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kam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen. -Unb siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Tür und setzte sich darauf. Änd seine Gestalt War wie der Blitz, und sein Kleid weiß wie Schnee. Die Hüter aber erschraken vor Furcht und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: „ gürdjitet euch nicht: ich weiß, daß ihr Jesum, den Gekreuzigten, suchet. Gr ist nicht hier; er ist auserstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und sehet die Stätte, da der Herr gelegen hat!"
älnd die Mutter zerraufte sich in ihrer Herzensnot ihr Haar, und wie ihr Kind immer leiser stöhnte, röchelte und wimmerte« und die schwarze,: Engel immer engere Kreise um das Haupt des völlig Hilflosen rundeten, mit ihren Fittichen die Kammer- stille durchstürmten, immer näher dem Hingesunkenen zustrebten und mit ihren Flügeln seine Locken schon zu streifen schienen, schäumte die Empörung ihrer qualgemarteten Seele ozeanhast auf, und sie begann mit dem Ewigen zu hadern: „Du, dem jetzt in Abertausenden von Kirchen Millionen Glaubensfrommer und zahllose Orgeln ihre Hallelujas entgegen jauchzen und donnern, du, der du selbst auf deiner großen Weltorgel unserer Herzen alle Weisen des Jubels und Schmerzes zu spielen vermagst, du, der du über Bettler und Könige, Völker und Fürsten, Herden und Hirten gebietest, den Lauf der Ozeane, Ströme, Bäche und des schmälsten Rinnsals lenkst, du, der du Lawine und Vulkan, Böe und Teifun, Zephyr und Samum, Wolke und Wind Wege weist, du, der du über Stille und Sturm, Mond, Sonne und Regen- boden dein Herrscherszepter schwingst, warum verschonst du den letzten Wurm im Staube und willst mir das Leben meines Lebens, mein einziges Kind, rauben? Grausamer Gott, sündigte ich einst, so strafe nur mich und nimm mich hin statt den letzten Odem meines Kindes zu fordern! Wenn du einst selbst ohne deinen Sohn nicht leben konntest und ihm daher Auferstehung .gebotest, warum soll ich in meiner irdischen Schwäche meinen einzigen Trost, mein Kind, verlieren? Bist du wahrhaft der Allgegenwärtige, so wirst du auch wissen, daß ich fürderhin die Last eines Felfenblockes statt meines Herzens durch die Wüste eines öden Lebens weiterschleppen muß, sofern du mir mein Kind raubst!"
Aber vergebens hallten die Worte der Frau durch bas Dunkel: nur das Auge der Kerze zuckte auf, und ihre wächsernen Tränen tropften zum Saum des Messingleuchters hernieder. Mit ihren grauen Schwingen umkreisten die schwarzen Engel immer stärker das Kind, bis es von ihrem Flügelsturm betäubt, wachsbleich wie die Kerze, in seinen Schlummerkissen zur ewigen Ruhe entschlief.
Dann aber enthoben es die seraphischen Geschwister aller irdischen Schwere und trugen es auf ihren ausgebreiteten Fittichen zu ihrem höchsten Herr«:. Feierlich brauste ihr schwarzer Zug durch die silbernen Triurnphatorstraßen Gottes, durch die weiße«: Wolken, dahin, und die aufstauenden Wipfel wisperten ihm im Dämmerwind Gebete nach, der sagenhafte Brunnen murmelte eine uralte Litanei, und der bisher schluchzende Trauervogsl der Nacht begann in seinem Geäst plötzlich aufzujubeln. .Und bunte Abendfalter gaben ihm das Geleit, und der Mond schmückte sich als Thronwächter Gottes zum Empfang der bereits überirdisch verklärten Kinderseele mit seinem festlichsten Gewände. Als aber der Zug vor den Stufen des Ewigen hielt, die rauschenden schwarzen Engel lauter ins Licht entglitten und ihren weißen Brüdern die magisch, aufstrahlende Seele des Kindes übergaben, segnet.? der Herr mit einem Zepterwink seinen jüngsten Himmelgast. .Und er atmete den Leib des Kindes mit seinem Gnadenhauch an, daß alles Irdische von ihm wich und nur noch der lautere Glanz keiner keuschen Seele aufleuchtete. Dann erhob er seine Stimme: Gleich meinem Sohne sollst auch du auferstehen, und der Schimmer deiner Unschuld soll als heiter leuchtender Morgenstern an der Kuppel meines Himinelsgewölbes aufglühen, daß sich Licht mit Licht vermähle, und alle andachtsvoll zu mir emporgehobeneu Menschenaugen sollen sich an deiner Pracht berauschen!"
