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Daneben erhob sich eine zweite, wesentliche Eigenschaft der Materie über jeden Zweifel: das ift ihre atomistifche Struktur, ihr körniger Aufbau: Tie erfüllt den Raum, auch in der scheinbar kompakten Masse, z. B. eines SiseablockS nicht stetig in allen Punkten, sondern durch gewisse Kräfte hallen sich in bestimmten Abständen sehr Leine, untereinander gleiche kleinste Eisenteibe, die sogenannten Atome, so daß ste sich weder zu nahe, noch zu weit auseinander kommen. Sin Stück Sisen enthält also eine ganzzahlige Menge solcher Atome und kann also auch immer nur «tue ganze Anzahl von ihnen derlleren oder gewinnen.
Was nun die Quantentheorie aussagt, ist nichts anderes, als Hatz die Energie, die mit der Materie die Anzerstörbarkeit gemeinsam hat, auch darin gleicht, doch sie in gewisiem Sinne aus Atomen aufgebaut ist.
Wan kam darauf, wie gesagt, bei der Untersuchung von Vorgängen, bei denen Energie zwischen Körpern ausgetauscht wird, und zwar im besonderen bei StrahlungsVorgängen, für die die Sonnenstrahlung ein allen bekanntes Beispiel ist. Die Sonne gibt Energie in Form von Licht und Warme ob,, und wir empfangen sie. Sie wandert von der Sonne durch den Raum, die Sonne „strahlt sie aus. Wan hat gefunden, datz in heißen, leuchtenden Körpern innerhalb der Atome äußerst schnelle, periodische Vorgänge elektrischer Natur stattfinden, ganz roh und äußerlich vergleichbar dem tallrnätzigen Aufschlagen einer Stock- spitze auf eine Wasseroberfläche, und datz dann, wenn wir in diesem Bilde bleiben, die Wärme-- und Lichtstrahlung dieser Körper der Ausbreitung der Wellenkreise auf der Wasserfläche entspricht. Wie diese Wasserwellen Energie ausbveiten und etwa Steine am Afer ablösen, so wandert in den Sonnenstrahlen auf Wellen anderer Art Wärmeenergie von der Sonne zu uns.
Man hielt es nun früher für selbstverständlich, daß ein Energie strahlendes Atom diese Energie in beliebigen Portionen, auch beliebig kleinen, abgeben könne, und datz entsprechend Energie auch in beliebigen Mengen ausgenommen werden könne. Max Planck erkannte aber vor 25 Jahren, datz gewisse experimentell gefundene Gesetze über ben Zusammenhang von Temperatur und Strahlung mit dieser Annahme einer „stetigen" Energieabgabe ganz unvereinbar seien. Er hatte den Mut, sie fallen zu lasten, und konnte die experimentell gefundenen Zusammenhänge volllommen richtig berechnen auf Grund einer durchaus neuen und seltsamen Annahme, eben der Quantenhypothese. Sie besagt: Wie gewisse Waren nicht in Mengen unter einem Pfund verkauft werden, auch nicht 3Vs oder 15'/, Pfund davon, sondern 1 oder 2 oder 3 Pfund usw, kurz in Mengen, die sich wie ganze Zahlen verhalten, so gibt ein strahlendes Atom auch Energie nur in solchen ganzzahligen Portionen ab. Eine solche Energieportion, eine solche Einheitspackung, heißt ein Energie» q u a n t u m. Das Energiequantum ist unteilbar. Daß diese Quanten der Aufmerksamkeit der Forschung so lange entgehen konnten, siegt daran, datz sie autzerordentlich klein sind.
Nun ist die Sache aber keineswegs so einfach, daß bei allen Energiestrahlungen Gnergiequanten derselben Größe auftreten: Es gibt nicht eine, sondern viele Einheitspackungen. Die Energie» ausgabe, der eine Schwingung bestimmter Schnelligkeit entspricht, erfolgt zwar immer in denselben Quanten. Für Strahlungen anderer Schwingungsdauer ist das Quantum ein anderes. And zwar wird das Quantum, die Einheitspackung in demselben Maße größer, in dem die Schwingungen schneller werden.
