Ausgabe 
28.12.1926
 
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war's auch recht !

8.

und sagt;

das in der

nbcT?<1

Ein Höllenschein ist's," erwiderte der Turiner.

Run lacht der Alte.Höllenschein!" ruft er,glbt S

bereitet hatte, da mochte mancher meinen, das feien Amor und Psyche, so erhaben war die Gruppe! u-lcküttet

Sie trocknete in der Sonne, wurde mit blauer Glasur beschüttet, dann mit vielen, vielen Topfen in den Feuerosen gesteckt, und als sie wieder herauslam, sah sie knallrot aus und war aufs beste geraten.

Doch am selben Tag wurde abgereist, o weh! - und Paulus war betrübt und weinte sogar manchmal ein Stückchen. Aber dann erschien am Horizont der Domturm, dann zeigten sich.

zugleich, und dann, als man zu Fuß m die Nähe des Marktplatzes kam, ivinkte oben an der Brüstung ein gelb-weißes Fahnlem, und da war ^^Jedermann bewunderte die gebrannten roten Gestalten, die der Kömg Saul aus seiner Heimat mitgebracht, und der Domdekan betrachtete sie lange mit vergnügtem Gesicht und sagte: man soll das Grüppchen hinter einen Schnörkel des Laurent! usaltars stellen, auf dem die großen Flammen den, großen Heiligen, verhängnisvoll entgegenzüngeln - denn es müsse noch ein Weilchen brennen. Dein König Saul war'S recht, in der Nähe solcher Flammen zu stehen, denn er wußte, daß er noch lange kein Heiliger war! lind dem Kind

3hm sehnte sich das Domkind nach etaaä, was chm seither ganz märchenhaft vorkam, was aber doch so natürlich und so selbstverständ.ich ist, - doch niemand war, der seine Sehnsucht stillen konnte .

Da stand eS fortan stundenlang an der Brüstung und schaute in die lieblich gewellten Linien des fernen Horizontes, ah d,e Sonne in breiten Fetzen über Land gelsen und ließ seine Seele den Wo ken nachfliegen, die unentwegt dorthin eilten, wo soviel Herrlichkeiten ihrer harrten. Mit de,n Fernglas brachte es die geliebte Gegend um etliche Meilen näher, aber den schiefen Kirchturmhahn ,ah e^ nicht und Elsa,den Rappen, sah es- nicht, und fern Kind ließ sein Stnnmchen '^swar'sah es Bauern pflügen, sich Scharen^von Menschen m den Weinbergen, fall Mäher auf den Wiesen stehen, sah em. Bächlein sich winden: aber es hörte keinen der vielen Vögel smgen, horte kerne Geißen meckern und roch das Heu nicht und.den -Aist .

Dort im Dörfchen war es barfuß gelaufen und hatte geschlafen wie ein Mehlsack: zog es hier im Turnt einmal seine schuhe und Strümpfe aus: bums, fing es nach einer Stunde an zu husten, und die '^Braungebrannt toie ein Zigeuner war eS angekommen auf dem Turm und dickbäckig und Hellen Auges, aber nun leuchteten schon wieder zwei rote Punkte auf dem milchigen Weiß seiner Wangen, und an den Schläfen zitterten blaue Aedercyen herauf und herunter.

Wern sollte es erzählen, da die Mutter schon bald semer Worte müde war, der Vater nur mit Mühe zuhörte, der König saul alles 11 ^Am aufmerksamsten hörte ihm der alte Tippenkucker zu, der ehedem selber draußen in Feld und Wald herumgestregen mtt einen Schafen. Aber er war ein alter Mann, der nicht einmal dulden wollte, daß das domkind auf den großen Steinplatten fein Tanzburchen trieb, daß es im Kreuzgang tollte. Und da draußen lag doch inmitten des Kreuz- ganges ^in so großer Rasenplatz, daß hundert Kinder sich hatten tummeln können! Berwucherte Rosenstöcke hingenda, Eteu kroch um. her und wußte nicht wohin (ihm ergmg's nicht ander» als dem Donv- kind), und vor dem Standbild des hl. Benedikt blühten sogar etliche Gänseblümchen. O, ivenn Paulus hier hätte spielen durseii!

