bei seinen großen Maskenfesten mit Vorliebe „eine mit hellblauem Atlas, mit silbernen Galonen und Quasten reich ausstaffierte Gondel. Zwölf in Seide gekleidete Gondolieri/ so schildert von Loen, „saßen an den Rudern, darauf folgte der Vuoentoro, eine venetianische Prachtgondel, welche die, in die vier Völkerschaften der vier Weltteile verkleideten Musikanten mit ihren Trommeln, Pfeifen, Trompeten und anderen seltsamen Musiken ausfüllten. Hinter diesem fuhren noch über dreißig andere, auf italienische Art verfertigte Schiffe, allesamt unter Trompeten- und Paukenschall/ Der Dresdner Ältenmarkt und die wundervolle, offene Festhalle des Zwingers mußten unterdessen die Stelle des Markusplatzes vertreten. Ueberall leuchteten bunte Lampen, rings umher standen Buden und mitten auf dem Markte brannte eine große Pyramide mit je 90 einzelnen Feuern.
Mit besonderer Hingabe hat Karl Eugen von Württemberg in Ludwigsburg seine venetianischen Feste, die er von 1769 an öfter zur Fastnachtszeit veranstaltete, ausgestattet. Der Ludwigsburger Markt mit seinen an den Markusplatz erinnernden Arkaden eignete sich besonders gut zum Schauplatz dieses bunten Treibens, lieber die Mitte des Platzes wurde ein großer gedeckter Gang gezogen. „Darin waren u. a. sechs herrschaftliche Butiken für Malerei, Lotterie, Spiel ufw. untergebracht, in denen Serren und Damen vom Hof allerlei Galanteriewaren feilboten oder Mckstöpfe hielten, als Wahrfagerinnnen und Zigeunerinnen Orakel- krüche verkündeten, als Händler mit Südfrüchten und Likören oder Waffelbäckerinnen ihre Waren anpriefen. Auch die übrige Fläche des weiten Platzes bedeckten zahlreiche Buden, worin allerlei hübsche Waren zum Berkaus ausgelegt waren. Die anstoßenden ebenerdigen Wohnungen hatte man in Wirtschaften oder Spielbanken verwandelt, die andauernd mit Gästen angefüllt waren." Alle mutzten im Maskenanzua erscheinen; fahrende Musikanten gaben zum Klange der Drehorgel ihre Liedchen zum besten; französische Schauspielerinnen und italienische Balletteusen schlüpften mit kecker Anmut durch die Menge. „Da rauschte und wogte es in scheinbar zwanglosestem Durcheinander von Sammet und Seide. Die tollsten Aufzüge und Spiele wurden aufgeführt, unter denen noch lange nicht das stärkste Stück ein riesenhafter Heiduk des Her- »ogs bot, der in die Maske eines Wickelkindes gekleidet, in einer Wiege lag und sich von einer Amme, die ein Zwerg war, mit Brei speisen lieh." Der „Karneval von Venedig" ist im Fastnachtsjubel des 18. Jahrhunderts eine ständige Erscheinung geworden. Ueberall gibt es „Redouten", am Hofe des „alten Fritz" wie im Weimar Goethes, und wie der Name der Maskenseste, so ist auch die Erinnerung an diese glänzende Festkultur bis heute unvergessen geblieben.
Mummenschanz und Tanzfeste von ernst.
Bilder aus vier Jahrhunderten.
Von Dr. Hedwig Fischmann.
In den Tagen der Renaissance, da sich selbst des Lebens Alltag jo gern <m antiken Mustern maß, standen auch die Freuden des Karnevals und di« großen Festlichkeiten vorwiegend in dem Zeichen einer dem altgriechischen oder römischen Gedankenkreis entlehnten Idee, bei deren künstle- nscher Umsetzung in einen bewegten, rhythmisch stilisierten Aufzug die hervorragendsten Maler und Bildhauer der Zeit alle ihre Kunst entfalteten. Durch die Nachbildung antiker Triumphzüge — ursprünglich nur bei wirklichen Siegesfeiern, spater aber auch im Karneval und bei andern Festlichkeiten — boten diese triomfi mit ihrem carrus navalis, dem Maskenwagen, der Freude des Italieners an Mummerei eine willkommene Gelegenheit, sich bald in historische, bald in mythologisck-heroische oder allegorische Verkleidungen zu hüllen; und nirgends war die Fähigkeit, eine Maske zu erfinden und in ihrem Sinne sich zu bewegen, aus- aeblideter als beim italienischen Volk, nirgends das Verständnis für die Gestalten der alten Sagenwelt lebendiger. Wenn in Florenz unter Lorenzo magnifico der Siegeszug des Paulus Aemilius, in Rom unter Paul II. der Triumph des Augustus über Kleopatra mit einem Massenaufgebot an mythologischen und heiteren Masken, an gefesselten Königen, antik kostümierten Senatoren, Aedilen, Quästoren und Triumphwagen vorgeführt wurde; wenn Cesare Borgia im Karneval in kecker Lüspielung auf seine eigene Person den Triumph Julius Casars mit aller erdenkbaren Prunkentfaltung wiedererstehen ließ — so fanden diese Vorgänge bei der jubelnden Zuschauermenge eine verständnisvolle Resonanz.
