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Hühner und kleinen Küken so in Körbe uittetzubr'uigen. daß ihnsu der Regen nichts anhaben konnte, auch der Kater „Peter war gut und trocken aus gehoben und ergab sich Mit Würde m das Unvermeidliche. Nachdem wir die erste Dacht im Busch zuge- brackt blieben wir die zweite Nacht an einem Lagerplatz, wo wir schon auf der Hinreise einmal übernachtet hatten. Durch einen für den tieien Urwald Afrikas gewiß seltenen Zufall fand ich hier mein vor sieben Monaten verlorenes Taschenmesser wieder, zwar tüchtig verrost, aber noch brauchbar. Aach einigen Stunden erreichten wir den mächtig angeschwollenen Matnm, zu dessen Uebergcmg wir mehr als zwei Stunden benötigten, well MnS das Wasser des reihenden Flusses, trotzdem wir auf dem als Drucke dienenden Baumstamm, der natürlich unsichtbar war, hinüber- balancierten, noch bis an die Achseln reichte und alle Lasten auf dem Kopfe hinübertransportiert werden muhten. ES ging aber alles glatt vonstatten und wir waren froh, als wir den Fluh hinter Mls hatten.
Gegen Mittag, wir hatten eine kleine Ruhepause gemacht, und ich war mit meinem Boy etwas zurückgeblieben, um entert rtmbitz zu mir zu nehmen, wurde ich plötzlich durch ern lautss, aus nächster Nähe ertönendes unheimliches Knurren aufgeichreckt. Die Zigarre, die ich mir eben anzünden wollte, entfiel meinem Händen, als ich beim Aufblicken in kaum zehn Meter Entfernimg vor mir im Gebüsch aufrecht stehend, einen mächtigen Gorilla erblickte der mit drohendem Fletschen fern furchtbar^ Gebiß zeigte und mir regelrecht den schmalen Weg versperrte. Der Boy, der an einem dicken Baumstamm fatz und die S,3-Millimete? Büchse an diesen gelehnt hatte, war mit dem lauten Rufe: „Agi, nfgi“ zurückgelaufen. Es gelang mir, da ich unmittelbar an dem ‘Saunte stand, die Büchse zu ergreifen und zu entsichern, em immerhin beruhigendes Gefühl, denn ich war natürlich durch das furchtbare Brüllen und die drohende Haltung des Bieres sehr erregt. Gern wäre ich dieser äußerst kritischen Situation Es dem Wege gegangen, denn ich glaube nicht, daß es einen gefährlichereni Gegner als den Gorilla gibt. Deshalb machte ich dm Versuch, das Tier zu umgehen, was mir nicht gelang, da ich in dem dichten Urwaldgestrüpp keinen Schritt rechts oder links machen konnte. Das Tier schien in sehr gereizter Stimmung zu sein, es trommelte mit geballten Fäusten auf ferner Brust herum und machte Mrene, von einem Fuß auf den anderen tretend, in schaukelnder Bewegung auf mich zuzukommm. Es mochte auch sein, daß der Gorilla meine kleine Terrier-Hündin „Lotte", die zu bellen begann, erspäht hatte und dadurch in Wut versetzt worden toar. Da kam Ahanda. mein Jäger, der die schwere Slefantenbuchse trug mit lautem Rufen mir von dorn langsam entgegen,, der gar nicht wußte, was eigentlich los sei, aber beim Rähevkommen sofort die Lage überschaut hakte. Dadurch war der Gorilla etwas unruhig geworden und blickte sich um, wodurch, ich Gekegeniheit fand blitzschnell hinter den Daum in Anschlag zu gehen. Durch das Erscheinen Ahandas hatte ich auch meine Geistesgegenwart wiedergewonnen. Ich hielt auf die Herzgegend und drückte ab, konnte auch noch sehen, wie das Tier einen oder zwei Schritte vorwärts tat und dann mit einem dumpfen Stöhnen einige Meter vor mir niederstürzte. Trotzdem hielt ich es doch für geraten, schnell einige Schritte zurückzuspringen, um zu repetieren und meine Browning-Pistole neun Millimeter aus der Ledertasche zu ziehen, aber Ahanda rief mir in Aegerenglifch beruhigend zu:
Agi go die" (Gorilla stirbt). Es war ein ganz riesiger alter Gorilla, denn er hatte an der Bauchseite bereits silbergraue Haare und man konnte vor dem allen Burschen mit seinem riesigen Schädel tatsächlich noch jetzt nach seinem Tode Furcht haben. Er wog meiner Schätzung nach mindestens drei Zentner und hatte eine Größe von 1,72 Meter. Als ich das Tier mit seinen auffallend langen und muskulösen Armen, deren Fäuste noch im Tode geballt waren, betrachtete, wurde mir klar, daß es über furchtbare Kräfte verfügt und daß man in dem Falle, in dem der erste Schuß nicht tödlich wirkt, rettungslos verloren ist, denn ein angegriffener und angeschossener Gorilla dürfte keine Zeit zum Wiederladen lassen. Glücklicherweise war mein® Büchse mit Teilmantelgeschossen mit Bleispitze geladen. Das Geschoß hatte das Herz des Tieres zerrissen. Diese Geschosse find auch bei der Düffeljagd den Bollmantelpatronen vorzuziehen und bieten dem Schutzen bei solch gefährlichen Jagden einen größeren Schutz und Erfolg. Das furchtbare Gebiß mit feinen scharfen, kantigen, teilweise schon schwarzen Raubtierzähnen, hatte nicht seinesgleichen. Ja, ich hörte oller von den Eingeborenen, daß der Gorilla sogar den Löwen vertrieben habe und tätsächlich ist dieser dort, wo der Gorilla sich aufhält, selten oder gar nicht anzu- treffen. Alles was ich auch von anderen Europäern über den Gorilla hörte und meine eigenen Beobachtungen und Erlebnisse deuten darauf hin, daß er das gefährlichste, immer zum Angriff bereite Großtier des afrikanischen Busches ist und keinesfalls der, wie so oft behauptete friedliche und harmlose Pflanzenfresser, denn auch die Eingeborenen fürchten ihn und erzählen viel von feiner Stärke, Wildheit und Angriffslust. Bei vielen Stämmen spielt der Agi, der Gorilla, infolge uralten finsteren Aberglaubens eine große Rolle als Medizintier und ihm oder seinem Geist zuliebe opfert man unschuldige harmlose Menschen, um das Döse zu bannen, indem man den unausrottbaren Gin-
flusseil des „Zauberers" der «kten Mbmo-Medizrn männer, willig Gehör fchemt.
Interessant ist die Aehnlichkeit mit dem Menschen, besonders die dem menschlichen Ohr sehr ähnliche Ohrmuschel und bte Hände und Füße mit ihren Nägeln, so daß auch der ärgste Gegner des Darwinismus bei einer genauen Betrachtung des Gorillas im Verlegenheit geraten dürfte.
Aie habe ich gehört oder selbst beobachten können, daß der Gorilla sich auf Bäumen bewegt oder aufhält. Er scheint mit Vorliebe das Äftamomum- Dickicht, ein ingwevartiges Gewächs, anfzusuchen, von dessen rotem Fruchten er lebt, und lagert nut am Boden, während Weibchen mtb Junge sich ein Lager in niedriger Höhe aus Zweigen und Blättern anlege«. In Kamerun durfte der Gorilla schon mehrere Jahre vor dem Kriege iftcht mehr geschossen werden, höchstens zu wisseickchaftfichen Zwecken und im Falle des Angriffs oder der Bedrohung, um ein AuS- sterben des httereffanten und verhältnismäßig noch wenig bekannten Tieres zu verhindern. Aach meinen Ersahrungem ist dies aber noch lange nicht zu befürchten, denn gerade in Süd- Kamerun ist er noch häufig anzutreffen und durchaus keine seltene Erscheinung. Zwei Fälle sind mir selbst bekannt, wo Gingebore« von Gorillas zerfleischt und getötet worden find, und im zwei weiteren FWen konnte ich einen schwer und einen leichter Dev- letzten helfen und sie in wochenlanger Pflege und 'Behandlung wieder Herstellen. In einem Orte, der besonders von den Gorillas bedroht war, rief man mich bei meiner zufälligen Anwesenheit zu Hilfe und ich und mein Jäger erlegten je einer der Burschen. Wobei wir eine Herde von mindestens 12 Stück sichteten, und wo ich zum erstenmal Gelegenheit fand, das fchnelle, seitlich schiebende Fortbewegen der Tiere zu beobachten, sowie die sehr interessanten Abdrucke der Hand mit den vier umgelegten Fingern im Weichen Boden zu finden, die besonders an einem Wasserloch deutlich zu sehen waren. Da der Gorilla auch die begangene« Utwalbwege benutzt, wird er Öfter gesehen und, da er sich furchtlos dem Gegner nähert, um den Kampf aufzunehmen, auch uw gereizt zum Angreifer. Besonders gefährlich sind die alten, sogenannten Einzelgänger, die sich ebenso wie die alten Bullen bei den Elefanten von der Herde absondern.
