fröhlichen Anhalts kleidete, so tat es auch die Kirche. An Deutsche land schuf sie damit die Anfänge des großen Dramas, das zuerst in der Kirche dargestellt wurde und zunächst nur in einem liturgischen Frage- und Antwortspiel bestand, das sich auf die Auferstehung bezog. Komik und Derbheiten aller Art waren nicht verpönt, aber trotzdem geht das deutsche Lustspiel nicht auf diese komischen Szenen, sondern auf die altgermanischen Fastnachtsspiele zurück.
Die Verschmelzung heidnischer und christlicher Anschauungen ist aber nur möglich gewesen, weil die Geistlichen damals selbst noch ganz in der heidnischen Ueberlieferung lebten, weil sie ihrem Gesichtskreis die heidnischen Helden des Lichtes durchaus mit de!, christlichen Anschauungen vermischten, wie wir das in der niederdeutschen Evangelieicharmonie des Heliand deutlich sehen, wo Jesus als gernianischer Herzog auftritt und seine Jünger sich nicht wie arme morgenländifche Fischer, sondern wie gut niederdeutsche Ebelings — wie Srrelo degenos — benehmen, und zwar in solchem Maße, daß der geistliche Dichter alle jene Stellen des Testaments weglieh, die feinem deutschen Enipfinden widersprachen, andere, die ihm gefielen, über die Vorlage hinaus erweiterte, wie die Stelle von dem Schwerthieb des Petrus, die ihm offenbar über die Maßen gut gefallen hat und ihn zu lebhafter Zustimmung begeisterte. Natürlich sind bei ihm Dezi sh ungen zu den alten Lichtmythen seiner Vorfahren nicht selten.
Das alles beweist aber auch wie stark unsere germanischen Vorfahren — im Gegensatz zu unseren -Zeitgenossen — an ihren, Volkstum hängen, wie mannhaft sie wider alles kämpften, was ihnei, fremd und gegensätzlich war. Sie beugten sich nicht einfach vor der höheren Kultur, sondern nahmen nur das auf, was ihrem Wesen entsprach, was ihnen verwandt und wertvoll schien. Ihnen, die ihre Sonnenwendfeiern, insbesondere die heutige Weihnacht, längst vor dem Erscheinen des Christentums auf der Erde zu einem tief innigen Familienfest gemacht hatten, das in Plattdeutschland heute noch Julfest, das ist Freudenfest, heißt, ihnen, die noch kein künstliches Licht hatten, als höchstens einen dürftigen Kienspan in ihren langen schweren Winternächten, war das wesentlichste zum Dasein das Licht, das alles zur Liebe, alles zum Leben weckt.
-lind wie diese Menschen, die noch in elenden Lehmhütten hockten, in mühsam schwelenden Feuerchen den bösen Winter- dämon verbrannten und voll Sehnsucht auf den Tag der Licht- wende harrten, der sie erlösen sollte, so harren wir heute wieder, -lind wie sie von ihren Frühlingsgöttern Sonne und Segen erfleht haben, so wollen wir an dieser Lichtwende bitten um Licht, Liebe und Leben für uns und unser Volk.
Masken und Feste in künstlerischen Darstellungen.
Von Walther Appelt -Plauen.
