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Während Abt Johannes nordwärts zur Waldgegend ritt, sah er, wie überall Anstalten getroffen wurden, das Weihnachtsfest zu feiern. In jedem Bauernhause machte man Feuer in der Bade- Hütte, damit sie zum nachmittägigen Bade wann sei. Aus den Vorratskammern wurden große Mengen Fleisch und Brot in die Kütten getragen, und aus den Tennen kamen die Burschen mit großen Strohgarbett, die über den Boden gestreut werden sollten.
Als er an dem kleinen Dorfkirchlein vorüberritt, sah er, wie der Priester und seine Küster vollauf damit beschäftigt waren, sie mit den besten Geweben zu behängen, die sie nur hatten auftreiben können; als er zu denr Wege kam, der nach dem Kloster Bosjö führte, sah er die Armen des Klosters mit großen Brotlaiben rind langen Kerzen daherwandern, die sie an der Klosterpforte bekommen hatten.
Als Abt Johannes alle diese Weihnachtszurüstungen sah, da spornte er zur Eile an. Demr er dachte daran, daß seiner ein größeres Fest harre, als irgendeiner der anderen feiern sollte.
Doch der Knecht jammerte und klagte, als er sah, rvie sie sich auch in der kleinsten Lütte anschickten, das Weihnachtsfest zu feiern. And er wurde immer ängstlicher und bat mrd beschwor Abt Johannes, umzukehren und sich nicht freiwillig in die Künde der Räuber zu geben.
Aber Abt Johannes ritt weiter, ohne sich mrr seine Klagen zu kümmern. Er hatte bald das Flachland hinter sich und kam nun hinauf in die einsamen, »vildeir Wälder. Lier wurde der Weg schlechter. Es war eigentlich nur noch ein steiniger, nadelbestreuter Pfad, und nicht Brücke, nicht Steg halfen ihnen über Flüsse und Bäche. Je länger sie ritten, desto kälter wurde es, und tief drinnen im Walde War der Boden mit Schnee bedeckt.
kFortsetzung folgt.)
Das tönende Herz.
Von Wilhelm Buchmann.
Der unermüdliche Menschengeist hat es verstanden, sich Maschinen zu schaffen, die tagaus, tagein feinen Zwecken dienen müssen, und denen kaum eine Ruhepause gegönnt wird. Wir denken an die mächtiger» Stromerzeuger mrserer Elektrizitätswerke, die Pumpen für die Wasserversorgung der Großstadt, an den Kreiselkompaß und die astronomische»» Ähren, die Wochen- und monatelang ohne Unter- brechung im Betrieb sind, und von denen zum Tell ganz erstaunliche Genauigkeitsgrade gefordert werden.
Was sind aber alle diese Maschinen gegenüber dem großen Wunder des Lebens, das wir in der' Brust tragen, dem Lerzen? Rund drei Milliarden Schläge muß es ausführen, ehe es bei einem Siebzigjährigen bett letzten müden Schlag tun darf vor dem großen Schlaft aus dem es kein Erwachen mehr gibt. Dabei muß es stets bereit fein, einem erhöhten Stoffwechsel infolge körperlicher Arbeit durch schnellere Tätigkeit und vermehrten Blutumlauf nachzukommen und das Mehr auszugleichen. Die Steuerung der Lerzmuskeln geschieht durch eine besondere Zellengntppe im Gehirn, die einer selbsttätigen Steuer- und Regeleinrichtung eines Kraft- oder Pump- werks vergleichbar ist. Eine Altzahl von Klappen zwischen den einzelnen Lerzkammern und in den Adern sorgt dafür, daß das Blut nicht zurückströmen kann; ihr sicheres Arbeiten ist von größter Bedeutung für den ganzen Körper. Daher ist das rechtzeitige Erkennen von Störungen und Erlra»sim> vn des Aerzens und der Klappen überaus wichtig.
