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sich gesellten, imb wir körmen und toetben es lücht begreif«,, wie enen auserwählten Männern, von denendie^Bibel^erzählt, r»»nuw aeweien ist. Damals muß es erne andere Beschaffenheit mu den träumen gehabt haben, so wie mit den menschlichen Dinge«.
JndemAlterder Welt, wo wir leben, findet der wmüttelbare Verkehr mit dem Simmel nicht »nehr statt. Die alten Geschichten und Schriften sind seht die eimraen Quellen, durch die uns eine Kenntnis von der überirdischen Welt, soweit w,r sie nötig haben, zuteil wird: und statt jener ausdrücklichen Offenbarungen redet jetzt der heilige Geist nüttelbar durch den Verstand kluger und wohlgesinnter Männer und durch die Lebensweise und die Schicksale frommer Menschen zu uns. Unsre heutigen Wunderbilder ihaben mich me sonderlich erbaut, und ich habe nie jene großen Taten geglaubt, die unsre' Geistlichen davon erzählen. Indes mag sich daran erbauen
Aber, auch ohne diese Geschichten, wenn Ihr zuerst in Eurem Leben einen Traum hättet, wiewürdetIhr nicht erstaunen, und Euch die Wunderbarkeit dieser uns nur alltäglich gewordenen Begebenheit gewiß nicht abstreiten lassen. Mich dünkt der Traum eme Schutz, wehr gegen blc Regelmäßigkeit und ^Gewöhnlichkeit des Lebens, eine freie Erholung der gebundene» Phantasie, wo sie alle Bilder des Lebens durcheinanderwirft und die beständige Ernsthafttgkeit des erwachsenen Menschen durch ein fröhliches Kinderspiel unterbricht. Ohne die Träume würden w,r gewißssrüher alt, und so kann ,nan den Traum, wenn auch nicht aisunmittelbar von oben gegeben, doch als göttliche Mitgabe, einen freundlichen Begleiter auf der Wallfahrt zum heiligen Grabe betrachten. Gewiß ist der ««um, den ich heute nacht träumte, kein unwirksamer Zufall in memem Leben gewesen, denn ich fühle es, daß er in meme Seele wie em weites Rad hineingreift, und sie m macht,gern Schwünge fort- treibt....
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wer will, und ich hüte nüch wohl, jemanden in seinem Vertrauen irre ui machen. — Liber, lieber Vater, aus welchem Grund seid Ihr so den Träumen entgegen, deren seltsame Verwandlungen und leichte zarte Natur dock unser Nachdenken gew,glich rege mache« müssen < <3ft nickt jeder, auch der verworrenste Traum, eine sonderliche L>- scheinung, die auch, ohne noch an göttliche SchiMig dabei zu denken, ein bedeutsamer Riß in den geheimnisvollen Vorhang ist, der mtt tausend Falten in unser Inneres heremfällt? In den weisesten Büchern findet man unzählige Traumgeschichten von glaubhaften Menschen, und erinnert Euch nur noch des Traums, bcn uns ^"lich ber ehr- würdige Äofkaplan erzählte, und der Euch selbst so merkwürdig
Hyazinth und RssenMütchen.
Von Novalis.
Vor langen Zeiten lebte weit gegen Abend ein blutjunger Mensch. Er war sehr gut, aber auch über die Maßen wunderlich. Er grämte sich unaufhörlich um nichts und wieder nichts, ging immer still für sich hin, setzte sich einsam, wenn die anderen spielten und fröhlich Mren, und hing seltsamen Dingen nach. Hohlen und Wälder waren sein liebster Stuf enthalt, und dann sprach er immerfort mit Tieren oder Vögeln, mit Bäumen und Felsen, natürlich kein vernünftiges Wort, lauter närrisches Zeug zum Totlachen. Er blieb aber immer mürrisch und ernsthaft, ungeachtet sich das Eichhörnchen, die Meerkatze, der Papagei und der Gimpel alle Muhe gaben, ihn zu zerstreuen, und ihn auf deii richtigen Weg zu weisen. Lie Gans erzählte Märchen, der Bach klimperte eine Ballade dazwischen, ein großer, dicker Stein machte lächerliche Bocksprunge, Die Rose schlich sich freundlich hinter ihm herum, kroch durch seine Locken, uno der Efeu streichelte ihm die sorgenvolle »tim. Alles« vor Mißmut und Ernst waren hartnäckig. Seine Eltern waren sehr betrübt, sie wußten nicht, was