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ob ct fein Geld unter die Armen verteilen oder einfach aus allzu großer Verachtung ins Meer werfen sollte; aber sie einigten sich schließlich dahin, es auf dein Markte aufzuhäufen und preislich auszustellen. Wie man beim Beginne des Winters wohl" ganze Bergs von hellgrünen Kohlköpfen an öffentlichen Plätzen aufgestapelt sieht, glänzte nun dein staunenden Volke der goldige Mammon in die Augen, ohne daß jemand ihn an» getastet hätte, sei es, weil sich einer vor dem andern schämte oder weil das Geld bereits etwas zu Mißfälliges und ihibe» siebtes geworden war.

An diesem Abend klopfte es zu später Stunde an meine Tür, und als ich! vorsichtig öffnete, trat Herr Mümmelte, der PÄz- könig, ein, entledigte sich seiner Bermummung und fragte nach vielen höflichen Redekünsten, ob es wirklich an dem sei, daß die Welt am 13. 3u(i des laufenden Jahres untergehen müsse. Ich sagte, leider verhalte es sich wirklich so, worauf er meine Gelehrsamkeit belobte und sagte, wie er gehört hätte, daß ich auch sonst noch über mancherlei Zauber gebiete und auch die be­rühmte Alraunwurzeln besitze, Lurch, die man sich so viel Reich­tümer, wie man wolle, verschaffen könne, und ob ich ihm wohl gegen reichliche Bezahlung eine ablassen wollte. Ich fragte, ob er, ein so gewaltiger Geld mann und Pelzkönig, denn solche heim­liche Mittel nötig habe, um sich zu bereichern, welches er weit von sich wies, denn, sagte er, er habe im Gegenteil im Sinne, sich seines ganzen Dermögens zu entäußern und sich! auf das Himmelreich voi^ubereiten, wie er ja immer der Ansicht gewesen sei, daß das Glück nicht in vollen Kisten und Fässern stecke, sondern in den Süften schwebe und sich nicht auf die Erde herabzieheni lasse. Indessen, fügte er hinzu, müsse ein sorglicher Mann doch an den Fall denken, daß die Erde unerwarteterweise durch die gefahrvolle Konstellation hindurchschlüpfe, und was dann werden solle? Da nun, wie er gehört hätte, die Ratur dem Menschen; allerhand unschuld'ige Mittel an die Hand gegeben hätte, damit er sich ihrer Schätze bemächtige, sähe er nicht ein, warum man sich derselben nicht unter tim ständen bedienen solle.

So ganz unschuldig, erwiderte ich wären diese Mittel nun freilich nicht, vielmehr könnte man dabei leicht in die Gewalt des Teufels geraten und der ewigen Seligkeit verlustig gehen, was auch die üirsache wäre, daß ich mich noch nicht damit ab­gegeben hätte. Hierauf lächelte der Pelzkönig unschuldig wie ein spielendes Kind und sagte, ein frommes Gemüt wie das seine brauche den Teufel nicht zu fürchten, ich möchte ihm nur getrost ein Alräunchen überlassen und ihn im Gebrauche desselben unterweisen. Also holte ich. eine seltsam geformte, gelbliche Wurzel von ganz unschädlicher Art hervor, dergleichen ich zuweilen im WaDe gefunden hatte, und sagte, daß er in einer Mondnacht auf den Kirchhof gehen -und das neueste Grab suchen, dann unter dreimaliger Anrufung des Teufels die Halste der Wurzel essen, die andere Hälfte in das frische Grab stecken müsse, worauf er bei gehörigem Suchen und Wühlen mehr Schätze finden würde, als er jemals verbrauchen könne. Nachdem wir uns gegenseitig tiefes Stillschweigen über den Handel zugeschworen hatten, ent­fernte er sich so vorsichtig, wie er gekommen war. Indessen ver­kaufte ich am nächsten Abend eine ähnliche Wurzel an das Dukatemnännchen und in der folgenden Zeit sieben andere an andere große Kaufherren und Regierungsräte, welches Geschäft mir alles in allem viertausendfünfhundert Goldgülden eintrug.

