Ausgabe 
19.6.1926
 
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mit zweifelhaft zu werden." rief Jim, rndeni et als Bankhalter dem Mexikaner ein Häuslein Goldmünzen zuschob.

Pedro lächelte vergnügt, nicht aber schadenfroh wie so viele Gewinner im Poker, und strich das Geld ein.

Komm jetzt zurück in den Kasten, Pete," fügte Jim hinzu und erhob sich, die rostigen Schlüssel in der Hand.

Pedro schüttelte Clarence kordial die Hand.

Wirst du lange hier bleiben?" fragte er.'Wirst du dabei sein, wenn ich morgen

Rein, Pete," fiel ihm 2im schnell ins Wort.Mein Fveund wird noch vor Tagesanbruch die Stadt verlassen."

Bach diesen Worten führte der Sheriff feinen Gefangenen fort.

Das war er," murmelte der Sheriff, nachdem er ohne den Gesangenen zurückgekehrt war.

Er tut mir leid," sagte Clarence.

Lind mir auch," entgegnete Jim, sich verdrossen auf einen Stuhl werfend.

Warum muß Pedro denn hängen?" fragte der andere nach einer dumpfen Pause.Hat er jemand um gebracht ?"

Zwei nur zwei, alter Junge. Aber zwei, die's verdienten. Es kam ihnen gewissermaßen zu. Der Ansicht würdest du auch sein, wenn du wüßtest"

Aa, dann schieß mal los, damit ich richten kann."

Als die beiden Freunde an der staubigen Landstraße gegen­über dein Gefängnis auf dem Rande eines ausgetrockneten Wassertrogs sahen, erfuhr Clarence die Geschichte des Mexi­kaners aus dem Munde des Sheriffs.

Pedro Salazar war von Altmexiko über die Grenze ge- kommen und hatte sich in der kleinen Stadt als Hufschmied niedergelassen- Als sich später Jim dort einfand, lernte er Pedro als einen gutmütigen Menschen kennen, der bet der schwierigsten Arbeit sein Liedchen pfiff. Oft, wenn der Sheriff nichts zu tun hatte, besuchte er Pedro in der Werkstatt und beobachtete, wie sein starker Arm den Hammer schwang, wie die Funken aus dem rotglühenden Eisen stoben. Bald gab es in dem Rest zwei intime Freunde, den Hufschmied und den Sheriff. Richt lange vor bem Weihnachtsfest erwähnte Jim, daß er für die Kinder seiner im Osten wohnhaften Schwester einige Spielsachen brauche und solche in dem kleinen Städtchen nicht auftreiben könne. Ächt Tage später erschien Pedro ui dem Bureau seines Freundes. Er brachte ihm einen Hampelmann, eine Arche Noahs mit obligat animalischem Inhalt und eine Kaktuspfeife, welche Gegenstände er mit geschickten Händen für die betreffenden kleinen Verwandten des Freundes geschnitzt hatte.

Eines Tages tauchte in dem Ort ein alter mexikanischer Schafhirt mit seiner mutterlosen Tochter Rosita auf. Da der Wie krank war, nahm ihn Pedro ins Haus und pflegte den Greis, bis dieser acht Tage darauf verstarb. Später heiratete der Schmied das Mädchen, eine südländische Schönheit von achtzehn Jahren. Er liebte Rosita unsinnig, und sie schien feine Neigung zu erwidern.

Oft besuchte der Sheriff das junge Paar am Abend und sah etwas in den Lopasaugen der Mexikanerin, und dieses Etwas schwand nicht aus den Augen, als die Ehe mit einem Knäblein gesegnet wurde. Pedros Glück war so groß, daß er jetzt, wie man behauptete, sogar im Schlafe pfiff.

Dann trat der Baquero Jose in das Leben Rositas und Pedros. Er gehörte zu Ben braunäugigen Herren, die von den Frauen hübsch gefunden werden. Er hatte eine gefällige Denor- stimme und zupfte zu seinem melancholischen Gesang die Saiten der Gitarre, ohne die er selten zu sehen war. Dieser Jose sang sich in Herz und Sinne Rositas hinein. Als Pete, natürlich zuletzt im ganzen Ort, davon erfuhr, streifte er seine Aermel auf, nahm Jose wie ein Kind in die muskulösen' Arme, trug ihn Zur Stadt hinaus und befahl dem Adonis, sich nicht wieder bei Rosita sehen zu lassen.

In der Nacht daraus stürzte Rosita aus ihrem Hause aus die Straße und schrie, daß Pedro ihr Kind ermordet habe. Sie habe das Baby unter dem Kissen erstickt aufgefunben. Das Weib behauptete, Pedro habe ihren Liebling in einem Wutanfall erdrosselt. Pete verteidigte sich nicht, als der Sheriff ihn in das Gefängnis brachte. Der letztere glaubte ohnedies an seine Lkw schuld, wenn er an das gewisse Etwas in ihren Augen dachte. Auch wußte er, daß Pedro keine Fliege umbringen konnte.

Eines Abends der Gefangene war dem Richter noch nicht vorgesührt worden begab sich der Sheriff in die Zelle Pedros, der durch das vergitterte Fenster auf die Straßen blickte. Dort gingen augenscheinlich interessante Dinge vor. Der Mond be­leuchtete Rosita und Jose, die im Staube der Gasse eine Art Fandango tanzten, um den unglücklichen Pedro zu..verhöhnen. Eie sprachen kein Wort, sie tanzten nur mit rasender Leiden­schaft, bis sie sich in die Arme stürmten und küßten. Das ruchlose Paar sah nur das wutverzerrte Gesicht des .Unglücklichen, nicht aber den Sheriff, der sie aus Bem Dunkel der Zelle beobachtete.

