ihm .nut hätte er gern getoußt, war sie HauSsitt beoer ein ihm, nur hätte er gerne gewußt, war sie Haussitte oder ein Zeichen hesandern Wohlgefallens, eine Aufnahme in des HauseS trau­lichen Kreis. Das sah er wohl, die Leute wiesen ihn nicht von der Hand; sie schienen ihn erheblich, näherer Untersuchung wert zu finden, nicht ungünstig für ihn gestimmt zu sein. Wahrend Stüdi den Tisch zwegmachte, redete er ein vernünftig Wort mit ihm, und als der Vater kam, hieß dieser ihn Gottwillchen und gab ihm die Hand.

Beim Essen tat Christen bescheiden, betete etwas länger als die andern, langte aber seltener in die Milch, redete wenig, machte sich dagegen tapfer an die Erdäpfel, und al» das Brot umging, gab er es weiter, ohne abzuhauen.Willst nicht Brot?" sagte Stüdi und reichte dasselbe ihm wieder.Rehme nie, wenn wir Erdäpfel haben, Erdäpfel sind mir das Liebst," antwortete er. Christen hatte aber Satt; da die Diensten mit am Tische sahen, so setzte er hinzu:Die andern nehmen immer Brot daheim, derentwegen, weil ich keins nehme, meine ich nicht, die ändern sollten es auch so machen, da läßt man ein jedes mache,!, wie es ihm beliebt.Wer recht werchen soll, must auch recht zu essen haben", sagt die Mutter, und mir ists auch so."

He ja." sagte ein alter Knecht,es wär so. aber an allen Orten ists nicht so. Als ich hieherkam, war es mir ungewohnt ge­nug, daß jedes Brot nehmen konnte, soviel als es wollte, denn ich war früher an einem Orte, wo wir nur halb genug zu essen hatten. Anken und Schmutz kamen nicht viel in ihre Pfannen, die Kellen mochten das Kochen nicht ertragen, keine dauerte länger als acht Tage, sie wurden so dürr und spröd, dah sie brachen wie dürre Glasstengel. Sn der Suppe sah man selten ein Schnäfeli (Stück­lein) Brot, mehr als ein Dutzend Schnittchen kamen selbst an einer Kindstaufe nicht hinein. Am Tage vorher, ehe ich fortging, da trieb ich ihnen es ein. Die Schuhmacher waren dazu noch da auf der Stör. Sobald wir gebetet hatten, nahm ich den Löffel, fuhr in der ganzen Schüssel herum wie wild: sowie ich ein Schnittchen Brot auf dem Löffel sah, nahm ich es geschwind, hielt es dem Rebenknecht dar und sagte:Gschwind, gfchwind, häb mrs, hab mrs, ich will hurtig noch ein anderes fangen, Wenns noch möglich ist." Er hat noch lang nachher alles glachet. Sie haben es öppe un­gern genug gehabt." Das war die Heldentat des alten Knechtes, die er zu erzählen liebte bei jedem Anlass«, und verübln tat es ihm niemand, war es doch die einzige Heldentat, die ihm das De- toufitfein gab. dah er was sei und was könne. Christen sagte nicht viel dazu, er kannte den Boden, auf dem er stund, zu wenig, um sich vom Stamme weg weit hinaus auf die Aeste zu lassen.

Lang ah man nicht, darum konnte man auch nicht viel schwatzen, wer viel schwatzte, kam zu kurz mit dem Essen, denn, länger als die andern am Tisch zu sitzen, dessen schämten sich auch die, die sonst gerne viel schwatzten. Als wieder gebetet wor­den, alles aufstand und die Diensten zur Tür hinaus waren, sagte Christen, er hätte fragen wollen, ob er da über Macht bleiben könne?Sag du, Hans!" sagte die Frau.Hab Aparts nichts darwider," sagte Hans.He nun, so sollt ihr Dank haben aufs allerhöchst, und Vergelts Gott!" sagte Christen.