Seitdem rühmt mancher die Schönheit des erste«: Morgensterns, aber wohl kaum einer ahnt in ihr den verwandelten Un- fchuldsglanz einer reinen Kinderseele.
Grüne Ostern und fröhliche Leute.
Von Heinrich S o h n r e h.
Aun wieder die grünen Ostern nahen, denke ich an mein fernes Heimatdorf, in anmutiger Verborgenheit gelegen am Fuße des Hohenhagen. Zum südhannoverschen Weserberglande gehörig. Ich leihe mir die goldeiren Flügel der Erinnerung und fliege fort über Berge und Täler, über Flüsse und Fluren: ich komme an ein Zauberschloß, die Dore springen auf, ich schreite hindurch — und ein bescheidenes, aber wundersam herziges Wesen empfängt mich, lacht mich an, redet mit silberheller Stimme und nimmt mich bei der Hand. Es ist meine Jugend. Und wir gehen vorüber an blanken Bauernhäusern und dürftigen Tage- löhnerkaten, und die Fenster blinken, und hinter ihnen gucken und winken freundliche Gesichter heraus. Vor den Haustüren sitzen liebe alte Bekannte: „Riekesbetens Hannepah", „Frohnens Tante«:", „Bormanns Aore", „Hingerdörs Lottchen", die alte „Berlingsche", die „Friedesinchenpate" aus der „Lindenhütte", der „Lindenhanfrieder", — und dort „Wulwes Kunrad", „Mosebach
Däuermann", „Kaprol Ilse", „de drüge Snegger", der „Batz- hemrich" — und wie die liebe«: alten Prachtgestalte«: noch weiter heißen. Da sitze«: sie und erzählen und lache«: in den wonnige«: Ostersonntag hinein.
Und ich wandere, von Haus zu Haus grüßend, durchs traute Dorf, höre die liebe alte Linde raus«chen, folge dem Laufe der guten: alten „Deke", in der man als Junge so unermüdlich „patschte", und steige in die Wiesenhöfe oberhalb des Dorfes hinauf.
Menschenscharen kommen vom Dorfe herauf, die ersten eilend und springend, die nächste«: in gleichmäßigen Schritten, die letzten langsam und „stuppelnd". Die Kinder des Dorfes sind's, die Jünglinge und Jungfrauen, die Väter, die Großväter, die Urgroßväter, die Mütter, die Großmütter und die Urgroßmütter — es ist das ganze Dorf, soweit es Beine hat.
Und wessen Beine schwach und müde sind vor Alter, oder wer sonst das Geruhsame vorzieht, wie besonders die gute«: behäbigen Mütter, setzt sich auf den sonnenwarmen Rasenhügel oder in eine windstille Ecke des Haselgebüsches, weidet seine Augen und labt seine Ohren an dem herrlichen Osterleben, das in den großen Wiesenhöfen auf und ab sich entfaltet: Rüstige Greise schlagen den Ball, und gesetzte Männer laufen mit flinken Jünglingen ums Ziel. Die Alten mit de«: Jungen, die Jungen mit den Alten, und einerlei, ob Herr, ob Knecht. So ist es Osterbrauch.
