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EindrüSre von einer Reiss in Holland.

Don Anna Daleton-Hoos.

Karl Jmmermann schildert die holländische Landschaft in seinem unsterblichen Münchhausen folgendermaßen:Sie schöne Aussicht auf den Kanal, über den alle Tage die sechs braunangestrichenen Treck- schuiten von dem Jägerlein gezogen werden, und die unabsehbare Wiese dahinter, in der denn doch auch nicht eine einzige Erhaben» heit, so groß wie ein Maulwurfshügel ist, und der Hintergrund von zwölf Windmühlen im Gange! Lind dann sieht man das nicht alle Tage, nein, einen um den andern Tag nebelt oder regnet es, so daß die Entbehrung das Glück, um sich schauen zu können, erhöht, und der Himmel bleibt immer, auch wenn es helles Wetter ist, be» scheiden, mäßig und grau." And so ähnlich lebt Holland heute noch in der Vorstellung der meisten Menschen. Und große Teile von Hol­land sind auch so, genau so, nur daß statt der sechs braun ange­strichenen Treckschuiten (Schiffe, die von am Ufer gehenden Men­schen oder Pferden gezogen werden, wie wir es vor zwanzig Jah­ren hier an der Lahn auch noch sehen tonnten), zwischen Amster­dam und Haarlem außer der gewöhnlichen vorweltlichen Eisenbahn eine sehr schöne und blitzsaubere elektrische Straßenbahn den Verkehr vermittelt, und die ganze Umgegend bis zum Meeresstrande hin zu einer Villenkolonie von Amsterdam macht Also Jmmermann hat recht: GrüneWiese und schnurgerade Kanäleund Kühe nnd Windmüh- len und ein ewig grauer Himmel darüber. Aber er hat etwas vergessen, etwas, was der ganzen Landschaft ein völlig anderes Gesicht gibt, näm­lich: Das Grün ist anders, wie überall sonst in der Welt. Nicht etwa üp­piger oder gar leuchtender. Nein Grün mit einem Silberglanz. Nicht weißlich, oder mit einem Schleier drüber, das würde ja Farblosig­keit bedeuten, und es ist eine höchst intensive Farbe, eine gesteigerte Farbe, biedochnichtlaut und hart wirkt. Und silbrig ist das ganze Land, das ganzeHolland. Silberglanz, kostbarer Silberglanzliegtüber seinen Wie­sen, über den lilagrauen alten Backsteinhäusern, über der braun-grü­nen Heide. Silber schimmert in den frischen hellgrünen Kiefernzwei- gen, Silber flimmert über den Schilfrohrdächern der Bauernhäuser und Villen auf dem Lande. Deshalb ist Holland auch schöner bei bedecktem Himmel. Denn die Sonne, die alles gelb macht, läßt den Silberglanz verschwinden, und alles wird alltäglich, wie in andern Ländern auch. And sonderbar, die Holländer lieben das Silber vor allem andern edlen Metall. Nirgends sind so viele Silberschmiede Wie hier in den engen Straßen mittelalterlicher Städte. Seltsame schwere silberne Vögel stehen da in den Fenstern, Reiher und Pfauen als Tafelschmuck und silberne Nippsachen: kleine Mörser und Pfan­nen und Violinen und winzige Möbel und Löffelchen mit einer Wind­mühle oder einem kunstvollen Segelschiff am Stiel. Alles Dinge, die in die schweren alten holländischen Glasschränk« gehören, und die für uns sonderbar raritätenhaft wirken, besonders wenn wir die end­losen Reihen von Autos dran vvrbeiflitzen sehen. Denn ein Auto hat hier jeder, der über dreißig ist, wer unter dreißig ist, hat ein Fahrrad, und wer unter drei ist, sitzt mit hinten auf Vaters oder Matters Fahrrad. Deshalb ist eine Fußreise durch Holland ein ähn­liches Abenteuer, wie etwa eine Autofahrt durch das innerste Tibet. Es gibt einfach keine Fußgänger. Und infolgedeffen auch eigentlich nur Autostraßen und herrliche Radfahrwege. Aber querfeldein iwer Wiese und Heide kann man tagelang gehen, ohne einem Menschen zu Begegnen. Und kommt man in ein Dorf, so wird man ange­staunt tote ein zweites Weltwunder. Allerdings muß man ein gutes Richtungsgefübl haben. Denn durch die Heide führen höchstens Wa­genspuren von einem Gehöft zum andern, und man gerät in Ge­fahr im Kreise herum zu laufen, oder gar in einem ganz undurch­dringlichen und unübersichtlichen Eichengestrüpp völlig stecken zu bleiben. Wo sonst im zivilisierten Europa ist so etwas noch zu haben?

