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zwischen Bett unb Nachttisch, wo er seine Büchse hat, und zieht diese ganz vorsichtig, daß der Spuk es nicht sehen soll, an sich. Und nun Hai er sie im Arm und weiß, er kann nicht fehlen. Da lacht er noch einmal heimlich in sich hinein, zielt, zieht ab und paff! paff! dröhnen die Schüsse. Ein schreckliches Gepolter, ein Schrei wird laut! Herrschaften! hatte der Klaukenborn eine Angst! Denn der Spuk hatte mit höllischen Kralle,^ auf ihn eingehakt, und wimmernd faßte der Verletzte nach seinen Füßen.

Alle Leute im Hause liefen mit Kerzen zusammen. Der Vater schlug mit der Faust gegen die Zimmertür von Nr. 10. Der arme Klaukenborn konnte gerade noch vom Bett aus den Türriegel zu­rückschieben, so daß die Leute ins Zimmer kommen konnten. Da standen sie mit Kerzen in den Händen alle im Hemd und besahen sich die Bescherung. Das Fenster war entzwei, und was glaubt ihr, was noch geschehen? Klaukenborn hatte sich beide Schrotladungen in die Füße gejagt. Na, der Doktor hat gut an ihm flicken können!

Die aber in dem Gasthause wissen auch heute ganz genau, warum sie noch seht Zimmer 10 nicht hergeben. Cs ist ein Spuk drin. Und Klaukenborn, der mit ihm gekämpft, kann es bezeugen!

Tjä! tjä!" schloß Onkel Johannes,das kommt davon, wenn einer so fest von seiner eigenen Vortrefflichkeit und seinem Iagd- mut überzeugt ist!"

Für Psychologie der VeMehrs-UnfZAs.

Von Universitätsprofessor O. K l e m m , Leipzig.

Die erschreckende Zunahme der Verkehrsunfälle ist ein ernster Anlaß zur Besinnung auf den Anteil, den die Grenzen der mensch­lichen Leistungsfähigkeit an derartigen Ereignissen haben. Man braucht nur an die erstaunliche Zunahme der für einen irgendeinen Großstadtbezirk in den letzten Jahren zugelassenen Kraftfahrzeuge zu denken, um dieKnäuelerscheinungen" vorauszusehen, die sich bei derAbwicklung" des Verkehrs ergeben müssen. In den Ver­einigten. Staaten fahren nahezu 35 Millionen Autos. In Chicago wurden vom 1. Januar bis 15. September' vorigen Jahres 547 Menschen durch Auiounfälle getötet! Die Grausamkeit dieser Zahlen spricht für sich. Die Verkehrsvorschriften greifen regelnd ein. Aber als unberechenbares Glied steckt in der Verstrickung der Ereignisse, die sich ach, in so kurzen, kostbaren und nicht ausgenutzten Bruchteilen von Sekunden zum Unheil wenden können, der er­lebende und handelnde Mensch mit seinen Entschlüssen, mit feiner Vorsicht oder seiner Fahrlässigkeit, mit seiner Aufregung oder seiner Kaltblütigkeit.

Oft ist die Psychologie zu Rate gezogen morden, wenn der Richter vor der schweren Ausgabe stand, den Zusammenhang der Ereignisse soweit aufzuhellen, daß über die schuldhafte Mitwirkung der Beteiligten, insonderheit des Fahrzuglenkers entjchieden werden konnte, und in der Tat sollte bei keiner solchen Verhandlung neben dem technischen und neben dem medizinische» Sachverständigen der psychologische fehlen! Die Psychologie erforscht ja eben das Zu­standekommen solcher Entschlüsse, die der Lenker des Fahrzeuges, oder der in den Wirbel des Verkehrs gerissene Passant zu fassen hat. Sie ist seit langem darauf aufmerksam geworden, daß auch die schnellste Ausführung einer noch so einfachen Handlung eine bestimmte Zeitdauer, die sog.Reaktionszeit" in Anspruch nimmt. DieBlitzesschnelle der Gedanken" ist ein Traum der Dichter. In Wirklichkeit finden wir durchaus meßbare Zeiten für die Auf­einanderfolge unserer Vorstellungen. Von der Aussassung eines Sinnreizes, die als Signal dient, z. B. eines Licht- oder Schall­reizes, bis zur Beantwortung dieses Signals mit einer verabredeten ober gut eingeübten Bewegung, z. B. dem Loslassen eines Tasters, verstreicht im Durchschnitt eine Zeit von bis V» Sekunde. Das erscheint auf den ersten Blick nicht viel. Es ist ober in der Tat eine lange Zeit, wenn mir sie vergleichen mit den unwillkürlichen Reaktionen des Organismus, etwa der Schließung der Augenlider, bei Annäherung eines Fremdkörpers. Bei solchenReflexzeiten" kommen wir bis auf Vs» Sek. herab. Außerdem kommt bei Ein­bettung des geschildertenReaktionsvorgnngs" in ein zusammengesetz­tes Erlebnis, etwaAusweichen des Passanten vor dem im letzten Augenblick sichtbar werdenden Auto", immer noch hinzu, daß hierbei größere Muskelpartien in Bewegung gesetzt werden müssen, und dies schiebt den Vollzug dec retetnben Handlung hinaus. Auch der Kraftfahrer, der das plötzlich austauchende Hindernis vermeiden will, hat an seinem Steuerrad und an den Bremshebeln umfangreichere Bewegungen auszuführen, als bei jenen einfachen Reaktionshand­lungen in dem psychologischen Laboratoriumsversuch. Je nach den Umständen kann sich hierdurch die Reaktionszeit auf das Doppelte ober Dreifache ber vorhin genannten Beträge erheben, unb sich leicht dem Betrage von einer Sekunbe annähern. Wir wollen aber nicht vergessen, baß ein Auto bei bei» burchaus mäßigen Tempo von 18 Km. pro Stunbe boch im Laufe einer Sekunde schon 5 Meter zurücklegt. Man sieht mit Grauen, wie groß der Gefahrenbereich ist, den unsichtbar jedes Auto vor sich her trägt!

