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..Mir nach!" schreie, brülle ich auf, und vor stürzen die Haufen. Mit rasselnden Lungen, blutige Nebel vor den Augen, stürmen wir.
Wo ist der Kamerad Trommler? Er muß hinter uns geblieben sein. Im Rücken höre ich ihn weitertrommeln, ohne Aufhören, terumterum, terumterum . . .
Gott im Himmel, ich ertrage diesen Ton nicht länger; und ich weiß: dieser Trommler wird nicht aufhören, bis Messines unser ist. Wie die Tatze eines ungeheuren, rasenden Tieres reiht es mich vorwärts. Auf brülle ich in Wut, in Angst, in —
Terumterum, terumterum. . .
Hinauf die Anhöhe! Hinein in die Schützengräben! Der Engländer weicht, er muß weichen, niemand kann diesem Trommeln standhalten, jedermann muß flüchten, geradeaus, nur fort, nur fort.
Messines ist unser. Befehl ausgeführt.
Aushörte der Troinmelwirbel — terum... Als ich keuchend, blut- und erdbespritzt mich umwandte, war der Kamerad Trommler, der uns zum Siege geführt, verschwunden.
Ich fragte nach ihm. Niemand hatte das Trommeln gehört. „Der Stabstrommler Schlvtterbeck ist hinten beim Regimentsstab, den hat noch keiner vorne gesehen", lachte mein Neben- ntann.
„Ja — hast du denn das Trommeln nicht gehört?" Mir stockte der Atem.
„Trommeln? — Die Granaten hab' ich trommeln hören, laß mich in Ruh', 's Lampenfteber hast du gehabt, das ging uns auch so beim ersten Gefecht. Und Messines haben wir — Gott sei's getrommelt und gepfiffen!"
Und ich kann's beschwören: ich. habe den Trommler mit meinen Augen gesehen: lang und hager und steif, schiefgeneigter Kopf, Mütze in der Stirn. Und hat mit seinen Fingern getrommelt, terumterum, terumterum . . .
*
Einige Monate später. Front in Polen. Dämmernde Morgenfrühe. Zwielicht im Winterwald. Steifgefroren standen wir an den Schießscharten. Die Russen griffen an. In überwältigender Ueber- macht. Dreimal schlugen wir sie zurück. Mit verbissenem Lachen standen wir: sie sollten auch weiterhin zuriickbranden vor unfern Kugeln und Granaten. Und im schlinmisten Fall blitzten auf unseren Gewehren die Bajonette.
Da setzte der neue russische Ansturm ein.
Und plötzlich — mir stockte das Blut, wie Millionen Nadelspitzen durchstach es meinen Leib —:
Da stand der Trommler.
Stand vor der Front der eben anstürmenden Russen, stand da, lang und hager, in russischer Uniform, in erdbraunem Mantel, den Kops seitwärts geneigt, als lausche er fernem Kommandoruf, eine riesige Pelzmütze ins Gesicht gedrückt. Ich kannte ihn: es war mein Trommler von Messines — mit seinen verfluchten Fingern trommelte er aufs Fell. Solchen Ton gab's sonst nicht aus der Welt.
Tenim terum, terumterum . . .
Er stand, als ihn die vorgehenden Russen überholten, trommelte, trommelte hinter ihnen her, die in sinnloser, sonst nie gesehener Wut, in trotziger Todesverachtung auf uns einstürmten, uns überrannten.
Ich wußte von Messines her, daß man nicht anders konnte.
Ein Gewehrkolben fuhr mir krähend Über den Schädel. Im selben Augenblick, als ich die Besinnung verlor, hörte ich eben noch den entsetzlichen Wirbel abbrechen — terum ...
Als ich auswachte, wurde ich im russischen Schützengraben verbunden. Ich fragte den Feldscher, der deutsch sprach, ob ein Trommler beim russischen Sturm dabei gewesen sei. Ich wußte die Antwort im voraus.
Der Sanitäter lachte: „Rix Trommler, nix Trommler, hier Trommler", und deutete auf meinen verbundenen Kopf . . .
Gefangenenlager Daurija, Sibirien. Kalte Baracken, Pritschen, dreifach übereinander getürmt. Mit Ziegelsteinen die zerbrochenen Fenster verstellt. Eisiger Wind zischt durch die Ritzen.