sie anfangen sollten. Er war gesund und aß, nie hatten sie ihn beleidigt, er war auch bis vor wenig Jahren fröhlich und lustig gewesen, wie keiner; bei allen Spielen voran, von allen Mädchen gern gesehen. Er war recht bildschön, sah aus wie gemalt, tanzte wie ein Schatz. Unter den Mädchen war eine, ein köstliches, bildschönes Kind, sah aus wie Wachs, Haare wie goldne Seide, kirschrote Lippen, wie ein Püppchen gewachsen, brand- rabenschwarze Augen. Wer sie sah, hätte mögen vergehn, so lieblich war sie. Damals war Rosenblüte, so hieß sie, dem bildschönen Hyazinth, so hieß er, von Herzen gut, und er hatte sie lieb zum Sterben. Die andern Kinder wußten's nicht. Ein Veilchen hatte es ihnen zuerst gesagt, die Hauskätzchen hatten es wohl gemerkt, die Hauser ihrer Eltern lagen nahe beisammen. Wenn nun Hyazinth die Nacht an seinem Fenster stand und Rosenblüte an ihrem, und die Kätzchen auf den Mäusefang da vorbeiliefen, da sahen sie die beiden stehn, und lachten und kicherten oft so laut, daß fle es hörten und böse wurden. Das Veilchen hatte es der Erdbeere im Vertrauen gesagt, die sagte es ihrer Freundin, der Stachelbeere, die lleß nun das Sticheln nicht, wenn Hyazinth gegangen kam; so ersuhr's denn bald der ganze Garten und der Wald, und wenn Hyazinth ausging, so rief's von allen Seiten: Rosenblütchen ist mein Schätzchen! Nun ärgerte sich Hyazinth, und mußte doch auch wieder aus Herzeirs- grunde lachen, wenn das Eidechschen geschlüpft kam, sich auf einen warmen Stein fetzte, mit dem Schwänzchen wedelte und sang:
Rosenblütchen, das gute Kind, Ist geworden auf einmal blmd, Denkt, die Mutter sei Hyazinth, Fällt ihm um den Hals geschwind; Merkt sie aber das fremde Gesicht,
Denkt nur an, da erschrickt sie nicht, Fährt, als merkte sie kein Wott, Immer nur mit Küssen fort.
Ah, wie bald war die Herrlichkeit vorbei. Es kam ein Mann aus fremden Landen gegangen, der war erstaunlich weit gereist, hatte einen langen Bart, tiefe Augen, entsetzliche Augenbrauen, ein wunderliches Kleid mit vielen Falten und seltsamen Figuren hinein» gewebt. Er setzte sich vor das Haus, das Hyazinths Eltern gehörte. Nun war Hyazinth sehr neugierig und setzte sich zu ihm und holte ihm Brot und Wein. Da tat er seinen weißen Bart voneinander und erzählte bis tief in die Nacht, und Hyazinth wich und wankte nicht, und wurde auch nicht müde, zuzuhören. Soviel man nachher vernahm, so hat er viel von fremden Ländern, unbekannten Gegenden, von erstaunlich wunderbaren Sachen erzähll, und ist drei Tage dageblieben, und mit Hyazinth in tiefe Schachten hinuntergekrochen. Rosenblütchen hat genug den alten Hexenmeister verwünscht, denn Hyazinth ist ganz versessen auf seine Gespräche gewesen, und hat sich um nichts gekümmert; kaum daß er ein wenig Speis« zu sich genommen. Endlich hat jener sich fottgemacht, doch dem Hnazinth ein Düchelchen dagelassen, das kein Mensch lesen konnte. Dieser hat ihm noch Früchte, Brot und Wein mitgegeben, und ihn weit iveg begleitet. Und dann ist er tiessinnig zurückgekommen und hat einen ganz neuen Lebenswandel begonnen. Rosenblütchen hat recht zum Erbarmen um ihn getan, denn von der Zeit an hat er sich wenig au« ihr gemacht und ist immer für sich geblieben. Nun begab s sich, daß er einmal nach Hause kam und war wie neugeboren. Er fiel seinen Eltern um den Hals und weinte. Ich muß fort in fremde Lande, sagte er; die alte wunderliche Frau im Walde hat mir erzählt, wie ich gesund werden müßte, das Buch hat sie ins Feuer geworfen und hat mich getrieben, zu euch zu gehn und euch um euren Segen zu bitten. Vielleicht komme ich bald, vielleicht nie wieder. Grüßt Rosenblütchen. Ich hätte sie gern gesprochen, ich weiß nicht, wie mir ist, es drängt mich fort; wenn ich an die alten weiten . zurückdenken will, so kommen gleich mächtigere Gedanken