Wären mir bei unserem Verhalten innerhalb des Verkehrs nur auf eine Reaktionszeit angewiesen, dann stünde es in der Tat schlecht um uns. In Wirklichkeit aber üben wir fortwährend auf Grund der Gleichmäßigkeit im Ablauf der uns vertrauten Ver­kehrsvorgänge eine Voraussicht der zukünftigen Ereignisse aus. Wir bereiten unsere Handlungen für den kritischen Augenblick vor. Wir nehmen den Augenblick des Eintretens vorweg, und reagieren nicht erst auf den wirklichen Eintritt des Ereignisses. Das wird an einem einfachen Beispiel klar. Cs ist nicht schwer, auf eine fahrende Straßenbahn aufzuspringen, da wir den Sprung auf das Tritt­

brett so vorbereiten können, bah unsere eigene Bewegung gleich­zeitig mit betn an unserem Stanbort vorbeihuschenben Trittbrett ersolgt. Aber ber Sprung mißlänge sicher auf bas tückischste, sähen wir bas Trittbrett erst in biefem Augenblick, unb sollten ihn nun als eineReaktion auf biesen Reiz" aussühren. Aehnliches ereignet sich fortwährend in dem Gewühls des Verkehrs. Wir leben eigentlich immer schon in dem nächstfolgenden Augenblick, sehen Schittpunkt von Fahrtrichtungen und Ausweichestellen voraus, auf Grund der augenblicklichen Fahrtgeschwindigkeiten unb Bewegungsrichtungen oder ihrer aus den Umständen, z. B. Straßenkreuzungen, voraus­sichtlich entstehenden Aenderungen. Diesegleitende Aussassung" der Bewegungsvorgänge unb bis Sicherheit in ber Voraussicht ihrer Wirkungen für bie nächsten Sekunben, ober auch nur Bruchteile von Sekunben, führt uns in ber Tat durch bie Verstrickungen bes Ver­kehrs hindurch unb läßt uns in ben meisten Fällen bie tatsächlich vorhandene Gefahr nicht einmal zum Bewußtsein kommen.

