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.Der Rhein ist Deutschlands schönster Strom, schnurrt« Welzel herunter. Elegant umschiffte er die Klippe deS Doppel­zischlauts innerhalb Deutschlands schönstem Strom. Denn er hatte de» Satz vorschriftsmäßig auswendig gelernt auf heute. .Gut, sagte der Prsofessor,jetzt soll der Leschner noch bi« Länge repetieren."

And der Leschner repetierte die Länge von Deutschlands schönstem Strom:

Der Rhein ist elfhuudertzweiundsechzig Kilometer lang. sagte der Leschner, wie ans der Pistole geschossen.

Ist richtig foo und jetzt soll mir noch der Hausmann nein, der Hausmann war schon in der letzten Stunde dran jetzt soll mir noch der Schwegerl etwas sagen

Schwegerl war mäßig interessiert. Schwegerl konnte mit den Ohren wackeln. Diese Ohren bewegte jetzt der Schwegerl In der Richtung nach dem Katheder und blinzelte dazu. Natürlich muhten wir lachen.

Schtvegerl, warum lachst du? sagte der Professor.

Ich habe nicht gelacht," sagte der Schwegerl und legte seine Ohren wieder langsam nach rückwärts. Natürlich muhten wir jetzt noch mehr lachen.

And dann gab es, ebenso natürlich, eine viertelstündige Untersuchung über das Gelächter. And natürlich kam nichts heraus dabei, denn wir hielterl fest zusammen. Aber etwas, dachte der Schwegerl bei der -Untersuchung, kommt doch heraus dabei: er tvird seine Frage an mich vergessen. And verstohlen ivollte er sich setzen.

Halt." sagte der Professor,halt, Schwegerl, du hast meine Frage noch nicht beantwortet auf das Gelächter werde ich später noch zurückkommen. Also Schwegerl, gib jetzt Antwort auf meine Frage."

Schwegerl schwieg und bewegte leise seine Ohren, wie zwei Fühler. And wir zwickten uns erfolgreich in den Oberschenkel, um das Lachen zu unterdrücken.

Nun, wirds bald, Schwegerl?"

Schwegerl schwieg, nur seine Ohren sprachen eine stumme Sprache.

Wenn du auf eine solche leichte Frage nicht antwort«« kannst, Schwegerl, muh ich dir einen Vierer notieren."

Schwegerls Ohren wurden vor Schrecken starr. Dafür ging jetzt sei» Mund aus:

Entschuldigen Sie, Herr Professor, aber Sie haben mich noch gar nicht gefragt."

Was? Ich hätte dich nichts gefragt? Natürlich habe ich dich gefragt. Sattler, sag ihm meine Frage."

Sattler war der Primus in der Klasse. Er wuhte alles. Er wuhte mehr als alles, und er kannte den Professor in* inrf> auswendig.

Als was stürzt sich der Rhein in den Bodensee?" dekla­mierte Sattler.

Nun siehst du, Schwegerl, das habe ich dich gefragt."

Eine Welle der Empörung ging durch die Klasse. Gin drohen­des Gemurmel flog auf.

Was ist denn los?" sagte der Professor.

Ich hob den Finger, ich schnellte empor, ich haspelte heraus:

Der Sattler hat etwas gesagt, was Sie gar nicht gefragt haben. Herr Professor."

Ein anderer Finger flog in die Höhe:

Der Sattler hat etwas gesagt, Herr Professor, ivas Sie haben sagen wollen."

Was ich sagen wollte", sagte nachdenklich der Professor, und es gab eine lange Pause des Nachdenkens. Dann sagte der Professor:

Der Sattler hat recht das habe ich wirklich fragen wollen. Also wchwegerl: Als was stürzt sich der Rhein in den Bodensee?"

Dem Schwegerl war die eisern festgelegte Antwort längst eingeflüstert worden:

Als ein Jüngling", sagte er bedächtig, und seine Ohren legten sich befriedigt wieder nach hinten. Auch der Professor war befriedigt.

Schön," sagte er,als ein Jüngling foo, und jetzt kommen wir also zu den Städten am Rhein aufgepaht, die ganze Klasse!"

Mit dem Zeigestab fuhr er über die Landkarte. Jetzt blieb der Stab auf einem dicken runden Punkte stehen. Di« Spitz« zitterte darum herum:Köln ist die größt« Stadt am Rhein", sagte der Professor langsam und feierlich And dann noch ein­mal:Köln ist die größte Stadt am Rhein Salzbrunner, wiederhvl's."

And der Salzbrunner wiederholt«:

Köln ist die größte Stadt am Rhein."

Schon," sagte der Professor, und die Spitze seines Zeige­stabes zitterte weiter nordwärts,schön, und jetzt kommen wir zu Düsseldorf. Aufgepaht, die ganze Klasse! Düsseldorf ist die schönste Stadt am Rhein." Dan kam eine Pause. And baren: Dort gibt es den besten Weinmostrich den besten Wein­mostrich Brandenberg, sag's nach."

Düsseldorf ist die schönste Stadt am Rhein", wiederholte der Brandenberg zögernd.

Weiter, weiter, immer weiter!"

Dort gibt es den besten den besten Mostrich Weinmostrich, verbesserte der Professor.

And ich kann «S wieder beschwören: das war alles," was wir über Düsseldorf hörten. Neulich hat mich ein Freund, ein alter Klassenkamerad besucht.

