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von dieser Stelle entfernten Dache arbeitete, hatte von der Kugel nichts bemerkt, war aber bei dein Knall, ob durch Schrecken oder Luftzug, vom Dach gerutscht, ohne jedoch Schaden zu nehmen. Gleich darauf hörten wir, daß es in einem ca. 100 Meter entfernten Steinbruch eingeschlagen hatte."

Ueber ein anderes abenteuerliches Erlebnis berichtet Oberförster Mehl bei Mochental (Oberamt Ehingen in Württemberg) folgendes:

Ich war im Revier Schöntal, nach einem sehr heißen Tag abends auf der Pürsche, es mag Ende Juni 1874 gewesen sein. Gegen 9 Uhr wurde ich, auf dem Heimwege begriffen, von einem überaus heftigen Gewitter überrascht, vor dem ich mich unter eine alte Waldhütte, welche unmittelbar an einem chauffierten Sträßchen sich befand, flüchtete. Während das Gewitter mit unerhörter Gewalt tobte, bemerkte ich Kugeln von bläulicher Färbung, welche auf dem Sträßchen daher rollten und sich unter knisterndem Geräsch in sprühende Funken auflösten, teils vor, teils hinter meinem Stand­ort. Die Kugeln waren in der Größe von einer mittleren Kegel­kugel. Das Platzen derselben, das mehrmals in meiner unmittelbaren Nähe erfolgte, und das ich daher ganz genau beobachten konnte, verursachte keinen Knall, wohl aber eine solch blendende Helle, daß ich momentan vollständig geblendet war. Die Schnelligkeit, womit sich die Kugeln bewegten, war keine große, nicht größer als die einer scharf geschobenen Kegelkugel; alle verfolgten' dieselbe Richtung, genau die Straßenbahn einhaltend, in Zwischenräumen von ver- fchiedener Zeitdauer, mehrmals rasch aufeinander, und ich habe etwa in einem Zeitraum von einer halben Stunde 25 bis 30 solcher Kugeln beobachtet. Das Gewitter hatte sich in dem einen mulden­förmigen Einschlag bildenden Waldkomplex festgesetzt und tobte hier in voller Heftigkeit zwei Stunden lang. Die Kugelblitze zeigten sich gleich zu Beginn des Gewitters, während der Regen in Strömen floß und gewöhnliche Blitze unter unausgesetzten Donnerschlägen von allen Seiten niederfuhren und mehrmals in meiner Nähe ein­schlugen. Da ich die Straße der Kugelblitze wegen, den angrenzen­den Hochwaldbestand aber wegen der meist in denselben einfchlagen- ben gewöhnlichen Blitze nicht zu betreten wagte, so blieb ich auf meinem alten Platze unter der alten Hütte, bis das Gewitter etwa um 11 Uhr ausgetobt hatte, und war froh, endlich den unheimlichen Posten mit heiler Haut wieder verlassen zu können. Indessen habe ich Kugelblitze zu beobachten nie mehr Gelegenheit gehabt, habe auch gar kein Verlangen, nochmals in einem solchen Granatfeuer zu stehen wie in jener Nacht."

Nicht minder anschaulich ist ein Bericht vom Dr. med. Kratzert an Professor Galle in Breslau über ein Gewitter, das er am 17. August 1890 auf dem Wege von Bad Goezalkowitz nach der Stadt Pleß (Oberschlesien) erlebte. Er beobachtete am Himmel gleich­zeitig vier Gewitter. Das Gewitter Nr. 4 stand am Südwesthimmel, scharf umgrenzt und war von den d'rei anderen durch wolkenfreie Zwischenräume völlig isoliert. Er erzählt:

Ans dem mir zunächst stehenden isolierten, als Nr. 4 bezeich­neten Gewitter bemerkte ich nur drei- bis viermal, und zwar in längeren Pausen, weißglühende Blitze zur Erde niedergehen. Sonst herrschte eine unheimliche Ruhe in dieser Wolkenmasse, welche um so dräuender sich ausnahm, je mehr sie durch die Blitze der Um­gebung eigenartig beleuchtet wurde. Ich hatte gerade meine ganze Aufmerksamkeit dieser Wolkenmasse zugewendet, wobei ich mich wunderte, daß schon so lange kein Blitz aus derselben sich entladen habe, als plötzlich aus der Mitte dieses Wolkenknäuels eine blendend weiße Kugel heraustrat, von einem Durchmesser von etwa 20 cm, und in genau senkrechter Richtung langsam und gleichmäßig heran­schwebte. In halber Höhe zerplatzte diese Kugel, und nunmehr be­wegten sich in leicht divergierender Richtung sechs leuchtende Körper raketenförmig zur Erde, um im letzten Drittel der Flugbahn fast gleichzeitig zu verlöschen. Wie mir schien, war die Fallgeschwindig­keit dieser Körper beschleunigter als die der Kugel, auch schien mir das intensiv blendende weiße Licht eine Abschwächung erfahren zu haben. Das ganze Schauspiel hat zehn Sekunden gedauert. Bei der Explosion der Kugel habe ich kein Geräusch wahrgenommen, doch fuhr ich unwillkürlich zur Seite, denn im Moment des Zerplatzens zischte und kochte es in den Telegraphendrähten zu meiner Seite, wie ich Aehnliches noch nie vernommen. Ich ließ die Gewitterwolke während des ganzen Weges ich ließ Schritt fahren nicht aus dem Auge, doch habe ich keinen Blitz mehr aus ihr hervorgehen sehen. Ich habe diese Naturerscheinung als Blitzkugel angesprochen."

Wie Beobachtungen lehren, treten die Kugelblitze oft als scharf umgrenzte Kugeln aus, zuweilen aber zeigen sie auch eine Hülle ober Aureole, die sich in der Farbe von der der Kugel unterscheidet. Diese Farbe des Kugelblitzes ist in den einzelnen Fällen weiß-blau, gelb, grünlich ober rötlich. Meist treten sie einzeln auf, doch sind vielfach schon Doppel- oder mehrfache Kugeln beobachtet worden. Die Dauer der Erscheinung liegt zwischen mehreren Sekunden und mehreren Minuten. Uebereinftimmenb wird über eine knallartige Explosion berichtet, wonach mehrfach Schwefelgeruch spürbar ober längere Zeit nach dem Zerspringen nebelartiger Dampf sichtbar war. Merkwürdig sind die Wege, die ein Kugelblitz zuweilen nimmt. Bald bringt er durch den Schornstein, bald an Leitungsdrähten in menschliche Wohnräume ein, bann wieder benützt er eine Dachrinne, eine Happel ober einen Turm als Bahn, bann wieder gleitet er über eine Wasserfläche, über eine Landstraße, über nasse Dächer, schwebt in freier Luft ober gleitet an Menschen und Tieren entlang. In einem Fall rollte ein Kugelblitz durch das offene Fenster, wanderte i um den Tisch und glitt wieder zum Fenster hinaus.

Jedenfalls ist ein Kugelblitz innerhalb menschlicher Räume ein unheimlicher Gast, und zwar deswegen unheimlich, weil es, wie schon erwähnt, noch nicht gelungen ist, Ursprung und Wesen zu deuten.

Eine neue Theorie des Asthmas«

Von Dr. med. L. Bergmann, Leipzig.

Soviel Asthmakranke, soviel Theorien über das Wesen der Erkrankung so wenig wirkliche Heilerfolge bisher!

Obwohl die medizinische Wissenschaft sich überaus viel mit dieser Erkrankung befaßt hatte, konnte sie ihr Wesen und ihre Ursachen noch nicht aufklären, für jeden einzelnen Asthmatiker kommen andere Momente in Betracht: Erblichkeit, Störungen im Nervensystem oder im Bereich der Blutdrüsen oder im Llutsatz- gernisch, oder seelische Momente usw. wurden zur Erklärung herangezogen. Eine bunte Vielheit für eine in ihren Erscheinungen fo einheitliche Erkrankung! Vor einigen Jahren brachten ameri­kanische Autoren noch eine neue Theorie, die als Ursache des Asthmas eine persönliche Ueberempfindlichkeit der Kranken gegen einige Stoffe annahm.

Seit dem Jahre 1920 hat nun der bekannte holländische For­scher, Professor Storm van Lee «wen, letztere Behauptungen nachgeprüft und die Theorie auf eine breitere Basis gestellt. Er kam dabei zu wesentlichen, wenn auch nicht völlig geklärten Ergebnissen, die er in seiner neuesten Monographie zusammenfaßt.

Die auf seine Theorie aufgebauten Heilmethoden bestätigen mit ihren Erfolgen ersteres, und beweisen damit (der Forscher leitet heute eine staatliche Klinik für Asthmakranke in Leiden), daß diese Theorie, wenn sie auch noch nicht die endgültige Klärung der Asthmafrage bringt, doch einen wesentlichen Fortschritt auf diesem Wege be­deutet.