Darauf ging Christen mit Hans in den Stall hinaus zum Examen, das gerne der Bauer die bestehen läht, die zu Tochter- männern geraten möchten. Dieses Examen ist so leicht nicht, als man vielleicht wähnen möchte. Wohl gibt es auch da Sympathien und Antipathien, aber bei solchen Examen sind keine Halunken, welche die Sache karten für oder gegen zum voraus, und eben» sowe it Halunken, welche dem Examinanden die Antworten in Mund .d r er l g:n. Was aber dieses Examen besonders schwer macht, ist die Kunst, alle Tiere recht zu würdigen, ohne die Eigen­liebe des Besitzers zu verletzen, kein Roß zu hoch zu schätzen, aber ohne die 'Fehler, welche den Wert verringern, besonders hervorzu­heben oder aufzudecken. Das Ding ist nicht ganz leicht, aber Christen bestand gut, bestand auch am sPatern Abend, als er mit der Familie allein in der Hinterstube bei einer Maß Wein sah, gut, redete verständig über seine Lage, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen, sagte, wie seine Mutter alte, und wie er ihr zLieb und zEhr heiraten möchte, aber nicht, dah sie es böser bekomme, sondern besser: sie hätte ihm, seit der Vater gestorben, bsunderbar gut ghuset, und er möchte, dah sie in ihren alten Tagen recht gut hätte, dSach brauchen, wo sie gelüste, und dArbeit an jemand anders lassen. Er hätte schon manche haben können, aber die eine, so er möchte, und wie er sie der Mutter wegen mangle, hätte er noch nicht gefunden: es sei neue afe bös mit der Religion, und öppe, was recht sei, sinn man nicht. Kurz, Christen kaufte sich ein, und rie kriegten ein bsunderbar Vertrauen zu ihm: wir glauben, nicht zu irren, wenn wir annehmen, er sei selbe Rächt bei Stüdi zKilt aewe'en, und als er am nächsten Morgen fortging, mußte er, dah er sie am nächsten ßangnaumarft um die Mittagszeit beim ..Bären" daselbst an treff en würde.Meine Alte wird luegen und Augen machen!" dachte er und konnte kaum ein Jauchzen bändigen, das man zu Berg und Tal gehört hätte, er bändigte es zwar weislich, aber es wollte ihm fast die Brust versprengen.

Gr hinterlieh ein gut Andenken.Wie gefällt Mr der?" fragte am Morgen die Mutter.Gut," sagte Stüdi,es dünkt mich saft, ich möchte ihn; wenn er nur nicht wie die andern ist! Sch glaube, ich plärete, was ich noch bei keinem getan.Sa," sagte die

Mutter,erfei&et bist du mit nicht, es geht niemand übler ati mir, wenn du mannest (heiratest): aber wenn ich dir etwas zu raten habe, so nimm den, wennd einmal mannen willst! Der Aeichst ist er nicht mit Schyn, aber Sachen genug habt ihr, und einer, der huset, hat geschwind noch einmal soviel als einer, der dsHalb reicher ist, aber nichts weih, als zu brauchen."

Die Mägde konnten sich nicht enthalten, ihn ebenfalls zu rüh­men, öppe einen Hübschern und Töllern sehe man nicht bald, er wisse bsunderbar styf (männlich) zu reden, tue nicht so wie ein Kalb, wenn es aus dem Hälsig (Strick) sei, wie so mancher reiche Sohn tue, weil er meine, das gefalle den Leuten. Lind hochmütig sei er nicht, mit einem jeden habe er geredet und die Zeit ge­wünscht: brav sei er dahergekommen, aber doch nicht so narröchttg, wie es heutzutage der Brauch sei. Sie sanden alles an "ihm rüh­menswert, und jede war der Meinung, wenn sie je einen möchte, so wäre eS der: es sei nur eins lätz, dah eS ihm nicht auch so sei. Wenn alles einander hilft, so kamt es nickst fehlen, und toenffl alles bläset, so muh ein Feuerfunken zur Flamme werden: so ging es Stüdi. Es mochte den ßangnauermartt kaum erwarten, und doch ward ihm fo angst dabei, dah es fast nicht ohne Weinen daran denken konnte.Wemr es wieder fehlen täte!" mußte es immer denken.