And wo hast du deinen Wohnsitz jetzt?" fragte ich ihn. In Düsseldorf", sagte er.

Aha," fagte ichwo es den besten den besten."

den besten Weinmostrich gibt, ergänzte er und lächelt«.

Aber da fällt mir noch so ein schöner Satz ein. ein Wüstensatz, den wir bei ihm auswendig lernen mußten, als unser GeogvapHie- unterricht den afrikanischen Erdteil ausdörrte.

Gefleckt wie ein Panthersell liegt die Wüste vor den Augen des Beschauers, gelb der Sand, schwarz die Oasen. So hieß dieser Satz. And ihr werdet mir sagen, daS ist ein schöner Satz. And recht habt ihr, es ist ein schöner Satz.

Aber einen Augenblick, bitte laßt euch einmal diesen Satz fünfmal vorsagen, jedesmal mit einem wuchtigen Akzent vorne uns einem unterdrückten Gähnen hinten:

Hrr hrr Gefleckt wie ein Pantherfell liegt die Wüste vor den Augen des Beschauers, gelb der Sand, schwarz die Oäsen uah... und lernt ihn auswendig bis zum nächsten Freitag (beide Zergestnger in den Ohren):

Gefleckt wie ein Panthersell gefleckt wie ein Panthersell gefleckt wie ein Panthersell...

ilnö hört ihn wieder am nächsten Freitag, erst vom Schüler: Wie ein Panthersell liegt die Wüste vor den Falsch, der nächste!"

Wie ein Panthersell liegt"

Auch falsch! Der nächste!"

Wie ein"

Wieder falsch! Sattler, sag's du!"

And Sattler, der Primus, sagte stolz und fest:

Gefleckt wie ein Pantherfell liegt die Wüste...

Brav, Sattler," sagte der Professor,foo jetzt der erste noch einmal...," und schreibt dann den Wüstensatz sauber nieder in eure Klassenarbeit:Gefleckt wie em Panthersell..und hört ihn wieder bei der allgemeinen Wiederholung:

. »Gefleckt wie ein Pantherfell....," und sagt ihn schließlich in der Prüfung vor dem Herrn Inspektor auf:

«Gefleckt wie ein Pantherfell...," und nachdem ihr das alles getan habt, will ich euch wieder fragen:

»Ein schöner Satz, nicht wahr? Ein wundervoller Satz.. ? And dazu möchte ich euer Gesicht photographieren, daß ihrs wißt.

And als eine Revanche, freilich, eine vorausgenommen« Revanche, hatte ich euch erlaubt, daß ihr mein Gesicht, daß ihr die Gelichter unserer Klasse abphotograMert hättet, ckls eines Tages ein neuer Geographieprofessor in unser Klassenzimmer trat und sagte:

Nehmt einmal den Atlas, bitte."

Den AtlaS? O, der war noch fast ganz neu. Den Atlas satten wir doch früher nie gebraucht? Was wollte nur der Neu« mit dem AtlaS?

Nun schlagt die Alpen auf.

»Wir wollen heute einmal eine Wanderung von München nach Venedig machen. Schaut die Karte genau an: Welchen Weg werden wir da wohl machen der erste in der ersten Bank?^

Der erste in der ersten Bank, das war der Primus Sattler: Entschuldigen Sie, Herr Professor," sagte er,das haben wir noch nicht gehabt."

Das weiß ich schon, drum sollt ihrs selber finden lernen! auf der Karte."

Aber der Sattler fand nichts auf der Karte, sondern blleb dabei, wir hätten es noch nicht gehabt. And da geschah das Merö- würdige, daß der Schwegerl seinen Finger hob. Derselbe Schwe- georl, der mit den Ohren wackeln konnte. Derselbe Schwegerl. der noch nie in einer Geographiestunde den Finger gehoben hatte.

And daun geschah das weitere Wunder, daß der Schwegerl tatsächlich den Nlpenweg über die Brennerstrahe aus der Kart« herauslesen konnte. Fluß für Fluß und Stadt für Stadt. And des Schwegerls Ohren haben nicht gewackelt wie früheraus Klassenviecherei, sondern nur ein wenig gezittert haben sie vor Eifer und vor Aufregung, daß er einen Älpenweg hat finden können, daß er einen Alpenweg hat finden dürfen...

And wie er fertig war, her Schwegerl, wie er angelangt war in Venedig, da sagte der neue Professor:

Das tixtr ganz richtig aus der Karte herauSgelesen. So. und nun will ich euch diesen wichtigen Alpenweg auch noch lebendig machen mit dem, was ich selbst darauf gesehen hab«, als ich einmal südwärts zog."

And dann erzählte der Neue, erzählte und erzählte... Mäuschenstill sahen wir auf unseren Bänken. Der grüne Ännstrom rauschte. Innsbruck tauchte auf mit feinen Bergen ubermGol­denen Dachl", seinen erzenen Helden in der Hofkirche. Andreas Hofer stand am Jselberg mit seinen Schützen, die so prächtig zielen konnten. In die schweigende Pracht der Alpen ging e8 hinauf. Schäumend schoß der Gisack durch daS Klassenzimmer Bozen tauchte auf, das alte Bozen und in der Ferne winkt» schon Venedig ...

Schriftleitung: Dr. Friede. Wich. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.