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Hunde Derganza. Sn beit ergreifenden, trostlosen Blättern des Tagebuches aus dieser Zeit findet sich immer to'.eber, versteckt, der Name der Geliebten, und zwischendrin der lakonische Satz, der erschreckend verrät, wie nahe der juristisch« Dichtermusicaist und Karikaturenzeichner, Kapellmeister und Theaterdirektor daran war, zur erlösenden Pistole zu greisen.

sind doch ging auch diese Zeit vorüber: auf Bamberg folgt Dresden; hier wird er 1813 fast in den Wirbel des Krieges ge­rissen, Welthistorie baut sich in überwältigenden Impressionen vor ihnt auf, im Schreckbilde der Schlacht und im sinnfällig ein­prägsamen Erlebnis aus nächster Nähe: Napoleon reitet über die Elbbriicke... Aber der Krieg brandet vorüber, wetterleuchtet nur noch fern in abziehenden Wolken, die Zeit geht weiter... And der kleine phantasttsche Mensch int tabakbraunen Rock, mit dem stets umspringenden, grotesken Mienenspiel und den weitoffenen, groß«« Äugen, der in der Wirtlichkeit träumte, und im Traum, im Ertrücktsein aus alltäglichem Kreise seine imaginären Ge­stalten und Begebnisse zwischen Komik, Bizarrerie und tragischer Erschütterung erlebte er schrieb mit bewundernswerter Be­weglichkeit des Geistes und einer romantisch gesteigerten Kraft der Phantasie seine fast zahllosen Geschichten nieder, in einet! unglaublich kurzen Zeit, bis ganz zuletzt, bis ihm; in jenem Eckhause am Gendarmemnartt, der Tod mitleidig die Feder aus der Hand nimmt.

Gespenster-Hoffmann hat man ihn genannt. Wenn es schon ein Beiname sein muß er selber hat mit dem eigengewählten Amadeus" genug gesagt so sollte man es bei Callot, den er wirklich liebte und dem er sich innerlich nahe fühlte, bewenden lassen. Denn jene Bezeichnung (die fast berühmt wurde) benennt doch allzu einseitig, allzu ost nur das Leichtere, -Untiefe, schnell für den Tag und um den Verdienst Geschriebene in seinem Werk. Auch wenn man nicht vergessen wird, wie er selbst hier noch eine literarische Linie zu wahren wußte, die in der Unterhaltungs- lekttire selten geworden ist. Um, beispielshalber, eine Kriminal­novelle, wie HasFräulein von Scudery", zu finden, von so immanenter Spannung, von so geistreicher Konzentration und so schwebender Stimmung, muß man schon bei Kleist suchen (Mi­chael Kohlhaas",Marquise von £).), oder bei Poe (Goldkäfer". Aue Morgue"), oder bei Fontane (Unterm Birnbaum"). Aber tiefere Stimmung, in reinerem dichterischen, Sinn, über den Togeszweck hin-ausgehoben, bewegt die unvergänglichen Geschich­ten um Kreisler, den sonderbaren Kapellmeister... oder den Goldenen Tovf", die feinste und lieblichste Blüte aus dem Kranze der Märchen. Hier schreitet der verhexte Genius, dem romantischen Bruder Bonaventura gleich, durch zwölf Nacht­wachen ins Imaginäre.

E. T. A. Hoffmcmn.

Arabesken um ferne Geburt.

Bon F. M o r s i H.

