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sein, die sich mit dem Religionsshstem Mohammeds auseinander- setzten und die die Himmelfahrt Mohammeds behandeln. Dr. Asin Palacios nennt in diesem Zusammenhänge Roderigo Jimenez de Rada, den Erzbischof von Toledo (1170 bis 1246) und Peter Pascual, der unter Papst Nikolaus IV. in Rom seine Tage zubrachte. Beide hatten sich eingehend mit der Himmelfahrt des Propheten befaßt. Hierher gehört auch Brunetto Latini, Dantes Freund, der in seinem „Tesoro" beweist, daß ihm der islamische Glaube nicht unbekannt ist. Daß Dante eine besondere Vorliebe für Avicenna, al Ghazali und Averras hatte, gehört ebenfalls zu den behandelten Problemen und soll daher wenigstens erwähnt werden.
Im Jahre 1926, wird Asin Palacios Buch unter dem Titel „Dante et i’Islam“ zweibändig in französischer Liebersetzung er» scheinen. Gelehrte und Laien werden die hier nur skizzierten Probleme der moslemischen Eschatologie in der Göttlichen Komödie mit Aufmerksamkeit verfolgen, und es wird dann die Aufgabe fein, die Angaben des spanischen Arabisten zu prüfen. Dem geistesgewaltigen Florentiner wird es am Ansehen aber nicht schaden, wenn die These Asin Palacios als zu recht ausgestellt Anklang finden würde. Er wird wie Mohamnred — Gott segne ihn und gebe ihm Heil — solange wie Menschen Kulturwerks preisen, je menschlicher er uns scheint, um so größer in seiner Arbeit wachsen.
Menschen und Affenpsycholsgie.
Eine Unterredung mit Geheimrat Heck, Direktor des Berliner Zoologischen Gartens.
Nachdem das Gelächter verklungen ist, welches kürzlich über die „Affenfrage", wie man sie „drüben" interpretierte, erhob, besteht für den nachdenklichen Menschen die Versuchung, sich in aller Stille selbst noch einmal zu examinieren: Stamme ich... stamme ich nicht...? Lind wenn er dann aufgeklärt, aber in fromme Zweifel versunken, vor den 'Affenkäsig seines Zoologischen Gartens hiniritk, und das possierliche Spiel mit dem menfchlich-allzumenfchlichen Gebahren ihn wieder entzückt, dann triumphiert wohl der Anschauungsunterricht der Natur: selbstverständlich! Sie machen's ja wirklich genau so wie wir, und man wird dieseir dunklen Punkt in seiner Verwandtschaft auf die Dauer doch Wohl nicht leugnen können...
„Meinen Sie das nicht auch, Herr Geheimrat?" sa fragten wir den Direktor des berühmten Berliner Zoologischen Gartens, Prof. Heck, erst kürzlich bei einem Besuch.
„Zweifellos",- war die Antwort. „Es gibt in der Lat heut keine ernsthafte Möglichkeit mehr, die Evolutionslehrei zu bestreiten. Seit vor fast 150 Jahren der große Lamarck die Meinung von der Konstanz der Arten umwarf, und an ihre Stelle die Lehre von der Entwickelung derselben gesetzt hat, konnte die Wissenschaft bis auf den heutigen Tag nicht umhin, diesen Entwickelungsgedanken immer mehr zu bestätigen. 'Die gewaltigen steinernen Bilderbücher der Paläontologie mit ihren interessanten Funden prähistorischer Tierspuren zeigen das ja ebenso eindringlich, wie die moderne Anthropologie, die Vergleichung der verschiedenen Menschen- und Tierrassen untereinander. 2kein, die Schöpfung (wie sie auch immer entstanden sein mag) hat nicht das heute Bestehende fertig erzeugt, sondern die uns bekannten Tier- und Pflanzenformen sind zweifellos das Ergebnis einer schier unendlich langen Reihe stufenweiser Entwickelung. Ja, selbst der augenblicklich bestehende Zustand darf -nur als ein Glied in der Kette dieser nie aufhörenden Wandlung angesehen werden. Lind die Tatsache, daß auch der Mensch seinen bestimmten Platz im System dieser Wunder der Schöpfung einnimmt, erscheint dem Einsichtigen keineswegs degradierend. Studiert die moderne Wissenschaft doch heute bereits die Psychologie des Herrn der Schöpfung ganz ernsthaft im Vergleich mit der — Affenpsychologie."
