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Wie Kirchen erzählen von'der Kultus »mV Geschichte Schwedens'. LÄe große Anzahl Les Bauernhöfe tin den Äsern berichtet von der Fruchtbarkeit des Landes und dem Fleiße seiner Bewohner. Abends landen wir-am Kai von Djupö. Eine kurze Autofahrt bringt uns nach Solleftea. Das SWüchen liegt reizvoll am Angermans-Elf, der hier in starker Strömung durch steil ab- stillende Felsenformationen dahinfließt. Lieber den Fluh fiihrt eine 192 Meter lange Stahlbrücke.
Am nächsten Morgen stehen die Autos bereit. Die herrliche Fährt geht durch das idyllische Tal des Angermans-Glf bis zu den berühmten hohen Forsmo-Drücken, Schwedens größten und bedeutendsten Drückenkonstruktionen. Die alte Drücke, die dem Eisenbahnverkehr nicht mehr dient, ist 245 Meter lang, die neue Eisenbahnbrücke 264 Meter. Die Höhe über dein Wasserspiegel beträgt 48 Meter.
Die Fahrt entlang dem rauschenden Angermans-Elf ist romantisch und poesievoll. Wir fahren in schwindelnder Höhe. Lief unten rauscht der Fluß. Aus dunklen Lannenhängen glänzen hellgrüne Wiesen. Wenn aus den Tälern die Abendnebel steigen, sind auf den Höhen die kleinen Häuschen magisch erleuchtet. Immer neue Wäldtäler öffnen sich-. Als treuer Begleiter schäumt der Elf zur Seite. Malerisch- grüßen alte Bauernhöfe. Mit Freuds und tiefer Bewegung sieht man die friedvollen- Land- sch-aften Schwedens an sich vorüberziehe-n. Gemälde von hohen landschaftlichen Reizen wechseln mit Bildern aus dem täglichen Leben des schwedischen. Volkes. Unbeschreiblich schön die herrlichen Beleuchtungen. Diese weiten Ebenen, dieses klare, milde Licht auf dem rauschenden Fluß. Das Sonnengefunkel auf den brausend zu Tal schießenden Bächen und tosenden Wasserfällen, die sich in Kaskaden über die Felsenterrassen stürzen. Die schimmernde Drücke eines Regenbogens überspannt das Tal. In weißem Schaum wirbeln Elfen und Rixen ihre farbenfrohen Tänze. Lang wallen ihre bunten Schleier über die herabschießen- den Fluten. Wunderbare Fahrt unter dem. blinkenden Sternenzelt der nordischen Rächt. Tiefer Frieden ringsum. Aus dunklem Grün leuchtet träumerisch der Waldsee. Da rauschen Dirken und Laubwälder, duften Lannen und Fichten. Da blühen rote Wein- beerbüsche, und leckere Waldbeeren locken. Im blauen Aether schwebt der Falk. Bon rotem Heidegras umloht liegen gigantische Felsentrümmer. Aus der Tiefe ertönen Glocken. Ähr Klang vereinigt sich mit dem Murmeln der Wogen, dem Brausen des Windes und dem Rauschen der Wälder zu einer wundersamen Sinfonie. 3n schlummernde Wälder gebettet blinkt der Fluß. Ein Ort immer idyllischer gelegen wie der andere, ihn» rahmt von dunklem Walde grüßen von grünen Abhängen die roten Bauernhäuschen.
Die Autofahrt geht weiter zum 3ndals-Slf. Der 3ndals-Glf die Pulsader 3ämtlands, hat eine Länge von 400, Kilometer! und eine Wasserfläche von 26 200 Quadratkilometer. Bei Ragunda kreuzt ihn die Dahn. Er ist einer der mächtigsten Flüsse Schwedens. Der Unterschied zwischen ihm und dem Ängermans-Slf, besonders in seinem Unterlauf, ist ins Auge fallend. Während der Angermans-Elf von Solleftea - an ruhig und breit durch- wohlbebaute Gegenden fließt und feine Sägewerksindustrie der Landschaft das Gepräge gibt, wirkt der 3ndäls-Slf im Gegensatz hierzu mehr unberührt. Industrie fehlt fast völlig. Zwischen waldigen Höhen fließt er in breitem Stroms dahin. 3n dem idyllisch gelegene Bispgarden wird kurze Rast gehalten, dann geht es weiter zum Döda Fallet (toter Wasserfall). Bei Ragunda bildet der Ändals-Elf den imponierenden Wasserfall Hammer- fors. In schneller Fahrt geht es nach Bispgarden zurück. Schon von weitem hört man das Brausen des Wasserfalles „Staös- fossen". Donnernd schießen seine Wasser herab. In grünweihev Gischt wätzen sich tausende von Baumstämmen. 3n der Hütte der Lachsfischer bin ich zu Gast. Alle Stunde, einmal ziehen sie das Retz hoch. Ich habe Glück. Sehe staunend, wie im Retz ein Riesenlachs zappelt. Eine Stunde später steht er lecker angerichtet in Grün gebettet auf dem Tisch des vortrefflichen Hotels.
