er, ermüdet durch bei warmen Stube einge- nicht gering, denn tuet Kruste abkaufen? Uni
Verantwortlich: Dr. §anS Thhriot. — Sruck und Verlag: Brühl'sche Llniverlikats-Buch« und Steinbruckerei, A. Lange,
langen Nachtmarsch in der Winterkälte, in der schlafen.
Der Meister war wütend, der Schaden war würde ihm die Brote mit der dicken schwarzen den Spott hatte er noch obendrein. Während er
Dss Faftnachtsbrot.
Bon Bernhart R e h s e.
Bon Lipps Till, dem jüngeren Better des Till Eulenspiegel, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im rheinisch-westfälischen Grenzgebiet seine Streiche und Schwänke vollführte, weiß ich euch noch ein lustiges Stücklein.
Sankt Petrus ist den Rheinländern sehr zugetan, weil sie bei allem Ungemach, das ihnen durch die Weltläufte feit ein paar tausend Jahren bis auf den heutigen Tag widerfahren ist, nie ihren Humor verloren haben. Deshalb läßt er auch immer zur rechten Zeit auf ihre Rebenberge :chön warm die Sonne scheinen, damit der Wein gut gerät, und deshalb schickt er ihnen schönes Wetter in den Fastnachtsjagen, damit am Rosenmontag der rheinische Humor mit der Sonne um die Wett« lachen kann.
Aber, wie das bei so alten Herren vorkommen kann, zuweilen plagen auch Sankt Petrus die Mucken. Und dann müssen immer die Lieblingskinder die schlechte Laune des Alten ausbaden.
In einem schönen Jahre bekam Sankt Petrus just am Rosenmontag einen so heftigen Anfall von Podagra, daß der himmlische Hausarzt sofortige Bettruhe anordnete. Petrus ließ sich von Frau Holle die Federn aufschütteln. Und die besorgte das so gründlich, daß die Flocken nur jo vom Himmel wirbelten, und der schöne Rosenmontagszug in Köln bald wie eine Eskimokarawane aussah. Ms er nun im frifc^emachten Bett lag, merkte er, daß Frau Holle, die mit den Jahren ein wenig vergeßlich geworden war, die Wärmflasche vergessen hatte. Darüber ärgerte er sich so gewaltig, daß er die himmlische Geduld verlor und nun nach je« inandem suchte, an dem er seinen Aerger auslassen könnte. Da fielen ihm seine Rheinländer ein. Und gleich plagte ihn der Teufel der Schadenfreude. „Ei," sagte er, „ich will doch einmal die Rheinländer auf die Probe stellen, ob sie nicht in der Fastnacht den Humor verlieren, wenn
Als der Backer in der Morgendämmerung in seine Backstube zurück kehrte, fand er die Brote ungebrannt im Ofen und Till fest schlafend auf der Bank liegen. Till hatte alles nach Vorschrift ausgeführt. AK: während er auf das Ausbacken wartete, war
daran ging, den Scha> den durch Abkraßen einigermaßen zu beheben, wobei ihm der zerknirscht« Lipps redlich half, pfiff Till mit einem Male durch die Zähne, lieh da« Brot finken und sagte: „Meister, ihr habt mir doch einen Taler für bi« Nacht versprochen ?" — „Für das Wachen, aber nicht für das Schlafen' ' war die brummige Antwort. „Aber wenn ich euch die Brote verkaufe, dann steht mir der Taler doch zu?" Das bestätigte der Meister. „Güt' sagte Till, „bann streckt mir den Taler vor und legt euch aufs Ohr. Ven kaufe ich die Brote, dann gehört der Taler mir, verkaufe ich sie nicht
Aber mit den gezierten Sitten, den Reifröcken und den gepuderten Haaren verschwindet während der französischen Revolution der Fächer vollständig aus den Händen der Same. Wie jo manches Hübsche und Reizende aus der barocken Zeit versinkt er ins Dunkel der Vergessenheit, aus der ihn erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts Prinz Karneval wieder hervorholt, und ihn, der einst am goldenen Thron der Pharaonen gestanden, in seinen prächtigen, aber mit falschem Prunk staffierten Hofsaal holt.