Bis vor etwa hundert Jabren, wo vas «örrohr (Stethoskop) erfunden wurde, batten die Aerzte keinerlei Lilssmittel für eine genauere Lerzuntefsuchung, sie waren nur auf unmittelbares Abhören und auf die Beobachtung des Pulsschlages angewiesen. Das verblüffend einfache Lötrohr gab erst die Möglichkeit zu einer gründlichen Erforschung nicht nur des Lerzens, sondern auch der Adern und der Atmungsorgane. Für die Brustkorbuntersuchung und die Feststellung der Lage der einzelnen Organe war früher zwar schon das Verfahren der Beklopfung (Perkussion) ausgebildet worden; durch das Lörrohr und die damit mögliche genaue Abhorchnng (Auskultation) wurde aber erst die Grundlage für die wichtigen Erkenntnisse geschaffen, die die Aerzte des vorigen Jahrhunderts gewonnen haben. Freilich gehört eine langjährige Uebung dazu, die Bedeutung der verschiedenen Pulsarten — man zählt deren etwa 60 — zu erkennen. Die Beobachtungen können naturgemäß auch pur reinpersönlicher Art sein und keinem größere!» Aerztekreis zugänglich gemacht werden. Vor allem fehlt die Möglichkeit, die Wahrnehmungen wahrheitsgetreu festzuhatten, um sie z. B. für spätere Vergleiche zu verwenden.
Lier seht die neuzeitliche Lerzsorschung ein. Die groye Ent deckung Röntgens zog mit einem Ruck den Schleier von geheimnisvoll Verschlossenem weg. Die verborgensten Regungen des Lerzens und der übrigen Organe enthüllten sich auf dem Leuchtschirm. Sm Lichtbild festgehalten, entstehen bleibende ürftmbcn, und der Film gar vernmg uns das schlagende Lerz eines längst Verschiedene»» vor Augen zu führen. Der Arzt kann aus der Form des Lerzens, seiner Lage mid seiner Tätigkeit Fehler und Erkrankungen feststellen und danaeh seine Maßnahmen treffen. Anendlich klarer und anschaulicher, als es das Beklopfungsverfahren je vermochte, gibt also die Röntgendurchleuchtung ein Bild der wahren Sachlage.
In jüngerer Zeit sind nun von verschiedenen Seiten zum Teil erfolgreiche Versuche gemacht worden, auch den Schall und die Be- ivegungen des Lerzens unabhängig vom Beobachter darzustellen. Das Lörrohr, das nur die Beobachtung durch einen Arzt, bei einer
besonderen Bauart durch mehrere Aerzte, zuläßt, mußte durch eine Vorrichtung ersetzt toerben, die es nicht nur gestattete, die Lerz geräusche einem großen Lörerkreis, z. B. zu Ausbildungszwecken von Studierenden, zugänglich zu machen, sondern die auch eine bleibende Auszeichnung, etwa nach Art des Phonographen oder bildlich in KurVenform erlaubte.
Am nächstliegenden war es, ein Mikrophon auf die Brust zu setzen und die Mikrophonströme im Fernhörer abzuhorchen. Solche Versuche sind schon früher gemacht worden: sie tonnten aber kein befriedigendes Ergebnis haben, da die Reizschwelle der gewöhnlichen Mikrovhone die feineren Geräusche nicht erfaßt, »mb die Verstärker technik damals noch in den Kinderschuhen steckte. Erst die Neuzeit- kichet» Verstärkerröhrei», die auch die ungeahnten Fortschritte der drahtlosen Telegraphie und die Möglichkeit des Rundfunks brachten, liehen in Verbindung mit Hochemysindlichen Schallaufnahntegeräten brauchbare Ergebnisse zu.
Sn Anlehnung an die im Kriege verwendeten Abhörgeräte für Feststellung feindlicher Mimerarbeiten wurde ein besonderes Auf nahmemikrophon durchgebilder, das aus einem anschnallbaren Trichter mit aufgesetztem Kohlemikrophon bestand. Die Lerztöne Weben in einem Mehrröhrenverstärker auf Kopfhörer- oder sogar Lautsprecherstärke gebracht. Der Lerzschlag selbst konnte auf diese Weise einem großen Kreis vorgeführt werde», ja, vor etwa einem Jahr wurden solche Versuche durch den Berliner Rundfunksender übertragen. Das st» Berlin schlagende Lerz war weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hörbar.
Die Einrichtung erfüllte jedoch nicht alle in sie gesetzten Loff- nungen. Mit zunehmenden» Berstärkungsgrad werden auch die unvermeidlichen Nebengeräusche der Umgebung, der Lungen und des Mikrophons selbst verstärkt, sie übertönen alle feineren Lerz- geräusche, an denen der Arzt gerade den Zustand des Lerzens erkennt. Eine ständige Aeberwachung des Lerzschlages durch den Laut sprecher bei Operationen ist nur in Ausnahmefällen möglich, da die LerztätigkeitinderNarkoseunddurchdenBlutverlust häufigsehrschwach wird. Ferner findet durch den int Operationssaal ausgestellten Laut sprecher eine akustische Rückkopplung aus das Ausnahmemikrophonstatt, fodaß es zu einen*, hallen Pfeifen im Lautsprecher fommt. Da die Schallempfindlichkeit des beste»» Mikrophons weit unter der des menschlichen Ohres liegt, so konnten günstigen Falles nur die bisherigen Erfahrungen bestätigt werden. Ein Mehr war nicht erzielbar.