Die Erfolge der Quantentheorie auf den verschiedenen Gebieten der Physik sind ganz wesentlich. Am nur den wichtigsten zu nennen: Es gelang nicht nur, den komplizierten Aufbau der Spektren zu entwirren, deren scharfe, gegeneinander abgegrenzte Linien der sichtbarste Ausdruck der in der Natur wirksamen, Sprunghaftigkeit sind, die die Quantentheorie erfaßt hat; der Däne Niels Bohr konnte diese Spektren auch erlläven durch anschauliche Vorstellungen von dein einem Planetensystem ähn- sichen Aufbau der Atome aus elektrischen Elementarteilchen (Elektronen), die freilich nur als rohe und vorläufige Bilder des Wirklichen gelten können.
Später gelang es, quantentheoretische Betrachtungen aus» zudehnen auch auf Vorgänge, die mit Schwingungen nur wenig oder nichts mchr zu tun haben. 5Pn allgemeinster Fassung läßt sich ihr Inhalt hier nur noch etwa so ausspvechen: Gewisse physikalische Größen (oft ganz unanschauliche, nicht nur die Energie), von denen man früher als selbstverständsich annahm, daß sie ständig wachsen und abnehmen könnten, vermögen nur sprunghaft sich zu ändern, nur Beträge anzunehmen, die Vielfache gewisser Einheitsmengen sind.
Ein Satz, bei dem sich wenig vorstellen läßt. Wie denn überhaupt heute noch niemand weiß, was es mit der Quantentheorie im Grunde auf sich hat. So glänzend ihre Erfolge sind, so sicher ist es. datz sie, schon mehr als „Theorie", unbedingt reellem Naturgeschehen „auf die Sprünge" gekommen ist, so hat sie doch wahrscheinlich noch eine lange Entwicklung vor sich. Einmal ist sie, im Gegensatz zur Relativitätstheorie, keineswegs in sich geschlossen und allein ausreichend, irgendein Problem zu lösen, ohne mit anderen Grundsätzen der früheren Physik Kompromisse zu schließen, die logisch eigentlich nicht mit ihr vereinbar sind, nichtsdestoweniger aber oft zu recht brauchbaren Ergebnissen führen. Damit hängt ihre Ananschaulichkeit zusammen. Es gelingt nicht, diese eigenartige Neigung der Natur (vor der man sagte „non galtst") zu Anstetigkeiten anschaulich zu verstehen. Es handelt
sich, wie Niels Bohr es aus drückt, um „ein tiefgehendes Verlagen der raumzeitlichen Dllder, mittels welcher man bisher die Naturerscheinungen zu beschreiben pflegte".
Der Goldkäfer.
Bon Edgar Allan Poe. (Fortsetzung.)
„Ein, zwei, drei, vier, fünf — ich geklettert über fünf große Aeste an dieser Seite."
„So Kettere noch einen Ast höher."
In einigen Sekunden hörten wir ihn wieder, er teilte uns mit, datz nun auch der siebente Ast erreicht sei.
„And nun Jupiter," schrie Legrand, der mir sehr aufgeregt zu sein schien, „krieche auf diesen Ast hinaus, so weit du nur kannst, und melde mix, sobald du etwas Seltsames siehst."
Wenn ich bis jetzt noch einige Zweifel an der Verrücktheit meines Freundes gehegt hätte, sein Benehmen in diesen letzten Augenblicken hätte mich überzeugen müssen, und ich begann mir ernstlich Sorgen zu machen, wie ich ihn nach Hause bekommen sollte. Während ich darüber nachdachte, hörten wir Jupiters Sttmme wieder.
„Ich fürchten weit hinausklettern auf diese Ast — ist morsch, ganz morsch."
„Sagtest du, der Ast sei morsch?" fragte Legrand mit zitternder Stimme.
