taut imtfi man sich noch Wohl achten der Jahreszeit: im Frühling will 3um. Beispiel die Forelle zarte Würmer und Steinkärtel, .;egen Herb« verachtet sie dieses Zeug und will nichts als Heu- stüffei (Heuschrecken). Geradeso ists bei den Meitschsne; sie beißen auch nickt alle ans gleiche, da muß inan nun erfahren, Ums jedes lieb:, und was für -Seit es ist, das ist die Kunst, und wer dis ;<>nn, dem beißen alle.“
Sa lachte die Wirtin, daß sie den Haften kriegte und lange nicht sagen tonnte: „Du bist c Sonuftigs Krrli. c Spitzbub bist! Aber was hast du dann dem dargehalten. daß es dir gebissen hat?“ „Ja, tue, Mutter," sagte Christen, „das kann ich dir noch nicht sagen: wenn einer was weiß und er plaudert es aus, ehe die Sache richtig ist, so ists auch aus mit dem Glück. Darum laß mich machen. dLach kommt gut. ich will wetten mit dir " „Wetten null ich nicht," sagte die Wirtin, ,,c Spitzbub bist, ghörft! Ich sags dir noch einmal. Aber es dünkt mich, der • Mutter »nutest du das doch sagen, ausbringen würde ich es dir doch nicht." „Darf nicht, Mutter," sagte Christen, „nicht einmal rinserm Herrgon würde ich es sagen, wenn er es nicht schon müßte. Ich weiß wohl. Mutter, expreß brächtet Ihr mir es nicht aus. aber ungsiimet entrinnt einem manchmal etwas, man merkt eS nicht, bis es draußen ist. And noch eins: Grit sagt gar nichts von dem, was heute begegnet ist, das ist eine Klapper- rasch.: und meint es immer mit denen am besten, bei denen sie ruletzi ist; die wäre imstande, die ganz Sach in Krebsgang zu bringen und einen Lärm zu- machen, daß mir von allen Seiten zBöft geredet würde. Ihr wisti ja. iuic c8 gehr, wenn zwei •)ufamr.tenhM>(feit, da teert drT-üsel dHvll und schickt all Tüse us, für zlsüge und z'verlümbe.“
Trotz ihrer Freude konnte die Mutter es fast nicht ver- werchen, daß Christen ohne ihre Hülse zu einer Frau kommen solle. „Du wirst die Sache gewiß noch verkegelu, du wirsts erfahren, wie es dir geht, wenn dir niemand ratet," sagte sie, sooft :> dazu kommen konnte, „.bind wie walltest du das so gründlich kennen, was das Meitschi liebt, temtsts ja nicht?" „Hab nicht Kummer, Mutier!" sagte Christen; wo du und das Grit mich v-esiiatitett haben hak mich euer Reden geweckt, und da habe ich vernommen, was mir nötig war." „Spitzbub, Ums du bist! Aber es kömmt iti.r doch nicht gut, zähl daraus!" tagte die Mutter.
Aber der Mutier Wahrsagen erwahrete sich nicht; Christen ebnete immer mehr die Wege, blieb sich gleich, aß tapfer Erdäpfel und brachte «s dahin. Daß sie ihm versprachen, zu ihnen :?or’ zu kommen auf dGschaui lDeschau). wie man bei solchen Anlässan au iage-r pflegt. Als Christen Der Mutter die Aach- richt bracht?, schlug sie die Hände über dem Kopse zusammen und sagte: „Mein aber auch, keinem Menschen hätte ich es geglaubt,, und wenn mir Vs dar Pfarrer selbst gesagt hätte, daß da so eiwav zwWbröchtest, aber c Spitzvub bist, ghörst!"
