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Ni Derücksichtigu»^ seiner Zahnlosigkeit eine Portion Gehacktes spendete. Ms Botz sein Gehacktes nut großem Wohlgefallen aufgeleckt, erhob sich Dr. Heinzerling, um mit vor Rührung leise bebender Stimme eine Dankrede zu halten:
„Sä Mässen nächt," sagte er, „ton Sä mach mät der reich- lüchen Bewertung meines Botz geröhrt haben. Botz äst mär noch mehr an das Herz gewachsen, als es dem Odösfeus sein treuer Hond war, der ähn nach zwnnzägjähräger Abwesenheit än Bettlergestalt wädererkaimte. Botz äst ein Dermächtnäs meines selägen Vaters. Aech betrachte deshalb dä Wohltat, bä Sä meinen: Botz erwäsen haben, nächt nor als inär selbst, sondern auch als ineinenr Vater erwäsen imb sage Aehnrä härinät än meinem ond än meines selägen Vaters Rmnen meinen ännäasten Dank for dä schöne Portäon Gehacktes. Möge däses Gehackte, das Botz verschlänge::, dä Bmrde, dä Schöler ond Lehrer vm- schläirgra, noch enger schlängen."
Rur einmal tret Dr. Heinzerling aus dem Burgfrieden der Schule in den Sturn: der Oeffentlichkeit. Es war im Januar 1887 bet der Reichstagswahl. Für die vereinigten Konservativen und Rationalliberalen kandidierte der spätere Finanzminister Dr. Miquel, der damals Oberbürgermeister von Frankfurt war, für die Dentschfreisinnigen ein Major a. D. Hinze. In Büdingen waren die Deanrten miquelisch, die Bürger hinzisch gesinnt.
In: Rathaussaale hatte Hinze gesprocheir. Niemand wagte, oem gewandten Redner entgegsnzutreten. Da meldete sich gum Erstaunen aller Anwesenden, namentlich der Ghmnasialkchrer, Dr. Arminius Heinzerling znm Wort, erstieg die Rednerbühne und begann also:
.„Männer Dödängens!"
,, »Meine Herren heißts. Erwrner mit'm Echullneisterche!" erscholl s bei den Deutschfreisinnigen.
Klingel des Vorsitzenden.
„Manner Dödängens!" begann Dr. Heii^erling zun: zweiten niale. „Warom soll äch nächt Männer sagen? Erstens kann es kerne Schande sör Männer sein, wenn sä als Männer anaeredet werden.
„Sehr gut" — bei den Rationalliberalen.
„Zweitens nem: äch Sä Qltänner, weil auch Per-äkles än se:ner beröhmten Leichenrede dieAtherrer nrät Mämrer anredet."
„Peräkles? Was is des vor en Kerl?" hieß es bei den Deu tschfrers i nnigen.
„Ron," rief Heinzerling, in gelinde Wut geratend, „wenn Sa nacht wässen, wer Peräkles äst, können Sä mach wärkläch dauern.
.So « Frechheit! Erunner mit’m Schulmeisterche!" rief es ber den Deutschfreisinnigen.
„Deden lassen!" bei den Rationalliberalen.
„Männer Dödängens!" fchr Dr. Heinzerling fort, „äch bän konservativ bäs auf dä Knochen."
„Da fin Se was rechts!" bei de:: Deutschfreisinnigen.
„Ja," ereiferte sich Dr. Heinzerling, „äch bän konservativ. Kennen Sä Thoködädäs?"
„Kää Ahnung!" bei de:: Deutschfreisinnigen.
„Ron, wenn Sä nächt einmal ThoKdädäs kennen, dann sand Sä was rechts. Thokvdädäs war konservatäv ond hält es mät dem konvervatäven Staatsmann Räkäas. Aech bän kvn- servatäv wä Räkäas ond nächt ein Demokrat wä der ©erber Kleon ond här Herr Major Hänze."
„Erunner mit’m Schulmeisterche!" bei den Deutschireisinni- ge::. „Redei: lassen!" bei den Rationalliberalen.