In diesen Wochen sehen wir erneut, daß weite Kreise nicht nur an frohem Festtrubel, sondern auch immer noch und immer wieder, an, Maskeraden Freude empfinden. Gönnen wir sie ihnen, soweit sie dabei die Grenzen des Taktes sowie der Rück- ficht auf die einhalten, die sich das Festefeiern versagen müssen, -ttnd vergessen wir nicht, daß es sich bei den Fastnachts- und Karnevalslustigkeiten um die ileberbteibfel alter Bräuche handelt, die unseren Vorfahren einmal heilig waren und bei denen es — toemt auch nur im Anfang ■— sehr ernst herging. Doch gehört das nicht in den Rahmen dieser Betrachtung, die sich die Rieder- schlage des Masken- und sonstigen Festtreibens in der Kunst zum Thema gestellt hat.,
. Die Bilder, die uns die Vorläufer oder ersten Anfänge ?Es Fastnachtstreibens zeigen, gehören durchweg mehr ins talturhistorische als ins rein künstlerische Gebiet. Das mag seinen Grund u. a. darin haben, daß bis zur Mitte unseres Jahrtausends und darüber hinaus die bedeutendsten Künstler in ersten Lime auf kirchliche Aufttäge angewiesen waren. Das hatte zur Folge, daß sie ihr Schaffen mehr oder weniger ganz darauf einstellten und an profane Stoffe nur vereinzelt herangingen. Stoffe aber, die so offenkundig heidnischen Charakters waren wie die Fastnachtsbräuche namentlich der Landbevölkerung, glaubten so völlig meiden zu sollen. Deshalb ist das Material, auf das hier verwiesen werden könnte, spärlich und wenig bekannt. Zumeist liegt es. wie die Schembart-Bücher mit ihren Zeichnun- gen, im Handschriftenschatz der und jener Bibliothek.
Mit dem 16. Jahrhundert aber tauchen auch im Werk des einen und andern namhaften Künstlers Darstellungen von Masken und entsprechenden Veranstaltungen auf. Die Annahme, daß es sich dabei um Karnevalsmasken handeln dürfte, wird dadurch gestützt, daß das deutsche Theater — im Gegensatz zum griechischen — in seinen Anfängen keine Masken (im Sinne der Gesichtsmaske) kannte. Jedenfalls sei erwähnt, daß wir unter der Graphik Heinrich Aldegrevers (gest. 1555) mehrfach „Oma« mente mit Masken" finden. Richt verwunderlich ist, daß ein schon so weltlich orientierter Künstler wie Hans Sebald Deham (gleichzeitig) außer blattreichen „Bauernfest"-Folgen auch wiederholt „Masken" in Kupfer gestochen oder in Holz geschnitten hat. Im großen und ganzen aber sind das Ausnahmen, und vollends vereinzelt steht in Dürers graphischem Werk ein Holzschnitt „Maskerade".
Allzu häufig sollten Werke, die sich unserer Betrachtung einordnen ließen, auch in der Folgezeit der deutschen Malerei nicht Teilt. In auffallendem Gegensatz dazu steht namentlich die Smmverwandte, damals aber doch wohl mehr von den romani- en Kulturen beeinflußte niederländische Kunst. Der sog. Banern- Dreughel (gest. 1569), der neben anderen Szenen ländlich sinnen- froher Daseinsbejahung auch Fest-, Tanz- und Maskenver- gnügungen gemalt hat, fand hinsichtlich feiner Themenwahl zahlreiche Nachfolger. Unter ihnen ist, neben Oftade und Denier, auch Rubens zu nennen. Der Brauch der Vermummung und Maskierung ist u. a. zu erkennen in Jordaens' „Dreikönigsfest" und in Pieter Coddes „Vorbereitang zum Karneval". Anders sind dagegen die „Festmahle" und andere Bilder von Frans Hals zu werten, aus dessen Schule der letztgenannte hervorging. Bei Hals kommt es vor allem auf die Porträtähnlichkeit der Dargestellten an, die durchweg auch die Auftraggeber sind. Dahinter tritt der sie — angeblich — zusammenführende Anlaß wett zurück.
