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«mahl werden sollte, so sie ihn löste und hei mbeg leitete. Ium Schluß bat er die gegenwärtigen Herren, daß sie ihm sagen sollten, wie er sich in diesen Gelübden zu verhalten habe, denn in so schwieriger Gewissenssache wisse er sich allein keinen Rat und Ausweg.
Die gelehrten Herren haben sich stark verwundert, sind dann tn ein anderes Gemach gegangen und haben dort lang« miteinander über diesen seltsamen Rechtssall disputiert und gestritten.
Als die Zeit der Abendmahlzeit gekommen war und sie wieder Hunger und Dtrrst verspürt haben, riesen sie Hans Holm zu sich tn das Gemach und verkündeten ihm einmütig solchen Bescheid: vor allen Dingen solle er Gott halten, was er Gott versprochen habe. Doch dürfe er deshalb auch nicht vergessen, der tugendsamen Jungfrau seine Dankbarkeit zu beweisen. Sie möge sich also in der Stadt Lübeck einen guten, ansehnlichen Gesellen zum Ehemann erwählen. Dem solle der Hauptmann so viel an Brautschah und Unterhalt geben, als er pflichtig und schuldig gewesen wäre, der Jungfrau zu leisten, so sie sein Ehegemahl geworden wäre.
Dies Urteil hat dem Hauptmann gar wohl gefallen und ist ihm zu Mute gewesen, als ob sich ein schwerer Stein von seinem Herzen löse.
Denn obgleich er der Jungfrau von Herzen dankbar und erkenntlich war, so schien sie ihn doch weder lieblich anzusehen, noch anzuhören. sintemal auch ihre Zunge spitz und scharf geschaffen war. Auch gefiel ihm das welsche Wesen schlecht, und daß sie eines Kerkermeisters Tochter gewesen. So hat er mit Freuden gelobt, sie reichlich auszustatten und an Geld und Gut in geziemender Dankbarkeit wie sein eigenes Ehegemahl zu halten.
Als man dann die Jungfrau aus ihrem Gemache herbeirief, hat man große Mühe gehabt, ihr die Sache begreiflich zu machen. Wie sie endlich alles verstand, hat sie schlimm getobt und in Ihrer fremden Sprache allerlei böse Worte gegen Hans Hol>n und jene ehrwürdigen Herren geredet.
Die geistlichen Herren sind fast erschrocken über solchen Zornteufel und bald-nach Hause gegangen. Hans Holm aber war in seinem Herzen dankbar und zufrieden, haß er solches Hauskreuz nicht sein Leben lang auf sich zu nehmen brauchte.
- — Rach Weiberart ist die tugendsame Jungfrau nach etlichen Tagen ruhiger geworden und hat auf vieles Zureden verständiger Leute hin eingesehen, daß sie aus schweren Ge- wissensgrunden des Haudtmanns Eheweib nicht werden konnte. Doch hat sie darauf bestanden, daß sie bei ihrer Ehelosigkeit bleiben und ohne Mann ihr Leben enden wolle.
So konnte Hans Holm denn in Frieden denr lieben Gott sein Gelübde halten und im Junggesellenstande leben und sterben. Rach Abenteuern imt> Reisen stand sein ©imi nicht mehr, auch hatten die Lübschen derweil mit den Dänen einen ehrlicher» Frieden geschlossen.
Es hat der Hauptmann bis zu seinem seligen Ende in seiner guten Vaterstadt gelebt, ein ansehnlicher, wohlgelittener Herr, den sie beim Wein gern von seinen Fahrten und Abenteuern: erzählen hörten. Im 'Alter wurde er gar stark und schwer am Leibe, war aber allzeit fröhlich int» guter Dinge, wenn ihn dos Zipperlein nicht allzusehr plagte.
Die Jungfrau hat er allerwegen hoch in Ehren gehalten, ihr auch mit Freuden gegeben, was sie an Geld und Gewand als zum Leben nötig von ihm begehrte. Und das war nicht wenig.
Doch hat eS ihm nimmer leid getan, daß er nur dem lieben Gott und nicht dieser 'tugendsamen Jungfrau sein Gelübde zu halten brauchte.