Schon zum dritten Male hatte der Nachtwächter dieses unheimliche Geräusch gehört,- das dem Stöhnen eines Menschen glich, der um sein Leben ringt. Iwan Kathereyt war wirklich kein Hasenfuß, wenn er auch nicht zu den Tapfersten der Tapferen gehörte; aber solch eine unheimliche Nacht, wie die zum 24. Ja­nuar 1776, er erinnerte sich später noch oft daran, hatte er lange nicht mehr erlebt, obwohl er schon volle dreißig Jahre im Dienste der Stadt Königsberg für nächtliche Sicherheit und Ruhs sorgte. Unruhig war er schon in der Prinzessinnenstvaße geworden, als er sogar in der Wohnung des Professors der Philosophie Kant um halb zwölf Licht brennen sah, und das mutzte für ihn etwas Ungewöhnliches bedeuten, beim er wußte, wie jedes Kind in Königsberg, daß dieser Mann, der genau nach der Uhr lebte, pünktlich 10 Uhr 15 die Lichter löschte. Zögernd bog er daher in bie finstere Französische Straße ein, widerwillig auch folgte ihm der Hund und versuchte ihn immer wieder mit der Schnauze zurückzuhalten. Beide zitierten wie Espenlaub; denn es drang auch vom Schlotzteich her ein unheimliches Glucksen und Gurgeln, daß deut Mann die Knie versagten.Alle guten Geister loben den Herrn", murmelte er, da schlug hohl vom nähen Turm die Glocke zwölf... Unruhig flackerte das Licht in der Laterne, Wind heulte durch die Gasse, über den Himmel ruckte schwefelgelber Schein. Aus allen Ecken erhob sich ein Flüstern; sein eigener Schatten stieg auf die Dächer und begann seltsame Tänze, daß sich auch dem Hund die Haare vor Entsetzen sträubten. Krampfhaft umklammerte der Wächter sein riesiges Signalhorn, aber vermochte es nicht zu erheben, auch seine Stimme war gelähmt. Nun schlich ein seltsam Wesen heran, zwei unheimliche Äugen glühten grün und gelb, fauchend umkreiste es die beiden; der Nachtwächter schlug bebend das Kreuz; denn! dieses Untier deuchte ihm mehr als ein Kater zu sein. Jetzt blieb es vor dem Hause Nr. 25 stehen, blickte hinauf zu dem Fenster, das matt erleuchtet war; kletterte dann schnell die Wand hinauf und verschwand in dem Zimmer. In diesem Augenblick erhob sich ein gellender Schrei und ein entsetzliches Wimmern irrtb Stöhnen. Der Gottseibeiuns wird den versoffenen Kriminalrat Hoffmann holen, dachte der Mann und wartete darauf, daß der Ludrian in den Fängen des Teufels aus dem Schornstein fahren würde...

Im Wochenbettzimmer stöhnte die Mutter, flüsterte be- schwichttgend ihre Schwester, aus dem Nebenraum drang das Krächzen des Ääters, der bie günstige Gelegenheit zu dem wer weih wievielten Grog (sprich: Meitrank) benutzte, dazwischen ertönten die schaudernden Ausrufe der Hebamme:So ein scheuß­liches Wesen, eher ein Tier als ein Mensch..." Und der kleine Qteuling miaute dazu wie ein Kater, der mit hochgestelltem Schwanz um die Wiege schlich.Ich habe den Teufel im Leib" hatte die Mutter in ihrer schweren Stunde verzweifelt geschrien, und in der Tat, dieser Spröhling hatte wenig von einem Men­schenkinds an sich. Sein Kopf schien halb so groß als der Körper zu fein, der Mund war breit bis <m die Ohren, die ihrerseits' riesenhaft groß waren; dazu wuchsen ihm die Haare im Dreieck über die Stirn, die Spitze berührte fast die Nase, diese hochragende! Nase, die keinem Kind zu gehören schien. Und die Augen dieses kleinen Ungetüms blitzten neugierig im Zimmer herum, es schnitt Fratzen, als ob ihm seine ganze Umgebung schon jetzt höchst lächerlich vorkäme. Doch es begnügte sich mit Miauen und Strampeln, wenn die Hebamme sich nahte; nur die jugendliche Tante durste in seine Nähe kommen. Und sie hielt ihm dann! spielend den Corpus juris hin, aber dann fauchte er und schlug, zeigte sie aber die Geige des kleinen Bruders, so griff er darnach, als lebte in ihm schon die Sehnsucht nach Musik. Der Onkel aber, der dies sah, bemerkte grimmig:warte nur, ich werde dir schon das Spiel beibringen". Nur der Vater kam nicht hinzu; er ließ den Alkohol in Strömen in den Hals und über seine gelbe Weste fließen und lallte:Ich nenne ihn Ernst Theodor Wilhelm; ich hab hier zu sagen, ich..." Und wenn dieses Lallen an das Ohr der Wöchnerin schlug, verzog sie bitter und krampfhaft bert Mund, wie dies hysterischen Frauen zu eigen ist. Als der Kater sich unbeobachtet fühlte, sprang er mit einem Satz in die Wiege und die beiden miauten um die Wette, als ob sie von Anfang an! unzertrennlich wären...