„Lind zeigt sich da ebenfalls, daß der menschenähnliche Affe, der „Anthropoide", auch in seinen seelischen Funktionen uns Menschen näher steht, als den übrigen Affen?"
„Diese schwierigste aller Fragen", antwortete Geheimrat Heck mit einem feinen Lächeln, „werde ich mich wohl hüten. Ihnen schlechtweg mit ja oder nein zu beantworten. Wilhelm Köhler, der Leiter der deutschen Asfenstation in Teneriffa, unser ingeniösester Forscher auf diesem Gebiet, Hat, wie Sie wissen, ja förmlich mit seinen Affen gelebt, um wenigstens einen Zugang zum verborgenen Seelenleben dieser Tiere zu bekommen. Mein Sohn, Dr. Lutz Heck, arbeitet nun an unserem hiesigen Affenmaterial ebenfalls experimentell-psychologisch im Sinne der Köhlerschen Methoden."
Lind nun mutzte dieser von seinen Tierstudien erzählen. Er tat es mit einem lebendigen, einprägsamen Humor.
„Der naive Beschauer des Affenhauses, sehen Sie, wird von den Tieren gewöhnlich getäuscht. Wenn ein Äeffchen sich zufällig einmal den Kopf kratzt, so sieht es dabei „ordentlich nachdenklich" aus. Es denkt aber keineswegs nach! Sondern es hat lediglich vermöge der organischen Einteilung seines Körpers eine gewiss« äutzere Menschenähnlichkeit, die den frappierenden Eindruck hervorruft. Kratzt sich z. D. der (sehr viel höher stehende!) Hund, so wird niemand in die Verlegenheit kommen, dies« Bewegung auf so menschliche Weise zu deuten. ES ist merk
würdig: noch zu den Zeiten des alten Brehm war man unbedenklich g eneigt, den Tieren ganz allgemein men s ch l i cheM o t i ve für ihre Handlungen zu unterschieben. Natürlich gelangte man dabei zu Ergebnissen, die die heutige Forschung nicht wissenschaftlicher bewertet, als etwa ein Märchen von Andersen, in dem sich Streichholzschachtel und Labakdose ernsthaft unterhalten. Heute allerdings droht die Forschung in das andere Extrem zu verfallen. Wan beginnt sie nicht mehr beim Menschen, sondern bei den niedersten Tieren und hat dort exp-erimentell gefunden, daß deren Lebensäußerungen völlig mechanisch auf gewisse Reize hin, — Wärme, Licht, Nah- rungsslüssigkeit ufw. — erfolgen. Von dort her die Tierreihe in ihrer Betrachtung emporsteigend, neigen die Forscher zu einer weitgehenden Mechanisierung des Intellekts. In der Tat zeigt uns ja — was den Menschen anlangt — jeder Betrunkene, wieviel man noch unter Ausschaltung des bewußten Seelenlebens vermag. Denn er geht noch selbständig mitunter von seiner Kneipe nach Hause, steigt die Treppe herauf, schließt auf »kleidet sich aus, — und Weitz trotzdem von allem am nächsten Tage nichts mehr. Diese Llnzahl komplizierter Leistungen also wurde offenbar durch mechanisch eingefahrene Bahnen seines Gehirns dirigiert und ging ohne Beteiligung des Dewußtseins vor sich. Denn die seelische Kontrolle ist ja beim Betrunkenen durch die Giftwirkung ausgeschaltet. Ein recht lehrreiches Experiment!"
„Sie glauben also, daß auch die alltäglichen erstaunlichen Tierleistungen, — der Nestbau, die Nahrungssuche usw. — von denen der Laie doch sicher glauben sollte, daß sie ein bewußtes Seelenleben zur Voraussetzung haben, in Wirklichkeit lediglich vom Instinkte regiert werden?"
