Achtzigjährigen schwerlich wünschen als dieses, daß die Jugend seines Volkes im innersten Kern ferne Lebensauffassung verstehen lernte und damit jenes Vertrauen rechtfertigt«, mit dem er von ihr sprach: „Die Jugend ist es, die unser 3_erruttetes Deutschland wieder aufrichten muß, in ihr ist noch der deutsche Geist
Eichener SamilietiHätter
Unterhaltungsbeilage ;um Siebener Anzeiger
lebendig." _____________
Begegnungen mit Hindenburg.
Von Rols Brandt.
Das Schicksal eines Journalisten bringt es mit sich, daß er mit vielen Menschen zusammenkommt, die ganz vorn auf der Buhn« stehen, auf der die großen Dramen der Völker gespielt werden. Wer Heldenspieler, Politiker, Diplomaten und Volksmänner so sehr nahe aus den Kulissen steht, ist meistens menschlich tief enttäuscht. Man kann immer erkennen, wo die große Eitelkeit des Schauspielers beginnt. Es ist tröstlich, zwischen jo
Hindenburg.
Zum 2. Oktober 1927.
Von Rudolf Herzog.
Hoch über Deutschlands Himmel steht geschrieben Dein Vatername. Und die Kinder kommen, Endlosen Zugs ein Volk, von Dank getrieben, ' Von Glück erfüllt, von Ehrfurcht scheu benommen.
Kein Schützenzug in klingelndem Gewimmel Ein Glaubensheer, das seinen Kirchgang halt, Und droben spricht der große Gott im Himmel Wie Segen deinen Namen auf die Welt.
Vater des Vaterlands. In Schicksalsstürmen Wuchs uns dein Bild zum Bild der heil gen Esche, Auf deren Wipfel sich die Wolken türmen — Di/hobst das Haupt und schufst dem Licht die Bresche — An deren Wurzelstock die Neider nagen — Du schürftest mit dem Fuß die Nester aus.
Es war nach Deutschlands wildzernss nen Tagen Ein Vater wieder und ein Herr im Haus.
Ein Vater. Nicht ein Herr der Halbverlor'nen. Ein Freund, der mit der Güte Vaterhänden
. Des Volkes Letztem wie dem Erstgebor'nen Die Seele sucht zur Gläubigkeit zu wenden. Zur Gläubigkeit, die nicht die Hölle rauben Und roden kann: an Deutschlands Oster zeit! Zur Gläubigkeit an deines Bruders Glauben Und an die Kraft, wenn willens eins ihr seid. Wenn wir als Kinder auf zum Vater schauten, Ehrsürchtig und doch sicher im Vertrauen, Den Händen dankend, die ein Dach uns bauten, So sah'n im Alter wir aufs neu dich bauen, Wie einen Vater, der der Kräfte Nützung, Der seines Atems allerletzten Hauch
Hingibt für feiner Kinder Schirm und Schutzung Und für die Heimatlosgeword'nen auch.
Du, deutschen Lands geweihter Ehrenbürger, Werd' Ehrenbürger heut in allen Mauern. Der deutschen Zwietracht greiser Todeswurger, oo soll dein Ruhm den Kriegsruhm überdauern. Werd' Ehrenbürger heut in allen Seelen, Daß Glaube, Hoffnung, Liebe wiederkehrt.
Und nimmer wird's an Gottes Segen fehlen Dir, deutschem Volk. Sei deines Helden wert.
Hindenburg und dis deutsche Jugend.
Van D. Erich Stange.