Die durch das Lörrohr wahrnehmbaren Geräusche bestehen aus einem Gemisch der verschiedensten Töne und Geräusche, die teils vom arbeitende»» Lerzen, teils von den großen Adern und teils von de»» Lungen herrühren. Sie erstrecken sich über ein Frequenzband von etwa 30 bis 1100 Schwingungen in der Sekunde. Das Ohr ist für diesen Schallbereich ungefähr gleich empfindlich; wem» man einen bestimmten Ton ober ein bestimmtes Geräusch, die kenn zeichnenb für ben Zustänb ber einzelnen Lerzteile sind, beobachten >vill, so störe»» die gleichzeitig wahrgenommenen Nebengeräusche schv»» bei unmittelbarer Abhorchnng sehr. Das ist bei der Aufnahme nrit einem Kohlekornermikrophon und nachfolgender Verstärkung noch mehr der Fall. Die Töne werben unrein, ja unter Am ständen sogar völlig verzerrt. Nimmt man statt des Kohlemikrophons aber ein wie ein Fernhörer gebautes elektromagnetisches Aufsetzmikrophon, so werden Tonunreinheiten vermieden. Allerdings erforbern diese „Lorcher" meist eine größere Verstärkung, da die Busgangsströme viel geringer find als beim Kohlemikrvphvn. Durch einen Kunstgriff kann man nun aus dem lautreinen verstärkte»» Geräuschgenrisch alle die Frequenzei» ausscheide»», die bei der Beobachtung hinderlich sind, so daß also nur die Töne oder Geräusche hörbar werden, auf Weber Apparat eingestellt ist. Diese Beschneidung des Frequenzbandes gefchieht drirch sogenannte Siebretten, die aus Spulen und Konde»» fatoren zusammengestellt find. Auch beim Rrmdsunk macht man von solchen Einrichtungen Gebrauch; man bezeichnet sie dort als Sperr kreist, die ein Ausschalte»» störender Sender gestatten.
Mit der beschriebenen, Stethophon genormten Einrichtung sind bereits recht gute Ergebnisse erzielt worden. Infolge der besonderen Bauart des Aussthmikrophons werben Raumgeräusche »sicht auf genommen; ein Empfang mit Lautsprecher ist daher auch im Operationssaal selbst möglich, sodaß der Arzt ungehindert durch lästige Kopfhörer die Lerztätigkeit seines Kranken während der ganzen Operativ»» stä»»dig überwache»» kann.
Es gibt aber noch einen anderen Weg, auf den» man in die Ge- - Heimnisse des Lerzens etnbringen kam» und dieser erscheint auf den ersten Blick recht seltsam. Von einzelnen Tieren, so vom Zitteraal und vorn Zitterrochen, ist es bekannt, daß sie lebendige Elektrizitätswerke sind unb nach Bedarf elektrische Schläge austeilen Fennen. Daß aber auch der Mensch, wie Überhaupt alle höheren Tiere, mit seinen Muskel,» Elektrizität erzeugen kann, wirb manchem neu sein. And doch ist es so. A»» jeden» arbeitenden Muskel treten elektrische Ströme auf, die jedoch meist so schwach sind, daß sie nur durch hochempfindliche Anzeigevorrichtungen erkennbar gemacht werben können. Auch das Lerz sendet mit jedem Schlag Ströme aus, die sich in bestimmten Stromlinie»,bahnen durch bei» Körper foktpflanzen und z. B. am rechte»» Arn» und an» linken Bei»» ahgenommen werben können. . ...
Zum Nachweis und zur Aufzeichnung dieser Ströme ist em hochempfindliches Gerät, der Elettrvkardiograph, zu deutsch Kerz- fchreiber, geschaffen worden. Er besteht aus einen» Saitengalvano meter mit einem ganz leichten Spiegelchen, das dürch die Ströme gedreht wirb. Ein barauf fallender Lichtstrahl wird auf ein rollendes Filmband zurückgeworfen; auf dem der tanzende Lichtzeiger jede einzelne Zuckung des Lerzens getreu aufzeichnet. Diese Lerzschrift,