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Ein Jahrhundert später am Hofe zu Paris. Kacharina von Medici, aus der kunstdurchfluteten Atmosphäre ihrer Heimat nach" Frankreich verpflanzt, sucht hier die Festkultur der italienischen Renaissance in fremdem Erdreich zu verwurzeln. Das berühmte „ballet comique de la reine", zur Vermählungsfeier des Herzogs von Ioyeufe aufgeführt, spiegelt diesen Einfluß deutlich wieder. Im Mittelpunkt des Festes, bei dem sich Pro- »efsionen, Feuerwerke, Wafferfeste und Pferds-Ballette nach altflorentini- lcher Ueberlieferung drängten, stand das große Circe-Ballett, an dem sich der Hof eifrig beteiligte. Die Verzauberung und Entzauberung der Opfer der Circe wurden unter Entfaltung rhythmisierter Götteraufzüge und mit einem Aufgebot sämtlicher an ihren Attributen kenntlicher Tugenden, in einer prunkvollen Apothese gipfelnd, vorgeführt. Bei diesem ersten Fest der Renaissance auf französischem Boden wurden die Ballette „so geometrisch, daß Archimedes sie nicht besser hätte setzen können", getanzt, und erst der Folgezeit blieb es vorbehalten, die Tanzkunst aus diesen strengen Fesseln zu befreien.
Aber die Saat, die Katharina von Medici zur Ausgestaltung der Hos- bälle und durch sie indirekt der Ballfeste überhaupt ausgestreut hatte, wirkte in Frankreich fort, vermählte italienische mit alt-französischen Ueberlieferungen und verbreitete sich von hier aus über die andern Länder Europas. Unter dem Sonnenkönig, der sich so gern in Maskenrollen, besonders in Götter- und Halbgöttermasken, bei Ballfesten zeigte, wird der französische Hof, wie in allen Dingen so auch mit feinen streng geregelten Königsbällen das, eifrig nachgeahmte Vorbild aller Höfe und
Höfchen. Bonnet, einer der frühesten Historiker der Tanzkunst, schildert das Zeremoniell eines solchen Balles, den Ludwig XIV. zur Vermählung des Duc de Bourgogne gab und zu dem er an alle Personen von Stand Einladungen mit der Bitte hatte ergeben lassen, in höchster Gala zu erscheinen. Und in der Tat rühmt der Chronist die Pracht der Kostüme, die von Samt, Gold, Silber, Edelsteinen erstrahlten, und deren geringstes er auf 300 bis 400 Pistolen schätzt. Der Herzog und die Herzogin von Bourgogne eröffnen den Ball mit einer Courante, bann fordert die Herzogin den König von England, dieser die Königin von England auf, und so geht das Wechselspiel fort, bis alle Gäste von Rang an die Reihe gekommen sind. Es werden, so lange der Hof anwesend ist, ausschließlich schwere, ernste Tänze getanzt, unter denen das Menuett und die Sarabande ihr Recht finden. Die Tanzfreuden werden durch schnell ausgestellte, reich besetzte „tables ambulatoires" unterbrochen; die Gesellschaft bewundert den reizvollen Aufbau der Schalen und Schüsseln, doch genießt man nur einige Granaten, Drangen ober etwas Konfitüren. So der Chronist. Ob die Gäste die gleiche Enthaltsamkeit an den beiden Riesenbufetts mit Weinen, Likören und Erfrischungsgetränken geübt, davon schweigt feine Höflichkeit.
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Prickelnde Walzerklänge schwingen und fingen in lockendem Rhythmus. Ein Ball in der Hofburg, einer von den vielen jener festerfüllten Monate. Es ist das Wien der Kongreßzeit, das „den Teppich der Politik mit Festlichkeiten durchwob". Wenn die Donaustadt, nach einem Worte des Prinzen von Signe, damals einen Auszug von Europa bildete, fo bildeten diese Bälle wiederum einen Auszug von Wien. Alle Jahrhunderte, alle Länder scheinen sich in diesem in glänzende Kostüme gehüllten Kreis zusammengefunden zu haben, in dem sich auch die beim Kongreß versammelten Souveräne zwanglos umherbewegten. Kaum einer unter den Anwesenden, der nicht einen Titel vor seinen Namen zu setzen gehabt hätte. Ungeheure Kandelaber mit Wachskerzen, zwischen blühende Orangenbäume gestellt, und Kronleuchter mit zahllosen schimmernden und flimmernden Kristallstücken bestrahlen glanzvoll das glanzvollste Bild. Und nun ertönt, siitz-lockend, eine Walzermelodie. „Alsbald schien eine elektrische Bewegung sich der ganzen Gesellschaft mitzuteilen , — so schildert ein Augenzeuge jener Tage, der Franzose Auguste de la Garbe, die hinreißende Gewalt des Walzers, des unbestrittenen Herrschers auf den Wiener Kongreßhallen. „In diesem Lande und besonders in Wien hat dieser Tanz, dank dem musikalischen Gehör der Einwohner, all den Reiz bekommen, der ihm eigen ist."