„Ich vermeide mit Absicht den unklaren und undefinierbaren Begriff des Instinktes. Halten wir uns doch an das, was dem offenen Auge die Praxis der Tierbeobachtung zeigt. Das Pferd als geborenes Steppentier hat als beste Waffe sein« große Schnelligkeit und ist deshalb gewohnt, bei Gefahr im Galopp auszubrechcn. Niemals wäre es jedoch, in det Lage, sich statt dessen etwa hinter einem Busch zu verstecken, sich ruhig hinzulegen oder unter Deckung öavonzuschleichen, — selbst da nicht, wo allein dieses Verfahren zweckmäßig wäre! Deshalb rast auch bei uns in der Stadt ein scheues Pferd sinnlos durch die Gassen und rennt sich unter Llmständen den Schädel dabei ein.
Derselbe Hund, der so „rührend" für seine Jungen sorgt, kann sie aber nicht zählen und merkt deshalb nicht, wenn man ihm unter geeigneten Vorsichtsmaßregeln eins fEntnimmt! Gr baut sich und seinen Sprößlingen, — „klug", wie der Lai« sagt, — ein bequemes Lager. Legen Sie ihm aber hier auf das Spind eine Wurst und davor einige Kissen, die er nur auf ein Sofa zu schleppen braucht, um leicht an die Wurst zu gelangen, so wird er zweifellos eher verhungern, als auf den Gebanksn kommen, diese scheinbar leichte Kunsthilfe anzuwenden. Also: Es gibt offenbar seit Lirzeiten her in gewissen nervösen Dahnen! eingefahren-en Verrichtungen bei diesen Tieren, die sie in jeder neuen Generation wieder können, ohne jedoch in der Lage zu sein, sie jemals selbständig abzuändern, also das zu leisten, was man etwa eine kleine Erfindung nennen könnte. Darf man da also schlechtweg von „Intelligenz" sprechen?
Es ist nun freilich sehr interessant, die Tiere nun solche Kunststücke lernen zu lassen und dabei den Moment zu studieren, in dem so etwas wie ein Intellekt in den gewohnten Ablauf ihrer psychischen Tätigkeit regulierend eingreift. Die geistig höher Stehenden unter ihnen lernen nämlich nach vielen vergeblichen Versuchen ganz plötzlich was sie sollen, denn sie begreifen auf einmal, was man von ihnen verlangt. Bei den niedriger Stehenden jedoch geht das Lernen nur ganz allmählich vonstattsn, denn auf ein geistiges Erfassen der Situation ist hier niemals zu rechnen.
Was aber die Aehnlichkeit der Menschenaffen mit uns anlangt, so sehen auch wir in der täglichen Praxis sehr deutlich den Llnterschied zu den niederen Affen: ein Schimpanse will ganz anders gepflegt sein und verlangt eine individuelle psychische Behandlung. Er bedarf z. D. der Abwechselung und der verständigen Llnterhaltung.
Machen Sie sich aber doch einmal klar: was verlangen diese ganzen psychologischen Forschungen denn von uns? Der Intellekt ist unsere geistige Waffe. Er ist die einzige, die wir haben. Das Prüfungsobjekt ist aber hier ebenfalls — der Intellekt. Der Intellekt also soll sich selber sezieren!"
Hier brachen wir ab, denn nun war man ja von der- Medizin unversehens in den Bereich der Philosophie hinüber- gegli tten...
Der Goldkäfer.
Von Edgar Allan Poe.
(Fortsetzung.)
Ich will erst gar nicht versuchen, meine Gefühle bei diesem Anblick zu beschreiben. Zunächst war ich wohl unendlich erstaunt. Legrand schien vor Erregung ganz erschöpst zu sein und sprach kein Wort. Jupiters Gesicht zeigte für Minuten «ine solche Blässe, wie sie ein Neger nur überhaupt auszuivei- fen imstande ist. Er war wie vom Blitz getroffen. Dann siel er