Ernst Theodor Amadeus hatte er sich ja erst viel später genannt, als sein leiblicher Baier Weib und Kind längst verlassest hatte, und er bereits aus dem Hause der geliebten Tanke und des verbitterten Onkels, den er als ersten übrigens karikierte, hinausgezogen war, um ein Dichter und Schriftsteller, Zeichner und Musiker und leider auch Jurist zu werden; da erst schob er den Namen seines Bakers aus, um den des erwählten geistigew Vaters Mozart sich einzupflanzen. Hierdurch aber vermochte er nicht zu ändern, daß in seinem Blut unheimliche Stimmungest lebten, die ihm bei feiner Geburt gewissermaßen mitgegebest wurden und man ihn sich denken muß, wie er sich selbst im Kreisler (Kater Murr") schildert: ungemein beweglich und sensibel, äußerst launisch, von sonderbaren plötzlichen Einfällen er­faßt, alles verblüffend durch den raschen, anscheinend gar nicht motivierten Stimmungswechsel, dabei witzig sarkastisch, kalt höh­nend und im Grunde herzensgut, begeistert für alles Edle, Gute und Schöne. In ihm, der unter solchen Auspizien geboren wurde, konnten aber auch nur dieElixire des Teufels" einen so aus­gezeichneten Mixer finden. *

Indes) war es ein Uhr geworden. Vorsichtig wagte sich der Nachtwächter Kathereyt aus seiner Starre zu regen. Eine Tür öffnete sich. Gin Weib rannte die Straße entlang und stieße mit dem Nachtwächter zusammen, der im Amtston fragte:Was ist hier vorgefallen?" Aber sie es war natürlich die Heb­amme eilte mit ihm hinab zum Domplatz. Dort sammelten sie sich.Ich kann Euch sagen, Gevatt r, da droben der Kriminalrat. ein Kind haben die bekommen, das ist kein Kind... da ist'spricht mit rechten Dingen zugegangen..."Ja," nickte der Nacht­wächter,es ist eine unheimliche Nacht heute; wer weiß, wer seine Hand da im Spiele hatte..."

Hoffmann -Unekd oLen.

Hoffmann und Dedrient.

In der Einleitung zur Ausgabe der sämtlichen Werke C. T. A. Hoffmanns von Eduard Grisebach findet sich« eine Anek­dote, die wie kaum eine andere geeignet ist, das bizarre Wesest des Dichters und feines genialen Trinkgenossen, des Schau­spielers Devrient, in ein lustiges Licht zu setzen. Die intime Freundschaft der beiden zeigte sich äußerlich niemals, ja, sie zankten häufig miteinander, aber jeder von ihnen verehrte den! anderen als eine Größe seiner Ärt. Sie verstanden sich mit entern kurzen, hervorgestoßenenHm!", einem Augenblinzeln, und Hoffman war einer der wenigen, auf deren Urteil Devrient wirkliches Gewicht legte. Aach Beendigung. der Dorstellung im Schaufpielhause begab sich Devrient regelmäßig zu Lutter und Wegner, wo er Hoffmann bereits vorfand, in seinem lang- schößigen, braunen Frack, gelber Nankinghose, und geblümter Weste, auf dem umgekehrten Stuhl sitzend, die Arme auf die Lehne gelegt. Devrient trat schweigend an ihn heran und Hoff­mann kniff ihn ebenso schweigend ins Bein. Das war seine Kritik, je stärker er kniff, desto besser hatte Devrient gespielt, desto glück­licher fühlten sich beide und desto größer wurde die Anzahl der Flaschen auf ihrem Tisch. Eines Abends hatte der Künstler inHeinrich IV. den Falstaff gespielt und ungeheueren Beifall geerntet. Im Vollgefühl seines Triumphes begab er sich in die