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Eine Variation über Las Thema „Wenn sich zwei Herzen scheiden, die sich dereinst geliebt", ist die Erzählung „Schielendes Fever" (1912, 2. und 3. Ausl. 1919). Durch die Rachsucht eines hinterlistigen Schleichers werden zwei sich liebende junge Leute getrennt. Aus Trotz heiraten beide andere, doch ihre Herzen gehören ihrer ersten Liebe. Dafür müssen beide schwer büßen, bis sie am Ende als in der Schule des Lebens geläuterte Menschen noch einander angehören dürfen, nachdem der Gedanke an verscherztes Glück in ihnen wie „schwelendes Feuer" weitergeglimmt hatte.
Ein Märchenbuch, aber nicht für Kinder, sondern für Erwachsene geschrieben, um sie hinzuleiten, über den in dieser Form dargebotenen Gedanken zu sinnen und sie fortzuspinnen, veröffentlichte er unter dem Titel „Frau Sehnsucht" (1914, 2. und 3. Ausl. 1921). Es ist schwer, unter den sieben Geschichten eine besonders hervorzuheben, doch verdient wohl die Erzählung „Wie der alte Steffen zu seiner Jugend zurückkam" unter ihnen die erste Stelle. Zu Theodor Körners hundertjährigem Todestage schrieb er das kleine Büchlein „Theodor Körner, der Sänger und Held" (Potsdam 1913).
Die Kriegsjahre waren für ihn reich an äußerm und innerm Erleben. Drei Söhne hatte er im Felds stehen, von denen der jüngste, Ottmar, zuletzt, schwer verwundet, in Gefangenschaft geriet und 1926 noch ein spates Kriegsopfer wurde. Seine älteste Tochter heiratete einen Marineoffizier, einen Unterseebootkommandanten, ward Mutter und bald darauf Witwe. Im Sommer 1915 sah er seine Söhne zum erstenmal seit dem Ausmarsch wieder bei einer Reise an die Westfront. Seine Erlebnisse und Eindrücke auf dieser Reise hat er in einem auch als Sonderdruck erschienenen Aufsatz „An der Westfront" (1916) in dem „Neuen deutschen Familienblatt" geschildert. Die gehobene Stimmung, die im Herbst darauf der erste Besuch seiner drei Krieger im Vaterhaus in ihm hervorgerufen hatte, wirkte sich aus in der innerhalb elf Tagen während der Ferien in eine Zuge niedergeschriebenen geschichtlichen Erzählung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges „Die letzte Nonne von Walsdorf" (1915, 3. und 4. Auf!. 1919). Sie behandelt die Geschichte des in der Reformationszeit in ein adeliges Frauenstift umgewandelten Klosters Walsdorf bei Idstein und dessen Untergang.
Ist dieses Werk aus einer fröhlichen Stimmung entstanden, so ist der im Winter 1917/18 niedergeschriebene „Bauernpfarrer" (1919, 10.—12. Aufl, 1925) aus großem Herzeleid heraus geboren, mußte doch Gros am 1. November 1917 seine dritte Tochter, Gudrun, die dem Studium der Zahnheilkunde oblag, infolge einer tückischen Krankheit ins Grab sinken sehen. „Der Bauernpfarrer", der erst nach dem Kriege in Buchform erschien, hatte mehrere Jahre zum Ausreisen gebraucht Er ist ein umfassendes Selbstbekenntnis seines Verfassers, der darin „ein Stück seiner innern Entwicklung festhält" und das Werk deshalb mit Recht als „[ein persönliches Buch" bezeichnete. Der Schauplatz der Erzählung ist wiederum das „Hinterland". Unter Frondorf, der Gemeinde des Bauernpfarrers, darf man sich, wie ebenfalls bereits erwähnt, Frohnhausen vorstellen, das benachbarte Biedenberg (S. 99) ist Biedenkopf, das einmal genannte Frankenstein (S. 56) Frankenberg. Der junge Pfarrer Erich Hildwein, ein Stadtkind, hat in Frondorf seine erste Anstellung gefunden und kann anfangs keine rechte Fühlung zu seiner ländlichen Umgebung finden. Zweifel an der richtigen Wahl seines Berufes steigen in ihm aus. Er erlebt schwere Geschicke einzelner Glieder seiner Gemeinde: die Trennung zweier Liebenden durch einen scheinheiligen habsüchtigen Vater und den dadurch mittelbar veranlaßten Tod beider, ober auch an sich selber: den Tod seiner Braut. Schließlich ringt er sich zu der Erkenntnis durch, daß er Pfarrer bleiben wolle (S. 468), und damit ist seine frühere Meinung abgetan, „man müsse vom Lande stammen, um als Landpfarrer sich wohl zu fühlen und wirken zu können" (S. 371). So wird dem aus der Welt der Kultur in die Welt der Natur Versetzten diese „die rechte Hochschule" (S. 45). Dem Werke wurde nicht nur in Deutschland eine glänzend« Ausnahme, zuteil) sondern es wurde auch ins Holländische übersetzt.