Große Mühe hatte Christen, die Mutter zu verhindern, aus allen Kräften aufzawarten und alle ihre Kunst zu einer Mahlzeit zußammenMratien. Oepvc was üblich fei, solle sie geben, ■S:- nicha' lieber!rieveues, so wie es in einem braven Bauern- t-ause üblich fei, wenn Dorf komme, aber mehr nicht, die Wirtin «le sie nicht lasten horvorgucksn. sonst kommt- mcht gut, sie werfe -hm een Henwage» noch vor der Einfahrt um. Sie solle ihm doch gkauiren: wenn er es ihnen nicvi treffen könnte, so hätte er Sie Sach? nicht bis dahin grwerchet. Die Mutter widersprach ihm »aiÄMch.biS auf den Tag vorher, dann tat sie äituitat, wie er es angegeben haue: Wirtlich lief auch alles vortrefflich ab; dsSonne- bure waren mit allem ausnehmend zufrieden, mit der Aufwart nicht nur, sondern hauptsächlich mit der Einsicht. Alles war in vortrefflichem Stand, alles Werkzeug doppelt und dreifach vorhanden, Hülle und Fülle in Sphcher und Kästen, da hatte man nicht nötig, alles zu Geld zu machen, um den Schulden zu begegnen; daß sie derselben keine hätten, weder Weinschulden noch andere, bewies die Wirtin zum Neberfluß noch schwarz auf weiß. Kurz, die Sache ward richtig gemacht und die Verkündigung bestellt. Lang z'warte, trage nichts ab, warb int Mate der Weisen erkannt, wenn man das Geld für die Hochzeit nicht zu leihen brauche und man zu rechter Zeit öppe an ein Tröstet! (Mitgift) gedacht habe.
-Und richtig, sie hatten recht. Was das für einen Lärm gab, als di? Welt vernahm, daß die reiche Tochter an der Somrhalde Dram -ei. ein weggefangen Bröcklern, und ds Wirts Christen bei der Tannen fei Hochzeiter! Da wars, -als ob man mit einem Stecken das Wüsteste alles in der ganzen Welt aufrühre, alle Aeidlöchern, alle Lügenlocher,alle Tilfelstichtige in allen Herzlvchern der ganzen Welt. Wie Bremsen an. ein Moh sich hängen, das durch den Wald läuft, so stob es der Sonnhalbe zu, stob deck Wirtin zu von allen Seiten, und jedes, das gestoben kam, machte ein bedenklich Gesicht und sagte, es habe doch noch kommen und sagen wollen, was cs vernommen, es sei vielleicht noch nicht zu Bät. aber ■» dürfe es fast nicht sagen. EL ging später die Rede, -ist aus dem Kabisgrat habe ''ich leibst auf die Beine gemacht i» Denlerkleidern und das Gnislichste an der Sonnhalde von Christen gesagt, so daß, wenn alles wahr gewesen wäre, man ihn »HMtigitenS siebenmal löpsen und dreimal hätte hängen müssen.
Anfangs wollte es fast kleben in den Ohren, und die Sonnen, bäurin und die Wirtin wußten nicht recht, was sie glauben sollten, und dachten der Sache nach. Als es aber so arg wurde, Dch man die Lügen mit Pelzhandschühen greifen konnte, da wurden sie wieder kaltblütig und liehen die Sachen liegen, wo sie lagen, und putzten den Leuten tapfer ab; es gütete als ob alb.
Zudem tat Christen klug, er war viel oben an der Sonn- halde; und wenn man ihn merkte, so lehrten die, welche kamen, um ihn herunterzumachen, alsobald den Spieß um und rühmten ihn, daß die Schwarten krachten, daß man hätte glauben sollen, seit Vater Abraham sei keiner seinesgleichen auf Erden gewesen. Zudem hatte er immer an den Diensten Fürsprecher, die nicht genug rühmen konnten, wie manierlich er sei. allen behilflich unb das Arbeiten verstehe wie keiner landauf, landab.
So vermochte die Welt nichts, vermochte nichts, als ein Zeichen zu tun, wieviel Schlechtes sei in den verborgenen Löchern, das nur zuzeiten ans Tageslicht komme, wie viel äkngezkef« mir dann sich zeigt, wenn .Unwetter im Anzuge ist.
.Ungestört und still ging die Hochzeit vorbei; ein großes Wesen, wie es damals wohl noch üblich war, das drei Tage dauerte, und woran zwei- bis dreihundert Gäste teilnahmen, wollten sie nicht machen, Christen drang nicht daraus, und im Sinne von Sonnebures lag es nicht. Verwandtschaft und die jungen Bursche stellte man sonst zufrieden, und sonst hatte niemand darnach zu fragen.
