18

bei Worms ist Herrnsheim har den C8ein<tnteitHährassa", weil er eiimral im Bett liegend, seine Stiefmutter, die er nicht »Mutter'nennen wollte, als die Milch überzukochen drohte, mit dem AufHährassa, die Millich kochtl" herbeigeholt hatte, Ms er vierzig Dienstjahre auf dem Buckel hatte, wurde er auf seinen Vorschlag der um sechs Jahre jüngere Bastian Drahmes als zweiter Nachtwächter angestellt, um ihm den Dienst zu erleichtern. Grahmes hatte aber den SpitznamenSiebenguldennas", weil einst die Wiederherstellung seiner Nase nach einem Falle beim Spatzenfangen sieben Gulden gekostet hatte. Da aber der Sieben« guider.nas alZLutherischer bet demNachtwächterlied nach denWvrten »lobet Gott" nicht »und Maria" hinzufügt, so kommt es in der zweiten Nacht seines Wächterdienstes zu einer großen Schlägerei, bei der er trotz der- Hilfe Hährassas schwer verlort wird. Der Vorfall bringt die beiden Nachtwächter einander persönlich nahe, und Hährassas Frau, Regine, einaltes Reibeisen", sieht auch bei dieser Gelegenheit, welch wahrhaft guter Mensch ihr Mann ist und läßt ihm fortan eine bessere Behandlung angedeihen als seither. Der glückliche Gedanke Hährassas, bei feinen Nacht­wachen die Worteund Maria" doppelt zu rufen, war ein Aus­weg, der seinem Freunde nach dessen Genesung den weiteren Dienst als Nachtwächter ermöglichte.

Da die Kritik bei dieser echten Dorfgeschichte mit ihren dem Leben abgelauschten und trotz ihrer Rauhheit herzgewin­nenden Gestalten eine Verwandtschaft Kniesens mit Wilhelm Raabe herausfand, machte sich Knies daran, einmal seinen Ver- wandten kennen zu lernen und gewann eine tiefe innere Freude an ihm. Von anderen Erzählern stehen ihm besonders nahe Jean Paul, dessenFriedenspredigt an Deutschland" er 1923 neu her­ausgegeben hat und dessenQuintus Fixlein" in einer von ihm vorsichtig geküßten Bearbeitung in diesem Jahr erscheinen wird, außerdem vor allem Jeremias Gotthelf, Adalbert Stifter, Cer­vantes, Grimmelshausen und Heinrich von Kleist. Unter den Lyrikern gilt seine Liebe Hölderlin, Lenau und Novalis, von den Neuern dagegen hat es ihm keiner recht antun können, auch nicht Stefan George und Rainer Maria Rilke, obwohl auch hier die Kritik seiner 1917 erschienenen SonettensammlungDie feierliche Zelle" verwandtschaftliche Beziehungen feststellen zu können geglaubt hat.

Anfang 1913 gründet« er feinen Hausstand. Im Jahre darauf eröffnete die ErzählungDer Schrei der Mutter' Hausens Bücherei, deren Herausgeber fein Freund Johannes Mum- bauer ist. August Groß, der älteste Sohn eines kinderreichen Hausknechts ist gegen seinen Willen Schreiber geworden, wird dann Akrobat in einem Zirkus, gibt aber, als seine Mutter wie sie zum erstenmal seine halsbrecherischen Darbietungen sieht, ohnmächtig wird, auf bereit Wunsch diesen Beruf aus und er­greift das Schlosserhandwerk.

Mitte August 1914 trat Knies als Grsatzveservist in das Ersatzbataillon des Infanterieregiments Nr. 117 ein, wurde aber schon Ende des Monats als untauglich entlassen. Mitte Februar ISIS wurde er zum Dienst bei der Festungsvermessungsabteilung Mainz eingestellt und blieb daselbst bis Ott. 1916, wo er kurze Zeit zur Prüfung auf seine Verwendbarkeit bei einer Feldvermef- sungsabteilung zum Dienst beim stellvertretenden Generalstab nach Berlin kommandiert war. Im 'November 1916 kam er zu der Bern Oberkommando der neunten Armee unter General Falkenhayn zugeteilten Dermessungsabteilung nach, Rumänien, ivo er bis Ende März 1917 blieb.

