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sie bedeutete zugleich das Ende der Bürgerkriege. Durch Seaats-- beschluh wurde später der Monat Sexttlis, in dem Atexandria gefallen war, zu Ehren des Oktavian, der jetzt Augustus hieß, mit seinem Namen benannt, und so ist es bis heute geblieben. Lind Horaz, der Hof dichter des Augustus, stimmt« nach der Schlacht bei Mtium sein bekanntes Sisgeslied an, das noch jetzt all« Latednschüler lernen:
Ann laßt uns trinken, nun mit beschwingtem Fuß Den Reigen stampfen...
Aber selbst dies Siegeslied auf KleopatvaS Lod ist nicht ohne Adel und unfreiwillige Bewunderung:
Doch sie, die würdevoller zu sterben sinnt,
Gebleicht nicht weibisch vor dem gezückten Schwert, Roch sucht sie mit beschwingten Segeln Fern in verborgnem Hafen Rettung.
Rein, lächelnd auf die Trümmer der Königsburg Gelassen blickt sie, fetzt mit verweg'ner Hand Die grausen Schlangen an und läßt sich Tödliches Gift in die Adern strömen.
So trotzt, zum Tod entschlossen, sie kühner nur Und gönnt es nicht der rohen Liburnerfchar, Entthront in stolzem Siegeszuge
Sie, die Erlauchte, dahinzuführen.
Der Liedchespfelfer von Angersbach.
Eine Geschichte von Vogelsberger Finken und Menschen.
Von Franz GrvS.
(Schluß.)
Auch in den Klingelbeutel, den der Kirchendiener, von Dank zu Bank gehend, heute seinen Freunden und stillen Feinden, diesen mit besonderer Erwartung, entgegenhielt, wanderte matt* cher Batzen und auch manches harte Guldenstück. Für die Armen im Dorfe und in der Stadt.
Ein zufriedenes, stolzes Volk kam aus der Kirche zurück und suchte wieder seine Hofveiten auf.
Der Schreinergeselle aber ging hinüber nach Lauterbach.
Wieder stand er stundenlang am Burgtor.
In seinem Kopfe gingen wirre Gedanken um, wie schon so osi zuvor. Er wollte heiraten, aber keine Bauernmagd freien. Er strebte in seinen Sinnen „nach Höherem". er es anfangen sollte, um solches aller Welt zu zeigen, ja um den Dauern seine Verachtung zu zeigen, ihnen zu zeigen, daß er ihre Töchter „verschmähe"?
Solches überlegte der arme Tor. —
An diesem Tage faßte sich Philipp ein Herz und ging ins Dürgermeisterhaus. Er nahm zum Vorwand, daß er nach dem Finken scheu wolle. Tags zuvor hatte er wieder eine Dompfaffenschar verkauft. Ein Händler, der sogar aus Westfalen gekommen war, um seinen Konkurrenten zuvor zu kommen, hatte ihm ein gut Stück Geld für sie gegeben. v
Als er in die Stube trat, las der Bürgermeister in der Bibel, Die Frau schnitt am Tische Kuchen auf und Anna trug gerade die Tassen herein. Das Herz klopfte schon lange in ihrem Dusen, denn sie erwartete Philipp. Einmal mußte die Aussprache ja doch kommen.
Philipp bot die Zeit.
Der Bürgernreister hob den Kopf und fragte: „Ro, waS
willste?" ,
Ich wollt'," sprach Philipp, „emol nach dein Vohl gucke, den ich der Anna geschenkt ho', und wollt auch emol noch i h r gucke.
3m Bürgermeister wallte es auf.
Da stand der Mensch, der seiner einzigen Tochter den Kopf verdreht hatte, wie er wähnte, der Bursche ohne Vieh und Feld, der nichts besah als das altersschwache Haus, und der nur den Mund spitzen konnte und die Gimpel lehren, da stand er, der Bettler in seinen Augen, der seine Pläne und Hoffnungen zu schänden machen wollte!
Roch hielt er an sich. t .
Aber auf einmal, da er, wie er erwähnte, den Vogel, den Philipp, im Garne hatte, schoß ihm blitzschnell ein Gedanke durch den Kopf, da wollte er heute, heilte am heiligen Erntedankfesttage, das Linkraut, das in seinen Weizen geraten war, ausroüen.
So hielt der Bürgermeister den Zeitpunkt für gekommen.
„Ro. was wellste noch mehr?", kam es wie lauernd von seinen Lippen. . „ ,, ., -
„Sonst wollt ich au' noch emol mtt auch (Euch) schwatz, Herr Bürgermeister, wegen der Zukunft..." .
Da stockte Philipp der Atem. Der Alle warf dre Bibel beiseite! Mit gerötetem Kopf sprang der Bürgermeister auf und ihm entgegen! ~.
„Was geht mich di' (deine) Zukunft o? 3ch weiß, was du Witt (willst)! Miner Anna hast du de Kopp verdreht. Die hot so'en Kerl wie dich noch net nötig. Blieb (bleib) in dun Stand unn söch dr' e' Frau, wo de ei' herkriegst. Dos könnt dr so gebah', doh de in mi Werk eninn heierst. Das Feuer felwer soll mich verzehrn, toaitn de's fertig breiig st, mich zom Dättelmann ze mache — du — du lappiger — „Liedchespfeifer' du!
Mit einem Schrei war Anna an Philipps Sette gesprungen rund rief ihrem Vater zu:
„Hör off, hör off, der Philipp is e ordentlicher Dorsch — du hast en nischt ze schelle — er Hot niemand nescht ze Leid gedoh (getan)."