Denn dieselbe nahm mit den Jahren weder an Lieblichkeit noch an Sanftmut zu, ward auch trotz des guten Lebens immer magerer und kümmerlicher, bis sie endlich im Jahre 1523 eines seligen Todes starb. Da hat der Hauptmann sie ehrlich betrauert, ihr dann ein köstliches Begräbnis bereitet und sie im Dome hinter dem Ehore beisetzen lassen.
Dies alles haben dem Chronisten etliche vornehme, ehrliche Biederleute erzählt, die sowohl den Hauptmann als auch die Jungfrau bei ihrem Leben wohl gekannt haben.
Pharaos Tochter.
Don Friedrich v. Oppeln-Dronikowski.
„Bei der heutigen Erziehungsweise der jungen Mädchen", klagt Behle-Stendhal in seinem berühmten Buch „ließet die Liehe" (1822), in dem et manch verständiges Wort über Frauen- erziehung, Ehescheidung usw. sagt, das für seine Zeit neu und kühn war, „sind alle weiblichen Genies für das allgemeine Glück verloren. Sobald der Zufall ihnen die Mittel gibt, sich zu betätigen, sieht man sie die seltensten Talente entwickeln. Man sehe eine Katharina II., deren einzige Erziehung in der Gefahr und in ihren Liebschaften bestand, eine Frau Roland, eine Königin Karollne von Reapel, die den Einfluß des Liberalismus belfer zu hemmen verstand als unsre Pfaffen." Gr hätte diese Liste noch stark erweitern können, denn zu allen Zeiten haben Frauen Staaten beherrscht oder mitbeherrscht. Zunächst einfach als Gattinnen schwächlicher oder halbverblödeter Herrscher, wie die berühmte Elisabeth Farnese, die Gattin Philipps V. von Spanien, deren ehrgeizige Pläne ganz Europa in Atem hielten,
Karollne von Dänemark, die mit dem ehrgeizigen Struensee die Herrschaft an sich riß und gleich ihm schlimm endete, oder die schon oben genannte Karollne von Reapel, die Schwester Marie Antoinettes von Frankreich Dann kommen Erbtöchter verlöschender Dynastien, die die Herrschaft ihres Hauses wenigstens für ihre Lebensdauer erhalten haben, wie die Königinnen Elisabeth und Anna von England oder die Zarin Elisabeth. Daneben solche, die einem Prinzgemahl die Hand gereicht und nicht nur regiert, sondern auch die Dynastie in der weiblichen Linie fortgesetzt haben, so Maria Theresia oder in unfern Tagen die Königin Diktoria von England und die Königin Wilhelmine der Riederlande. Andre Frauen sind durch Webschaft oder Ehe zu großem Einfluß im Staatsieben gelangt, so Frau von Main- tenvn, die Gattin des Dichters Scarron, Geliebte, dann zur linken Hand angetraute Gattin Ludwigs XIV., die Marquise von Pompadour, die Staatsmätresse Ludwigs XV,, die offiziell mitregierte, Minister ernannte und stürzte und den Staatsratssitzungen präsidierte, oder die Gattin des Girondeministers Roland tn der französischen Revolution, die ebenso offiziell mitvegierte und die Seele, aber auch das Verderben der Girondistenpartei wurde. Sie sind nicht immer legal und anständig zur Herrschaft gelangt, haben nicht immer segensreich gewirkt, so wenig wie die Männer, und doch haben die Völker, d. h. die Männer, sich ihrer Herrschaft gebeugt, ihnen Aemter zuerkannt, die sie sich sonst selbst Vorbehalten. Regierende Königinnen wie die von Saba, die Salomo besuchte, oder eine Amazone wie die sagenhafte Semiramis, die aber jetzt durch Keilschriftenfunde der Deutschen Orieutgesellsch.ast zu einer historisch greifbaren Gestalt geworden ist, hat es schon im alten Orient gegeben. Bei Barbarenvöllern finden wir sie immer wieder, aber auch in großen Kulturstaaten. So tritt uns im Reuen Reich in Aegypten die Pharaonin Hatschepsut (1501 bis 1479) entgegen, die die Doppelrolle der Herrscherin und der Stammhalterin ihrer Dynastie gespielt hat, freilich mit schließlichem Mißerfolg, denn ihr Gatte Thutmosis, der unebenbürtige Sohn einer Nebenfrau ihres Vaters, stieß sie zweimal vom Thron, und sie starb im Wochenbett. Ihre Mumie nebst der ihres Kindes, in Goldblech eingekapselt, ruht heute in einem der gläsernen Schneewittchensärge des Museums zu Kairo, den Blicken neugieriger Globetrotter preisgegeben, während ihr Gatte und Halbbruder friedlich in einem andern Sarge ruht. Welche Tragödien sich zwischen diesem Königspaar abgespielt haben, zeigt ein Blick auf die Geschichte.