Bor seinem Ausmarsch veröffentlichte er unter dem Titel B l ü m l e i n i m R a u h r e i f" (Hausens Bücherei Nr. 23 u. 24) die bereits erwähnteGitarre" undDas Dromedar" (beide in 3. Ausl. 1921), die Geschichte der Freundschaft eines- verkrüppelten kleinen Mädchens mit einem abenfafts buckeligen .geistesschwachen neunjährigen Knaben. Da das Mädchen, nur wenn es seine beiden Hände auf des Knaben Schultern legte, gehen konnte, so hieß das GespannDas Dromedar". Durch der phantasiebegabten 'Freundin Schilderung von der Weih­nachtsmitternacht veranlaßt, schleicht sich der Knabe ins Freie und findet in dem nahen Weiher seinen Tod. während das Mädchen beim Anblick der Leiche seines Freundes von einem Schlaganfall betroffen wird, der sich bald wiederholt und seinen Tod herbeiführt.

In Rumänien entstand die seiner Frau gewidmete Samm­lung von 99 SonettenDie feierliche Zelle", die 1917 (Hausens Bücherei Nr. 63/64) erschien. In dem engen Gitter der vierzehn Zeilen des Sonetts versuchte er, dessen Naturliebe im Grunde jeder formalen künstlerischen Matzhaltung widerstrebt, die einer seiner religiös ein gestimmten Natur entsprechende hym­nische Expansionskraft in formaler Beziehung zu bändigen. Einen Teil der Sonette hat nebst andern Gedichten von Knies Werner G. Thormann in die GedichtsammlungIm Jubel des geschloffe­nen Rings" (Mainz 1920) ausgenommen.

Das Jahr 1918 brachte das BändchenSonderlinge von der Gaffe" (Innsbruck, Throliaverlag), das sechs Jahre spater in neuer Bearbeitung im Mattbias-Grünewald-Verlag in Mainz erschien. Dorfgeschichten sind darin die beiden Erzählungen Narrenrache", von der aus einer Kinderfreundfchaft erwachsenen zw^er Dorflnaben zu einem Mädchen handelnd, das beide hrnhält und dann beide zurückweist und erst im hohen Alter auf dem Totenbette, nachdem beide über die Zurückweisung zu «onoerlmgen getontben sind, ihre Liebe zu dem einen von ihnen

euigZteht, wib M« Einbrecher., wo zwei Knaben, Re hei der vmwltweten- Nachbarsfrau einsteigen, um den Fahrplan einzm seh«,, ich deren unversöhnlichen Hatz zuziehen. Zwei weitere spielen in Marnz: Dre Geschichte des nach dem Tode seiner Mutter zum Herumlungerer gewordenen Kaspar Decker, der seinen Spitz­namenMcfti hopp-hopp-hopp" von der auchnach kem Tvde seir.es mtter den Dtrahenbahnschienen geendeten Hundes fortgesetzten Zurufe herleitete und In feinem Drange nach Freiheit durch «inen Sprung aus dem Fenster des Jnvalidenhauses tödlich verletzt wird, sowie die rührende Erzählung von der letzten Buchte der alten Zeitungsträgerin Susanne. Die Geschichte von dem ostpreußischen Landwehrmann Düfchak endlich führt aus dem rumänischen Kriegsschauplatz.

_ i)m ®ejember 1918 gründete Knies gemeinsam mit seinem. Freunde Johannes Mumvauer, dem Herausgeber von Hausens Bücherei, und einigen andern unterstützenden Freunden den jetzt in der Hauptsache im Eigentum des Wiesbadener Verlegers- Hermann Rauch stehenden Matthios-Grünewald-Verlag und schrieb dazu die FlugschriftWorte zur Gründung des Matthias- Grünewald-Verlags" (Mainz 1919). Der neu gegründete V»r° lag, der die sittlich-religiöse und geistig kulturelle Erneuerung aus katholischem Glaubensgefühl und der Kulturmacht der Kirch«' auf sein Panier geschrieben hatte', entwickelte sich so rasch daß ferne Leitung Kniesens Lebensberus wurde und er den Geometev- beruf aufgab.

Der Sommer 1919 brachte im Verlag von Egon Fleischei u. Eo. in Berlin den köstlichen DorfromauDie Herlis-i Höfer und ihr Pfarrer", eine tragikomische Dorfgeschichte, bann sich wirkliche rheinhessische Bauern mit ihren harten Schädeln bewegen, wie sie leiben und leben. Der von Spott nicht freie Tadel, den 6er Pfarrer Anselmus Cyriakus Huch-buck über den Dachreiter des neuen Schulhauses, das ohne fein Vorwissen abseits von der Kirche aufqestellt worden war, in hemHotzpe- Mber Intelligenz- und Nachrichtenblatt" aus'prkcht, gibt den Anlaß zu einem tiefgehenden Zerwürfnis zwischen Pfarrer und Gemeinde, das zunächst einmal zu dessen Versetzung führt, aber mit der Zurückberufung des auf die Bedürfnisse der Bauern vor­züglich eingestellten vortrefflichen Predigers enSef. Eine im Ausdruck wesentlich verbesserte Neubearbeitung des Werkes er­schien 1925 int Matthias-Grünewald-Verlag.

