Ausgabe 
21.8.1926
 
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Doch auch das Leben ist noch grußbereit.

Mit Lachen da, und dort mit feinen Tränen: Manchmal am Wüstenrand, nicht allzu weit. Hört man den Schrei der hungrigen Hyänen,

Und aus dem nahen Beduinenzelt Die Fellahlieder, die sich endlos dehnen;

Auch manchmal, wie aus einer andern Welt,

Von Gifeh her das lange, dumpfe Grollen, Den scharfen Pfiff, der durch die Stille gellt. Die Klänge unsrer Zeit, der arbeitsvollen.

Die niemals schläft, 's ist wohl der letzte Zug

Aus dem Fayum; man hört die Räder rollen

In ihrem ruhelosen Feuerflug.

Und auch vom Nil her kommt noch dumpfes Rauschen: Ein später Dampfer hat noch nicht genug.

Das graue Steingebild schien jetzt zu lauschen;

Da Hub ich an, ich fürchtete mich nicht.

Wortlos Gedanken mit ihni auszutauschen:

Wir kommen vorwärts, altes Traumgesicht!

In jedem deiner Taufende von Jahren

Dem Glücke näher und dem Sonnenlicht!"

Da fprach's:Ich sah die ungezahlten Scharen

Der Menschen kommen und auch gehn im Nu! Sie sind noch immer, wie sie immer waren, Voll Stolz und froher Hoffnung, ganz wie du;

Doch alles, was ihr schafft, in wen'gen Tagen Geht's mit dem eignen Dampf dem Ende zu.

Da wird erst Pfeifen sein und heulend Klagen! Doch andre kommen, hoffnungsfroh wie du.

Ich werde niemals staunen noch verzagen."

Aegypten schien, kaum geboren, dem Tode geweiht, denir es war nicht möglich, den unter der Sonnenglut backsteinhart gewordenen Nil- schlamm »nU den Ochsengespannpflügen aus der Pharaonenzeit auch nur emrge Zoll tief auszukratzen. Ein für die Baumwoll- mltur geeignetes Saatbeet Konnte einzig und allein der Dampf- ssvaffen, indem die steinharte Nilerde zunächst in großen

Blocken aufgebrochen und dann durch schwerste Eggen und Walzen zerrrümelt wurde. Die hierfür geeigneten Geräte sind vorwiegend Eyths Erfindungen.

Man weiß nicht, ob man in Max Eyth am meiften den großen Ingenieur, den energischen, zielbewußten Organisator oder den glanzenden Lehrer bewundern soll. Ein Dampfpflug in Fellah- K and en! Mit nie erlahmender Geduld lernte er die auf niedrigster Kultirrstufe stehenden Fellachen zur Bedienuirg des Dampfpfluges an, und nach kurzer Zeit wurde das viele tausend Jahre schlummernde d"!detta von Lunderten von Dampfpflügen aufgebrochen; und auf den Maschine-, standen Menschen, die der Engländer verächtlich Nigger" nannte.

Gerade zur rechten Zeit war Max Eyth in Aegypten eingetroffen. Die ganze Welt schrie nach Baumwolle, nachdem, wie bereits erwähnt, die Zufuhr aus Amerika infolge des Bürgerkrieges voll­ständig aufgehört hatte. In kurzer Zeit stieg die Wolle in den meisten Landern auf das Fünffache des Normalpreises. Nicht nur England, ganze Welt litt Mangel an den notwendigsten Bekieidungsstoffen. Da plötzlich richteten sich die Augen der Welt auf Aegypten. Das Land der Pharaonen hatte sich den tausend- whrigen Schlaf aus den Augen gerieben und begann an Stelle des sich rm Bürgerkriege verblutenden Amerikas die Welt mit Baum­wolle zu versorgen!