Im Herbst 1919 beendete Gros feine Wirksamkeit in Esch. Die Besetzung des Ortes durch die Franzosen verleidete dem für Deutschlands Stärke und Größe begeisterten, durch und durch deutsch fühlenden und jedem schwächlichen Weltbürgertum und Pazifismus abholden Manne, dessen Ausweisung, wenn nichts Schlimmeres, nicht ausgeblieben wäre, den Aufenthalt daselbst. Auf seinen Wunsch wurde er deshalb nach der ehemaligen hesfen-homburgischen Gemeinde Gonzenheim, einem Vorort von Homburg v. d. H., versetzt.
Mit seinem Wegzug von Esch endete auch die Privatschule, hie er seit 1902 unterhalten hatte. Es war, wie er sich selbst einmal ausbrütfte, eine Fohlenweide für stadtmüde Knaben, die durch vernünftige hygienische und pädagogische Behandlung wieder kräftig werden wollten. Hier erwies sich Gros als ein Pädagoge von Gottes Gnaden. Eine stattliche Schar Knaben ging ihm in Gestalt der zehn bis fünfzehn Schüler, die er während dieser Zeit alljährlich bei sich im Hause hatte, durch die Hände, und unter den vielen wird kaum einer sein, der nicht der in dem Escher Pfarrhaus verlebten Jahre dankbar gedächte.
Im Jahre 1921 erschien die durch Soldans Geschichte der Hexenprozesse angeregte Erzählung „Elsbeth von Hetkhoven", die im Jahre 1654 spielt. Elsbeth von Helkhoven ist die Waise eines 1645 gefallenen Feldobristen und lebt bei ihrem mütterlichen Großvater, dem Präzeptor Götze zu Gunzdorf. Sie liebt ihren Lebensretter, einen jungen Musiker namens Gottsried Seeheim, weder der Junker Schmittburg noch der Graf Franz von Gunzdorf kann sie ihm abspenstig machen, sie läßt sich lieber als Here foltern und stirbt nach ihrer Befreiung an deren Folgen, als daß sie in ihrer Treue wankend würde. Gottfried, dem eine vorteilhafte Stellung in Holland an«
geboten war, schlägt diese aus, um sich nicht von ihrem Grabe trennen zu müssen, und heiratet nach dem Tode des alten Präzeptors dessen jüngste Tochter. Wie die Handlung der eigentlichen Erzählung, ist auch die Einleitung freie Erfindung des Dichters, der dort erzählt, wie er auf einer Wanderung bas übermalte Bild in der Kirche zu Gunzdorf gesehen und von dem Kantor, einem Nachkommen Gottfrieds, dessen handschriftliche Aufzeichnungen bekommen habe, die er dann zur Erzählung umarbeitete. Diese Einleitung hat den Zweck, den Leser im voraus den Stimmungsgehalt der Erzählung fühlen zu lassen, und Gros hat es meisterhaft verstanden, in diesem Vorspiel die Leitmotive anzuschlagen, die in der eigentlichen Erzählung weiterklingen.
Eine in das erste Drittel des Dreißigjährigen Krieges führende Geschichte folgte im Jahre 1924. Ihr Titel „Es geht eine dunkle Wölk' herein" ist einem alten Volksliede entlehnt und deutet ihren tragischen Verlauf und Ausgang an. Der Lieblingssohn des Obermüllers Heinrich Dietenstein ist sein ihm ähnlicher Sohn Götz. Er zieht ihn seinem älteren Sohn Matthias vor, der seiner Mutter gleicht. Als der Vater stirbt, und der ältere Sohn den Hof erbt, entzieht er dem jüngeren Bruder die Mittel, um in Altdorf sein Rechtsstudium zu beenden. Götz wird daher Soldat in dem Regiments seines Paten, des Obristen Pappenheim, nachdem ihm vorher des Untermüllers Daniel Lindenfels Tochter Magdalene, der er das Leben vor drei marodierenden Soldaten gerettet hatte, ihre Liebe gestanden hat. Aber darin ist er der Nebenbuhler seines Bruders. Er ist einer der Tapfersten im Regimente und bringt es bald zum Hauptmann. Die Grüße, die er durch einen invalide heimkehrenden Dorfgenossen seiner Braut überbringen läßt, fängt sein Bruder ab, er weiß den niederträchtigen Bursck)en durch Versprechungen dahin zu bringen, Götzens Tod zu melden, und nur hierdurch wird Magdalene dazu bestimmt, des Matthias Frau zu werden. Gleichwohl gilt ihre Liebe einzig dem tot geglaubten Geliebten, nach dem sie auch ihr Söhnlein nennt Kurz nach dessen Taufe kehrt Götz heim, der den Soldatenrock an den Nagel zu hängen gedenkt, da ihm Pappenheim eine Amtmannsstelle in feiner Heimat übertragen hatte. Jetzt wird er des von seinem Bruder an ihm verübten Verrats inne. Mit seinem Helfershelfer wird er zum Tode verurteilt, aber auf Magdalenens Bitte, die das ideale Bild ihres Geliebten nicht durch eine Henkerstat getrübt sehen will, von diesem begnadigt. Der Freigekaffene fällt darauf den verhaßten Bruder meuchlings von hinten mit dem Messer an, Magdalene fängt den Stich auf und verblutet daran. Matthias endet durch den Strang, Götz dagegen begibt sich wieder zum Heere und sieht seine Heimat nicht wieder.