Als Ueberempfindlichkeit bezeichnet man die Erscheinung, daß manche Menschen auf gewisse Stoffe, die beim normalen wir­kungslos sind, mit ganz typischen Symptomen reagieren. So sind bekannte Beispiele: Heufieber, Qitabbelfudjt nach bestimmten Speisen (Erdbeeren!), asthmatische Anfälle nach Einatmen von Blutenstaub einiger Gräser. Die Ursache dieser Ueberempfindlichkeit ist nicht bekannt. Unter diese Ueberempfindlichkeitskrankheiten rechnet Storm van Leenwen nun das Asthma, und konnte tatsächlich mittels einer Hautimpfungsmethode nachweisen, daß fast alle von ihm untersuchten Asthmatiker typische Ueberempfindlichkeitsreak- tionen haben. Für beinahe 10 Prozent aller solcher Kranken konnte er die Anfälle auslösenden Stoffe (Tierhaare oder bestimmte Nahrungsmittel) feststellen und in diesen Fällen einwandfreie Heilungen erzielen, indem er mit kleineren Mengen dieser Reizstoffe ( Allergene) Impfungen vornahm.

Rie restlichen 90 Prozent seiner Patienten reagierten aber nicht spezifisch auf einen bestimmten Stoff, so daß auch hier keine spezifische Therapie möglich war. Der Forscher studierte nun zunächst die teilweise schon bekannten Einflüsse des Klimas auf das Asthma, indem er weite statistische Erhebungen über das Vorkommen der Erkrankung in verschiedenen Gegenden anstellte. Für Holland fand er, daß in moorigen Gegenden viel mehr Asthmakranke seien (bis 1 Proz. der Bevölkerung) und dort der Aufenthalt für schon Asthma- leidende besonders ungünstig sei, während sandige Dünengegenden besser gestellt seien. Für die Schweiz berichtete er'dagegen, daß dort die Krankheit relativ selten und mit zunehmender Höhe immer weniger vorkomme. Diese Angaben decken sich auch mit den Heil­erfolgen in Höhenkurorten. Storm van Leenwen führt nun diese klimatischen Unterschiede auf die Anwesenheit von Asthmareizstoffen in der Luft zurück, die in verschiedenen Mengen Vorkommen, und erbringt den experimentellen Beweis für die Anwesenheit solcher Klimaallergene . In Rotterdam filtrierte er große Mengen Lust durch Watte, extrahierte diese mit Wasser, und spritzte diese feinen Patienten ein, wodurch ihr Zustand wesentlich verschlechtert wurde. Andererseits konnte er bei holländischen Asthmatikern, die in der Schweiz anfallsfrei bleiben, durch von Holland mitgebrachte Reiz­stoffe wieder Anfälle auslösen.

Rach diesen Ergebnissen lenkte der Autor seine Aufmerksam­keit auf eine weitere bekannte Tatsache, nämlich, daß Asthmakranke bei Wohnungswechsel, insbesondere Aufenthalt in der Klinik, oft ansallfrei bleiben und sofort bei Rückkehr in ihre alte Wohnung erneut erkranken. Eine Untersuchung der Luft solcher Wohnungen auf Reizstoffe in obigem Sinne ergab, daß tatsächlich hier mehr solcher Reizstoffe vorhanden waren, als in Kliniken und anderen Privathäusern.

Anschließende Versuche, Asthmatiker in Räumen, deren Luft durch besondere Vorkehrungen (Filtration usw.)allergenfrei" war, frei von Anfällen zu halten, sind in zahlreichen Fällen gelungen, und damit ist auch ein indirekter Beweis für die Anwesenheit dieser Stoffe erbracht, und der Behandlung ein weiterer Weg gebahnt.

Ueber die chemische Natur und die Entstehung dieserKlima- aklergene", die in der Mehrzahl der Fälle den asthmatischen Anfall auslösen, kann der holländische Forscher noch nichts angeben. Er nimmt an, daß sie bei der Verwesung pflanzlicher und tierischer Substanz enistehen. In Wohnräumen scheint die Anwesenheit von Müden und Schimmelpilzen bei der Entstehung mitzuwirken.

Auch die Frage, wodurch eigentlich diese Ueberempfindlichkeit erworben wird, was ja vielleicht praktisch nicht so wichtig ist, bleibt noch offen. Man muß also weitere Ergebnisse dieser Forschungs- richtung abwarten.

Verantwortlich: Dr. Hans Thyrioi. - Druck der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.