Der Typhus ging um. Forderte heute in dieser Baracke zwei Kameraden, morgen in jener drei. Mißtrauisches Beobachten untereinander: ist dein Nachbar nicht schon krank? Wird er dich nicht anstecken? Soll er sterben, wenn nur du lebst.
Nie hingen wir mehr am Leben. Nie rücksichtsloser. Nie mitleidloser. Leben — die Sonne sehen, und sei's über trostlosen Eis- wüsten, sei's bei Hunger und Schmutz. Leben, leben, und wenn der beste Freund draufging! r .
Aus die Anhöhe außerhalb des Lagers, auf den Gefangenenfned- hof, schleppten wir einen Sarg. Ein toter Kamerad lag drin. Typhus. Der sechsunddreißigste in zehn Tagen. Wie viele noch? Zwanzig Prozent der Baracke? Fünfzig Prozent? Wenn nur du nicht darunter bist! — Kamerad im Sarg, du bist tot. Wir lieben dich, nun du tot bist.
Ein paar Dutzend Gräber, im Sommer schon ausgeworfen, rechen ihre Mäuler auf. Sie werden alle noch ihre Opfer schlucken. Sie werden nicht ausreichen. „ , „ . ,
Hinunter mit dem Sarg, die Hände sind klamm, em Vaterunser genügt — im Felde gab's das oft nicht. Mußt schon damit zufrieden sein, toter Kamerad; haft mit uns gehofft, noch vor ein paar Tagen, mit uns gezittert, wer der nächste in der Baracke sein würde der — „Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiligt werde. . Auseinander fielen mir jäh die gebetverkrampften $dl©a stand der Trommler, mein Trommler, deutscher und russischer Kamerad, dort ganz oben auf der Höhe, wo ein Denkmal
Dsr TrommZer.
Von Karl Fuß.
Einschlag prasselnder Granaten, zischender Schrapnells. Erde wirbelt auf, Dampf- und Feuerfäulen rasen empor.
Sturm auf Messines. Der Beseh! ist klar, eindeutig: die Höhe, aus der die Stadt liegt, ist unter allen Ümftändeir. zu nehmen. Ist zu stürmen.
Freies Feld, Rübenäcker, heißer Spätoktobertag. Keuchend taumeln wir vor, staub- und schweißbedeckte Infanterie, ins Tacken der Mafchinengewehre. Die Höhe ist unter allen Umständen zu nehmen.
Die gespreizten Hände im Boden verkrallt, liegen wir in den Rübenfeldern. Von der Flanke her mäht der Maschinentod, tacktack- tock . . . Kein Mann des Regiments wird Messines erreichen — jeder Schritt heißt Hinsinken, Zerfetztwerden, Ende . . .
Plötzlich — horch, was für ein Ton, der mich, eben »och kauerndes, keuchendes Tier, aufreiht?
Ich fchauS: vor unserer Feuerlinie steht ein Kamerad — ein Kamerad muß es sein! Untere Uniform trägt er! Eine große, hagere Gestalt, seltsam unbewegt, das Gesicht kann ich nicht erkennen, er hat die Feldmütze tief in die Stirn gezogen und schaut zur Seite.
Terumterum, terumterum . , .
Der Kamerad trommelt. Doch was ist das: deutlich sehe ich, wie er, ohne Schlegel, mit feinen langen, knochigen Fingern aufs Kalbfell haut, immer im gleichen Takt, terumterum, terumterum, terumterum.
Wer bist du, Kamerad? Fuhr Nicht eben ein Granate an den Platz, wo er stand? Schwarz und gelb bäumt sich eine Wolke auf — der Kamerad im grauen Rock steht noch da. Terumterum, terumterum . . .
Was für eine dämonische Kraft liegt in diesem Wirbel! Terumterum — als ob man einen Kirchhof voller Totenbeine durcheinander rüttle . . . Hell und dumpf pugleid).
Auf springe ich aus der Mulde, die Aufschub, Rettung, Leben bedeutet, als stoße mich eine unsichtbare, unheimliche Faust. Aber ich weiß: es ist dieses Trommeln, das nicht zu ertragen ist.
