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oen Sem BemchMinermSnch WiMbrsrd Berkade HevaUsgegebeneu Aröswahl aus den Werten des altvlämifchen Mystikers Son Dm, Ruysbroeck an der Liebertragung und Formung der Verse der Teile »Aus dem Buch von den zwölf Beghinen" (Mainz, Matthias-Grünewald-Verlag 1923) und .Das Buch der De» Lebten" (ebenda 1924). Sn ähnlicher Weise formte er mU einem russischen Freunde in die deutsche Sprache eine Auswahl der Gedichte des russischen Religionsphilosophen Wladimir Solow- jeto, Dostojewskis Modell für seinen Aljoscha Karamaffow. Mit Johannes Mum bauer bereitet er eine deutsche Uebertragung von Gedichten Michelangelos und dessen Freundin Viktoria Colonna vor.
Unter der Feder hat Knies «inen größeren, noch namenlosen Roman, dessen Schauplatz wiederum die Umgebung von Worms ist. Die in den Grenzboten erschienene Erzählung »Richtet nicht" harrt der Umarbeitung, eine weitere Erzählung »Der ander« Vater" soll unter dem Titel „Der Acker am Rhein" ihre endgültige Fassung erhalten und eine schon seit mehreren Jahren vollendete Novelle „Donna Popefcu oder die Schlittschuhe" soll Unter die letzte Feile kommen.
Knies nimmt unter den rheinhesfischen Heimatdichtern eine der ersten Plätze ein. Er ist wie der Odenwälder Adam Kar- rillon, richtiger Wildwuchs, wie er es auch mit diesem gemein hat, daß allen seinen Erzählungen eigenes Erleben und Schauen zugrunde liegt. Seine 'Werke, wie alle echten Dichtungen auS einem inneren Drange heraus geboren und unberührt von der Mode und von ihrem Wechsel unabhängig, haben seither in seiner hessischen Heimat leider weniger Beachtung gefunden als anderwärts und als sie es verdienen. Einmal eindringlich auf den Dichter und sein Werk hinzuweisen, ist der Zweck dieser Zeilen.
Wie Christen eine Frau gewinnt.
Von Jeremias Gotthelf (ForNenung.)
Er wolle ihr Anerbieten mit Dank angenommen haben, sagte Christen, aber wenn sie nichts darwiderhabe so nehme er doch af« einen, das Tau sei ihm neue ab dem Magen (Redensart, wenn es Zeit zum Essen wird); wenn man so lauf, so werde man neue hungerig, und all Schritt einzukehren, sei ihm zwider, Lsunderbar an einem heiligen Werktag, cm einem Märst oder einer Musterung müsse öppe jede machen, was der Brauch ist. „Aber die Mutter sagt immer, wenn ich fortgehe: Bub, nimm Veld, soviel daß du willst, aber ztlmmtz bruchs nit, und, je mehr du heimbringst dest lieber ists mir."
So redete Christen und nahm einen Erdäpfel aus dem Hafen, verbrannte sich die Finger halb, warf ihn von der einen Hand in die anders Hand, und je nachdem es ihn brannte, lüpfte er bald Aas eine, bald das andere Bein, wie die Störche es machen auf dem Moos«, schälte ihn mit zugespitzten Fingern und atz ihn unter schauerlichen Gebärden so heiß als möglich. Als er ihn glücklich hinunterhalle, sagte er, wenn es erlaubt wäre, er nähmte noch einen, er wäre ganz ernüchtert gewesen, es hätte ihm schon viel awohlet. „Du kannst mich fry duren," sagte die Frau, „nimm doch, soviel du magst; aber wir essen bald z'grechtem, und da nimm nit z'viel diesen Weg, sie sind allweg noch nicht Gut."