„Ja, Massa, morsch, tot wie ein Türnagel, ganz, ganz tot nie mehr wachsen in seinem Leben."
„Was um Himmels willen soll ich jetzt tun?" fragte Legrand in der höchsten Verzweiflung.
„Nun," sagte ich froh, auch einmal zu Wort zu kommen. »Nun, komm nach Hause, und lege dich zu Bett. Komm, komm, du bist doch ein vernünftiger Mensch es wird spät erinnere dich an dein Versprechen!"
„Jupiter," rief er, ohne im geringsten auf mich zu achten, »kannst du mich hören?"
„Ja, Massa Will, ich hören ganz deutlich"
„Sv prüfe das Holz mit deinem Messer genau, ob e8 ganz durch und durch verfault ist."
„Ist verfault, Massa, sicher verfault" erwiderte der Neger nach einigen Augenblicken, „aber nicht so verfault wie sein könnte, — will allein hinausklettern auf den Ast."
„Allein? — Was heißt das?«
„Nun, ich meinen Käfer. Diesen sehr schweren Käfer. Wenn ich ihn erst hinunterwerfe und dann hinauskletteve, von einem Neger allein Ast nicht brechen."
„Du höllischer Schurke« schrie Legrand, scheinbar doch sehr erleichtert, „wie unterstehst km dich mir solchen Blödsinn vor- xuschwätzen? So sicher wie du den Käfer fallen lätzt so sicher brnche ich dir das Genick. Patz auf, Jupiter, hörst du mich?"
„Ja, Massa nicht so schreien muh mit armen Nigger."
„Nun, dann pah auf, wenn du es versuchst, so weit als nur geäjt, hinauszuklettern, ohne den Käfer hinunterzuwerfen, so werde ich dir einen' Silberdollar schenken, sobald du wieder
des Schädels.'
Ja, Massa." .Also, pah auf,
„Hu—hu, das sein gut, Hat ja nicht mehr Auge!"
„Verfluchter Dummkopf! kennst du denn deine linke Hand nicht von der rechten?"
„Ja. ich das kennen, ich das fermen alles, — Jupiter hauen Holz mit sein linke Hand."
„Ganz recht, du bist linkshändig, und dein linkes Auge ist auf der Seite wie deine linke Hand. So, jetzt glaube ich wirst du das linke Auge des Schädels finden können oder den Platz, wo es war. Hast öu's gefunden?«
Eine lange Pause folgte. Endlich fragte der Neger wieder:
„Ist linkes Auge von Schädel auf der Seite tote linke Hand vom Schädel? Weil Schädel hat kein Stück Hand überhaupt — Nichts macht — ich jetzt gefunden linkes Aug — hier ist linkes Aug, was muffen irfji tun damit?"
„Laß den Käfer durch die Höhlung Hindurchfallen, so weit die Schnur reicht, aber gib acht und lah nicht die Schnur mit» fallen."
„Fertig, Massa Will. Mächtig leichtes Ding. Käfer durch das Loch stecken. Sehn' ihn schon unten."
unten bist."
„Ich tun es. Massa — ich getan jetzt," antwortete der Neger sehr prompt, „sein jetzt ganz am Ende."
„Ganz am Ende?" heulte beinahe Legrand, »sagst du die Wahrheit? Bist du ganz am Ende?«
„Gleich am Ende, Massa, —o—o—v—v—große Gott! Was ist das hier auf dem Baum?«
„Nun," schrie Legrand höchlichst erfreut" »was ist es denn?"
„Nichts als ein Schädel, Massa, — hat einer Kopf gelassen auf Baum und Krähen gekommen und ihm alles Fleisch abge- sresfen, jedes Stück davon."
„Ein Schädel sagst du, sehr gut wie ist er befestigt an dem Ast woran! hängt er?"
„Jupiter muffen nachsehen — das sein aber drollig, sehr drollig, großer Nagel fein im Schädel, das halten ihn fest am Ast."
„So, Jupiter, jetzt tue genau so wie ich es dir sage, hörst dn?"


