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Die KohlenverMssigung.
Don Dr. Balduin Ernst.
Unter bett Energiequellen der Erde spielen die Brennstoffe bei weitem die wichtigste Sötte; die Frage nach ihren Vorräten rn den verschiedenen Ländern ist deshalb von grundlegender Bedeutung für deren industrielle Möglichkeiten. Deutschland besonders i,t bekanntlich sehr reich an Steinkohlen, die zumeist auf dem Wege der unmittelbaren Verfeuerung der Wärmetechnik dienstbar gemacht werden; dagegen ist es arm an dem in den letzten Jahrzehnten rm Zusammenhang mit der neuzeitlichen Entwicklung des Schiffahrts- und Verkehrswesens immer unentbehrlicher gewordenen Erdöl, da die kleinen im Hannoverschen erbohrlen Vorräte wenig ins Gewicht fallen und unsere Elsässer Lager uns durch den Versailler Friedensvertrag verloren gegangen sind. Andererseits bedeutet die Einfuhr fremden Oels immer eine sehr unwillkommene Belastung der Handelsbilanz, abgesehen davon daß auch für die ausländischen Erdölquellen, besonders die amerikanischen, in nicht sehr ferner Zukunft der Zeitpunkt ihrer Erschöpfung herannaht. So erhob sich mit Notwendigkeit die örage, oo dem ständig wachsenden Oelmangel nicht in irgendwelcher Form durch künstliche Herstellung von öligen Kohlenwafferstvffen abgeholfen werden könne. An sich das beste wäre naiurgemah die synthetische Aneinandersügung des Kohlenstoff- und Waffersloffatoms unter Zuhilfenahme der unerschöpflichen Vorräte der Kohlensäure der Lust einerseits und des Wafferstoffs des Waffers andererseits, entsprechen der synthetischen Ammoniakherstellong nach dem bekannten Haber-Bosch-Verfahren. Solange die Lösung dieser Ausgabe aber noch nicht gelungen ist, ist es das Gegebene, sich an unsere Kohlen zu halten, die ja bekanntlich ebenso wie das Erdöl organischen, allerdings vorwiegend pflanzlichen Ursprungs sind, dies um so mehr, als man seit langem bei der Kokerei und der Leuchtgasherstellung als Nebenerzeugnis das Benzol entstehen sah, also einen flüssigen Kohlenwasserstoff, der mit den sonst aus Erdöl hergestellten Lerchl-- ölen nahe verwandt ist. Voll befriedigen konnte das Leuchtgas- Benzol-Verfahren für die erörterten Zwecke - freilich bei weitem nicht, da die Oelausbeute dabei nur etwa 1 Gewichtshundertftel der getrockneten Dohkohle ausmacht. .
Einen gewissen Fortschritt aus dem Wege der Kohlenversluisigung bedeutete es, als man erkannte, dah die Menge und Zusammen- fehung des gewonnenen Steinkohlenteers, aus dem das hervorgeht, wesentlich von der angewendeten Neaktionstemperalur abhängig ist, und daß man durch Niedrighaltung der Entgasungshitze nicht nur erheblich mehr an Teer — bis 10 v. H gegen sons । 5 t> H. — erzielen, sondern auch seinen Gehalt an festen Kohlen wafferstoffen (Anlhrazen und Naphthalin) bis auf geringe Spuren I herabdrücken kann. Allerdings besteht der bis auf 50 v. H. o«1
Epik oder Dranm?
Von Wolfgang Götz.
