Ausgabe 
19.6.1926
 
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weiter, wie sie nebeneinander im Kreiß sitzen, herumgehen. Zu dem Wasser nemen sie die Frücht Bunnu von Inwohnern genennet ..."

Der NameBun" findet sich öfter fiir den Kaffee noch zuweilen im achtzehnten Jahrhundert, so z. B. im Zedler'schen Aniversal- ferifon, und man hat bisweilen die BezeichnungKaffeebohne davon ableiten wollen, aber wohl mit Anrecht. Aus der weiteren Beschreibung Rauwolffs und aus anderen Berichten geht hervor, daß früher bisweilen die ganze Frucht des Kaffeebaumes, also nicht nur die Samen (Bohnen) verwendet wurden. In diesem Falle hat man aber die Bohnen wohl nicht geröstet und also ein Getränk erhalten,- das mit unserem Kaffee sehr wenig Aehnlichkeit haben konnte, und infolge etwaiger Gärung vielleicht sogar alkoholhaltig war.

Eine weitere Erwähnung des Kaffeebaumes und des Kaffees findet sich bei Prosperus AlpinusDe Plantis Aegypti", Venedig 1592, und inDe Medicina Aegyptorum" 1591. Dieser Paduaner Professor schreibt unter anderem (von mir aus den, lateimschen Text übersetzt):Läufig verwendet wird ein Absud, Chaouva genannt, den man aus gewissen dunklen Samen, die eine Aehnlichkeit mit Bohnen haben, zu bereiten pflegt. Diesen Samen nennen sieBon und ich habe den Baum, der die Frucht trägt, im Garten eines türkischen Beis gesehen. Er stammte aus Arabien..." Alpinus erzählt weiter, daß man sich in Kairo z. B. am Kaffee delektiert wie bei uns am Wein und macht schließlich eine interessante Be­merkung. Er meint nämlich, der Geschmack des Kaffees habe an, meisten Aehnlichkeit mit dem des Zichorien-Absuds. Offenbar kannte man schon damals diesen Trank, der später bekanntlich als Kaffee-Ersatz eine große Rolle spielte und noch spielt. Wir hätten dann den merkwiirdigen Fall, daß der Ersatz in Europa früher be­kannt war, als der Kaffee selbst. Die Leimat des Kaffeebaumes ist wahrscheinlich Abessinien. Bon dort stammt auch die Sage von der angeblichen Entdeckung der anregenden Wirkung des Kaffees, die wir hier erwähnen, ohne sie sehr ernst zu nehmen. Litten sollen nämlich beobachtet haben, daß ihre Tiere, Kamele und Ziegen, gelegentlich besonders lustig herumsprangen, und zwar, wie sich herausstellte, nach dem Genuß bestirnmter Blätter der Blätter des Kaffeebaumes. _ . ,,

Von Abessinien kam der Kaffee nach Arabien. Der Scyeich Ek-Ghadzeli und der Mufti Gemaledin in Aden sollen die Sitte, Kaffee zu trinken, im 15. Jahrhundert in Arabien eingeführt haben.

Die Gewohnheit bürgerte sich bald in Aden, Mekka, Medina, Kairo ein. Dort entstanden auch die ersten Kaffeehäuser, die offenbar gern von Leuten mit geistigen Interessen besucht wurden, da sie Schulen der Weisheit" undSchulen der Erkenntnis" genannt wurden. Es wurde dort Schach gespielt und iiber Politik geredet. Cs herrschten also dort schon ähnliche VerhälMisse, wie später m vielen europäischen Kaffeehäusern. Es wird auch berichtet, daß bte Derwische in den Nächten, die sie im Gebet zubringen sollten, Kaffee tranken. Sie hatten ihn in einem großen, roten, irdenen Gefäß und empfingen ihn mit Ehrfurcht aus der Land ihres Vorstehers in Tassen. Es waren wahrscheinlich rote Tonkannen, wie sie heute noch z. B. in Nord-Ostafrika gebraucht werden. Die mohammebam scheu Geistlichen sollen sich dariiber geärgert haben, daß die Gläubigen mehr in die Kaffeehäuser als in die Moscheen gingen. Aus diesen und wohl auch aus politischen Gründen wurde der Kaffee wiederholt verboten, breitete sich aber trotzdem aus und kam über Damaskus und Aleppo nach Europa.