Klingel des Vorsitzenden. ---
Dr. Heinzerling wischte sich den perlenden Schweiß vor der Sttrne und begann noch einmal:
„Männer Dödängens! Gemeine Dande..."
„Was, gemeine Dm:de nennt er uns?" grollte es bei den Deutschfreisinnigen. „Erunner mit’m Schulmeisterche!"
Die Klingel des Vorsitzenden vermochte kaum noch den Larn: zu übertönen.
Dr-, Arminius Heinzerling lächelte verlegen und winkte beschwichtigend mit seinen zierlichen, fetten, grübigen Händchen. -Er »m: Sturm war nicht mehr zu besänfttgen. Mißmutig um 'ich bückend, stieg Heinzerling von der Rednerbühne, flüsterte :mt dem Dorsitzenden und verlieh puterrot vor Scham und @nt» rüfttmg mit kurzen, trippelnden Schritten den Saal.
Die Erregung der Derfammlung legte sich. Der Vorsitzende kam endlich zu Wort: „Jin Ramen des Herrn Oberlehrers Dr. Heinzerling habe ich die Erklärung abzugeben, daß ein bedauerliches Mißverständnis obwaltet. Herr Dr. Heinzerling wollte seine polittschen Gegner nicht als gemeine Bande bezeichnen, sondern nur sagen: „Männer Büdingens! Gemeine — das heißt gemeinsame — Bande der Vaterlandsliebe verknüpfen ims". Leider wurde es ihm durch den allgemeinen Lärm unmöglich gemacht, den begonnenen Satz zu Ende zu führen. —
Dr. Arminius Heinzerling hat sich seitdem nicht wieder in d:e Politik gemischt.
Zum Schluß muß ich leider noch feststellsn, daß Dr. Heinzerling zu Ostern 1887 beinahe das Opfer eines Attentats geworden wäre. Mein Freund Wolf war Bei der Versetzung wm Unterprima noch Oberprßna hocken geblieben, weil ihn: ;-:r- Heinzerling verdientermaßen in Lateinisch und Griechisch i:e Rote „ungenügend" gegeben hatte. Wolf brütete Rache und
warf spät abends dem harnrlos«: Arminius durch das geschlossene Fenster des erleuchteten Studierzimmers einen schweren Pflasterstein auf den Schreibtisch. Glücklicherweise zerschmetterte der Stein nicht des Doktors gelehrtes Haupt, sondern nur die halbgeleerte Bierflasche, die auf dem Tische stand. Der Amt«. Mwalt vermutete schon ein polittsches Attentat der Büdingen Demokraten. Als er jedoch erfuhr, daß es sich nur um den Streich eines gut konservattven Schülers handelte, der sogar Pfarrer werden wollte, legte er die Sache gütlich bei. Rur um Verzeihung bitten sollte der Attentäter den Oberlehrer. Woks erschien denn auch demüttg und zerknirscht bei Dr. Ar:niniuS Heinzerling.
„Mät was kann äch Aehne dänen?"
„Herr Doktor, inbetreff des Pflastersteins bitte ich um Verzeihung, ich Habs nicht gerne getan."
„Ron, wenn Säs nächt gerne getan haben, wäll äch. Aehnen verzeihen ond es — nehmen Säs mär nächt öbel — Mehrer Doknmheit zogote halten."
Die VerMngungZlehre.
Von Prof. Dr. K a r l W a g n e r.
Die kürzlich gemeldeten neuen Erfolge der SteinachscheN Experimente lassen es angebracht erscheinen, sich einmal über de:: gegenwärtigen Stand der Bsrjüngungslehre Rechenschaft abzulegen. Es sind jetzt fünf Jahre her, seitdem Steinach seine so berühmt gewordenen Berjüngungsversuche an Ratten veröffentlicht hat. Wie alle epochalen Entdeckungen, so sind auch diese den: Schicksal, zuerst ganz ungeheuer überschätzt, dann als direkter Schwindel i:rs Lächerliche gezogen zu werden, um schließlich mit Einschränkungen anerkannt zu werben, nicht entgangen.
