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feine Ergebung in den Willen Gottes zieht. Nichts soll uns entsetzen. Große Gefahren der Natur, Gewitter, Schneestürme, Kriege werden gewendet durch ein schlichtes Herz. Ohne Furcht gehen die Kinder durch 6en Schneefall des Gebirges. Aus dem Kampf für das Recht kehrt Witiko in sein W ild land heim.

Diese geistige Dreifaltigkeit der Reinheit, der Natur und des Glaubens vermöchte allerdings kaum so zu wirken, wie sie wirkt, wenn nicht eben auch das Wesen des Schönen selbst, das in einer weisen Kraft des Maßes seine Wurzel hat, aus der Musik, aus der Malerei und aus der Liturgie feine Muster holt, allen dreien Elementen inne wäre. Wie schön ist die Prosa dieser Schriften, obgleich sie niemals und nirgends das Poetische, son­dern stets nur das Wirkliche barstellen will. Dadurch gerade aber ist sie poetisch. Der Wald rauscht aus Stifters Geist, und das, was über dem Walde ist, fühlen wir in frommer Ahnung mit Ein treuer Lehrer wandert uns vorauf, weist bald den, bald jenen Baum, bückt sich nach verborgenen Blüten oder Beeren, die er uns lächelnd zurückreicht, lobt uns dir ewige Quelle, die aus der Höhe niederdrängt, führt uns auf Schattenpfaden in die Lichtung, zu den Häusern der Menschen, unter den Sternen­himmel heraus. Auf dem Wege sagt er uns viel, auch von dem, was nicht in dem Walde ist: von der Pflicht, das Rechte zu tun, von der Heiligkeit der Ehe, von der Notwendigkeit, die Menschen zu erziehen, wie die Pflanzen erzogen werden. Es ist die Liebe, deren wir hier genießen: das ist das letzte Geheimnis, aus dem ein Werk auch der Kunst unveraltend fortbesteht. Die Worte des Korintherbriefes güten ja auch für die Worte des Schönen: Literatur" ist, wo Liebe fehlt: wo aber sie ausstrahlt, unsterb­liches Leben.

Die Schuhe der Madonna.

Eine Legende. Don Alfons v. Czibulka, Auf einem kleinen, sonnigen Hügel lag der Spielmann Sebastian. Hatte seine Fiedel neben sich im Grase und blinzelte unter dem breiten Hute mit der Falkenfeder vergnügt in die Welt hinaus, von der ein ordentliches und freundliches Stück ihm vor der Nase lag. Rotbraun waren die Aecker, hellgrün flössen die Wiesen dazwischen, und an ihrem Llfer standen unermeßlich die Wälder. Nur die Landstraße, die schnurgerade und bedächtig da und dort ein wenig steigend oder sachte fallend, durch die Helle kroch, war staubig, grau und unerfreulich. Darum war auch der Sebastian, als er aus dem Walde, darin er geschlafen, hervorgew ändert war, nicht auf ihrem grauen Bande fort- gegangen, das sich zum Städtchen niedersenkte, dessen Türme und Giebel schon jenseits einer Hügelkette zu sehen waren, sondern hatte sich seitwärts in die Bunten Wiesen geschlagen. Wo das Gras duftete und leuchtete, die Hummeln läuteten, die Dienen summten, und der kleine Hügel als eine grüne Bastion aus dem Dunkel der Wälder hervorspvang.

Nachdem der Spielmann noch eine Weile geschlafen hatte, weil die Sonne ihm so warm auf den Rücken schien, und er auf diese Weise auch den Hunger zu betrügen meinte, setzte et sich im Grase auf und griff nach feiner Fiedel. Weil er am nächsten Morgen ben Kirchengängern auf dem Platze vorzuspielen gedachte, was ihm immer etliche Kupfermünzen eintrug, unter die sich auch manchmal ein Silbergroschen verlor, wollte er über eine neue Weise nachsinnen, die ihm schon in allen Gliedern zuckte, seit er sich ausgerechnet, daß er gerade an diesem Samstag in das Städtchen einziehen würde.