Aegypten wat damals erst seit kurzem aus Knechtschaft und Verwüstung neu auferstanden. Der große Hyksosbezwinger Amofis hatte von Oberägypten aus das Land befreit und das „Reue Reich" geschaffen, dessen Hauptstadt das „hunderttorige" Theben wurde. Aber bereits sein Sohn Amenophis I. starb nach kurzer Regierung ohne Leibeserben, und so ging die Thronfolge auf seine Schwester, die Prinzessin Ahmes, über, die einen gewissen Thutmosis geheiratet hatte. Da sie nach ägyptischem Brauch nicht selbst regieren konnte, ging die Herrschaft auf ihren Gatten über, und sie muhte sich mit dem Titel einer „großen königlichen Gemahlin" begnügen. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor, aber die Söhne starben, und so wurde wieder eine Tochter, die älteste Prinzessin Hatschepsut, Thronerbin. Als solche wurde sie unter großen Festlichkeiten proklamiert; sie begleitete ihren Vater auf seinen Reisen nach Unterägypten; kurz, sie schickte sich offiziell zur Thronfolge an. Aber Thutmosis besaß noch zwei Söhne aus andern Ehen, die den gleichen Ramen führten tote er. Der ältere (später Thut» mvsis III.) stammte von einer gewissen Isis, vielleicht einer Haremsdame, war also unebenbürtig, der jüngere (später Thut- mosis II.) von einer Prinzessin Mut-nofret aus der Familie des AmerwpMs. Um seiner Dynastie die Herrschaft zu erhalten, beschloß Thutmosis, die Erbtochter Hatschepsut mit dem ättern," unebenbürtigen Halbbruder zu vermählen, was durchaus nicht als anstößig galt, ja sich bis in die Ptolemäerzeit fortgesetzt hat.
Aber da starb die Königin Ahmes, und mit ihrem Tode erlosch das Recht Thutmosis I. auf den Thron. Sofort erhob der ehrgeizige und tatkräftige Prinzgemahl im Ramen seiner Gattin Herrschaftsansprüche. Ihr Vater wurde gezwungen, die Krone niederzulegen, und Hatschepsut bestieg den Thron. In Wahrheit aber herrschte ihr Gatte, der sie, wie einst ihre Mutter Ahmes, auf den Rang einer „großen königlichen Gemahlin" herabdrückte. Damit aber war weder sie noch ihr entthronter Vater zufrieden. Um beide bildete sich eine starke Legitimistenpartei, die auf nichts Geringeres ausging, als die Alleinherrschaft ihres angeheirateten Gatten zu brechen und ihn auf die Stellung eines Prinzgemahls und Mitregenten zu beschränken. Thutmosis III. muhte nachgeben: obwohl er der eigentliche Saatsleiter blieb, begnügte er sich äußerlich mit der Rolle des Prinzgemahls, und Hatschepsut trat offiziell als König auf. 2n allen Darstellungen, namentlich in ihrem Totentempel am Westufer von Theben, am Fuße der jäh abstürzenden gelben Felswand der lydischen Wüste, den sie sich, ägyptischem Brauch gemäß, schon bei Lebzeiten anlegte, erscheint sie mit den Kronen und Attributen des Pharaos, dem kurzen Lendenschurz und dem Kinn- bart, obwohl mit weiblichen Körperformen, und ihr Gatte nimmt nur den zweiten Platz ein. Das Aegyplische Museum in Berlin besitzt sogar eine Sphinx mit ihren Zügen, die erste weibliche Sphinx, denn alle andern ägyptischen Sphinxe sind Mannlöwen und Bilder von Pharaonen; erst die griechische Kunst hat die Sphinx zum Weibe gemacht . . . Eine Frau saß also aus t>em Thron der Pharaonen, etwas Unerhörtes in der ägyptischen Ge->