In feinen Ausführungen über das Verhältnis von Buhne und Film hat Julius Bab den Satz ausgestellt, dahi derBilm der Ibeste sei ter sich am meisten von Der Buhne entfernt hielte. Diese ^ he,e legt die Frage nahe, ob denn die Filmkunst dem Drama vr-er dem Epos näher verwandt fei. , , „ <•
^Wir dürfen uns nicht täuschen lasten. Wenn wir auch aus die weihe Wand mit ihren beweglichen Schatten schauen, so ist doch lediglich eine äußere Beziehung ?,ur ..Schau -Buhne gegeben. Du durch die Tatsache, daß wir uns über die Strohe an eine Kaste begeben, um ein Billett zu kaufen, uns auf Stuhle vor «ne ztvei- dimensivnale Bühne setzen, fast bis zur Verwewslung gesteigert imid. Aus der weißen Wand beginnen dann schwarze und weihe Vicyter ihr Spiel zu treiben, in ähnlichem Wechsel wie die schwären Zeichen auf einem weihen Blatt Papier uns Erkenntnisse ober Berichte eines fernen Menschen mitteilen. Man !»stwe das Buch einen räumlichen Film nennen mit wechselnden, mannigfachen Projeltionsflachen, im Gegensatz zum zeitlich bedingten mit der feststehenden einzigen
betrachtet man nun die Technik des Films, io stellt ach Heraus, daß, je besser das Manuskript eines Bildstreifens gearbeitet ist, es desto eher sich der Epik angleicht. Der grundlegende Unterschied, der den Film von allen übrigen Künsten trennt, ist der Drick. Sah ein Männlein auf meiner Bettdecke yerumfpaziett, und das; dann unter meinem Lager eine ganze Zwergenhochzeit tzervorklmgelt, kann ich im Film sehr wohl darstellen, könnte es dramatisch aber nie, ohne bedenklich an den schlimmsten Kitsch zu geraten; dagegen ver- mag ich es anderseits auch episch zu gestalten, insofern mir der Sprachzauber des Götheschen Hochzeitsliebes zur Verfügung stunde. Besitzt der Dramatiter nicht Wortkraft, so wird ein Bericht auf der Bühne immer ein wenig komisch wirken, wie auch die dramattsche Teichoskopie fast nur im dritten Akt des „Götz von Berlichrngen frei von dem Unlustoefühl bleibt, das etwa in der „Jungfrau von Orleans" uns die Frage stellen läßt: Warum steigt denn bloß Die Jfabeau nicht selber ans Fenster, um sich die Schlacht da draußen anzusehen? Im Film daaeqen ist der bedenkliche Botenbericht durchaus erlebt, ja er ist erwünscht, indem er eine Filmmvglichkett erfüllt und uns das Lustgefühl des Durcheinanderwirbelns der Zetten vemittelt. Ebenso wird uns der Film dichter das bängliche Auf uni) Ab der Schlacht zeigen und nicht durch einen Titel, der den berichtenden Dritten Soldaten am Fenster ersetzen soll, von den Borgan- qen Kunde geben. Es mühten höchst seltene und ganz Be-onbere künstlerische Gründe sein, die einen Epiker bewegen tonnten, im gleichen Falle tür seine Erzählung sich dem Dramatiker anstatt bem Filmdichter anzuschließen. ,
Zeitliche Sprünge finb in der Dramatik stets peinlich. Wir brauchen nicht auf die berühmten drei Einheiten zu schworen und empfinden es doch irgendwie störend, wenn wir auf dem Dheaterzettet leien- Zwischen dem dritten und vierten Akt liegt ein Zeitraum von acht Monaten. Ein allzu häufiger Szenenwechsel ermubet uns auf her Bühne, auch wenn der Drehmechanismus die Pausen auf ein winzigstes Minimum herabgedrückt hat. Am wohlsten suhlen wir uns doch schließlich, wenn auf einem einzigen Schauplatz ein ungeheures Geschehen rasend vorwärts zur Endladung drangtz wie in bet Penthesilea" eine Vorahnung des abendfüllenden Einakters gegeben ist. Diese Rücksichten haben Epiker und Filmdichter durchaus nicht zu nehmen. Die-Möglichkeit ist gegeben— sie wird n,e eintreten da das Puplikum sich mit Händen und Fußen dagegen sträuben wird, - daß eine ganz kleine Fabel unter symbolisierenden und weitausgesponnenen Landschastsszenen wie Naturvorgangen fast verschwindet; daß etwa ein großer Schauspieler zwischen den Sauten des Parthenons während der zehn Minuten eines Sonnenunterganges im Aegäischen Meere ein tiefes seelisches Erleben vermittelt. Wir würden angesichts solcher Darstellung niemals an Verse aus Dramen denken, sondern an lyrische Epik, etwa an den „Hyperion . Wir vergnügen uns heute bereits im Film an Landschaftsdildern, . an kontrastierendem ober begleitendem Spiel der Elemente.