So schwangen eine Weile die feierlichsten Töne und Akkorde über die Wiesen, Aecker und Hügel. Dis er ein ordentliches Kirchenstück beisammen hatte, das er, um es recht im Kopfe zu behalten, zwei- oder dreimal über die schöne Landschaft aus­klingen lieh. Weil er aber als ein Spielmann nicht nur für die Erbauung seiner Nächsten, sondern auch für die Deine der Jungen und die Herzen der Alten zu sorgen hatte, selbst auch noch ein junger Teufel war, so erhob er sich, als der letzte feierliche Geigenstrich verklungen und begann, lustig ausschreitend und im Kreise sich drehend, eine fröhliche Tanzmusik, daß aus den Kronen der nahen Bäume singend und zwitschernd in bunten Schleifen und Kreisen die Dögel aufstoben, wie die Blätter im Herbste.

Lieber diese musikalische Dormtttagsprobe war es Mittag ge­worden. Da dem Sebastian der Hunger im Magen brannte und die Sonne auf dem Kopfe, er auch wußte, daß heute die Alten und die Jungen schon am Nachmittage in den Wirtshäusern sitzen und sich bald nach einem Spielmann umsehen würden, so ging er nun doch die staubige Straße zum Städtchen hinab. Eben, als er immer langsamer auf dem schmalen Schattenstreifen, den zu beiden Seiten die Bäume warfen, in der heißen Sonne talwärts schlich und sich besann, ob er sich nicht doch lieber bis zum Abend wieder in die Wiesen legen solle, überschritt die Straße die letzte Höhe. Lind er sah das Städtchen, dessen Türme und Giebel seit einer Weile verschwunden waren, zu seinen Füßen liegen. Auch die Straße sich freundlicher zwischen blühenden Gärten hinziehen, die vor den Toren und Mauern lagen.

Wo ein wenig unter dem Scheitel der Straße ein schmaler Pfad nach dem Galgenhügel abzweigte, stand eine kleine offene Straßenkapelle mit einem hölzernen Marienbilde. Dor dem die Wanderer und Fuhrleute zu beten pflegten, und man auch die armen Sünder ein letztes Vaterunser sprechen ließ, ehe man sie an den Galgen hängte, der als ein schwarzes Gerüst über den blühenden Bäumen hervorsah. Weil der Spielmamr nun ein

gottesfürchtiger Mann war und auch meinte, daß es unmöglich schaden könne, toeitn er die Himmlischen vor feinem Einzug inS Städtchen um gnädigen Beistand anriese, f» wollte er eben vor dem Bilde niederknien, als ihm einfiel, daß die Gottesmutter sich vielleicht über sein neues Kirchen stück freuen könnte. Llich damit auch ein ordentlicher Segen auf seinem musikalischen Tun ruhe, begann er die Weise zu spielen. Dann aber kniete er auf der kleinen Holzbank nieder und klagte der Madonna traurig sein Leid, weil ihm alle seine Kunst nichts nützen wolle, und er ein armer Teufel bleiben werde, sein Leben lang. Die Maria aber stand als ein schönes, einfaches Holzbild zu Häupten 6e8 Betenden und trug nichts als ein bescheidenes Krönlein im Haar und einen blauen Mantel über dem großen Kleide. Nur ihre Schuhe waren aus lauterem Golde, die der Sage nach einer ge­stiftet haben soll, der schon auf der Galgenleiter gestanden hatte und durch irgendeinen glücklichen Zufall wieder lebendig herunter­gekommen war. Wie so der Sebastian andächtig vor dem Schnitz­werke um ein gutes Gelingen seiner musikalischen Künste betete und auch die Gelegenheit beim Schopfe erwischte, sich der Him­melskönigin so recht als eine arme Haut vorzustellen und ihr alle Nöte seines Herzens offenbarte, schien die Kapelle in einem milden Lichte zu strahlen und die Madonna sich über den Spiel­mann zu neigen. Lind weil ihr sein Jammer zu Herzen ging, hob die Maria, indessen sich Eier Sebastian immer tiefer über seine gefalteten Hände beugte, ein wenig ihren rechten Fuß, schnellte plötzlich mit einem zierlichen Schwünge die Spitze nach vorn, daß der goldene Schuh ihr vom Fuße glitt und in den Spielmannshut fiel, der auf dem Schemel neben dem Knienden lag.