Damit ging sie hinaus eine Strecke gegen den Acker hin, auf welchem das Volk arbeitete; unterdessen stellte der Ringgi ungeheißen sich mit den vordem Beinen auf die Küchsnfchwelle unb sah schweigend zu, wie Christen feinen Erdäpfel von der einen Hand in die andere warf rrnd mit den schauerlichsten Gebärden sich ans Essen machte. Christen war klug, verließ sich nicht auf das Fortgehen der Frau, um mit dem Kartoffel zu machen, was ihm gelüftete, er wußte, daß die Wände Spälte haben, und datz man im eigenen Hause vor Verrätern selten sicher ist, geschweige denn in .einem fremden,
Von ferne schon winkte die Mutter der Tochter; die kam, und auf freiem Felde, wo ringsum kein Horcher um bemerkt sich nahen, sich bergen konnte, sagte die Mutter: „Stüdi, Stüdi, es ist eine da, der wird für dich sein, staue ich; er gfalt mir bsunderbar Wohl, so ein Huslicher und Manierlicher ist noch keiner gekommen. Komm bald heim, und mach dich ein wenig zweg, ehe du dich zeigst!" Stüdi sprang vor Freuden weder die Wände auf (was chm übrigens auf freiem Felde eine Kunst gewesen wäre), noch machte es die Spröde und tat zimpfer; es benahm sich kaltblütig wie eine, die gerne heiratet. Mnn sie es gut machen iamt und dessen kein Hehl 'hat, es aber auch füglich lassen tarnt, sobald eben nichts Anständiges sich bietet. „Wie ists einer, und woher kommt er?" fragte es. „Es ist e tolle, brave Bursch von den brävsten einer, und ist Wirtssohn bei der Tanne; ich habe schon von ihnsit gehört, brave Leut sollen es sein, der Vater ist gstor- ben, er ist einziger Sohn, und er ißt die Erdäpfel aus dem Hafen Und kehrt an einem heiligen Werktag nicht gerne ein. Komm bald und lueg selber, aber Wenns jetzt nichts gibt, so traue ich fast, es wolle sich nicht schicken, daß du einen bekömmst, der dir anständig ist." „Me cha luege," sagte Stüdi, ging wieder zum Volk zurück, arbeitete noch eine kleine Weile, sagte dann, es wolle vorab heim, noch Samstag machen (aufräumen), die Mutter balge, wenn man an einem Samstag nach dem Feierabend noch arbeite. „Du kannst mitkommen!" sagte Stüdi dann zu einer Magd, die, wenn nicht sein« Freundin, so doch seine Vertraute war, denn es war ihres
Hausmanns Tochter, und fte waren miteinander unterwiesen worden.
■Untettoeg» sagte Stüdi zur Magd: »Schick dich mit der Sach und zähl nicht auf mich, es soll einer da sein, die Mutter hat neuis davon gesagt." „He nun so dann," sagte die Magd, „aber nimm dich in acht, es gibt sie heutzutag gar schlimm, die Well ist ase bös." „Häb nicht Kummer!" sagte Stüdi, »ich kenne das Kraut neue afe, bi nimm« billig (von heute)." „He nun so dann!" sagte die Magd, „aber vergiß nicht, daß schon oft der schlausten Katze eine Maus entronnen ist!" „Allweg," sagte Stüdi, „aber geschehen tut es auch, daß, wer am nötlichsten tut, ganz hinten ab« kömmt." »Ja, ja," sagte die Magd „zmittS büre wär wohl am besten."
Somit ging Stüdi hinterm Haus durch zum Brunnen, die Magd dagegen zur Hintern Türe ein, stellte ihr Werkholz wie üblich im Gang ab und ging der Meisterfrau zu, ihre Befehle zu vernehmen. Christen meinte, es fei Stüdi, trat einen Schritt vor zur Begrüßung. Da sagte die Bäurin: „Häb nit Müh, es ist nurne dJungfere." Christen hatte einen Spatz auf der Zunge, aber er fesselte ihn; er wußte wohl, daß Spässe mit Jungfern zu Maje stätsverbrechen werden in vielen Häusern. „He ja, ja," sagte er, „an Orten, wo es recht zugeht, alles werchet und man doch keine Fötzeln (Lumpen) begehrt und die Leute recht hält, ist am Werch- tag öppe kein großer Unterschied, es ist bei uns auch so; und wenn sich jemand vmfchietzt, so hat es niemand ungern, wenn es schon etwas zu lachen gibt.“ „He ja," sagte die Bäurin, „öppe an rechten Orten geht es so, aber nicht allenthalben." „He ja,' sagst Christen, „es wird bei euch fein wie bei uns, es gibt allenthalben zweier Gallig, aber wo am Werchiag alles in den Fotzeln ist uni> am Sonntag alles glitzert und glänzt, ussefert (auswendig) alles in der Hoffart ist und, wenn man sich in acht nimmt, alles halbbatzig ist und ungewaschene Rüstig (Zeug) bis zu oberst ansGöller. daß kein Unterschied ist, am Sonntag nicht, am Werchtag nicht da gruset es einem, man hält vorume." „Du visitierst dSach gut mit Schyn, Bürfchli," sagte die Bäuerin. „05," sagte Christen und machte ein schalkhaft Gesicht, „viel hört man reden, wenn man sich achtet, und jung Bursche haben öppe nicht immer die feinste Rase, alles riechen sie nicht, sie müssen es erst greifen. Da zeigt sich dann der .Unterschied: wem es darab gruset, geht nebe ume; wer dArt hat, scheut sich nicht und hat Freude daran." Die Antwort gefiel der Bäuerin bsunderbar wohl; das sei einer, dachte sie, der dSach schmöck (rieche), aber sie doch für das halte, was sie sei, end dRase abseits dreh.