Vielfach hörte ich von Europäern, die lange int Lande waren und genügend Erfahrung besaßen, man solle, wenn man nicht ein ganz sicherer Schütze sei, den Gorilla bis auf Reichweite heran- kommen lassen, der dann seiner Gewohnheit gemäß das Gewehr ergreift, um fern Lauf in den Mund zu stecken, oder versucht, ihm zu zerbeißen oder zu zerbrechen, und dann sollte man schieß«!. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß der Gorilla, wenn er seinen Gegner erblickt, fein fürchterliches Gebrüll ausstöht, mit seinen langen Armen und geballten Fäusten wütend auf feiner zottigen Brust herumtrommelt oder in das Laub des .Unterholzes schlägt, sich dabei von einem Bein aus das andere wiegt und seinem Gegner nähert, so wird man Wohl leicht verstehen, daß Res eine Feuerprobe für Re Nerven bedeutet, und vorziehen. es lieber nicht fv weit kommen zu lassen, trotzdem man durch jahrelangen Aufenthalt im afrikanischen Busch an Gefahren gewöhnt ist und Angst und Furcht verlernt, denn versagt der Schuß, ober wirkt nicht tödlich, dann wird die Begegnung immer lebensgefährlich »der tödlich für den Jäger fein.
Da Re Jagd auf den Gorilla oder ein Angriff desselben sich immer nur aus nächster Nähe abspielt, sind Geistesgegenwart und größte Kaltblütigkeit unerläßlich und das Abwarten des günstigsten Augenblicks zum Schuß das Wichfigste, weil bei den schneiten und unruhigen Bewegungen des Tieres ein sicheres Zielen sehr schwierig ist.
Weine Leute, die durch den Schuß erfuhren, daß etwas Besonderes vorgefallen war, wurden also zurückgerufen und wir bezogen unser Lager in der Nahe. Nachdem das Zelt ausge- fchlagsn war, wurde der Gorilla, nachdem ich ihn noch photographiert hätte, an Ort und Stelle zerlegt und das Fleisch verteilt. Aber nur wenige der Leute assen davon, die allerdings der Meinung waren, der Genuß bringe dem Körper Kraft und Stärke, ■ während Re meisten das dunkelrote Fleisch verschmähten, es aber doch über Feuer enkohlen ließen, um es unterwegs als begehrter Lauschartikel zu benutzen, ohne natürlich zu betraten, daß es Gorillafleifch fei. Fell und Schädel wollte ich aufbewahren, leider verdarb mir das Fell, da ich nichts zum Präparieren, nicht einmal genügend Salz zur Verfügung hatte, resp. meinen geringen Bestand an Salz für die Verpflegung meiner Leute benötigte.
Ich war jedenfalls wieder um eine Erfahrung reichet geworden, denn niemals hätte ich es für möglich gehaBEn, beim Marsch mit einer Träger-Kolonne von einigen 30 Mann, die durch ihr Sprechen und Singen immerhin einigen Latin verursachen, auf einen Gorilla zu stoßen, denn gewöhnlich ist bann weit und breit alles Wild verscheucht. Und Jäger mid Boh erhielten von mir die strengste Anweisung, mit den Gewehren mir unmittelbar an der Seite zu bleiben, um in Zukunft vor einer ähnliche» Lleberraschung gesichert zu sein.
Schrkftkeitung: Dr. Friedr. Mich. Lange. — Druck und Beklag der Brühl'fchen Univ-Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.


