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Lseihnachtslächeln, Io gut wie Meister Grünewald. Leonardo wollte in der Gioconda das ewige Lächeln gestalten. Es fasziniert, aber es läßt kalt, es ist eisern, es wird zur Maske. Es ist das Lächeln, von dem Wir den zwingenden inneren Grund nicht einsehen. Es ist das gewin- nende Lächeln der schönen Frau. Sie lächelt, weil es ihr gut geht, und weil sie keinen Grund weiß, nicht zu lächeln. Es ist das Symbol einer ganzen Zeit, einer lächelnden Weltanschauung. Es ist im Bilde Leonardos errechnet mit mathematischer Genauigkeit, vom Geiste eines Forschers konstruiert. Es ist das Lächeln der Renaissance. Das Lächeln des schönen Scheins. Oder", der Doktor nahm ein anderes Blatt aus der Mappe, „sehen Sie das Kurtisanenlächeln andererMadonnen jener Zeit. Ihr war das Weihnachtslächeln, das ganz Licht ist aus Innerlichkeit, fremd; sie hatte es verloren. Nur die alten deutschen Meister haben es gestalten können wie Grünewald. Deshalb liebe ich diese Madonnenbilder so und habe sie erwählt zum schönsten Symbol dieses Sauses, in dem ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, zu wirken für die rhaltung diefes deutschen Weihnachtslächelns, das so beglückt ist und
beglückend wie nichts anderes."
Der Doktor schwieg. — Bom Bilde der Madonna, das noch auf dem Tische stand, ging im Schein der letzten Kerzen des Weihuachtsbaums ein Strahlen aus, daS alles überglänzte.
Als am späten Abend der Kaufmann und der Rechtsanwalt, d'.e Freunde des Dr. Holmelin, des hochgeschätzten unb berühmten Frauenarztes der Stadt, sein Heim verließen und durch die matt erhellte Vorhalle der Klinik schritten, blieben beide wie gebannt vor der steinernen Madonna mit der Krone auf dem Haupte und dem Kindlein an der Brust in andachtsvollem Schweigen stehen. Sie lächelte, unendlich lieblich, und es schien im roten Licht der Ampel, als lächle sie nicht nur ihrem Kinde, sondern schalkhaft und beglückt den beiden stummen Gästen ul
Die beiden aber gingen und trugen behutsam, wie man eine Kerze im Wind trägt, als schönstes Weihnachtswunder heim in ihrer Seele das Lächeln der Madonna.
Mr haben seinen Siern gesehen.
Bon Arthur Stenzel
Im zweiten Kapitel des Matthäus-Evangeliums wird mit großer Bestimmtheit berichtet, daß zur Zeit der Geburt Jesu ein Stern erschienen sei, und daß dieser Stern die Magier oder Weisen — ihre Zahl wird nicht angegeben — im Morgenlande veranlaßt habe, nach Jerusalem zu ziehen und dort zu erkunden, wo im Lande Judäa der neue König der Juden geboren sei. „Wir sahen seinen Stern im Ausgange, und wir kamen, ihm zu huldigen", sagten sie. Als die Magier dann, so wird weiter berichtet, durch die von König Herodes zusammeirgerusenen Hohenpriester und Schriftgelehrten erfahren hatten, daß Christus der prophetischen Weissagung gemäß in Bethlehem geboren werden sollte, und dahin wanderten, zog der Stern, den sie im Aufgange gesehen chatten, vor ihnen her, bis er über der Stelle stillestand, wo das Kindleiu war. „Da sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude", heißt es wörtlich im Urtext.
Matthäus deutet leider nicht an, welcher Art jenes Gestirn gewesen sei, sondern redet nur kurz von einem „Stern" (im griechischen Text astör). Daß es ein ungewöhnliches Gestirn gewesen sein muß, ist ohne weiteres klar; sonst hätten sich die, offenbar in Babylon anfäfsigen, Magier nicht „zu dieser großen Reise entschlossen", wie der Kirchen- 2oriker EusebioS sich ausdrückt. Schon aus diesem Grunde werden
: den „Stern" der Weisen nicht unter den alljährlich kürzere oder längere Zeit sichtbaren Gestirnen, also in erster Linie nicht unter den Fixsternen, in zweiter nicht unter den Planeten zu suchen haben. Die babylonischen Magier waren als Astrologen sehr genaue Kenner des gestirnten Himmels und konnten nur in einer seltenen, in hohem Maße auffallenden Erfcheinung den Messiasstern erblicken.