Wieder glänzt und gleißt der flitterschimmernde Flügelschlag des Kühlungsspenders durch den Tanz- und Gesellschaftssaal, und die neueste Mod« hat ihm beinahe wieder seine ursprüngliche, einst so stolze königliche Form zurückgegeben. In zauberhaften Farbennuancen, oom tiefen Azurblau bis zum mattschiminernden Blau des Himmels, vom Purpur traumhaft glühenden Rotes bis zum zarten Schmelz der Marechal Niel vereinen sich die Farben auf ein und demselben großen Fächer aus stolzen Straußenwedeln, blitzen die strahlenden Sterne von Brillanten,und Türkisen aus den kunstvoll geschnittenen Griffen. Es ist ein Auf und Ab wie von gaukelnden Schmetterlingen, ein sanftes Wiegen und Neigen, eine Pracht und ein Gefunkel, wie in den Märchen von Tausend und Emer Nacht, das sich jetzt in den Ballsälen entfaltet. Wieder ist er, der Sohn bes Orients, Herrscher geworden, wieder ein Kind der Freude, der Lich- ter und das Sinnbild festlichen Gepränges, wie er es einst gewesen.
Kein Wunder, daß er mich seit jeher, wie alles Schöne, Zarte und Kunstvolle, seine Liebhaber unter den Sammlern gefunden hat. Lord Wallace hat von ihm die schönste Sammlung angelegt: wahre Wunderwerke an, schönen reichverzierten Gestellen aus Perlmutter, Elfenbein und Schildpatt, viele mit Perlen und kostbaren Edelsteinen eingelegt und mit zarten Miniaturgemälden versehen, die bald den ganzen Fächer, bald nur wie zart gehauchte ovale und runde Medaillons auf dem einfarbigen Grund des Blattes schweben. Auch die echte Spitze fehlt selbstverständlich nicht und ist in herrlichen Exemplaren vertreten, von der hauchzarten Brüstete:, bis zur schwereren Brabanter Spitze und den venezianischen Points d’Aiguille.
Bot so der Fächer einerseits reichlich Gelegenheit zur Entfaltung des Kunfthandwerkes, heute Kunstgewerve genannt, hat er Maler und Künstler angeregt, ihn mit reizenden Motiven und geistreichen Farbenaperous zu schmücken, hat sich sozusagen der Fächer die Kunst erobert, so kann man umgekehrt sagen, daß sich auch die Kunst den Fächer zu eigen machte, indem nämlich die Porträtmalerei in ihm ein höchst reizvolles Attribut des Danicnbildnisses entdeckte. Auch hier nützte der Künstler beu Facher als Beigabe und Emblem der Dame, der reich und stolz gekleideten Patrizierin. Man wird kaum ein spanisches Damenporträt finden, wo der Fächer nicht als ausdrucksvolles Beiwerk, sozusagen als Mit-Cha- rakteristikum seiner Trägerin, zur Anwendung kommt. Bald zusammen- aefattet, in die zarte Hand sich schmiegend, bald kokettierend, zur Hälfte entfaltet, um beu schelmischen Blick eines bunkeln Auges doppelt ver- führeriscb erscheinen zu lassen. Das schönste Bild, eine Dame der großen Welr mit Fächer darstellend, wird aber wohl immer jenes Porträt Ban Dycks fein und bleiben, das Maria Luise von Tasfis zum Gegenstand Hat und sich in der Liechtensteinqalerie in Wien befindet. Dieses Porträt ist nicht nur eines der edelsten und zartesten Werke des vlümischen Kunst- lers, sonder in dem Liebreiz und edlen Massen der Dargestellten vielleicht die reizvollste Wiedergabe einer Same überhaupt. Reich, und in damaliger französisch bauschiger Tracht gekleidet, hält die rechte, überaus schön und wöhlgebildete Hand einen lässig gefalteten Fächer aus lang- wallenden Straußfedern, der den goldig gestimmten Grnndton des Ge- mäldec. in eine wunderbare Harmonie zarter, silbriger Farbtöne aus- flmgen läßt.
gebe ich ihn euch zurück." Der Meister ging auf den Vorschlag ein, legte ihm den Taler auf den Tisch und verschwand in fein Schlafzimmer, froV das Gespött der Kunden über die mißratenen Brote nicht anhören zi müssen.
Lipps kratzte die Reste des Brotteiges im Backtrog zusammen, formt« daraus ein winziges Brotlein, steckte den Taler mitten hinein und schob es in den Ofen. Dann machte er sich eifrig daran, die schwarzen Kruste« abzuschaben. Als es Zeit wurde, den Bäckerladen zu öffnen, trug er all« Brote hinein und legte auch fein armseliges Erzeugnis aus dem Ofen dazu, das eher einem winzigen Wechselbalg, denn einem Brote glich- Im Schaufenster brachte er einen großen Zettel an, auf dem in bunteni Buchstaben folgender Vers zu lesen war:
„Wer ein Glücksbrot kaufen will. Der holt fein Fastnachtsbrot beim Till."