Am nächsten Morgen geht es auf der nördlichen Seite des 3ndals-Elf weiter. Es ist dies eine der schönsten Autofahrten im Rvrrland. Während der ganzen Zeit hat man die Aussicht auf die herrliche Landschaft mit dem tief im Tal gebetteten Fluß. Wie ein leuchtendes Silberband schlängelt er sich durch die grünen Wissen und dunklen Wälder. Sundswall taucht vor uns auf. Eine Stunde später lichtet der Dampfer „Karl XV.“ die Anker zur Rüchahrt nach Stockholm. Das Schiff dreht und fährt auf den sonnigen Fjord hinaus. Schon liegt Sundswall in weiter Ferne. Eine herrliche Seefahrt steht uns bevor. 3n der Frühe des fünften Tages macht der Dampfer am Fuß des Stockholmer Schlosses wieder fest. Die einzig schöne Fahrt ist zu Ende. Aber die Erinnerung bleibt. Unvergeßlich die Bilder der sownsn- bestrahlten See, der brausenden Fälle, der wogenden Wälder und der in Grün gebetteten breiten Ströme.
VoZksbUdKerischs Elemente im Film.
Don Wolfgang Goetz.
Die bildenden Wirkungen des Schattenspiels auf der zwei- bimenfionalen Leinwand gehen sehr viel mehr ins Breite als die der Bühne, deren wesentliche Dimension die dritte, in die Tiefe dringende ist. Dem Film ist es ein leichtes, uns in ferne Und fernste Länder zu führen, winzige Gegenstände ins Riesige
zu heben, das Werden eines Produktes in allen Phasen dar» zustellen (Lehrfilm) und „das Gras wachsen zu sehen“. Gr vermag Bruchteile von Sekunden in Minutendauer auszuwalzen. Den Sprung einer Tänzerin, den unser armes Auge nur eben als schnellende Bewegung aufzunehmen vermag, verlegt und zerdehnt die Zeitlupenaufnahme in ein zartes Schweben und ein köstliches Muskelspiel zweckmäßiger Anmut. Dem Denkenden stellt sich ein ungeheures Rätsel des Lebens der Natur dar; das kleine Zeitatom, das wir mit dem Ausdruck Sekunde bezeichnen, ist abermals zerlegbar und umschließt eine Ewigkeit. Rechnerische Ueberlegung konnte uns bisher wohl überzeugen, daß es eine Trillionstel Sekunde und -noch winzigere Zeitteile geben muß. Allein diese Tatsache ist letzten Endes unvorstellbar. 3m Film dürfen wir dies Wunder schauen, und es ist ein großer Irrtum, zu glauben, daß sich >das Wunder seines Schimmers entkleide, sobald wir es greifen können, es strahlt im Gegenteil nur schaudernder. Hier grenzt der Film hart an das Transzendentale.