Drei Jahrhunderte lang haben sich die Astronomen bemüht, das Problem des Sterns der Weisen zu lösen, ohne zu einem bestimmten Erfolg zu gelangen. Es fehlte ihnen die Hauptgrundlage für die Berechnung : Die Kenntnis der Epoche jenes Gestirns, d. h. der wahren Geburtszeit Jesu. Man stellte das Problem gleichsam auf den Kopf und wollte aus der Erscheinung des Gestirns die unbekannte Geburtszeit ermittekn. Um das Problem richtig anzufassen, war es daher zunächst notwendig, auf andere Weise die Geburtszeit Jesu sestzustellen, und dann mit Hilfe dieser Epoche das unbekannte Gestirn zu ermitteln. Aber auch hier schienen sich anfangs gleichgroße Schwierigkeiten in den Weg zu stellen. Als einzige sichere Methode kam die historische Beweisführung in Betracht, die jedoch trotz zahlreicher, schon im frühen Mittelalter, feit Eusebios, unternommener Versuche bis in die neueste Zeit hinein nicht zu einem greifbaren Ziele gekommen ist. Eine nähere Prüfung der Gründe des Versagens aller dieser Versuche ergab nun bie merkwürdige Tatsache, daß die Historiker grabe die historischen Angaben der Synoptiker nicht richtig auSgewertet, zum Teil sogar vernachlässigt oder gar für irrig erklärt hätten.
Matthäus berichtet ganz klar: „Als aber Jefus in Bethlehem Judäas in den Tagen des Königs Herodes geboren war". „Ebenso unzweideutig schreibt Lukas im zweiten Kapitel seines Evangeliums: „ES begab sich aber in jenen Tagen, daß ausging eine Berordnung vom Kaiser Augustus, daß die ganze Wett sich aufschreiben lasse. Diese Schätzung erfolgte als erste, als Kyreuios Statthalter Syriens war." Herodes L, der Große, herrschte über Judäa vom Jahre 37 bis zu seinem Tode, Mitte März des JahreL 4 vor unserer Zeitrechnung, und Octavianus Augustus war römischer Kaiser vom Jahre 30 vor bis zum 19. August 14 nach Beginn unserer Aera. Von der Amtsdauer des Publius Sulpicms Quirinius (griechisch Kyreuios) wissen wir, daß er vom Januar bis in den Sommer des JahreS 12 vor unserer Zeitrechnung Konsul in Rom war, dann aber von dem Consul suffectus L. Volusius Satuminus
abgelöst wurde, um nach der astatischen Provinz Syrien und Palästina entsandt zu werden, von wo aus er nach den Berichten des Tacitus und Strabo etwa im Jahre 11 die Homonadenser im Taurusgebirge besiegte und dafür die Triumphinsignien erhielt. Da er zweimal Statthalter in Syrien war, seine zweite Statthalterschaft jedoch erst in das Jahr 6 nach Beginn unserer Aera fiel, muß seine erste Statthalterschaft in die Lücke der syrischen Amtstätigkeit von Agrippa 23—12 und M. Ti- tius im Jahre 10, d. h. in die Jahre 12 und II gesetzt werden, weil er grade zu dieser Zeit dort anwesend war. Für bie folgenden Jahre kam Quirinius nicht mehr in Frage, denn von 9 bis 6 amtierte in Syrien (Palästina) C. Sentius Saturninus und von 6 bis 4 ober noch länger P. Quinctilius Varus, der jenes Land auf das furchtbarste brandschatzte, derselbe, den mit seinen drei Legionen im Jahre 9 nach unserer Zeitrechnung Armin, der Cheruskurfürst, im Teutoburger Walde ver- nichtend aufs Haupt schlug. Wir haben demnach die erste Steuer- fchützung in den auswärtigen römischen Provinzen (der „ganzen Welt') in den Herbst des Jahres 12 vor unserer Zeitrechnung zu verlegen. Wenn also Jesus noch unter der Regierung Herodes I. geboren ist, so kann dies spätestens im Jahre 5 vor unserer Zeitrechnung der Fall sein, und tvenn er weiter unter der Statthalterschaft des QuiriniuS geboren ist, kommt nur das Jahr 12 vor unserer Zeitrechnung hierfür in Frage.
Untersuchen wir jetzt, ob zu dieser historisch ermittelten Zett die Erscheinung eines besonders auffallenden Gestirns von den Chronisten erivähut wird. Stur kurz berichtet Cassius Dion in seiner „Römischen Geschichte" unter dem schlimmen Borboten des Todes des Agrippa: „Ein Komet ließ sich mehrere Tage über der Stadt (Rom) sehen und löste sich in Fackeln auf". Ausführlich dagegen schildert der chinesische Gelehrte Ma Tuan-lin in seiner großen Enzyklopädie Wen Hien- thung-khao, nach P. Gaubils Ueberfetzung, den ganzen Verlauf eines Kometen durch die verschiedenen Sternbilder unter genauer Zeitangabe. Der Komet erschien im ersten Jahre des Kaisers Vouen-yen, in 7. Monat, d. i. im August des Jahres 12 vor unserer Zeitrechnung, und wurde insgesamt 63 Tage lang beobachtet. .