Kniesens eigentliches Meisterwerk, die Erzählung Se r- vaz Dustigs F r ü h l i n g s w o ch e", erschien 1919 ebenfalls bei Fleischer und wurde 1920 in den Grünewald-Verlag über» nominen. Der Held der Erzählung, der Schtttzbefohlene des mitte leren Eisheiligen, Servaz Duftig, ist ein junger Geometer aus Miltenberg, der in der Stintmung von Gichendorffs Buche ..Aus 6em Leben eines Taugenichts" das verklärte Echo aller Sehn­süchte seiner eigenen Seele findet und Zeit seines Lebens eirt Kind bleibt. Bald nach Ablauf seiner dreijährigen Lehrzeit begibt er sich nach Mainz, wo er eine Stelle in einer großen Firma und in feinem Abteilungsvorstand, Peter Putzig, einest Freund findet. Gleich am Abend seiner Ankunft in Mainz lernt er bei einer Stadtbeleuchtung zwei Mädchsa, die sechzehnjährig« Zita Kühling und ihre um zwei Jahre ältere Freundin Eva kennen. Eva, übermütig, launig, ehrgeizig, war einst von Putzig geliebt, und später gehaßt worden, aber sein Hatz war im Grunde nur Liebe, so daß Putzig schließlich von zwei E-fersuchren. von der auf seinen von ihr bevorzugten Freund und von der auf das ihm den Freund raubende Mädchen gequält, eine Geschäfts­reise fn die Eifel vorschützend, nach Amerika entflieht. Run muß Servaz statt seiner in die Eifel,. er kehrt noch vor Weihnachten zurück, doch Evas Wunsch, daß er sich bei dem Karneval als Dichter Hervortue, erfüllt sich nicht, indessen erscheint Servaz auf dem Maskenball. Bei. diesen! gelingt es Zita, die ihn glühend liebt, unerkannt in einem schwarzroten Domino Servaz und Eva zu trennen, Gva gerät in die Hände des sie ebenfalls umwerben-- den und ihr durch seine glänzend«! Laufbahn imponierenSem skrupellosen Sngeniurs, der sie verfuhrt und bann sitzen läßt. Eva stirbt an der Geburt des Kindes und wird nun das ent­setzliche Gespenst der Nächt«' Zitas. Servaz arbeitet darauf zwei Jahre im Orient, macht dann Im Glternhau'e seine geometrische Praxis auf imb lebt nach dem sieben Jahre später erfolgten Tode seiner Mutter zwischen seinen Bildern, Gedichten und Geschichten! und trockenen Kassebüchern ohne Wunsch und ohne Hoffnung'. Zwanzig Jahre nach Evas Tode nimmt er ein älteres Ehepaar mit einer Tochter in der Mitte der Dreißigen, die in keinem Gasthaus« mehr Platz gefunden haben, bei sich auf, ohne vorher gewußt zu haben, daß es Zita und ihrs Eltern seien. Das Wiedev- fehen mit ihr weckt feine Erinnerungen an Gva unb veranlaßt ihn, seine Gefchichte auszuzeichnen. Das letzte Kapitel will ZitÄ schreiben und es ihm SM dem Abschied geben. Der bevorstehende Abschied löst Servaz die Zunge, ihr seine Liebe zu gestehen. Die Erregung darüber ruft bei der Herzkranken einen Herz­krampf hervor, 6er i';. Tod herbeiführt. Das von ihr verfaßte Schlutzkapitel enthält sowohl das Geständnis ihrer unauslösch­lichen Liebe zu Servaz und ihrer Schuld gegenüber Eva.

Von feinen in Zeitschriften erschienenen Werken feien hier noch zwei in der Umgegend von Worms spiekende Erzählungen hervorgehvben, die KnabengeschichteFranz Weilers Mär­tyrin m (Die Greiizboten, 3g. 71, 1912, L, S. 470 bis 619), sowie der RomanKarl Salzer" (ebenda 3g. 71, 1912, In. S. 417 bis IV, S. 619). Außerdem ist Knies beteiligt bei der