Die Voraussetzungen, von denen Steinach bei seinen Versuchen ausging, waren in Kürze folgende: Das Altern und der Tod der Organismen steht im Zusammenhänge mit dem Auf» hören der geschlechtlichen Tätigkeit, da nun die Geschlechtsdrüsen dem Blutkreislauf bestimmte, wichtige Stoffe zuführen, die im Alter versiegen, so muß es möglich fein, die Alterserschrinungen gu bekämpfen, falls es gelingt, dem alternden Körper diese Stoffe immer wiedex zuzuführen.
Steinach führte seine bekannten Experimente an Ratten durch, die etwa 27 Monate alt werden, worauf sie an Altersschwäche sterben. Im Mter von etwa 22 Monaten lassen sich die ersten Anzeichen des Mterns feststellen, — bei 24 Monaten setzen nun die ersten Versuche ein. Es gelang Steinach, die Tiere durch Beibringung 'der erwähnten Stoffe (die er von jüngeren Tieren nahm), tatsächlich zu verjüngen; die Alterserscheinungei: blieben stehen, un& gingen sogar zurück. Es gelang Steinach nach feinen' Angaben, 'das Sebra ber behandelten Tiere bis auf 40 Monade zu verlängern, dann gingen sie auffallend rasch ein. Ermutigt durch diese Erfolge haben sich Steinach und seine Mitarbeiter dann auch an den Mräschen herangemacht, und hier ist der Punkt, an dem vor allem die Krittk einsetzte; seine Arbeiten fanden, soweit sie den Menschen betreffen, von vielen Seiten schroffe Ablehnung, und die Erfolge müssen auch zum mindesten als sehr wechselnd angesehen werden. Die Kritik bezweifelte, daß es sich überhaupt um eine Verjüngung beim Menschen handele, eine solche fei auf die Steinachsche Methode überhaupt nicht zu erreichen. Das Alter wird ja nicht nur verursacht durch Aushören der Tättgkeit der Geschlechtsdrüsen (Kastraten müßten dann ganz besonders schnell altern), sondern es spielen noch zahlreiche Momente mit herein (so die Arterienverkalkung z. D.).
Ferner bezweifelte man, daß ein dauerndes Funktionieren der verpflanzten Drüse möglich sei, — tatsächlich bleibt sie im besten Falle nur ein Jahr am Leben: sie wird als körperfremd aufgezehrt. Im Leben der Ratten und anderer kurzlebiger Tiere ist dieser Zeitraum ein enormer, er bedeutet 30 Prozent des Lebens. Anders ist es ja beim Menschen, — hier würde es sich um eine ganz minimale Lebensverlängerung handeln.
Was haben nun die letzten fünf Jahre Neues über biefeS Thema gebracht? und in wie weit sind die Arbeiten Steinachs bestättgt worden? Es ist zu begrüßen, daß die Arbeiten Steinachs in aller„ Herren Länder ausgenommen worden sind, denn es ist von größter Bedeutung, das Wertvolle ein für allemal sicherzustellen. Zu einen: nicht geringen Teile sind die Befunde Steinachs — wenigstens soweit es sich um Tiere handelt — bestätigt worden, ja sogar erweitert worden; eine Verjüngung ist bei ihnen möglich, und nicht einmal schwer auszuführen, eine Lebensverlängerung ist dagegen nicht mit Sicherheit nachgewiesen. (Einige Versuche sprechen sogar dagegen.) Das Gehirn nämlich eines der wichtigsten Organe, scheint der Verjüngung nicht zugänglich zu sein. Es wäre wohl besser, von einer Deilverjüngung, statt von einer Verjüngung zu sprechen.
In erster Linie sind hier die wichtigen Arbeiten des Königsberger Gelehrten Harms zu erwähnen. Er, der schon im Jahre 1914 die ersten positiven Derjüngungsversuche an Meerschweinchen ausgeführt hat, und nur wegen mangelnder Reklame wenig Beachtung sand — berichtet über großangelegte Versuche an alternden Hunden. Er benutzte dieselben Methoden, wie Steinach (.Uebertragung von Hodenfragmenten oder äinterbindung des Hodraausfiihrungsganges) und erzielte recht beachtliche Erfolge.


