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ragenden Forschungsarbeiten dem Stande der Technik entsprechend auszubauen und auszunützen, so dürsen wir doch hassen, daß gerade in der Höhenslugforschung und dem Ausbau des Höhenslugverkehrs die deutsche Flugzeugindustrie tonangebend wird.

Wetter, wir und Weltgeschichte.

Von Alexander v. Gleichen-Rußwurm.

Als die Klassiker ihr Freundschaftsbündnis fchloffen, begab es sich, dah der ältere Dichter dem jüngeren manches Manuskript zur Durchsicht gab, Goethe von Schiller Korrektur erbat und erhielt. Bei den also behandelten Handschriften Goethes ist zu bemerken, dah Schiller mit einer gewissen Konsequenz die Ausführungen über das Wetter strich. Goethe interessierte sich sehr für das Wetter und konnte nicht umhin, dieses Interesse durch längere Notizen zu be­kunden, die nach Ansicht Schillers den Text unnötig überwucherten. Mochte Schiller formell recht haben, die Wetterberichte zu kürzen oder zu streichen, tief philosophisch hatten sie ihre Berechtigung, weil die Rolle des Wetters bei jedem menschlichen Geschehen von außer­ordentlicher Wichtigkeit ist.

Wenn auch der Schullehrer von einst behauptete:Der gebildete Mensch gehört in die Stube", und der Stubengelehrte sich vielleicht bis zu einem gewissen Grad« vom Wetter emanzipiert, die Mehr­zahl der Menschen ist durchaus den Einflüssen der Witterung unter­worfen und ist von ihr abhängig, was Stimmung oder Geschäft betrifft. Im Lauf der Weltgeschichte von den jüngsten Tagen bis zu den Uranfängen hinauf hing auch das Schlachtenglück vielfach vom Wetter ab. Während Altertum und Mittelalter ruhten die Feldzüge sogar grundsätzlich im Winter und wurden erst im Frühling wieder ausgenommen. Die Orakel und Augurensprüche, denen gehorcht werden mußte, waren wohl in der Hauptsache nicht viel anders als verkappte Wetterprognosen, und di« Hauptkunst antiker Feldherren bestand darin, die Wetterlage gut auszunutzen, das Heer so aufzu­stellen, daß die Sonne dem Feind ins Auge schien und ihn beim Zielen blendete, oder daß der Wind Staubwolken gegen ihn auf­wirbelte und was dergleichen taktische Kunststücke mehr waren, wie sie in den Schlachtenberichten der Antike typisch wiederkehren.

Zuweilen spielen die Götter selbst mit als Naturgewalten, die Schrecken auslösen oder denjenigen, die Zuversicht auf ihre Hilfe setzen, unüberwindlichen Mut verleihen. Erdbeben grollen und reißen Spalten aus, in welchen Heeresteile versinken, zuweilen stehen Zeichen am Himmel, Furcht oder Begeisterung verbreitend, Flüsse treten aus, Stürme toben und helfen dem, der den Göttern lieb ist, jedenfalls dem, der die besseren Nerven hat und Wetterzeichen richtig zu deuten versteht. In dieser Hinsicht Stimmung zu machen, folgten den antiken Herren Dichter und Seher, ihre Rolle war oft ausschlaggebend, Deutung des Wetters, Prophezeiung der Wetter­lage hat gewiß bei großen Entscheidungsschlachten viel zu deren Er­gebnis beigetragen.

Gegen Ende des Mittealters wagte man schon da und dort einen Winterfeldzug oder glaubte hochmütig dem schlechten Wetter im Sommer trotzen zu können. Ein solcher Leichtsinn dem Wetter gegenüber ließ die Franzosen und den späteren Kaiser Karl IV. die Schlacht von Crecy gegen die Engländer und Ludwig den Bayer verlieren, eine Schlacht, die für das ganze Rittertum entscheidend war. Tags zuvor hatte es heftig geregnet, der Boden war ver- fumpft, und hoffnungslos versanken die prächtig gerüsteten, schwer gepanzerten Ritter und Reiter und daben dem leichten Fußvolk der Engländer und Kaiserlichen Deutschen gewonnenes Spiel. Mit welchem Erfolg verteidigte dann das sogenannte schlechte Wetter England gegen die Armada, zwang die Truppen der gegen die französische Revolution verbündeten Monarchen zum Rückzug, mit welcher Kraft machte das russische Winterwetter Napoleons Helden­lauf zunichte I Mehr als der Feind hat stets das Wetter dem Krieger übel mitgespielt, und die furchtbarsten Erinnerungen des Welt­krieges sind durch schlechtes Wetter bedingt, das Martyrium in den verschlammten Schützengräben, die sengende Glut des orientali­schen Schauplatzes, der Durst in erbarmungsloser Dürre, die Nässe und Kälte ohne Wechsel, die schließlich auch den Mutigsten und Geduldigsten zur Verzweiflung bringt.