Der aber schaute verwundert auf, als es so golden neben ihm blitzte, sah noch, wie ihm die Madonna freundlich und ein wenig schelmisch zunickte und hielt so völlig verdutzt in feinem Gebete inne, daß er für eine Weile den Mund zu schließen vergaß. Als er aber begriff, daß hier offenbar ein Wunder geschehen sei, und nun wußte, daß fürs erste alle seine Nöte vorüber wären und er sogleich ans Nächstliegende dachte sich endlich einmal satt zu essen flüsterte er ein herzhaftesVergelts Gott", steckte den Schuh in die Tasche, nahm die Geige unter den Arm, den Hut in die Hand und rannte, was er konnte, zum Städtchen hinab. Weil es ihm doch nicht recht geheuer war und er nicht wußte, ob dies alles am Gude nicht nur Leufelsspuk fei. Darum zog er auch, als er sich ein wenig nirtzersetzte. um zu verschnaufen, wieder den Schuh aus der Tasche, um zu sehen, ob dieser nicht inzwischen zu einem Steine oder einer Kröte geworden fei. Wie er das bei solchen Wundern, die der Teufel vorgaukelt, um einen armen Burschen zu ärgern, schon des öfteren gehört hatte.

Da aber der Schuh noch immer in der Sonne funkelte und glänzte, und nichts Teuflische an ihm zu fein schien, so marschierte der Spielmann in der Haltung eines Mannes, dessen Leben plötzlich auf eine handfeste Unterlage gestellt ist, durch das Tor in das Städtchen hinein. Wo gleich zu rechter Hand ihn ein Wirtsgarten lockte, darin schon die Menschen um die Tische sich drängten, und aus dem es um so lieblicher nach Gekochtem und Gebratenem duftete, als der Sebastian feit Tagen nichts Ge­scheites im Magen gehabt hatte. Also stolzierte er, feine Fiedel unter dem Arme, recht erwartungsvoll mitten in das schnatternde und lachende Gewimmel hinein, um sich an einem Tische, an dem er noch ein Plätzchen erspähte, niederzulassen. Weil das aber der Tisch war, wo ein paar Ratsherren, der Pfarrer und etliche von den angesehendsten Bürgern saßen, so kam auch der Wirt, der den neuen Gast von weitem entdeckt hatte, in eigenes Person angeschnauft, um nach dem Rechten zu sehen. Gleich den Gästen am Tische sah er wohl den verstaubten Gesellen, ein wenig von der Seite an, bequemte sich aber doch, nach seinem Wunsche zu fragen. Rieb sich sogar die Hände und buckelte ver­gnügt, als der Sebastian gleich ein halbes Dutzend Speisen be­stellte. Da er aber indessen Zeit hatte, sich feinen Gast näher zu besehen und ihm dessen Gewand nicht im Derhältnis zur Zeche zu stehen schien, der Gesell nun gar noch von dem besten Weine bestellte, und ein Wirt es schließlich seinem Rufe schuldig ist, sich nicht um die Zeche prellen zu lassen, so fragte er, lustig mit den Aeuglein blinzelnd:Kann der Herr aber auch bezahlen?

Auf welche Frage ihn der Sebastian recht mitleidig ansah, dann aber in seine Tasche griff und ihm mit so ansehnlichem Schwünge den goldenen Schuh unter die Nase hielt, daß der Wirt nur mit Mühe einem Stüber entging. Eine Weile starrten er und seine Gäste auf das goldene Ding. Dann aber fuhr ato erster mit Entsetzen der Pfarrer empor, in dessen Geschäft die Angelegenheit ja recht eigentlich auchgehörte. und schrie:Der Schuh der Madonna!" Lind die anderen zeterten dazwischen:

O, du Teufelsbraten! Du Satansbrut! Er hat ihn gestohlen!

Gleich hatten ein Dutzend Fäuste den Spielmann am Kragen und schleppten ihn, der verzweifelt mit feiner Geige um sich schlug, zum WirtLgarten hinaus und durch die Gassen und Gäßchen zum Stadtgericht. JndeS alle Gäste, um von dem Schauspiel nichts zu versäumen, hinterdrein liefen und der WirtS- garten bald als ein greuliches Schlachtfeld dalag, auf dem der Wirt freilich nicht als Sieger geblieben. Denn gezahlt hatte keiner. Da es nun ohne Zweifel sogleich eine Hinrichtung gab, weil man damals die Diebe noch henkte, nach einer solchen Be­lustigung aber das Volk nicht bei ihm, dem Tvrwirt, einzukehren pflegte, sondern bei seinem Todfeind vom silbernen Bären, so schlug sich der Torwirt verzweifelt aufs Marti. Demi er meinte