Außer den Wiesen mit den Kühen und den Windmühlen hat Holland Wälder. Wundervolle uralte wildreiche Wälder, die sich zum Teil bis ans Meer hinziehen, Und eine Heide. Südlich der Zuidersee erstreckt sie sich kilometerweit,de Deluwe" märchenhaft einsam und unaussprechlich schön. Hügelig ist sie, wie eine Dünen­landschaft, grau, grün, rötlich schimmernd, ohne Daum, ohne Strauch mit einem ungeheuren, bedrückend schweren Himmel darüber. Un­endlichkeit ist in der Heide, stärker und erschütternder als am Meer. Das Meer ist bewegt, farbig, leuchtend und voller Abenteuer. Die Heide liegt regungslos, und der brausende Sturm bewegt nur meine Hände und mein Kleid. .. .

Einsam und weit voneinander entfernt liegen die Gehöfte m der Heide, so daß man sie nicht sieht, wenn man zwischen den Hügeln geht. Ein paar magere Äcker liegen daneben, Buchweizen und blasses Korn und windverwehte, hellgrüne Kiefern umsäumen das ganze Anwesen Die Häuser sind genau, wie sie wahrscheinlich im Mittel­alter auch schon waren. Das Schilfdach geht fast bis auf die Erde herunter an beiden Seiten, und Menschen und Dieh Hausen alle zu­sammen darunter. In der einzigen großen Stube sind Schränke in Sie Wände aufgebaut, die werden des Nachts aufgemacht und sind die Betten. Uebrigens wird in dieser Stube meistens nicht gekocht. Die Küche liegt in einemKochhäuschen" zwei Schritte vom Hause entfernt. _

Die Menschen, die da wohnen, sind Calvinisten, unerbittliche Eal- vinisten, wie sie wahrscheinlich auch zu Calvins Zeiten schon waren und vielleicht nirgends mehr in der Welt so rein und streng erhal­ten sind. Die Frauen gehen vielfach noch in Tracht. Ganz schwarz und eingehüllt vom Kinn bis an die Fußsohlen, mit engen langen Ärmeln. Die Mädchen haben dazu ein Helles Dusentuch und eine sonder­bare schwarze Haube mit seidenen Fransen, die einen lieblichen Rahmen um die Hellen Gesichter abgeben. Sonntags radeln sie in langer, langer

Reihe im Gänsemarsch in die Kirche. Dann sitzen sie den ganzen Sonntag in der Sonne vor dem Hause und gucken über die Heide oder lesen in der Bibel, denn nun dürfen sie nichts mehr tun, und die Kinder dürfen nicht einmal spielen.

Sonderbar, wenn man an Holland denkt, bann steigt entweder das Jmmermannsche Bild herauf, oder die schönen alten Städte, und mit ihnen die Maler. Die Holländer lieben ihre Maler und sind stolz auf sie und, was fast mehr ist, sie sind vertraut mit ihnen und kennen sie genau und fast keinen so gut wie Jan Steen, der ihr ureigenstes Wesen so gut dargestellt hat in seinen Wirtshaus­szenen und Prügeleien und übermütigen Festen, und der in diesem Jahre dreihundert Jahre alt wird. Seine Geburtsstadt Leiden feiert es in einer Ausstellung seiner Werke, die aus Museen und Privat­besitz aus aller Herren Länder für einige Monate hier zusammen­getragen sind. Und Menschen aus aller Herren Länder kommen zu­sammen, um diese Bilder zu genießen. Die Ausstellung ist so voll, daß man fast die Bilder nicht sehen kann vor Menschen. Aber man wird freundlich gestimmt gegeneinander. Die Bilder sind so unglaub­lich heiter und so unglaublich schön. Ich kann es schwer in Worte fassen, ich weih nur, daß sie ins innerste Herz greifen können, dah man in Tränen ausbricht über eine rosa Rose auf einem braunen Tisch, daß man das Gefühl hat, man geht zwischen unerhörten Kostbarkeiten herum. Alle Theorie versinkt. Kunst, die große Zauberin, bringt alles zum Schweigen und läßt uns nur in Ehrfurcht genießen.

Kugelblitze.

Von Dr. Friedrich Krüger.