Messines ist unter allen Umständen zu nehmen.
fettig orientiert. And bei uns selbst setzte erst mit bzw. nach der klassischen Zeit unserer' Literatur wieder ein Kunstschaffen ein, das von der seichten Oberfläche in die Tiefe zu dringen suchte. Inzwischeit aber hat sich in dem, wovon wir reden, die große Wandlung bereits angebahnt. Von Alfred Rethel, einem Künstler der ersten Lälste des vorigen Jahrhunderts, gibt es zwei Holzschnitte, die meist irrtümlicherweise seinem „Totentanz" zugerechnet werden. (Dieser selbst kann als ausgesprochen politisch hier übergangen werden. Erwähnt sei nur, daß seine Tendenz sich gegen die inneren Kämpfe der 48 er Revolution richtet: „Der Tod auf der Barrikade" usw.). Das eine der beiden Blätter, angeregt durch Peines Schilderung der Pariser Choleraepidemie von 1831, zeigt den „Tod als Würger". Viel bekannter aber ist das betont versöhnlich gehaltene Gegeifftück geworden : „Der Tod als Freund" (beim greifen Glöckner in der Turmstube). And mit Recht, denn es ist auch künstlerisch viel abgerundeter, trotz einer gewissen Sentimentalität viel ausgereifter. Das ist nicht Zufall, sondern in dem lange vor Rethel einsetzenden Suchet: nach einer neuen Einstellung zu dem MrMerch'chen Gestaltungsprobkem „Tod" klar begründet.
Das aufrauschende Erleben des Krieges hat auch Künstler unserer Zeit „Totentänze" oder doch Einzelblätter zu biefem Themenkreis schaffen lassen, in denen vielfach der Tod des Mittelalters — gegen Rethel vergröbert — wieder ersteht. Künstlerisch betrachtet, dürfen, mir darin wohl eine Episode sehen, die die stetige Entwicklungs- linie nicht stören oder verwirren kann. Böcklin, Corinth u. a. haben Jahrzehnte vorher das eine und andere „Selbstbildnis mit Tod" gemalt. And selbst eine so realistische Künstlerin wie Käthe Kollwitz hat in Radierungen wie „Mutter, Tod und Kiitd" die Symbolik des Knochenmannes beibehalten. All diese Werke aber entkleiden den Tod seiner starren Schreckhaftigkeit, die keinen Raum lief; für irgendwelches Soffen, am wenigsten für die Gewißheit, daß das Sterben nicht nur ein Ernten, sondern immer auch ein Säen ist. Auf den Selbst - bildniffenist der Tod nichts anderes als ein „Memento!", das die Künstler sich selber und uns anderen prüfen, und dessen Wirkung nie im Negativen, (Schreckenden, Entmutigenden), fonbern bei rechter Einfühlung einzig im Positiven liegen kann. Der Blick von gleich hoher Warte adelt die Blätter der Käthe Kollwitz. Als Mütter und schöpferische Frau steht die Künstlerin fast immer durch bcu jeweils herausgegriffenen Einzelfall hindurch das große Ganze und nicht nur die Notwendigkeit seines Fortbestehens, sondern auch die Gewähr für dieses Fortbestehen, das zugleich Fortentwicklung sein muß.
„Nr:r der einzelne < irbt, das Ganze wird immer leben!" Das ist der Grundgedanke der erwähnten und anderen Werke unserer Zeit. Am einprägsanfften hat ibn wohl Mar Klinger in (einer Kunst Form werden lassen: in dem Zyklus „Vom Tode", noch zwingender aber in der Radierung „Kind und tote Mutter". Ganz verzichtet ist hier — im Gegensatz zu anderen Blättern des Künstlers — auf irgendwelche Personifizierung des Todes. Beherrschender Mittelpunkt ist daS Kiird. Zu jung noch, um von Tod und Trauer zn wissen, blickt es fort von der toten Mutter — ins Leben, das es noch nicht kennt, das aber seiner, d. h. seiner schaffenden Kraft ivarfet. Verheißung liegt im Blick des Kindes, unterstrichen noch durch ein inmitten uralter Knorren zum Licht aufstrebendes junges Bäumchen — Verheißung und Trost....