Das gleiche Jahr (1924) brachte die große, dem deutschen Landlehrerstande gewidmete Erzählung „Das leuchtende Haus". Sie spielt bald nach dem 1870er Krieg, ihr Held, der fromme, energische und von tatkräftiger Nächstenliebe beseelte Lehrer Heinrich Eckart ist ein Geistesverwandter von Albert Volker, dem Lehrer von Hartenhausen. Das Werk ist gewissermaßen ein Gegenstück zu dem „Bauernpfarrer" und setzt diesen fort, indem es, während dort der innere Werdegang vom Weltmenschen zum Christenmenschen geschildert wird, das sich schließlich siegreich durchsetzende Werk eines in Gott gefestigten Mannes zeichnet.
In dem geistlichen Laienspiel „Ananias unid Sapphira" (Herborn 1925) behandelt er in drei von Gemeindegesang eingeschlossenen Bildern die Geschichte jenes im fünften Kapitel der Apostelgeschichte behandelten Ehepaares, das von dem Erlös eines zugunsten der Armen verkauften Grundstückes einen Teil unterschlägt und dafür plötzlich vom Tode befallen wird.
Ein Stück Gegenreformation in dem seinem Pfarrsprengel benachbarten Holzhausen ist der Gegenstand der Erzählung „Wer mich bekennet. Aus der Geschichte einer dörflichen Gegenreformation" (Herborn 1926). Der junge Schuster Hans Heeger, von seiner Heimat flüchtig, weil er einen Franzosen, den Schänder seiner deswegen in den Tod getriebenen Schwester, getötet hatte, kommt nach Holzhausen und rettet das Dorf vor einem von einer Zigeunerbande geplanten Ueb erfüll, von dem er unterwegs Kenntnis erlangt hatte. Bei dem sich mit den Zigeunern entfpinnenden Kampf wird er verwundet. Er findet Aufnahme bei dem prächtigen Schustermeister Vogelsberger und wird von Sibylla, der Tochter des Schultheißen Peter Michel, gepflegt, dabei lernen sich die beiden jungen Leute lieben. Da Holzhausen, ein alter Besitz des Hauses der Eppensteiner, in den stürmischen Zeiten des 30jähr. Krieges in die Gewalt des kurmainzischen Kanzlers Reigersberg geraten und durch dessen Tochter an die Familie von Ingelheim gelangt war, so war der Bürgermeister, nicht aber seine Frau und Tochter, dem Reichskammergerichtspräsidenien Franz Adolf Dietrich von Ingelheim (gest. 1742) zu Gefallen zum katholischen Bekenntnis übergetreten. Deshalb will er dem jungen Manne die Hand seiner Tochter nur unter der Bedingung geben, daß auch er katholisch wird. Dieses Ansinnen weist Hans aber zurück, er verläßt Holzhausen, wird durch die Vermittlung des französischen Refugies Abraham Privat Hofschuhmachermeister in Homburg und erhält dann doch die Hand des geliebten Mädchens, das einen Konvertiten zurückgewiesen haben würde.
Eine erschütternde und zugleich erhebende Predigt über das Bibelwort „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für feine Brüder", ist die gemütvolle, gedankentiefe und auch des Humors nicht entbehrende Erzählung „Das Opfer der Maria Bach" (Herborn 1926). Die Titelheldin, die Tochter des Schuster- meifters Daniel Bach in Lemheim, kommt mit vierzehn Jahren als Magd auf den Weigandhof nach Haxthaufen und rückt wegen ihrer Tüchtigkeit schon mit sechzehn Jahren zur Großmagd auf. Der einzige Sohn des Hofbauern, Kilian Weigand, liebt das schöne und tat-