Für solche Entmutigung der Nerven erfanden die Franzosen das Wortcafard, das den englischen Begriff desopfern" bei weitem verstärkt und einen tieferbohrenden Zustand bezeichnet. Selbst in schönsten Friedenszeiten war der Spleen eine weltschmerz- liche Ausgeburt schlechten Wetters, insbesondere des englischen Nebels, neuerdings scheint der Spleen durch den Sport erfolgreich bekämpft zu werden. Doch trotz solcher Gegenmittel, trotz Abhärtung und Gewährung hat das schlechte Wetter unberechenbaren Einfluß auf die Kollektivseele wie auf das einzelne Gemüt und welthistorische Entschlüsse hängen letzterdings mehr, als angenommen wird, von dessen okkulten Einfluß auf die Stimmung ab. Wind und Regen schlagen tief die Stimmgabel an, hell tönt sie bei klarer Luft und Sonne.

Das Wetter trägt viel Schul daran, daß verschiedene Völker einander schlecht verstehen, denn Charakter und Einstellung sind durchaus verschieden, wenn man zu Göttern des guten Wetters wie den Olympiern betet oder wenn unser Dasein von Schlecht­wettergöttern hauptsächlich bestimmt ist. Das Katastrophenwetter, das im Zusammenhang mit Erdbeben ganze Länder heimsucht, hat auf die Kollektivseele entsprechenden Einfluß und se apokalypti­scher es sich gestaltet, desto zuckender, unruhiger, streiterfüllter be­nimmt sich alles auf Erden. Könnte man stets auf ruhige Luft,

auf Sonnenblick warten, so wären vielleicht die weltgeschichtlichen Begebenheiten freundlicher, weniger verzweifelte Entschlüsse wür­den gefaßt und ausgeführt. So erzählt der seelenkundige Bunyan in seinem allegorischen Werk von der Wanderung des Pilgers, daß der Pilger in der Festung Gram bei Nebel gefangen fitzt und sich entschließt, der Sache dadurch ein Ende zu machen, daß er sich einen Strick um den Hals legt. Doch als er die Schlinge zuziehen will, tanzt ein Sonnenstrahl in seinen Kerker und bringt so große Hoff­nung mit, daß er warten will.

Aber seltsam genug, auch fortwährend heiteres Wetter macht traurig; regenlose Gegenden sind viel trostloser als regenreiche Gefilde. Der Araber träumt von dem, was wir schlechtes Wetter nennen als von einem paradiesischen Zustand. Rauhe, klimatisch äußerst unwirtliche Gegenden lösen oft größte Heimatliebe aus und sind mit der stärksten Beharrlichkeit verteidigt worden von ihren durch die harte Witterung gestählten Söhnen, indessen Sybaris und Capua ohne Ruhmestaten fielen. Vielleicht kann doch der Menschnichts weniger tragen, als eine Reihe von glücklichen Tagen", vielleicht ist zu heroischem Menschentum schlecht Wetter nötig, die tosende See, der Heereszug von Wetterwolken, der die Höhen belagert, der Sturm und das Schneewehen von Ebene oder Berg.

Die Natur tritt uns näher, wird vermenschlicht dadurch, daß auch sie sich bequemen muß zu leiden wie wir, und der Himmel wirkt näher, wenn er nicht ewig unbarmherzig blaut, sondern gleich uns Tränen vergießt, wie aufgelöst in Weh. Darum mischte die Sage in die menschliche Geschichte Taten der Götter. Ihre Historie, ihre Weltgeschichte begleitet die unsere, läßt sie nicht allein und ohne Zusammenhang mit der Natur. Das Wetter mischt sich bestimmend ein in unsere wichtigsten Angelegenheiten.