Aach Landessitte blieb die junge Frau noch ein paar Wochen bei ihren Ellern, 5mm führte tie Christen heim, und die Muttw übergab ihr alfobald Schlüssel und Kellen and tert die Meisterschaft ab.
Am folgenden Mittag brachte die junge Wirtin eigenhändig das Erdüpfelkörbchen auf den Tisch ui» sagte: „Que jetzt, ob ich es hier auch kamt und es dir treffe; angewendet habe ich, tvas ich konnte!" Christen nahm lächelnd einen, griff bann aber nach andern Dingen und ließ die Erdäpfel beiseite. „Hab ich es dü nicht getroffen?“ sagte die junge Frau; „ich habe doch gewiß gemacht, was ich konnte. Lus. die sind gewiß gut!" und las ihm ein halb Dutzend der größten Erdäpfel aus. Da lachte Christ«, merkbarer und sagte: ,,Häb nit Müh, du guts Fraueli, meint Erdäpfel habe ich vor der Hochzeit gegessen; jetzt denk ich sie ein wenig in Auhe zu lassen." Da wars fast, als ob die junge Fran zur Salzsäule werden wolle. „Heft mi beschisse, heft mi agführt?" fragte sie ganz blaß. „Aern, lieb Fraueli, das hab ich nicht; aber gemacht, für dich Ku bekommen, was ich gut glaubte mit Ehren, das habe ich, und das ist erlaubt, denk ich. Mancher Wann tut groß vor der Hochzeit und ist nachher ein Gizhuud, oder er fömmt um seine Sache, und seine Frau hat üoidwsg bös bei ihm. Ich tat ileiit und armütig, weil ihr das gerne sähet; jetzt wollen wir nicht grohiun. aber weder geizen noch über nichts kommen, sondern uns die Sache gönnen, wie wir es öppe können und vermögen, und du sollst es gut haben. Wit dem zülnnutz Brauchen will ich dich nicht ärgern, mit Geizen plagst du mich rticht, zur Sach» wollen wir beide sehen, wie wir es vor Gott verand Worten können, aber öppe übertreiben, sekb nicht: wenn man jung so anfinge, wie 'käme es int Alter heraus; solche Sachen mebvert mit den Jahren."
„Aber angeführt hast du mich, bschisse, wenn man es sagen dürfte!" sagte Stüdi, jedoch nicht mehr mit so kläglichem Gesichte. „Wäger nicht, Fraueli!" sagte Christen, „mernt einer buhlst, so lvendet er alles an, was er meint, bah gut sei, macht drAarr bis tute ufe, und niemand nimmt es ihm übel, wenn er nachher auf frort. dsGegeickeil, die Leute würden öppe lachen, wenn er drAarr fein Lebtag machen wollte. So habe ich auch ein wenig drAarr gemacht mit den Erdäpfeln, aber dich nicht angeführt, bhü- tis nein; häuslich bin ich auch, aber reich genug sind wir, daß ich nicht bloß Erdäpfel zu essen brauche. drAarr damit zu machen mein Leben lang. Verzeih mirs. reuig sollst nicht werden desset- wegen, im Gegenteil, wenn Gott uns gesund erhält noch dreißig Jahre, so dankst du mir vielleicht noch und lachest allemal, wenn Du daran denkest, daß du gemeint, dErdäpfel seien d-Hauptsach und nichts zu brauchen das Wichtigst auf der Welt."
Und alfo geschah es auch, es gab ein glücklich Ehepaar, das gesegnet lebte, und dessen Andenken im Segen blieb.
Die Mcht-Gewesensn.
Don Isolde Kurz.
-lieber ein Glück, das du flüchtig besessen, tröstet ErilMSM, tröstet Vergessen, tröstet die alles heilende Zeit.
Aber die Träume, die nie errungnen, nie vergeßnen und nie bezwuiignen, nimmer verläßt dich ihr sehnendes Leid.
Hchrift'ei-mag: Dr. Jriedr. Wilh. Lange. — Druck und Brrkag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindrucksr-ei, R. Lange, Gießen.