Außer den Niederländern sollten die Künstler romanischen Blutes Wesentliches zu unserem Thema geben. Nicht zuletzt deshalb, weil in deren Ländern das leichtere Temperament der Bevölkerung schon die entsprechenden Bräuche zu üppigerer Blüte gelangen ließ. Künstlerische Gestaltung haben diese besonders durch venetianische Weister gefunden. Das ist deshalb bemerkenswert, weil das venetianische Karnevalstreiben lange auch für unsere Gesellschaften vorbildlich war. Hauptsächlich in der Zeit des Rokoko war es üblich die Festräume in ein Ku- lissenvMedig zu verwandeln, das natürlich reichste Möglichkeiten einer südländisch bunten und lebenslustigen Mannigfalttgkeit bot. Aus dieser Zett, wie auch schon aus dem vorangegangenen Barock, besitzen wir zahlreiche Werke, die uns Masken- und Kostümfeste zeigen. Der einzige Unterschied zwischen damals und den ähnlichen Veranstaltungen unserer Zett besteht eigentlich in der — längst unmöglich gewordenen — verschwenderischen! Pracht. Eine hervorragende Stellung in dieser Kunst, zu der alle Nationen beisteuerten, nehmen die französischen Kupferstiche ein. Die Kreise, in denen viele Künstler sich vorwiegend ihre Motive suchten, lebten großenteils in einem sorgen- und verantwortungslosen Taumel, der ihr ganzes Dasein als ein einziges Fest erscheinen ließ. In Wirklichkeit war es freilich, strenger betrachtet, nichts als eine große und nicht immer erfreuliche — Maskerade, die sich nur anspruchsvoller gab als. es ihr zukam. So müssen die zahllosen „Liebesfeste", „Ländliche Feste", „Parkfeste" eines Watteau, Fragonard, Boucher und ihrer Zeitgenossen betrachtet werden. Selbst scheinbar schlichten Stoffen wie einem „Frühstück im Grünen" haftet bei aller Größe der künstlerischen Gestaltung eine gewisse Unnatur, ein Stück Theater an. (Die unterbewußte Erinnerung daran ist es vielleicht, die uns zuweilen verwandte Werke der Impressionisten- — Manet, Szinjet — beeinträchtigen will.)
Masken sÄhen wir auf diesen Darstellungen einer eitlen, selbstgefälligen Welt nur selten. In größerem Maße finden wir sie erst wieder auf Goyas zahlreichen Bildern aus dem spanischen Volksleben. Und auch die deutsche Kunst hat im 19. Jahrhundert zu dem wir mit Goya gelangt find, häufiger als vorher Masken- und Festtteiben gestaltet. Außer den Malern des Biedermeier sind hier vor allem die Romantiker und sttachromäntiker zu nennen. Schwind, Spitzweg, Kaulbach u. a. haben manches hierher Gehörige geschaffen, zuweilen karikaturisch (wie in Frankreich gleichzeittg Dore und Daumier). Auch weiterhin sollte das gleichsam neuerschlossene Stoffgebiet immer mehr gepflegt werden. Sind Menzels berühmte Hofball-Bilder noch in der Hauptsache repräsentativ, so haben die ihm folgenden Künstler die wechselvollen, -reichbelebten- Eindrücke bunt durcheinander wogender Gesellschaften festzuhalten- versucht (Corinth, Slevogt u. a.).
Einer der modernsten aber unter unseren Malern ist zu dem zurückgekehrt, was einst die Aldegrever und Deham taten. Emil Nolde Malt und zeichnet „Masken". Und seine starke Aus- druckskunst erreicht, daß wir von diesen Darstellungen lebloser Dinge ganz anders gepackt werden als etwa von einem Stilleben. Die Maske ist dem Künstler das Unheimliche, Dämonische, bas nicht nur einen Menschen, der es trägt, verwandeln kann — sondern das in seiner kalten Blutleere vampyrartig nur auf ein Opfer zu warten scheint. Das führt zurück zu den ersten Qtnfängen der Fastnachtsbräuche, von denen wir ausgegangen waren. Auch die legten den Masken eine mehr als bloß symbolische De-deu- tung bei.
Die Stadt ohne Karneval.
Don Dr. Hans Beerli.
Es gibt leichtsinnige Städte, in denen doch beim Karneval keine richtige Stimmung aufkommen will, und umgekehrt wieder sehr fromme und gestrenge, die zur Fastnachtszeit vor Ausge- lafsenheit aus den Fugen gehen. Aber selten dürfte der Fall fein, daß eine Stadt überhaupt keinen Karneval kennt. Zu diesen Seltenheiten gehört Genf. Ja, der Calvinismus! wird sich der Leser sogleich sagen. Nur nicht so voreilig! Mit dem Fehlen des Karnevals ist nämlich nicht gesagt, daß Genf den Mummenschanz Nicht kennt; denn irgendwo will das Leben einmal sein Ventil für die Narretei haben. Und wer je einen Maskenball kn Genf mitgemacht hat, der weiß, daß es dabei keineswegs