Dr. Andrew E.D.Crommelin an der Sternwarte zu Greenwich, dem der Verfasser den Wortlaut des Ma Tnan-Lin-BerichteS verdankt, hat sich bei Gelegenheit der letzten Erscheinung des berühmten Kometen Halley, im Jahre 1910 der Mühe unterzogen, die Epochen sämtlicher früherer Erscheinungen dieses Kometen zu berechnen, und hierfür fest- gestellt, daß der Komet der 76% Jahre Umlausszeit besitzt, auch im Jahre 12 vor unserer Zeitrechnung erschienen ist und vom 8. Oktober in Sonnennähe gestanden hat. Damals ist der Komet Halley im August und September am Morgenhimmek und im Oktober und November am Abendhimmel zu sehen gewesen. Da die Epoche des Kometen mit der Geburtszeit Jesu genau übereinstimmt, dürfen wir ihn mit voller Bestimmtheit als den Stern der Magier betrachten, um so mehr, als er in früherer Zeit eine außerordentlich glänzende Erscheinung war. Mit diesem Ergebnisse fallen natürlich alle Hypothesen über andere ©elttrne, in erster Linie die bis in die neueste Zeit immer wieder hervorgeholte, unhaltbare über eine Plancten-Konjunktion, in sich zusammen.
Wer ungeachtet dieser Argumente noch im Zweifel sein sollte über die Kometen-Natur des Sterns von Bethlehem, der lese die Bibel selbst darüber nach; zwar nicht in der Uebersetzung Luthers, wohl aber im Urtext wird er sie in nicht mißzuverstehender Weise bestätigt sind en. In der Weissagung, auf die sich die Magier (Hohenpriester und Schrift- gelehrten) bei Matthäus, Kapitel 2, und Zacharias bei Lukas, Kapitell, beziehen, heißt es im 4. Buche Mose, Kapitel 24, Vers 17, wörtlich: „Es tritt hervor ein Stern aus Jakob; es erhebt sich ein Komet aus Israel . Das hier gebrauchte hebräische Wort „schebet" lautet in der Uebersetzung nicht „Szepter",(Luther),sondern„Komet", daneben („Schweis , „Rute", wie wir ja noch heute die Kometen Schweifsterne nennen. .
Wir werden schließlich nicht sehlgehen, wenn wir den Messias- kometen auch identisch mit der Himmelserscheinung erklären, die die nachts bei ihrer Herde auf dem (noch heute geneigten) Felde nahe Bethlehem wachenden Hirten fahen. Der Engel, den „des Herrn Herrlichkeit umleuchtete" inmitten der „Schar des himmlischen Heeres , d. h. der Stern, ist kaum anders anfzufassen, um so mehr, wenn toir den Text des (allerdings apokryphen) arabischen Evangeliums von der Kindheit des Heilandes mit heranziehen, das in Kapitel 7 berichtet: „Um dieselbe Stunde (als die Magier das Jesuskiiid beschenkt hatten) erschien ihnen (den Magiern) der Engel in Gestalt jenes Sternes, der vorher ihr Führer auf der Reise gewesen war."
Das Dsmkind.
Bon Nikolaus Schwarzkopf. Copyright bei Führer-Verlag, M.-Gladbach. (Fortsetzung.)
Ach, wie gefiel alles dem Domkind: beim Töpfer durfte es spielen mit dessen Töchterlein, das hatte einen Namen wie eine Königstochter und besaß einen Papagei, der tappte zwischen dem gebrannten Geschirr einher, als wenn er selber es gedreht hätte auf der Scheibe, Bawett, koch Kaffee I" konnte er fügen. Dem Prmzeßchen setzte er sich auf die Schulter, aber vom Domkind ließ er sich nicht einmal füttern, so stolz war er. Er war eigentlich stolzer afS seine Prinzeß, und das mochte gefallen, wem's wollte! ,,
Da lernte das Domkind aus Ton Männerchen machen, Hühnchen, und was es sonst gern haben mochte. Der König Saul aber knetete eines Tages ein Knäblein, das war zart und fein und hieß Paulus Mo- guntiuS Nikolaus und hatte eine Zipfelmütze auf dem Kopf, bie glich dem westlichen Seitenturm des Domes aufs Haar 1 Und bann Inetete der König Saul auch einen Mann, der bekam ganz lange Rockschöße, so daß man meinen konnte, das sei ein uralter Schulmeister, aber der König sagte: das sei er, der DomkapeNmeister 1 Und als er den beiden ungleichen Menschenkindern einen gemeinschaftlichen Socke!