„Herr Bürgermeister, seid emol e Auwenblick stell", sprach Philipp ruhig.
Hoch aufgerichtet stand auch er da.
„Bas kann ich dafier, doß ich in eme geringe Stand geborn bin. Mein Vader is in eve Schlacht gefall«, off die en Jeder stolz is, mi' Modder hot sich in Euerer Schirn (Scheuer) ihr Krankheit geholt unn Auch (Euch) immer treu unn redlich gc* hohe. Llnn wo is einer, der mir ebbes nachsage will? 3ch ho' biss« morgen (diesen Morgen) in der Kirch gesasse so offrechdig unn Gott so dankbar wie atmet« Stet (Leute)."
„Wie annere Stet? Geht des off mech, Witt (willst) dich villicht mit onser ehm vergliche (vergleichen)?"
Die Bürgermeisterin schrie auf, denn ihr Mann griff, nach einem schweren Stuhl. Anna erfaßte Philipp mit ihren Händen an Arm und Schulter und zog ihn zurück.
Der Bürgermeister warf den Stuhl in eine Ecke und riß sie mit Gewalt von ihrem Burschen los.
„Von em e' weg bliebst (bleibst) de!... Du Lompekrott, oder du wist (bist) mie Dochter gewest... enus mit em."
Da ging Philipp zur Türe, um Schlimm eres zu verhüten. Er hatte sich in der Gewalt.
„Dem hob' ich's gewefe, dem hab' ich's gewese", triumphierte der Alte.
„Roch lang net, noch lang net“, rief Anna, „unn ich geh he furt und verdeng mich fast hi (sonst wohin). 3ch hab' mer's scho' lang vorgenomme." Sie rief es, daß es durchs Haus gellte. Llnd draußen war sie —.
Sie sprang zur Det und erzählte ihr, was vorgefallen War.
Rach einer Weile stellte sich Philipp ein und tröstete sie; er habe Zeit, sagte er, sie solle nur auch aushalten.
Daheim polterte der Großbauer noch lange. Man hörte fern Lärmen in der Nachbarschaft.
So Wußte am selben Abend das ganz« Dorf, was vorge- fallen war.
Vierter Teil.
Es war Mitternacht längst vorüber.
Der Schreinergeselle war wieder im Wirtshaus gehänselt worden. .,
„3ch will fei’ Dauerstochter!“, murmelte er vor sich hin.
Er wollte es den Dauern zeigen, daß er sie nicht nötig hab«, Weder des Bürgermeisters Tochter, noch eine andere! Aber wie sollte er es ihnen zeigen? Da schoß der Gedanke in seinen kranken Kopf, daß er den größten Bauern arm machen wolle, so arm, daß niemand seine Tochter begehre.
„3ch steck' sei' Scheuer an!“
Der Gedanke, kaum gefaßt, wuchs sich aus zur Tat.
Durch das Fenster seiner Schlafstube stieg der Kranke ins Freie. 3n die Tasche steckte er einen Feuerstein, Messer und Zunder. Hinter den Aandgärten des Dorfes schsich er her, wett er den Nachtwächter fürchtete, stieg über einen niederen Zaun und gelangte zwischen den Viehställen des Rachbarn zu 6er an das Wohnhaus des Bürgermeisters angebauten wohlgesullten Scheune, an die Scheune dessen, der ihn kaum kannte, den er aber für seinen Hauptfeind hielt.
Ringsum lag alles in ttefster Ruhe.
Rur der Ruf der Eulen tönte vom Kirchturm herüber.
Kein Stent stand am Himmel.
Der Geselle öffnete die kleine Scheunenpforte.
3n einer Ecke schlug er Feuer.
Der Zunder glimmte —, das Stück Papier, das er daran hielt, setzte sich langsam in Brand, und schon züngelte die Lohe an einer Strohgarbe hoch empor. Heissa, das Ziel war erreicht.
3uerft in hastigen Sätzen, dann in wilder Flucht legte der Brondsttfler ungesehen den Weg zurück, den er gekommen WM.
Der Nachtwächter stieß gerade in fein Horn, als er plötzlich den Himmel sich röten sah. Es konnte noch nicht das Morgenrot sein — «S war erst zur zweiten Morgenstunde —I
„Feuerte — Feuerte —“ schrie er, daß ihm fast die Stimme versagte. — „ Feuerte — Feuerte — Feuerte und rannte zur Brandstätte. , . , . ~ ..
Der erste, der den Schreckensruf vernahm und an feine Seite tarn, war Philipp. Er riß die unverfchlossene Haustür« auf und rief den Schreckensruf durchs Dürgermeisterhaus. Kaum beneidet kamen alle aus ihren Stuben — so stand er an Amras Seite. Auf der hellerleuchteten Orisstraße liefen kreischend barfüßige Weiber zusammen, di« Mannsleute eilten ans Spritzenhaus, Feuer — Feuer schrien alle und vom Kirchturm erschallten alsbald gellend di« Glocken.
Wie gelähmt lehnte der Bürgermeister an der Hausture. Die Aufregung des vergangenen TageS hatte seine Willenskraft erfdwbft.
Da rasselte die Feuerspritze heran-; di« Deichsel wurde von Philipp gelenkt.
Er erblickte Philipp —.
Der war der Brandstifter — der und kein anderer.
Dieser furchtbare Gedanke stieg im Bürgermeister auf.
„Das ist ein Racheakt", hieß es auch sonst überall
„Wer war'S, wer war's?"