Andere begnügten sich mit dem „Pohllapen" (Pfahllaufen). Zwei Parteien trete«: gegeneinander auf, ein Pfahl wird in die Erde geschlagen und ei«: langes Seil daran dicht Über der Erde festgeknüpft. Run gilt die Wette: die Pfahlpartei wählt einen Ääufer, der in der menschenmöglich kürzesten Zeit das Ziel um den Pfahl zu laufen hat, während die andere Partei ihren besten Läufer nach einem bestimmten, eine gute halbe Stunde entfernten Punkte des Hohenhagens sendet, wohin die Seilpartei ihre Zeugen bereits vorausgeschickt hat. Kommt der Läufer Dein Hohenhagen zurück, ehe das Seil zu Ende gelaufen ist, muß die Seilpartei de«: Ostertrunk bezahlen, und umgekehrt. Ha, da gilt’S! Natürlich lockt dies Wettspiel zahlreiche Zuschauer an, die den Ausfall mit größter Spannung verfolgen.
Die Mädchen mit ihren Liebsten und Altersgenossen ergötzen sich unterdessen ort den lustigen Singspielen.
Ueber die ganze Wiesenbreits hi«: wirbeln die Kreise, hüpfen die langen bunten Reihen, laufen die Scharen. Kein Spiel, ja keine Bewegung, die nicht durch ein lustiges, weint auch oft sehr mysteriöses Liedchen begleitet würde, oder zu de«n nicht ein jauchzender Ruf ertönte, wie:
„Miene Mutter hat eseggt, eck soll deck san'n dick, dick, dick Brat geben!" (Weine Mutter hat gesagt, ich sollte dir s'on dick, dick, dick Brot geben!)
Oder:
„Süh deck nech ümme, bei Puck Bei kömmt, Süh deck woll vor, hei fielt ’r Herdor." (Sieh dich nicht um, der Puck der kömmt: Sieh dich Wohl vor, er schlägt plötzlich zu.)
Oder:
„Wir wollen nun haben die erste Tochter, Juchheissasa, Pilatus."
„Was wollt ihr mit der ersten Tochter?
Juchheissafa, Pilatus."
„Wir wollen sie in das Kloster haben!
Juchheissasa, Pilatus."
„In was für’n Kloster soll sie gehn?
Juchheissasa, Pilatus."
„J«rs Rosemnarienkloster soll sie gehn.
Juchheissasa, Pilatus."
„So nehmt nun hin die erste Tochter.
Juchheissasa, Pilatus." usw.
Jnzwische«: ist natürlich den Männern und Burschen der Gaumen trocken geworden, — man legt „ 'ne Kleinigkeit" zusammen. das heißt auf jeden Kopf einen halben, wenn's hoch kommt, einen ganzen Mariengroschen oder acht Pfennig und sendet mit dem Ergebnis den Eilfertigsten zum Kruge. Ein Diertelstündchen vergeht, und der Gesandte kommt zurück mit einer dickbäuchige«: Korbflasche im Arm, gefüllt mit dem lautersten „Worte Gottes", wie man etwas ungeziemend den im Dorfe selbst gebrannten Korn- branntwein nennt. Man hat aber selbstverständlich auch an die „ Fröuensleue" (Frauensleute) gedacht und für sie gleichzeitig ent Krüglein des süßen braunen Kirsches mitbringen lassen.
Die dicke Flasche und der schmale Krug werden a«: die Hecke gestellt, bis die noch wirbelnden Spiele beendet sind. Die Alten trocknen sich mit dem blauen Kittelpizfel den Schweiß von der Stirn, die einzelnen Kreise lösen sich auf, und die Männer und Frauen bilden je für sich regelmäßige Reihen, damit beim Kredenzen des Trunkes keiner übergangen werben kann.
Mit fröhliches Danke nehmen die Frauen das Krüglein entgegen, und unter großer Ausgelassenheit, unter weithin tönenden: Scherzen und Lachen wandert das kleine „Stutzglas" von Hand zu Hand.
Es ist indes, als hätte die Lustigkeit noch einen besonderen Grund.
Seht doch die Männer! Da sitzen sie, gestikulieren mit den Armen, drehen die Köpfe nach der linken Seite, nach der rechten Seite, wieder nach links und wieder nach rechts — bis plötzlich