In aller Stille hatte der große Organisator Max Eyth auf semer ichnell errichteten Dampfpflüger-Schule in Schubra am Fu,je der Pyramiden Äunderte von eingeborenen Fellachen als Dampfpflüger ausgebildet. In aller Stille hatte der Vizekönia von Aegypten auf seine Kosten die Fowlersche Maschinenfabrik ^seds unr das Vielfache vergrößern lassen. Tag und Nacht mühten Nch sausende von Arbeitern in Leeds, um den ungeheuren Bedarf Aegyptens an Dampfpflügen zu befriedigen; und dieses Land, das noch vor kurzem als Baumwollerzeuger kann» genannt wurde, war über Nacyt Lieferant fast der ganzen Welt geworden. Nichts machte es aus, daß in Aegypten die Rinderpest ausgebrochen war, dse fast die ganze Bespannung der tausendjährigen Pharaonen- pflüge hinwegraffte; die alten Geräte, die ebeiiso ehrwürdig wie un- zulangllch waren, hatten den Dampfpflügen das Feld geräumt. Wahrend sausende von Büffetkadavern in unsehbarem Leichen- zuge den Ni, abwärts dem Meere zufchwamme:, ein Umstand, der früher den Bankrott Aegyptens bedeutet hätte ergoß sich ein Goldstrom in das Land. Als in jener Zeit Max Eyth anstatt der bisherigen gußeisernen Seiltrommeln, Stahltrommeln vorschlug, ^e der Vizekönig:Machen Sie Ihre Trommeln aus Gold, toerr Eyth. Ich werde sie bezahlen, wenn Sie nur ein Jahr lang damit pflügen können! a

Fast vier Jahre lang hatten die neugeschaffenen Baumwoll- kulturen Aegyptens unter der genialen Leitung Max Eyths nahezu das WelLmonopol. Da zeigte sich den, großen Organisator em neues Feld für ferne Tätigkeit.

Der furchtbare Bürgerkrieg in Amerika hatte mit der Nieder- lllge der Südstaaton geendet; die Sklaven waren befreit. Ihre Befreumg verdankten sie hauptsächlich dem Stoff, der in den letzten Jahren so bedeutende Revolutionen in der Welt hervor- gebranst hatte: der Baumwolle! Nicht die mit Posaunen ver­kündigten Ideale christlicher Nächstenliebe hatten den ehrbaren Bürgen, der Nordstaaten die Waffen in die Land gedrückt, sondern der Konkurrenzneid! Die mit freien Arbeitern das Land bebauenden Nordstaaten kamen gegen die billigere Sklavenarbeit der Südstaaten mcht auf. D,e Waffen brachten die Entscheidung und die Be- fremng oer Sklaven. Die unermeßlichen Baumwöll- und Zucker- piantagen Louisianas aber lagen brach. Da landete der bewährte Schöpfer der ägyptischen Baumwollkulturen mit einem Dampf- pflug ,n New Orleans. Ein Probepflügen im Ausstellungs-- ^^n^Ecyafts-Gesellschaft von Louisiana und ein den Ausschußmitgliedern dieser Gesellschaft und den Lerren der Presse gegebenes Frühstück überzeugten jedermann, daß nur die Dampf- pflugarbe,r imstande sei, die Sklavenarbeit zu ersetzen und den nahe­zu verbluteten Süden zu retten.

Wie vor wenigen Jahren das Nildelta, so wurde jetzt das Mtsstfsrppital von Lunderten von Dampfp-flüg.en aufgebrochen, und die befreiten schwarzen Gentlemen konnten sich nunmeyr m größter Ruhe der Gesetzgebung widmen! Die Welt atmete auf, denn einer der wichtigsten Kleidungsstoffe war wieder zu erschwinglichen Preisen zu haben. Wer aber kannte den Namen des großen deutschen Ingenieurs, dem dies in erster Linie zu danken war?

Max doü EyLH's WsttWirtschaMchs Bedeutung.

Von Zivil-Ingenieur Wilhelm Beilke.

Der große Begründer der Deutschen Landwirtschafts-Geselfl schäft ist allgemein als bedeutender Ingenieur und glänzender Schrift' steiler bekannt. Wenige aber haben darüber nachgedacht, welche Bedeutung Max Eyth auf weltwirtschaftlichem Gebiete er­langte. Ohne Uebertreibung kann mnn sagen, daß dieser deutsche Ingenieur ein Stückchen Weltgeschichte gemacht hat!