Vom Füsii wußte Christen der Mutter nicht viel zu sagen, hingegen brichtete er desto mehr von Kühersäuen. Me er gesehen, und wie Me ihm gefallen: so schöne, glatte, lange, auf kurzen Beinchen, aber mit geringelten Schwänzchen hätte er noch nie gesehen. Oh, weim doch die Mutter die sehen könnte, wie würde Me luegen, hätte er immer denken müssen. Sie seien noch zu klein gewesen, sonst glaube ec, er hätte sich unterstanden und zwei heimgebracht ungefragt und ungeheißen. Sie hätten ihm aber gesagt, sie kämen damit auf den ßangnauermartt, und jetzt müsse die Mutter mit ihm dorthin, sie möge wollen oder nicht, Me Schweinchen müsse sie sehen, und wenn sie sie sehe, so kaufe sie dieselben auch So redete er alle Tage von diesen Schweinchen, dah die Mutter sagte, er solle doch aufhören mit dem Gstürnp es erleide ihr, sie wisse gar nicht, wie das gegangen, daß ihm jetzt auf einmal nur Schweine im Kopfe seien, er hätte sich ja deren sonst gar nicht geachtet und sich ihrer nicht annehmeN wollen. Sie müsse sagen, sie fange bald an zu glauben, es fei ein schön Kühermeitle, das ihn ziehe, und nicht junge Säuft. Aber sie müsse sagen, deren eine begehrte sie nicht, vom Pflanzen ver­ständen die nichts, und wenn Me nicht alle Sage frischen Anken und süßen Zieger hätten, so tagen sie auf dem Rücken und meinten, es müsse gestorben sein.Mira," sagte sie,fahr, wenn du doch den Rarren gefressen hast an deinen Kühersäulene, du weißt ja. daß ich nie zßangnau zMärit gewesen: was würden doch die Leute lachen, wenn ich in meinen alten Sagen anfing, in der Welt herumzufahren! Sie würden öppe ein Gelärm haben, es sei mir gegangen, wie es den Witweibern sonst allen geht, dsManne sei mich angekommen, und "jetzt müsse ich auch noch den Märiten nach, drÄarr z'mache."

Trotz Mefem Reden, diesem Sträuben faß doch Me Wirtin aufs Wägeli früh am Sag, als ßangnaumärit toar; der Verdacht wegen der Küherstochter hatte sich bei ihr eingegraben. Dem Lumpenwerk wollte sie ein Ende machen und dem Lumpenmensch Me Sache verleiden, dachte sie. Christen, der Schalk, hatte Mefen Hebel^rasch erkannt und nichts getan, ihn aus der Mutter Ge­danken zu entfernen, im Gegenteil, wenn sie über das Kühervolk pülverte, nahm er es in Schutz, behauptete immer, Schweine, wie die hätten, gebe es keine in der Welt, und wenn eine Fran sich auf die Schweine wohl verstände, so sei es ein gewonnener Handel in einer Haushaltung.

Es war ein schöner Morgen im Heumonat, als Mutter und Sohn nach Langnau fuhren. Was doch so eine Wirtin, welche zugleich Bäurin ist und selten von Hause kömmt, alles zu sehen und zu bewundern hat, wenn sie in dieser Jahreszeit durchs Land fährt! Freilich weder Tinten noch Gruppen, weder die Färbung noch der Vordergrund oder gar der Hintergrund fallen ihr auf, und doch nehmen ihre Ausrufungen kein Ende.Rein aber, sieh mir doch den Kornacker, jedes Aehre gleich hoch wie das andere, wie wenn man ihn mit der Schere geschoren hätte: nein, aber was Das für ein Dohnenplätz ist, das müssen fremde Bohnen sein, wenn ich doch deren auch hätte: sieh doch dort Me Flachsere. noch keine Bluest und schon anderthalb Ellen hoch: schöns Werch (Hanf) ist dort, doch unsers ist dicker und ebenso hoch: sieS doch dort das neue Haus, das ist afe es bravs, müssen reiche Leute sein, kennst sie?" So ging das fort in einem Zuge bis nach Lang­nau, wo ihr erst wieder Me Schweine und das Täschki, die Küherstochter, in Sinn tarnen.

Wo sind sie jetzt, deine Kühersäu?" fragte sie,es wird sich wohl der Mühe lohnen, ihretwegen einen Sag zu versäumen und koch Kosten zu haben, es weiß kein Mensch wieviel!"He, das wird sich zeigen, Mutter!" antwortete Christen.BeimBären" wollen wir einsteften, denke ich, von dort wird es wohl nicht fce'.t sein auf den Säumärit."

(Schluß fotzt.)

Schriftleitung: Dr. Friede, Mich Lange. Druck und Verlag der Vrühl'jchen Univ.-Bilch- tmb Steindruckerei, A- S<mge, Meß«»