Dann nahm er die Laden von Tür und Fenster, legte Kittel uni Schürze an und stellte sich zum Empfang der Kunden bereit.
Die Vorübergehenden lachten über den Vers und trugen die Kund« von Tills Glücksbrot von Hans zu Haus. Bald kam man in helle« Scharen gelaufen, zu hören, was es mit dem Glücksbrot für eine Bewandtnis habe. Als sie die Brote mit den schwarzen Rücken sahen, wollten sie entrüstet davon gehen. Till aber erzählte ihnen, daß in einem der Brote ein Taler eingebacken sei, der dem gehöre, der ihn fände. A ging das Geschäft. Denn jeder dachte sich, für einen Taler kannst du bie schwarze Kruste schon in Kauf nehmen. Eifrig bot Till auch sein eigenes Brotlein zum Kaufe an. Aber lachend sagte man ihm, was er selbst gebacken habe, solle er auch selber essen. Ehe eine Stunde vergangen war, hatte Till sein Brot ausverkauft. Nur sein .Wechselbalg war verkauft geblieben.
Till machte Kasse, die auf den Heller stimmte, schloß die Ladmm und legte Kasse und Schlüssel dem schlafenden Meister auf die SetW Dann ging er durch die Hintertür querfeldein der Heimat zu. ,
In den Häusern der Stadt schnitt man eifrig bie „Glücksbrote in der Hoffnung, den Taler zu finden. Als das negative Ergebnis sch * Haus zu Haus herumsprach, strömte alles voll Entrüstung zum laden, um den Till, den man endlich bei einem Wortbruch ertappt zur Rechenschaft zu ziehen. I
Sa fanden sie im Schaufenster den ausgeschnittenen Wechselbalg "- gen, die Eindrücke, die der Taler im Brote hinterlassen hatte, waren M lich zu erkennen. Und auf einem Zettel lasen sie den Vers:
„Das Glücksbrot ließt ihr alle liegen, Drum muht' der Till den Taler kriegen."
Da erkannte man, daß Lipps Till sie auf die reellste Weise von d Welt wieder einmal an der Nase herumgeführt hatte. J
Als bie Kunde von dem neuen Streiche des Till sich durch s Städtchen verbreitete, da erhob sich ein so Helles Gelächter zum H>w.u daß Sankt Petrus aus dem Schlafe erwachte. „Das ist das rye.1. Lachen," sagte er zu Frau Holle, die mit dem Morgenkaffee Here« ; „bas erkenne ich am Klang. Ich seh' schon: der rheinische Huw nicht klein zu kriegen, und wenn ich den Teufel zu HUfe nähme.
, sie frieren müssen wie ich." Und flugs schickte er eine so grimmioe 5-:;;., herab, daß Stein und Bein gefror.
In dieser Nacht war Lipps Till, der den verschneiten RosenmonwH in Köln zugebracht hatte, auf dem Rückwege in seine Heimat. „Den Teufel auch," dachte Lipps, als er eine kleine Stadt erreicht hatte, bei der Kälte weiterwandern, wäre so gut als mit Gevatter Hein Bruder, schäft trinken", und überlegte, wo er ein warmes Plätzchen für die Nacht auftreiben könnte. Da fiel ihm der Bäckermeister Pönsgen ein, bei dem er sich schon einmal durch Backholzabladen einen 'guten Taqelohn ver- dient hatte.
Der Meister war bei übler Laune, als Lipps zu ihm in bie warme Backstube trat. Fastnacht war heute, bie ganze Stabt war auf bem Maskenball. Unb feine Braut tanzte mit einem anbern, weil der Gefell selbst gegen doppelten Tageslohn nicht zu bewegen gewesen war, auf feine verbriefte freie Fastnacht zugunsten des jungen Meisters zu ver>" zichten. So mußte er selbst die Brote in den Ofen schieben, wenn er Geschäft und Berufsehre nicht aufs Spiel fetzen wollte. Als Lipps feine Sitte um eine warme Ecke für die Nacht vorbrachte, kam ihm ein gute: Gedanke. Till war doch ein Heller Kopf. Warum sollte er nicht für eine. Nacht den Backer spielen? Er versprach ihm einen Taler, gab ihm genaue Vorschriften über die Wärme des Ofens, über die Zeit des Einschiebens und Herausholens und ging vergnügt auf den Maskenball, während Till sich gewissenhaft daran machte, seine ungewohnten Verrichtung zu erfüllen.