Das Land der Sehnsucht war vor 70 Jahren für jeden jungen Ingemeur England. In allen anderen Ländern, auch in unserem Vaterlande, war die Technik noch im ersten Entwicklungsstadium; nur England hatte für damalige Verhältnisse schon gewaltige Leistungen aus verschiedenen Gebieten der Technik auszuweisen, und deshalb zog es auch Max Eyth dorthin.

Es war aber nicht so leicht, in einer der weltberühmten englischen Fabriken unterzukoinmen, zumal für einen jungen Deutschen. Offen sagte man Eyth, daß der deutsche Ingenieurunbequem" sei, denn eine recht unangenehme Eigenschaft der Deutschen sei es, bei jeder ihnen zur Durcharbeitung übergebenen Konstruktion zunächst ein­mal zu überlegen, ob man die Sachenicht auch anders ausfiihren könne , als der Chefkonstrukteur angegeben hatte! Der enalische Ingenieur sei angenehmer, er macht ohne unnötig v-el Aeberlegunq was man ihm aufträgt.

Nach unendlich vielen Bemühungen erlöste den fast Verzweifelten John Fowler, der Gründer der jungen Dampfpflugfabrik m Leeds, die später Weltruf erlangte. Fowler bot dem jungen Akademiker einen Schraubstock in seiner Fabrik und wollte ihn auch dampfpflügen lernen lassen. Eyth nahm die Stellung für 30 Schilling die Woche an, obgleich damals der junge Inaenieur mrt einer Verachtung auf den Landwirtschaftsmaschinenbau ^herab- sah. Beide Teile sollten diesen Schritt nicht bereuen, denn nun begann der gewaltige Ausstieg der Foivlerschen Dampfpflugsabrik, an dem der zielbewußte und geniale Max Eyth einen so überragend großen Anterl hatte. Bald erkannte John Fowler die unermüdliche Arbeitskraft und die hohe technische Begabung des jungen Deutschen >md er stellte ihn auf die schwierigsten, zum Teil schon verlöre;,en Bosten. And wo seine englischen Kollegen bereits Schiffbruch ä erlitten Ratten, da führte der deutsche Ingenieur Max Eyth die Dampf- I Pflugkultur zum Siege.

Der erste Feldzug Eyths sollte einer Indigoplantage am Brama- putra m Indien gelten; aber er blieb in Aegypten hängen, denn der Prinz Lalim, der größte Großgrundbesitzer am Nil und woran damals niemand zweifelte Erbe des vizeköniglichen Thrones von Aegypten, setzte es bei Fowler durch, daß er ihm Eyth als Chef­ingenieur abtrat. Auch der ägyptische Prinz hatte sofort Eyths Mauzende Eigenschaften entdeckt, als dieser in kurzer Zeit einen Dampfpflug m Gang brachte, nachdem der bisherige prinzliche Cbenngenieur den ^Dämonen der Wüste" erlegen war.

Von diesem Augenblick an griff Max Eyth mit starker ßenij in die Speichen des Weltwirtschaftsrades/ Was rl,,* bM "ochsten Jahren in Aegypten leistete, das gehört der Ge­schichte an! Cs war das Jahr 1663. Der Bürgerkrieg in den Ver- Elgten Staaten hatte das größte Baumwolland der Welt das wiisiisiippi-Lal geschlossen. Die Baumwollerzeugung in

MAL u-rd Eisen.

3n der Muski.

Von Max Eyth.

. 2luch ein Ingenieur hat das Recht, manchmal etwa einmal.in oer Woche Mensch zu sein; zum mindesten in der Nähe des Ber­ges, auf dem dies schon vor dreitausend Jahren für männiglich ein heiliges Gesetz geworden war. Mit dem Ingrimm, der uns in der fröhlichsten Arbeit Wcken kann, wenn sie zu viel wird, hatte ich diese Betrachtung angestellt, bestieg meinen Esel Und ritt nach Kairo.