Diese und noch, viele andere Herren breiteten nun ihr Gold und Silber neben dem des Herrn Johannsen auf dem Markte aus, wobei es vielleicht verblichen wäre, wenn man nicht gesehen! hätte, daß hie und da Leute mit Schiebkarren kamen, dieselben füllten und wohlgemut davonführten. Run schien es, daß mit dein geopferten Gelbe durch Menschenverführung Änheil an- gerichtet würde, und der Pelzkönig schlug vor, es möchte aus allen vorhandenen Edelmetallen ein ungeheures Bildwerk ge­gossen werden, welches das goldene Kalb vorstellen und als ein abscheuliches Götzenbild zur öffentlichen Beschimpfung und Ver­höhnung gezeigt werden sollte. Dieser Vorschlag fand allgemeinen! Beifall, und das Material wurde sogleich einem rühmlich be­kannten Bildgießer zur Derarbeitung übergeben.

(Fortsetzung folgt.)

Rokoko.

Von Robert Hohlbaum.

Die Geigen jauchzen jubelnde Gavotten, die Bratsche singt ein süßes Menuett rauschend« Reifrock, knisternde Eulotten, schmachtender Baß und kicherndes Falsett. Da wird kandiert, gebroten und gesotten, MarquiS und Graf schwimmt in Bordeaux und Fett, ihr Degen blitzt für reizende Kokotten, die ganze Welt W ein damasknes Dettl Die Stege aber, die int Staube kriechen, sie brauchen nur ein Tröpflein Blut zu riechen, die Bestie brüllt, die Well wird zum Schafott, dsS köpft MarquiS und Graf, König und Gott, der Jüngste Lagl... Asin. Mozarts Seele tÄck. ©e*n Lied Hal unS mit Isst versöhnt.

Hinter der Maske des Rokoko.

Reue Beiträge zur Lebensgeschichte Friedrichs deS Großen.

Bon Friedrich v. Oppeln-Bwonikowski.

Zierlich geschweifte Möbel, mit zartgetönten Stossen bezogen, in intimen Salons und Boudoirs, deren Wandfelder mit Hellen Bespannungen, vergoldeten Täfelungen oder hohen Spiegeln be­deckt sind, alles gerundet und gefällig, als hätte die Well ihrs Ecken und Kanten verloren. In kunstvoll durchbrochenen AaH- men färbensalle Bilder, die sich bisweilen an der Decke fort* setzen, als fände man nicht Raum genug dafür! Konsolen und Mppestischchen mit zerbrechlichem Porzellan, Rankenwerk, Amoretten und Girlanden wie zu einem ewigen Fest; hohe Fenster, die die halb«! Wände in Licht auflösen, Kristallkron- leuchter und Wandleuchter, deren sanfter Kerzenschein von den Spiegeln vervielfältigt die Rachtstunden in rosigen Rebel taucht. In diesen Räumen, die zum heiteren Lebensgenuß einladen, bewegen sich mit Grazie Damen mit R-eifröcken und Wespen­taillen, Schönpslastern und Fächern, Herren mit reichgestickten Kleidern und bunten Seidenweften, den Galanteriedegen an der Seite, den Haarbeutel im Racken, eine kostbare Sabo­tiere in den spielenden Händen, die aus Spitzenärmeln her- versehen; allesamt gepudert, als wäre das Grau des Alters ihre natürliche Haarfarbe, Sie führen eine gelstsprühende, spott- lustige Lknterhaltung oder tändeln galant, lassen sich von süßem Flötengirren rühren oder tanzen graziöse Menuette, die das Suchen und Fliehen, das Werben und Gewähren des Liebes­spiels in gemessene, rhythmische Formen zwingen. Eine spiele­rische, feinschmeckerische Lebensführung, ein sonniger, lachender, farbenprächtiger Herbst, mit dem Flaum und Schmelz reifender Früchte ... Aber dies bunte Laub wird fallen; rauher Sturm- wind wird die Früchte abschütteln, und an ihnen nagt oft schon der Wurm ... Was tut es?Morgen leben wir nicht mehr, darum laßt uns heute leben ..