Wenn der Alte guter Laune war, rasselte er nut seinen^schlüsseln da bockelte es schon im Domkind! Da durfte Paulu» hurtig wie em eingesangenes Pferdchen ein paarmal hur und her rennen, aber ganz hurtig, daß keiner der Domherren es sah, und dmm schloß der Alte

Sttd3n der Kirche", versetzte der Türmer,ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Der Höllenschein, das ist der Heillgeuschem der »oll«, verstanden?"

Und ich hätte den gemacht?

'.Tippenkucker, der wird aber nicht um den Kopf gemacht

"Wohin denn?" e

'.Ein bißchen tiefer, Tippenkucker l"

(Fortsetzung folgt)

Einst zeigte Pamni, der ichon io grestgewurorn mnr.dab Kinder,die in den Dom kamen, sich seiner nicht mehr zu fchainen brauchten, zwei Buben den roten Steinmami der Taufkapelle denselben, vor dem fed->r Täufling zu schreien beginnt da kam ein Domschwei^r und SS und sie verzogen sich in eine andere Ecke des Domes und als der zweite Schweizer sich näherte, liefen die Kameraden hiNMis aui den Domplatz; und Paulus lies mit ihnen. .

Da kam ein seltsamer Wagen der Stadtbahn daher, au->dem fprtz,te nach links und nach rechts und nach hinten m hohen Bogen irisches Wasser über die ganze Straße. Die Buben zogen rasch, obgleich die Leute schon Wintermäntel trugen, die Schuhe und Strumpfe aus, hingen sie über die Schultern und rannten in dem Regen hmterdreln. Und nach langer Fahrt hält der Wagen plötzlich, um Wasser zu fassen, aber die Kinder ivissen nicht mehr, wo sie sind! Sie fiiAcn können sie aber nicht sehen und weinen alle drei. Schlwfchch lommt der Schaffner dieses seltsamen Wagens und nimmt sie »u sich, und so fahrt Paulus durch die ganzeStadt, und erst nach langerZett slehl er, daß der Wagen sich wieder dem Dom nähert. Der Schaffner stellt da» Ktnd tn »en Dom und bekümmert sich nicht weiter.

Der Gloriaengel aber macht ein b'.tterbofe» Gesicht scylinpft und sagt: er habe die Berantwortung, und er wolle diesmal den Eltern nichts verraten! Aber nur diesmal! , t ,

Groß war die Sehnsucht des Kindes nach Kmdern, '0> derüch >tach den Kindern des Dorfes! Wenn es oft den ganzen Tag hm aus gestarrt hatte in jene Gegend, so kamen die Gespielen wemgsteirs des Nachts in seine Träume! Auch der Hund kam, und die Elsa kam. t ?

irrte im Traum in den Wiesen umher, und es schreckte vor dem Bach zurück, der unversehens sich in fernen Schritt schob. Es kletterte aus Bäumen umher und fiel herunter, und lachte laut; es sah seinen Dom

nutteil in einem Wald stehen, und die Kiefern überragte« bett Turm- Hahn. Der Sturm peitschte sie; sie ächzten, bogen sich, strichen an dem Mauerwerk entlang, als wollten sie es abftäuben, neigten sich bis zur Erde, so daß der Dom wieder ganz nackt dastand. Ueber den Baum­kronen schwebten ungeheure Adler, die hoben und senkten sich wie Wol­ken. Eine Wolke stak voller Enzian, eine andere voller Lichtnelken; sie hüllten den Dom ganz in sich ein! Das war so schön! Ach, das war so schön!

Aber die schönenTräume verloren sich, je länger daSDomkind wieder da oben weilte, und schreckliche Träume marterten statt ihrer sein Seelchen' Die Türmerwohnung ward von Riesen aus dem Gebälk gehoben und schwebte über der Stadt; Kanonenkugeln umzischten da» seltsame Luftschiff, ganze Wolken von Kanonenkugeln stiegen vom Horizont her gegen die Wohnung an, schlugen ein, zertrümmerten di« Stuben, und schließlich schwebte Paulus muttterseelenallein auf einem winzigen Brett umher und wußte nicht: geht es zum Himmel oder geht es zur Hölle! Die sechs Türme sah es schief stehen; das ganze Dom­kapitel hockte aus den sieben Blitzableiterstangen und schrie um Hilfe, und dann kam der Gloriaengel mit Flügeln angeschwirrt und putzt« jedem einzelnen der Herren den Schweiß von Stirn und Nase.