Und ein Walzer war es auf einem Ball beim Fürsten Metternich, den die Nachricht von der Landung Napoleons in Cannes jäh unterbrach. Die Musik verstummte — und aller Festglanz war erloschen.
Der Fächer.
(Eine Faschingsplauderei von Annie Werner.
Aus dem fernen Süden und Osten, aus den äquatorialen Gegenden stammt er, uno noch umschwirrt ihn, den Kühlung und Erquickung Spendenden, ein Hauch seiner farbenprächtigen Heimat — ein Raunen von sanft sich wiegenden Palmenkronen und silberblauen, sternenbestickten, von sinnbetörendem Duft erfüllten indischen Nächten. Dort, am liederbesungenen Ganges, aus den goldfunkelnden Tempeln und von den juroeten« starrenden Thronen hat er erst als schlichtes Palmenblatt, endlich als stolzer Pfauenwedel seine Wanderung über bas Erdenrund angetreten. Aber so schlicht fein Ursprung, so ward er dennoch bald die begleitende Folie stolzer Fürsten, ja, bas Enblem der Königswürde wurde ihm, wie z. B. im alten Aegypten zuerkannt. Nach und nach wandert er übers Meer nach Europa, wo er sich auch zunächst und vor allem die südlichen Landstriche, wie Griechenland, Spanien unb. Italien, erobert — immer aber noch in der Form des unzusammenfaltbaren Blattes, des strautzen- federgeschmückten oder mit Pfauenfedern und Juwelen, mit Goldplatten und Emaillierarbeit verzierten herzförmigen Blattes. Immer auch bleibt ihm etwas von der funkelnden, strahlenden Sonne feiner Heimat treu, und immer ist es ein Fest, ein Schaugepräge, das er giert, immer ein freudiger Anlaß, bei dem er fein Strahlengeftmkel und fein stolzes Far- benfpiel entfaltet.
3m 17. Jahrhundert geht aber eine große Veränderung mit dem Fächer vor; von der Form des Blattes dehnt er sich in ein längliches, quergeftelltes Oval und in Frankreich wird eine Erfindung gemacht, die ihn zum Liebling der eleganten Dame, zum fast unentbehrlichen Requisit der großen Toilette werden läßt: aus dem steifen Blatt wird ein zufam- menfattbares, aus dem starren, einzelnen Griff ein zartes Gefüge beweglicher Rippen, die man mit flimmernder Seite, zur Toilette paffend, bespannt. Ein ganzes Kunstgewerbe von Fächern fängt um diese Zeit in Paris an; die ursprünglich derberen Gestelle weichen kunstvoll eingelegten, aus Schildpatt und opalisierender Perlmutter — das Elfenbein des fernen Ostens wird in feinste durchbrochene Blätter zerlegt, um dieses köstliche kleine Toilettenrequisit des Salons, den Begleiter aller galanten Abenteuer und glänzenden Feste, zu schmücken.
Künstler wie Watteau und Fragonard entwerfen Schäferszenen unb pikante Figürchen, um den niedlichsten kleinen Gebrauchsgegenstand in den schönen, juwelengeschmückten Händen der zierlichen Rokokodämchen mit dem hochtoupierten Haar würdig zu verzieren. Das Zeitalter der Sänften, der Masken, der Duelle und der koketten Schäferspiele ist wohl der Höhepunkt in der Entwicklung der Fächerkunst. Denn nichts nur zur Zierde dient er der schönen Trägerin; da gibt es kleine Hvhlräume für Puderquaste und Döschen und dort, ganz am Rand des unschuldig aus- gebreiteten, schimmernden Blattes, ein kleines Fach für ein Billet-doux, bas der Geliebte im Gedränge der Maskerade feiner Schönen zusteckt, das sie dann unbemerkt auswechfelt — ein regelrechtes, kleines Zwiegespräch kosender Liebesworte entfaltenb, die nichts an Reiz verlieren durch diese geheime und geheim gehaltene Sprache.