Daß der Tod, die Vergänglichkeit alles Lebens hinter dieser festlichen Maske hervorgrinsen, zeigt sich vielleicht nirgend er­schütternder als in dem Briefwechsel zweier typischer Vertreter des Rokoko, Friedrichs des Großen und seiner Schwester, der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, Diese Briefe lagen bisher größtenteils im Staub der Archive; einige sind in den (Eueres de Frederic le Grand ober in feinerPolitischen Korrespondenz auf französisch gedruckt, meist nur den Gelehr­ten bekannt. Jetzt liegt eine zweibändige deutsche Auswahl (K. F. Koehler, Berlin) vor. Der erste Band, der bis Ml Thronbesteigung Friedrichs reicht, ist in dies«« Blättern schon vor Jahresfrist gewürdigt worden; der zweite, der bis zum Tode der Markgräfin (1758) führt, ist soeben erschienen. Hatte der erste die Kämpfe und Konflikte des Geschwisterpaares mit ihrer oft feindlichen Llmwelt zum Thema, so zeigt der zweite sie auf der Höhe des Lebens, im Besitz von Macht, Ruhm und Glücksgütern, als Repräsentanten ihres Zeitalters. Man sollte meinen, sie seien glücklich, und doch verfallen beide nach und nach in einen Pessimismus, der den ßesßenSßanfrott streift, lange bevor die furchtbaren Prüfungen des Siebenjährigen Krieges ihnen ein Recht darauf gaben. Denn es gibt GelegeicheitS- und Gewvhnheitspessimisten, solche aus äußeren Anlässen, die geheM werden können, wenn die Anlässe verschwinden, und solche aus seelischer Anlage, die unheilbar find. Zu diesen gehören beide Geschwister. Wie war di^e Entwicklung möglich?

Es ist, kurz gesagt, der Gegensatz zwischen Lebensform und Weltanschauung, Fühlen und Geist, die immer schmerzlichere Spannung zwischen Denken und Tun. Beide beginnen als echte Kruder ihrer Zeit mit einem freudigen Optimismus, mit dem Glauben, daß der Mensch zum Glück geboren sei; bellte ge­nießen mit verfeinerten Verven alle Reize des Daseins. Aber gerade diese epikureische Verfeinerung ihres Seelenlebens macht sie empfindsam; der Tod treuer Freunde trifft sie ebenso Kes wie der Verrat falscher, und der Anblick menschlicher Ehrfurcht und Selbstsucht widert sie an. Schon mit 38 Jahren fWlt Friedrich sich so gealtert, daß ihm die jetzige Welt fremd er­scheint. Beide vereinsamen und schließen sich ab. oder sie schen­ken ihr Herz ihren Windspielen Folichon und Diche; lange vor Schopenhauer erklärten sie die Tiere für besser und treuer als die Menschen ... Was bleibt ihnen als Drost? Die skeptische AufklärungSphilosophie hat ihnen früh das Jenseits zerstört; der schlichte und innige Glaube, der ihrem frommen Vater in qualvoller Krankheit und schweren Sorgen immer wieder Trost oder Ergeburrg beschert hat, ist bei ihnen zum verwaschenen Deismus geworden, der höchstens ihren Verstand, nicht ihr Herz befriedigt. Friedrich bezweifelt, ob sich dieVorsehung" Saupt mit den menschlichen Erbärmlichkeiten abgebe, und ckmine ist überzeugt, daß das Paradies von Diche und Folichon auch das ihre fein werde... Weniger hohe SeesiM als die ihren, die von antiken Tugendideen erfüllt find, ver­fallen in solchem Geistes- und Gemütszustand leicht Laster«, um sich zu betäuben chr Zeitaller gibt erschreckend viele Bei­spiele dafür; und da ihnen der Himmel nichts mehr Bietet, überliefern sie sich der Hölle.

WaS bleibt ihnen sonst? ^Philosophiei rrchnt beide als echte Kinder der AuMärung. Aber welche?