Das erst« Kaffeehaus soll in Marseille entstanden fern; später finden sich auch solche in Paris und Deutschland, wo 1694 in Leipzig das LausZuin arabischen Coffee-Baum" eröffnet wurde, das heute noch besteht und vielen in angenehmer Erinnerung rst. Bis­weilen ging man gegen den Kaffee vor, so z. B. Friedrich der Große, der auf eine Eingabe erwidern ließ, er selbst sei in seiner Jugend m,t Biersupve erzogen worden, die viel gesünder sei.

Lieber den Kaffee ist eine große Literatur entstanden und orien­talische Dichter haben begeisterte Verse über ihn geschrieben, von denen wir einige wiedergeben. (Nach C, Lartwich, Die mensch­lichen Genußmittel", Leipzig 1911.)

Komm zu genießen die Gesellschaft des Kaffees an den Orten, wo er seine Residenz aufgeschlagen hat, denn die göttliche Güte umgibt die, die teilnehmen an seinem Feste.

Dort die Schönheit der Teppiche, die süßen Freuden des Lebens, die Gesellschaft der Gäste, alles gibt ein Bild der Statte, wo die Seligen wohnen. . , .

Keine Sorge vermag dein Kaffee zrl widerstehen, aller Verdruß schwindet beim Anblick der dir vorgesetzten Tasse.

... Keinen Kummer gibt es <m der Stätte, wo er weilt, tief beugt sich die Sorge vor seiner Macht. ., .

... Trink voller Vertrauen von ihm und lerhe nicht dem Ohr den Reden der Anvernünftigen, die ihn verdammen."

Aber auch in Europa entstand eine Kaffeepoesie aus der Freude und Begeisterung über das neue, anregende Gennßmittel heraus. Wir machen den Leser mit einigen solche,t Kaffeeversen bekannt, wie sie im 18. Jahrhundert beliebt waren. Wir entnehmen sie entern kleinen, in Leipzig 1717 gedruckten Buche:Gründliche und sichere Nachricht vom Kaffee und Kaffeebaum". Die Verie sind alte Aebertragungen nach französischen Originalen.

ES heißt da MM Beispiel:

O angenehnter «saft!

Von dem mein Geist entzückt. Ja, dessen Zauberkraft Dem allerschönsten Leben Den besten Zusatz weiß zu geben And auch den düstern Schlaf aus unfern Augen rückt, usw.

Auch in neuerer Zeit hat mancher Dichter des Kaffees gedacht, so Lölty in seiner stimmungsvollenEinladung":

Stets wohne Gleichmut, Freud' und Zufriedenheit In deiner Seele, wenn dir der Rezensent

Ein Körnchen Weihrauch streuet, oder Andrer Dust dir entgegenqualmt.

Des Polyhistors, der bis zum Bart verschanzt Von Bücherstapeln Bogen auf Bogen schreibt. Des Tändlers und des frohen Zechers, Larret die Klaue des Knochenmannes.

Lier, wo am lieblichwärmenden Ofen dir Aufschwillt der Lehnstuhl, würziger Ambradampf Die Luft durchbalsamt, und des Frühlings Vögel und Blunten die Wänd' erheitern.

Lier laß dir Knaster, Pfeifen und Fidibus

Zum Tranke bringen, den die Levante erzeugt;

Bevor der Sensenträger grinsend Zum verdrießlichen Tanze dich aufruft.