B!ut und Eisen.

Bon Max E y t h.

t.Sotikgung.)

Ganz unmöglich, lieber Bridledrum!" rief ich ausmunternd. Hakim hat die Sache mit wahrer Leidenschaft aufgefaßt. Ueberdws will er bei dieser Gelegenheit sehen, was seine Fellachin gelernt haben. Natürlich wird er, wahrscheinlich zu seinem Aerger, gieich- zeitig erfahren, was vier geschulte Engländer dagegen leisten. Wir können ihm diese unangenehme Ueberraschung nicht ersparen, denn in wirklich entscheidenden Augenblicken müssen wir Europäer doch schließlich zusammenhalten. Etwas nachsichtig müssen Sie allerdings sein, Herr Bridledrum; denn sehen Sie, die einen leben von Klee, buchstäblich von Klee, und die andern sterben, wenn sie kein Beef­steak bekommen. Das fällt ins Gewicht. Aber all dies bleibt hoch­interessant, und wenn ich den Prinzen richtig verstanden habe, io fährt er noch heute zu seinem Neffen, dem Vizekönig, um ihn zu dem Scherz einzuladen. Von dem wissenschaftlichen Ernst, den Sie und ich mit dieser Probe verbinden, haben die hohen Herren natür­lich keinen Begriff, aber an Publikum wird es nicht fehlen, das Ihre Triumphe nach allen Winden zu tragen bereit ist. Ganz Kairo und halb Alexandrien wird nach Schubra herausströmen. Wahrhaftig, Bridledrum, Sie sind mir eine Flasche Sekt schuldig! Niemand in Aegypten hätte Ihnen eine solche Gelegenheit bieten können, Ihr Licht leuchten zu lassen."

Es gelang nicht, ihm mein« Freudigkeit mitzuteilen. Er blieb verstimmt und schien plötzlich in Eile zu fein. Selbst em brittes Glas Whisky vermochte ihn nicht zu fesieln. Höflich begleitet« ich Ihn vor die Gartentüre. Nein, er wollte das für die Versuche bestimmte Feldstück jetzt nicht ansehen.Palmerston" mußte die Halste feiner Pferdebohnen unverzehrt verlaßen und verschwand verdrießlich mtt seinem Herrn hinter den Tamarisken, die vor meinem Hause standen.

Nicht unzufrieden mit mir selbst und der Arbeit dieser Morgen­stunde kehrte ich in meine dunkeln Zimmer zurück, warf mich auf den Diwan und wartete auf das einfache.und dennoch nicht selten rätselhafte Gabelfrühstück, das mein abessinischer Kochkunstler im Schweiß seines Angesichts zurichtete.

Vorbereitungen.

Von Alexandrien nach Kairo fuhr man damals mit der Bahn in sechs bis sieben Stunden, wenn alles gut ging. Em Dampfpflug auf einem Güterzug brauchte etwa vierzehn Tage. Don Zeit zu Zeit brachte mir der eine oder andre meiner Bekannten die Nachricht von Schubra, wie die Leistungen des Howardschen Apparates tm Hotel Shephesrd in diesen zwei Wochen von Tag zu Tag wuchsen. Ich konnte dies Bridledrum nicht allzu sehr verübeln. Vierzehn Tage lang auf Shepheards Veranda oder an der Gasthaftafel selbst des besten ägyptischen Hotels ans einen Dampfpflug warten zu muffen, ist eine schwere Prüfung. Jedermann fragt den Armen wohl zehnmal täg­lich, ob denn sein Pflug noch nicht angekommen sei, zehnmal des Tages muß er das System und feine Vorzüge bald einem General, bald einer jungen Witwe, bald einem Kresse gelangweilter Nilreisem der auseinandersetzen, die ebenfalls schon seit acht Tagen vergeblich auf ihre Dahabieh «arten. .Kommt dann vollends jemand von einem Ritt nach Schubra zurück, der meine Maschinen in der Ferne damp­fen gesehen hat, so steigt die Bedrängnis des Aermften bis zur Un- leidlichkeit.Nein," muß er erregt versichern,das war nicht der berühmte Howardiche Dampfpflug. Das waren nur ein paar alte Maschinen der Firma Fowler, die mit folgenden Nachteilen kämp­fen." Und dann holte Bridledrum ein Modell aus einem Wmkel