dazwischen, die Ruhe ist fort, Herz und Liebe mit, ich muh sie suchen gehn. Ich wollt' euch gern sagen, wohin, ich weiß selbst nicht, dahin, wo die Mutier der Dinge wohnt, die verschleierte Jungfrau. Nach der ist mein Gemüt entzündet. Lebt wohl. Er riß sich los und ging fort. Seine Eltern wehklagten und vergossen Tränen, Rosenblütchen blieb in ihrer Kammer und weinte bitterlich. Hyazinth lief nun, was er konnte, durch Täler und Wildnisse, über Berge und Ströme, dem geheimnisvollen Lande zu. Er fragte überall nach der heiligen Göttin (Isis) Menschen und Tiere, Felsen und Bäume. Manche lachten, manche schwiegen, nirgends erhielt er Bescheid. Im Slnfang kam er durch rauhes, wildes Land, Nebel und Wolken warfen sich ihm in den Weg, es stürmte immerfort; bann fand er unabsehliche Sandwüsten, glühenden Staub, und wie er wandelte, so veränderte sich auch fein Gemüt, die Zeit wurde ihm lang und die innere Unruhe legte sich, er wurde sanfter und das gewaltige Treiben in ihm allgemach zu einem leisen, aber starken Zuge, in den sein ganzes Gemüt sich auflöste. Es lag wie viele Jahre hinter ihm. Nun wurde die Gegend auch wieder reicher und mannigfaltiger, die Luft lau und t' m, der Weg ebener, grüne Büsche lockten ihn mit anmutigen Schatten, aber er verstand ihre Sprache nicht, sie schienen auch nicht zu sprechen, und doch erfüllten sie auch fein Herz mit grünen Farben und kühlem, stillem Wefen. Immer höher wuchs jene süße Sehn- ucht in ihm, und immer breiter und saftiger wurden die Blatter, immer lauter und luftiger die Vögel und Tiere, balsamischer die Früchte, dunkler der Himmel, wärmer die Lust, und heißer ferne Liebe, die Zeit ging immer schneller, als sähe sie sich nahe am Ziele. Eines Tages begegnete er einem kristallenen Quell unr einer Menge Blumen, die kamen in ein Tal herunter zwischen schwarzen himmelhohen Säulen. Sie grüßten ihn freundlich mit bekannten Worten. Siebe Landsleute, sagte er, wo find' ich wohl den geheiligten Wohnsitz der Isis? Hier herum muß er fein, und ihr seid vielleicht hier bekannter als ich. Wir gehn auch nur hier durch, anroorteten die Blumen; eine Geisterfamilie ist auf der Reise und wir bereiten ihr Weg und Quartier, indes sind wir vor kurzem durch eine Gegend gekommen, da hörten wir ihren Namen nennen. Gehe nur auf- märts, wo wir Herkommen, so wirst du schon mehr erfahren. Die Blumen und die Quelle lächelten, wie sie das sagten, boten ihm einen frischen Trunk und gingen weiter. Hyazinth folgte ihrem Rai, frug und frug und kam endlich zu jener längst gesuchten Wohnung, die unter Palmen und anderen köstlichen Gewächsen versteckt lag. Sein Herz klopfte in unendlicher Sehnsucht, und di« süßeste Bangigkeit durchdrang ihn in dieser Behausung der ewigen Jahreszeiten. Unter himmlischen Wohlgedüsten entschlummerte er, weil ihn nur der Traum in das Allerheillgste führen durfte. Wunderlich führte ihn der Traum durch unendliche Gemächer voll settsamer Sachen auf lauter reizenden Klängen und in abwechselnden Akkorden. Es dünkte ihm alles so bekannt und doch in niegefebener Herrlichkeit, da schwand auch der letzte irdische Anflug, wie in Lust verzehrt, und er stand vor der himmlischen Jungfrau, da hob er den leichten, glänzenden Schleier, und Rosenblütchen sank in seine Arme. Eine ferne Musik umgab die Geheimnisse des liebenden Wiedersehens, me Ergießungen der Sehnsucht, und Motz alles Fremde von diesem ent- zückenden Orte aus. Hyazinth lebte nachher noch lange mit Dtofen« dlütchen unter seinen frohen Eltern und Gespielen, ltt^ ,lm u Enkel dankten der alten wunderlich«» Frau für ihren Rat und ihr Feuer; denn damals bekamen die Menschen soviel Kinder, als sie 5 wollten.
Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck der Brühl'schen Aniversikäts-Buch- und Steindruckerei. A. Lange, Gießen.