Man wird mir einwerfen, daß ja aber doch der Film ohne den Schauspieler so wenig auskomme wie das Drama. Gewiß, Mein der Wirkungsbereich des Schaupielers ist beim Film unendlich viel größer als bei der Bühne. Es kann im Theater sehr wohl geschehen, daß ich eine wichtigste Gebärde übersehe; im Film ist es dagegen möglich, ja es muß sogar angeordnet werben, baß Die Aufmerksamkeit des Beschauers auf ein paar Augen nur, auf eine Hand, auf einen Schalten gelenkt wird, Gelegenheiten, die dem größten Dramatiker nicht geboten sind, wohl aber bem Epiker. Der schweigende Filmschaospieler, frei vom vorgeschriebenen Wort, ist in weit höherem Grade Mitdichter als. der sprechende Mime auf der Bühne, ilnö die Mimik, die mir in Hunderten von Fallen
aus dem Theater entgehen kann und wird, ist als befchreibendes Element in den Film gezogen. Ich kann ermüdet vor einem Film sitzen und w«de durch eine nicht zu übersehende Großaufnahme deutlichst aufmerksam gemacht, daß diese Figur jetzt Angst, jene Freude empfindet. Film und Epik tischen ihren Genießern wert leichter auf als der Dramatiker, und ine unerfreulichste Wirkung beS Films — man weise mir um dieser Behauptung willen keine Ffimseindschast vor — : die Abwanderung des Publikums aus dem Theater möchte ich dieser Bereitwilligkeit der Schaulustigen zu leichterer Gedankenarbeit ankreiden. Noch ein wesentliches Moment tritt hinzu- Evik wie Film bleiben sich immer gleich. „Die Wahl- verwandtschasten" ändern sich durch Jahre hindurch so wenig tote irgendein Bildstreisen, den man so lange bewahrt. Eine Lhea.er- aussührung des gleichen Stückes mit den gleichen Schauspielern tu ieber Kleinigkeit an verschiedenen Abenden gleichmäßig herauszu- bringen, ist eine Unmöglichkeit, die selbst Otto Brahms Energie niwt überwinden konnte. Vor allem aber in Ep'k und Film schiebt sich zwischen Den Dichter und den Genießenden ein totes Medium. Di-> Buhne stellt durch lebendige Menschen eine lebendige Kette zwischen Schöpfer unb Beschauer bar. Wenn der letzte Statist feinen Speer hochreitzt, so geht irgendein noch so kleines Fludium aus mich über. 3n Film unb Epik ist dieser Gruß von Blut zu Blut eben durch die tote Schicht ausgehalten; ich möchte übrigens die Ermüdung, die eine Anzahl Menschen nach einer Filmvorstellung befallt, mit dieser Leblosigkeit Der Zwischenschicht erklären. 3m Theater halten bie Menschen fünf, ja sechs Stunden ohne besondere Widerrede aus, die Filmpraxis hat längst erkannt, daß drei Stunden em Maximum von Aufnahmefähigkeit darstellen, das lediglich von den Filmprüfern straflos überschritten werden darf. Wiederum eine
I Gleichheit mit der Epik: sechs Stunden ohne Unterbrechung an einem I Vornan zu lesen, wird den wenigsten zur Freude gereichen. Auch hier ist das Höchstmaß etwa drei Slunden.
" Ich möchte kurz zusammenfaffen, dah mir die Darstellungswelse des Films durchaus mehr zum Epischen als zum Dramati,chen zu neigen scheint. Der Film ist weit eher ein Bericht als das immer neu sich gebärende Werben auf der Bühne, tote er ja auch ganz eigentlich bet Bericht ist jener einmaligen Aufnahme, die vor so und soviel Wochen im Atelier da und da stattgefunden hat. Daß er sich bildlich uns vor Augen zeigt, ähnelt ihn nur dem Theater an. Aber welcher Leser einer Geschichte ist so phantastearm, dah er beim Lesen den Baum, unter dem sich sein Hans und seine Grete küssen, nicht leibhaftig vor sich steht. Und ist er sogar ern solches Genre, , daß et das angenehme Geräusch von aufeinanberruhenden Lippen beim Ueberfliegen der Zeilen hören kann, so steht ihm unbewußt die Epik näher beim Drama als der Film.
in ein Weinfaß legen; dann gab er ihm selbst mit großem folge das Geleit bis zum Stadttor von Potsdam. In der Kirche des nahen Dorfes Bornstedt wurde er beigesetzt, und sein „hof- närrischer Kollege" Faßmann hielt ihm tue Leichenrede. Etwas von der schaurigen Komik Shakespearscher Totengraberszene schwebt ber diesem Begräbnis. Gundlings Grabstein wurde mit semem prunkvollen Phantasiewappen und mit einer Grabinschrift geschmucit die alle seine Ehren und Würden — außer der des halberstadti scheu Kanzlers - aufzahlt. Er befindet sich noch setzt im Grabgewölbe der Kirche von Bornstedt.