Nach einer ganzen Serie von Grimassen, die dem arm« Pedro gatten, machte sich das saubere Paar endlich auf und davon. Der Sheriff suchte seinen Gefangenen mit der Angabe zu trösten, daß er den Geschworenen von dem höllischen Austritt erzählen und so vielleicht des Aermsten Freisprechung erwirken werde.

Pedro gab keinen Laut von sich; als aber der Sheriss am nächsten Morgen in der Zelle des Gefangenen erschien, da war der Mexikaner daraus verschwunden. Er hatte mit den bloßen Händen das eiserne Gitter zerbrochen und war aus dem Fenstw' gesttegen.

Dann hätte Pedro sich' nach seinem Hause begeben; wo er Rosita und Jose zusammensand. Er nahm das saubere Pärchen unter die Riesenarme und schleppte es in die Schmiede. Dort kettete er Rosita und Jose zusammen, warf sie auf den Wagen und fuhr seine Opfer vor die Stadt, wo er die beiden an einer einsamen Stelle umbrachte und im Sande verscharrte. Dann kehrte Pedro wieder ins Gefängnis zurück.

Rach seinem vollen Geständnis," so schloß der Sheriff seine Geschichte,gab es natürlich keine Rettung mehr für den armen Pedro. Morgen früh muß er hängen, und dein alter Freund Jim hat das Vergnügen, seinen alten Freund Pedro aufzuknüpfen."

Es war inzwischen ein Llhr geworden, der blasse Mond stand bereits tief am Rande der Prärie.

Clarence war sich unklar darüber, wen er mehr bedauern sollte, den unglücklichen Pedro oder feinen Freund, den Sheriff. Eine schlimme Geschichte," murmelte er.Aber Ami ist Amt. Ihr werdet eben beide dran glauben müssen."

Als sich^ die beiden gute Nacht sagten, fragte Jim einiger­maßen nachdenklich:Also, du fährst um sechs .Uhr dreißig nach dem Osten ab? Dann solltest du noch einige Stunden schlafen. Gut, daß du gekommen bist, das hat mich! auf eine vortreffliche: Idee gebracht."

Was für eine Idee?"

Abwarten," entgegnete Jim, und war verschwunden.

Wenige Minuten nach sechs Uhr schlenderte Clarence ver­schlafen Bem Bahnhof zu. Mit Schaudern blickte er nach dem Gefängnis hinüber. Llnd flehe, aus der Tür heraus trat ein schlanker, hoch gewachsener Mann, der in 6er Rechten einen schweren Reisesack trug.

Es war Jim.

Good morning, old boy," sagte Clarence.Hast du schon ich meine Pedro"

Schnell, Clarence, der Zug kommt bereits," flüsterte Jim, den Freund mit sich fortziehend.

Gehst du mit auf den Bahnhof?" fragte Clarence einiger­maßen erstaunt.

Ich gehe mit dir nach dem Osten," erwiderte Jim mit glückseligem Grinsen.

Aber dein Amt

Mein schriftliches Entlassungsgesuch liegt in dem Bureau auf dem Tisch."

Und Pedro?"

Der Teufelskerl ist mir wieder durchgebrannt, muh bald an der mexikanischen Grenze fein."

Ja, ist er denn beritten? fragte Clarence, feinen Freund von der Seite ansehend.

Jawohl denke dir, der Spitzbube hat mir mein Pferd gestohlen/'

Dir - dein Pferd gestohlen?"

Well, kurz und gut, er sitzt darauf."

Im nächsten Augenblick donnette der Zug in die Bahnhofs­halle und hielt an;- Jim und Clarence stiegen ein.

Jur Geschichte des Kaffees.

Von De Ernst Darmstaedter.

Im Jahre 1582 erschien zu Frankfurt am Maßt ein Buch des Augsburger Arztes Leonhard Rauwolff, in dem vielleicht die erste Erwähnung des Kaffees in Europa zu finden ist. Rauwolff war Stadtphysikus in seiner Vaterstadt Augsburg, machte eine Reise nach dem Orient, aus der er unter anderem viele Pflanzen beobachtete und sammelte. Seine Erlebnisse schildert er in seinem erwähnten Buche, das ein schönes Zeugnis für den flnternehmungsgeist und die Forschereigenschaften des Autors ist. In dieserBeschreibung der Reyhs Leonhardt Rauwolsen, der Artzney Doctorn und bestellte Medici zu Augspurg, so er vor dieser Zeit gegen Ausgang in die Morgenländer, sürnehmlich Syriarn, Iudeam, Arabien« usw. nicht ohne Mühe und große Gefahr selbst vollbracht", erzählt der Verfasser int achten Kapitel des ersten Teiles ^,von großen Gewerben und Handlungen des Skats Haleppo. Item der Türken mancherlei Speisen, Getränken, Zeremonien usw." und schreibt... hat einer Lust etwas zu essen oder zu trinken, so habens auch weite offene Läden, darinnett sie sich zusamnten auf die Erden oder das Pfletz setzen und miteinander zechen. Anter anderm habetts eilt gut Getränk, welches sie hoch halten, Chaube von tuen genennct das ist gar nahe wie ©tuten so schwarz, und in Gebrestett, sonderlich des Magens gar dienstlich. Dieses pflegens am Morgett frii, auch du offenen Orten, vor jedermeniglich, ohne alles abschemven, zu trinket-, auS irdiiten und Porzellanischen tieffett Schalem, so warnt, als sie können erleiden, setzen oft an, tun aber kleine Trünklein, und lassens gleich