Jetzt sehen wir klar vor uns ben eigentlichen psychologischen Ur­sprung der Verkehrsgefahren. Auf ber einen Seite leben wir alle, sowohl als Lenker eines Fahrzeuges, wie als Passant, in einer Vorwegnahme bes Zukünftigen, auf Grund ber Gleichförmigkeit bes Geschehens, wir verhalten uns so, als ob in bem nächsten Augenblick gerabe bas einträte, was nach unseren vielfältigen Erfahrungen aus der augenblicklichen Lage hervorgeht. Aus ber anberen Seite steht bie Dauer unserer Reaktion aus ein unerwartetes, wirklich neues Ereignis, unb bie Dauer ist eben, gemessen an ben hohen Ge­schwindigkeiten, die nun einmal der Verkehr angenommen hat, erschreckend groß. Wie sehe ich ein Auto senkrecht auf eine Straßen­bahn zufahren, bie, solange sie mit annähemb gleicher Geschwinbig- keit weiter fährt, sicher an dem Schnittpunkt ber beiben Fahrtrich­tungen an bem Auto vorbeikommt. Wenn sie aber an betn Schnitt­punkte plötzlich stille hielte, verhülfe auch bie rascheste Reaktions­bewegung auf dieses neue Ereigns nicht mehr dazu, einem Zu­sammenstoß zu entgehen. Nun Straßenbahnen halten ja nicht so plötzlich an, und in diesem Falle mag bei bem angenommenen Verhalten bes Autolenkers bie Gefahr tatsächlich äußerst gering sein. Aber es gibt auch Fahrer, die sich ähnlich verhalten, wenn ein Mensch ihren Weg kreuzt, etwa gar ein Kind, mit seinen unberechen­baren Aenderungen von Geschwindigkeit und Richtung der Be­wegung, und jetzt steht mit einem Schlage das Schema vor uns, nach bem sich schon manches Unglück abgespielt hat. Dazu kommt, baß manche Menschen in ber Schätzung von Geschwindigkeiten, bie hier immer mit beteiligt ist, eigentümlichen Täuschungen unterworfen sind. Sie weichen in ber Schätzung von ben Ereignissen etwa bes Schnittpunktes zweier Bewegungsrichtungen von ber Wirklichkeit ab. Dies hängt mit einer indivibuellen Anlage zusammen, bie in ber Psychologie feit mehr als hundert Jahren unter dem Namen ber persönlichen Gleichung" aus ben eigentümlichen Fehlern bei gewissen astronomischen Beobachtungen, nämlich ber Schätzung des Durchtritts eines Sternes durch die Fäden im Gesichtsfelde des Fernrohrs bekannt ist.

Wer sich in die geschilderten Zusammenhänge hineindenkt, der wird darauf bedacht fein, bei feiner eigenen Teilnahme am Verkehr jene Vorsicht walten zu lassen, daß er trotz jenergleitenden Auf­fassung" immer noch die Bereitschaft zur Ausführung echter Reaktionsbewegungen" sich bewahrt. Die Unterschiede in der Ver­anlagung bes einzelnen hierfür finb sehr erheblich. Es wirb also gerabezu eine moralische Anforderung, die eigentlichen aktiven Träger des Verkehrs, eben bie Lenker von Fahrzeugen, einer möglichst sorg­samen Eignungsprüfung zu unterwerfen. Gewiß lafsen sich bie vollen Ernsterlebnisse niemals innerhalb eines solchen Prüfungsversuches herbeiführen, unb wenn es bas Unglück will, kann auch bie beste Anlage irgend einmal versagen; aber das find Ausnahmen, denen die beachtliche Mehrheit ber Fälle gegenüversteht, in benen wir schon jetzt mit Sicherheit bie Ungeeigneten von biefem verantwor­tungsvollen Berufe fernzuhalten vermögen.

Jonathan Swift nnd die Astrologie.

Von Dr. A. W. R o e b e r, Gießen.

In biesen Tagen, ba berHundertjährige Kalender" wieder ganz besonders zu seinem Recht zu kommen scheint, ist es interessant, auch einmal auf literarischem Gebiet über bie Bebeutung ber Wahrsage­kunst nachzuforschen und deren Beziehung zu Dichtern herauszugrei­fen. Einer der anziehendsten Schriftsteller, der in dieser Hinsicht sesselt, ist der Engländer Jonathan Swift (16671745). Er war keines­wegs der Erzähler harmloser Geschichtchen, für den man ihn im allgemeinen zu halten pflegt, sondern vielmehr ein geistvoller Sa­tiriker und ein mit schneidender Ironie begabter Kämpfer gegen alles Böse und Schlechte seiner Zeit. Seine scharfen Streitschriften und witzigen Satiren sind heute wohl kaum mehr bekannt. Gelesen werden eigentlich nur nochGullivers Reisen" (1726), eine Satire auf die zeitgenössische Politik, Parteien, Religionsfehden und aus das ganze Menschengeschlecht. Jetzt ist das Werk [einer Satire beraubt unb nur die beiden ersten Teile sind für die Jugend zurecht­gemacht worden; in dieser Form ist es uns meisten Deutschen ja auch vertraut.

Swift war nun einmal in eine Angelegenheit verwickelt, die nicht nur bezeichnend für ihn selbst ist, sondern auch für die ganze lite­rarische Kampsesweise im 17. und 18. Jahrhundert, welche sich da­durch besonders charakterisierte, daß der literarische Gegner gern mit Hilfe anonym erschienener Schriften aus seinem wohlverschanzten Lager heraus unb in eine Falle gelockt würbe. Die kleine Geschichte, bie leiber noch viel zu unbekannt ist, sei Im solgenben kurz wieber- gegeben.