Kürzlich wurde gemeldet, daß in der Nähe von Quedlinburg ein Kugelblitz, nachdem er einen Baum zersplittert hatte, in eine Mäd­chenklasse strich, die in der Veranda eines Forsthauses vor einem Gewitter Schutz gesucht hatte. Der Kugelblitz zerriß acht Schulmäd­chen die Schuhe und Strümpfe, ohne jedoch den Kindern, abgesehen von einem geringen elektrischen Schlag, sonstigen Schaden zuzufügen. Dann rollte der Blitz wieder aus der Veranda hinaus und zersprang mit einem gewaltigen Krachen.

Kugelblitze sind an sich ziemlich selten zu beobachten, und es ist bis heute noch nicht gelungen, diese eigenartigen Erscheinungen in befriedigender Weise wissenschaftlich zu erklären. Während einige Gelehrte der Auffassung sind, daß es sich bei Kugelblitzen um Wirbel von stark ionisierter Luft handelt, hat man andererseits diese eigenartige Lichterscheinung mit der Entladung einer sog. Leydener Flasche verglichen, die im Innern eine verdünnte und daher ent­sprechend leitfähige Lust enthält. Beim Kugelblitz bildet, wie man annimmt, eine zusammengtzprehte kugelförmige Luftmasse die Isolierschicht zwischen der inneren verdünnten und der äußeren feuchten Lust. Nach einer dritten Theorie handelt es sich bei einem Kugelblitz um ein stark elektrisiertes abgesprengtes Stück einer Ge­witterwolke, das Kugelform annimmt und sich unter dem Einfluß des elektrischen Kraftfeldes in Bewegung gefetzt hat. Oberstudienrat Dr. Walter Brand (Marburg a. d. L.) hat in einer besonderen Schrift dieses Phänomen zum Gegenstand eingehender Unter­suchungen gemacht und ein reiches Material zusammengetragen. Ge­stützt auf 215 Berichte verschiedener Beobachter kommt er zu dem Ergebnis, daß Kugelblitze besonders häufig in Gebirgen (Riesen­gebirge und Steirische Alpen) zu beobachten sind, und daß sie ver­hältnismäßig zahlreicher bei Wintergewittern auftreten als im Sommer ober Frühjahr. Ferner treten diese seltenen Erscheinungen an Nachmittagen in größerer Zahl auf als vormittags, und ebenso ist es charakteristisch, daß Kugelblitze stets gegen Ende eines Gewitters, fast nie am Anfang, bemerkt werden.

Ueber einen Kugelblitz berichtet Maurermeister Emde in Brilon, daß er bei dem Neubau der Ober-Ruhrtalbahn in der Nähe von Arnsberg beschäftigt war, als ein Gewitter die Arbeiter zwang, in einer provisorifch errichteten Schmiedewerkstatt Schutz zu suchen. Als das Gewitter vorüber war und die Sonne wieder hervortrat, gingen die Arbeiter wieder an ihre Beschäftigung. Emde berichtet weiter:Wir waren vier Mann auf dem Gerüst und waren gerade im Begriff, eine Steinplatte, etwa in der Größe von 80 Zentimeter im Quadrat, auf die Mauer zu heben; wir standen also in einem Kreise, nichts ahnend, als plötzlich ein Blitz zuckte und in unserer Mitte etwa 90 Zentimeter über dem Stein, den mir auf die Mauer heben wollten, eine runde, gelbliche, durchsichtige Kugel von zirka 20 Zentimeter Durchmesser sich zeigte, welche sich immer um vier Zentimeter hob und senkte; in der Mitte dieser Kugel war eine bläuliche Flamme, welche wie eine Birne geformt war, die Spitze nach unten geneigt, und eine Länge von vier Zentimeter hatte. Diese Flamme kreiste mit sehr schneller Bewegung in einem verti­kalen Kreise von ca. sieben Zentimeter Durchmesser innerhalb der großen Kugel. Unseren Schrecken kann sich jeder selbst vorstellen; meine Augen waren stets auf den gefürchteten Eindringling ge­richtet, und meine Gedanken nur dahin, wie ihn wieder los werden. Doch darüber sollten wir uns nicht lange den Kopf zerbrechen; nach Verlauf von einigen (ca. 34) Sekunden erfolgte ein harter Knall, wie ich einen zweiten wohl noch nie gehört habe, und die Blitz- kuael war verschwunden, ohne daß einer von uns bemerkt hatte, wohin sie ihren Lauf genommen. Wir atmeten auf, und es war mir, als ob der Stein, der vor uns lag, mir in feiner ganzen Schwere vom Herzen gefallen wäre. Als wir uns erholt hatten und den Stein auf die Mauer brachten, versagten uns unsere Glieder fast noch den Dienst. Der Stellmacher, welcher auf dem etwa 10 Meter