Dann wird die teuere Bibliothek verkauft. Die zentnerschweren Meister in Folio And leichte Dichter, die im Glasschrank Prangen mit goldenem Schnitt und Titel.

Kaffee und Tee haben tatsächlich nicht nur im Orient infolge ihrer anregenden Wirkung immer in gewissen Beziehungen zur Literatur gestanden. Feine Anterschiede sind aber ohne Zweifel vorhanden: Vielleicht gehört der Tee mehr zu denleichten Dichtern, die im Glasschrank prangen" und der Kaffee zu denzentnerschweren Meistern in Folio" und zuKnaster und Pfeifen".

Auch manche merkwürdige und unfreiwillig komische Dokumente finden sich, besonders aus der Zeit, als der Kaffee anfmg in Europa bekannt zu werden, so folgender Briefwechfel (nach Bohnke-Retch Der Kaffee in seinen Beziehungen zum Leben", 1885).

Monsieur tres honore Lervano, Inhaber der Großhandlung Lervanos fei. Wittib zu Merseburg.

Da wir nunmehro so lange in ordentlicher und ehrbarer Geschäfts- verbindung gestanden, so ermangle ich nicht. Euch gleichzeitig eine Probe von dem hier in Amsterdam so schnell berühmt gewordenen Coffeyi einzuschicken, und ersuche Euch Eurer wohlehrbaren Lausfrau anzubefehlen, diese Körner fein zu mahlen oder zu zerstoßen und dann in Wasser kochen zu wollen. Ich bitte Euch dann, mir Euere Metnung zu schicken, wie Euch dieser Trank schmeckt, und ich werde Euch dann den Preis und alles weitere schreiben.

Euer wohlgewogener

van tomiten.

Frau Lervano kochte aber den Kaffee nicht mit Wasser, sondern wollte ihn besonders gut machen und nahm Fleischbrühe. Ihr Mann schrieb darüber nach Amsterdam und bekam folgende Antwort:

Ich habe Eure Pfefferbestellung richtig erhalten, schicke Euch jedoch keinen, da ich auf eine Geschäftsverbindung Verzicht letste, von welcher ich für meinen guten Willen nur Grobheiten Horen muß. Wenn Euer ganzes Personal nach Genuß dieses vorzüglichen Coffeyis krank geworden ist und mir 16 gute Groschen fiir Purgier- mittel in Anregung bringen wollt, so muß ich mir das ernstens verbitten. Ich habe bereits fünf Ballen Coffeyr nach Leipzig ver­laden lassen und jeder, der dort davon getrunken hat, lobt es. Em Beweis, daß die Leipziger einen feineren Geschmack haben als Ihr groben Merseburger.

And somit Gott befohlen.

Van Smiten.

Amsterdam, September 1637.

Das Wunder.

Von Lermann Stegemann.

(Schluss)

Nein, weiter gch' ich nicht. Lier wart' ich auf ihn. Zum Mair« ist er? Das glaubt ihm der stärkste Mann mcht.

And wenn ich dir's doch sag', Mutter/' eiferte das Mädchen ich hab' den Vater selber in bte Maine htnemspazteren fehn, und in einer halben Stunde kam' er nach, wir sollten nur den Weg unter die Füß nehmen, hat er gesagt."

Di« Mairie hat zwei Ansgüng', oder es ist ein Weinkeller drin", schrie die Mutter und blieb stehen.

Eine Weile standen sie wartend auf der Straße, die Mutter rückwärts spähend, ob er nicht am Ausgang des Städtchens nnte dem alten Mauerbogen auftauchte, bte Tochter über bte Matten blickend, wo die Schlange des Feldweges sich dahmwand.

So komm doch, der Vater wird nicht fehlen, er tveiß ja, Wa­es gilt", bat das Rikele endlich.

Keinen Schritt, aus beut Steinhaufen hock' O ab, und wenn er nicht kommt, eh' bte Glocke brei schlägt, so hol tch thn auf btt Mairie und bett Bürgermeister dazu."