Einmal holte der Türmer das Kind mitten in der Nacht aus dem Rundgang, allwo es, wer weiß wie lang, gestanden haben mochte, und nahm es zu sich ins Bett. , c

Der König Saul brachte ein Kätzchen herauf, das frag den liebe« Kanarienvogel und war nach drei Tagen wieder verschwunden. Und der Türmer entdeckte es tief im Abgrund, da hing es in den Klauen eines der entsetzlichen Steintiere, die stufenweise das Regenwasser hinausspeien an den äußersten Kändel. . t

Die heiligen Kinder des -Domes waren stumm und wollten wie die reichen Nachbarskinder gar nichts mit Paulus zu tun haben; di« unheiligeu aber wurden verjagt, wenn sie ein Wort mit Paulus plau­derten ! Ans die Gasse konnte Paulus nicht mehr gelangen, denn der Alte war wie ein böser Geist hinter ihm her!

Wirklich wie ein böser Geist guckte er immerdar das Domkind an, und eines Tages fürchtete sich Paulus beinahe vor ihm.

Und eines andern Tages wollte es fliehen vor ihm, >edoch er kam süß lächelnd, trug den Bart nach vorn geknebelt und sprach:ES gibt so viele Beichtväter im Dom, meinSchätzchen, aber ich möchte oir etwas beichten, mein Kind; hast du einen Augenblick Zeit für einen alten Sünder?^ ^ckie die Hände in sein blaues Wachstuch«

schürzchen, das von Sternen übersät war tote der Himmel des ChoreS, und machte:Jaja, Onkel Tippenkucker!"

Komm mit mir, ich werde dir etwas »eigen, was du aber nicht ^Sie"gingenÄn den Altar deS hl. Laurentius, und der Alte sprach; Guck, mein Söhnchen, wer auf dem Bilde hat einen Heiligenschein und verdient ihn nicht? . . . Siehst du nichts? . . was sieht doch ln ,^er^hl/ Lorenz," erwiderte das Kind,aber der verdient doch seinen Sch^ g0e.^ me;u ich nicht, aber neben ihm, bett Gottseibeiuns, den" meine ich: hat der einen Heiligetischeiti, oder hat er keinen?"

Nein!" antwortete das Kind,der ist am Kopi von einer Kerze '""Hahaha" angchmgt^das ist gut! Das hast du gut gemacht, Heiser

^Der^ Türmer kam in tveiher Leinenschürze von der Turmtür her, strich übern blonden Lockenkopf seines Kindes und sprach:

Ist er auch brav, Tippenkucker, ober fragt er wieder beständig ?" "Er ist brav und weise, fast allwcise wie iveiland Jefus im Tempel! "Er ist auch einem Schriftgelehrten in die Hände gefallen!" foppt« Strohschnitter, und der Küster entgegnete witzig:

Einem Schriftgelehrten unb Pharisäer, will der Türmer jagen! Doch sehen sie einmal selber, Herr Türmer: Hai der Teufel hrer eine« Heiligenschein, oder ist er nur ein wenig versengt?'

D-r Türmer betritt die eme Altarstufe denn das Licht fällt, in alle seine Farben zerstreut, vom Fenster her über das Martyrer- bild, hält die Hand vors Auge und sagt gewichtig:

.Erneu Heiligenschein, einen richtigen Heiligenscheins

Da stand er nun, der Gloriaengel, und ließ die Flügel hange«, und seine Hände wackelten wie ausgeleerte Klingelbeutel unten a« seinen Knien. Dann rasst sich Appenkucker auf, beugt sich zum Kmd herab und sagt wie voller Freude:Siehst du, siehst du! und sern« Stimme springt tveit in den Dom.

Der Türmer aber kann em Lachen nicht verbeißen Eigentlich ist's ja doch kein Heiligenschein !"

Keiner?" rüst der Gloriaengel sichtlich erleichtert,was istt«