Zum Schaudern, der Menschheit bestem Teil, nicht, wohl aber zu verwunderter Behaglichkeit zwingt der Trickfilm, in dem Unbewegliches wild durcheinanderstürzt, in dem die Zeichnungen des Malers aus ihrer Starre erlöst werden und sich m-unter gebärden. Man sagt vielfach, der Trickfilm sei das eigentliche Gebiet des Films; wir glauben das nicht durchaus, er ist- eben! nur auch ein wesentliches und Wohl zu pflegendes Gebiet der Kinematographie. Seine Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Wir haben zu spielen vergessen. Märchen und sagenhafte Elemente der Volksseele sind vor 6em Rauch der Dampfmaschine geflüchtet. Führen darum Schnapsflaschen auf Geheiß einer witzigen Künstlerphantasie, die wiederum im Dienst einer reklamebedürftigen Spiritiosenfabrik frönt, einen ritterlichen Tjost auf, so ist auf Höchstmateriellem Grund dennoch kein tiefsinniges zwar, aber doch ein lustiges Fabelmärchen geschaffen. Wir stehen in einem Anfang und können nicht sofort Gewaltiges verlangen, und wollen uns freuen, daß die Technik, die einst den ganzen lieben Spuk der mondbeglänzten Zaubernacht vertrieb, auf anderem Wege ihn wieder heranführt. Die gleich-e Absicht, die Stärkung der poetischen Elemente im Volke, haben Paul Wegener und Ludwig Berger verfolgt, jeder auf seinem Wege, die abzuwerte« hier nicht der Ort ist. Nebenher gehen ausgezeichnete Versuche, bildhafte Kunstmärchen zu schaffen, und es bleibt unendlich bs< bäuerlich, daß der Erfolg dieser Leistungen offenbar nicht de« berechtigten Erwartungen entspricht; dies schreibt sich wohl daher, daß unser mechanisiertes Zeitalter völlig dem Phantastische« abhold wurde, wie ich mich denn betrübt entsinne, daß mich meine Korporalschaft einmal gründlichst auslachte, weil sie mich beim Lesen Hoffmannscher Märchen ertappte und dies Beginne« für kindisch oder dekadent erachtete. Hier wäre noch des vielumstrittenen Hexenfilms zu gedenken, der den fürchterlichste« Abweg menschlichen Geistes schildern will und einen Vorstoß ttt das dämonische Gebiet unternahm. Er schwächt jedoch, seine Wirkung wesentlich dadurch ab, daß er die Besessenheiten früh- neuzeitlicher Menschen mit der Hysterie und den sonstigen abnormen Nervenzuständen unserer modernen Medizin gleichsetzen zu müssen glaubte. Als historischer Film hatte er den großen! Vorzug, Musterhaftes zu bieten. Nicht allein das Kostüm und die Gebräuche, die Masken und der ganze kulturhistorische Apparat erreichte eine bisher kaum gekannte Höhe, diese Schauspieler waren durch- künstlerischen Willen in ihrer Haltung wie in ihren Gebärden zu Menschen jener Zeit geworden, so daß man der Illusion, um Jahrhunderte zurückgeschweift zu fein', völlig unterlag. Es hat nie eine verrücktere Bestimmung gegeben, als die biblisch-e Geschichte dem modernen Empfinden unsere« lieben Kleinen anzunähern, also etwa, daß 3oseph und Maria sich -auf die Eisenbahn setzten, um nach Bethlehem zu fahren!, wo dann leider alle Hotels geschlossen waren usw. Das ist Totschlag der Historie, das heißt jede Möglichkeit geschichtlichen Verstehens erwürgen: wahrlich- ein pädagogischer Rekord. Der Film könnte hier in ungeahnter Weise wirken. Aber leidep begegnet man in den historischen Filmen gerade den meiste« Fehlern. Da hängt in einem französischen Schloß ein Bild von 3-ohann Sebastian Bach, bloß weil der Regisseur zu faul war, das Porträt eines anderen Mannes mit Perücke aufzutreiben. Der Sokdatenkönig schreitet unter Säulen, die sein böser Sohn erst in den letzten 3ahren seines Lebens bauen ließ. Was für Fehler bei den Waffen, den Kleidern, der Darttracht, der Awlage der Gärten, den Baustilen geleistet werden, geht ins Asch- graue. Man sage ja nicht, es handle sich um Nebensächlichkeiteih von deren Richtigkeit oder .Unrichtigkeit nur die Fachgelehrten wissen könnten. Wir wissen langsam, wie zur geistigen und kulturellen Gestaltung einer Epoche alle Dinge 'dienen. Es kommt aber leider noch viel mehr auf das Sündenregister des historischen Films. 3m allgemeinen können die Schauspieler sich nicht dem Geist einer vergangenen Zeit airgleichen, so daß man immer das Gefühl hat, „unser“ Soundso, der muntere Dandy aus dem Berlin von Anfang des 20. Jahrhunderts, sei aus unbegreiflichem Grund in ein altes Kostüm geschlüpft. Man wäre bei gut zwei Dritteln dieser Filme nicht erstaunt, wenn sich ein alter Grieche ein Monokel einklemmte, um mit dem Füllfederhalter ein Telegrammformular auszufüllen, oder wenn sich ein Re- naissancejüngling die Zigarettendofe aus den Puffen seines Beinkleids zöge. Und vor allem die Handlung dieser Filme! Wenn in einem sehr bedeutenden Filmwerk der Despot eines