Sie konnte gar nicht begreifen, wo Stüdi blieb, und wurde ungeduldig, hatte aber nicht Arsache dazu. Stüdi übertrieb es mir der Toilette nicht: es war zum Brunnen gegangen, hatte Hände und Gesicht gewaschen, Hemd und Fürtuch waren rein und weist, wie man sie zu tragen pflegt, wenn man aufs Feld vor der Leute Augen geht. (Wäre wohl gut, wenn man immer daran dächte, daß alles rein sein sollte, was vor Augen kömmt und nicht bloß vor Menschenaugen, sondern auch vor die Augen, die dahin sehen, wohin noch keine Sonne geschienen, keines Menschen Auge je gedrungen ist) Mit den naffen Händen strich es sich, nun die Haare zurück, Ivos gang .geschwind sich machte, denn Schmachtlocken, tote die heutigen Meitschi sie tragen, hatte es nicht. Die Schuhe zog es aus, klopfte die Erde aus, welche darin Ivar, machte mit einem Knebel oberflächlich die ab, welche darum hing, schlüpfte wieder- hinein, imb fertig war Stüdi.
Unbefangen trat es in die Küche, ließ weder am Ringgi seine Verlegenheit aus, noch verbarg es sie Hinter einem andern Gegen« stand, sondern als Christen zur Muller sagte: „So wird-doch das das Rechte fein?" und hinzusetzte: ..Grüß Gott und einen guten Abend geb dir Gott!", sagte es: „Grüß Gott d;ch wieder: schön warm hat es gemacht heute!" „Ja," sagte Christen, „dgs hab ich auch erfahren, besonders da unten das Loch herauf; bei uns oben zieht immer etwas der Wind, da unten aber wars wie in einem Käskessi, ich habe fast geglaubt, es müsse geschieden sein, und ich müsse voneinander, der eine Teil wolle zKasmuch weichen, was der andere wolle, darüber kam ich noch nicht recht, etwas Wunderlichs allweg, wie ich habe mögen merken." Dar- lächerete Mutter und Tochter, und die letztere sagte: „Oeppe viel Rars wärs Wohl nicht gewesen, wenn du bist wie die andern. „Ho," sagte Christen, „rühmen apart will ich mich nicht, es trug nichts ab, dWahrheit mutz immer an Tag, man mag es anstellen, toie man will, und sollte es hundert Jähre gchen. Aber etwas Schlechtes wird man kaum von mir vernehmen, und wenn kM auch vor meinem Herrgott ein großer Sünder bin, so ists doch nicht daß ich meine, ich müsse alles mitmachen, was die andern machen. Einer hat seine Freude den Weg, der andere diesen Weg: mir gefällt es daheim am besten, wenn man im Frieden sein kann und alles gut geht tote an einem Schnürchen." Die Rede gefiel Mutter und Tochter bsunderbar wohl, aber sie sagten nichts darauf.
Die Mutter hieß die Tochter zum Essen rufen, dasselbe hineintragen, Christen hineingehen; er werde müde sein und froh, abzusitzen, hier sei er nur im Wege. Das wunderte Christen, daß er in die Stube, wo das Volk atz. gehen solle, aber es gefiel ihm: er hatte es sonst schon erlebt, daß man ihn in einem Hause sorg fällig verbarg in irgendeinem Gemach, in welches kein iincinge" weihter den Fuß setzen durste, und ihm das Esse!» heimlich zubrachte wie einem Staatsgefangenen. Diese Oeffentlichkeil geftei


