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Bataxten, trotz den bhzantinisch-en Kirchen und arabischen Moscheen. Auch Begeisterung soll mich nicht ungerecht machen, und ich mutz zugeben, daß diese Architektur vielleicht ein wenig simpel ist, ein bißchen schnell zusammengefügt und derb und gar ein wenig hcmdwerklich>-roh in den Einzelheiten, in Profilen und Konsolen, im Ornamentalen und Figürlichen, aber hier ist Architektur wirklich einmal Stadt und — man möchte wegen des Zusammenspiels von Flüssen umd Plätzen, von Straßen und Kanälen fast sagen — Landschaft geworden. Richt die individuelle architektonische Schönheit zeichnet Petersburg aus (gut, sie soll zweite Garnitur sein!), sondern der große Wurf in Stadt wie in Dau, der Reichtum an Individuen innerhalb dieser einen Welt architektonischer Dorstellungen, russische Fülle und Großartigkeit auch hier. Man gehe nach Petersburg! Wenn die Räteregierung einen hereinlätzt! Denn diese ist sehr wählerisch! in der Zuteilung von Pässen. Uitb sitzt in Moskau! Also ist Petersburg durch die Verlegung der gesamten Regierung des russischen Riesenreiches amtlich! entvölkert, verhältnismätzig still und in gewissem Sinne Ruine, wenn auch die unmittelbaren Ruinen des Bürgerkrieges allmählich! verschwinden und von den Räten viel getan wird an Aus- und Aufbesserung der Stadt, in der z. D. das ein mulmiges Gebirge gewordene Holzpflaster erneuert und überhaupt viel gewerkelt wird.
Carl SJlaria von Wsbsrs Bszishrmgen Zu Hsffsn-
Von Professor vr jur. et Phil. Karl Esselborn.
(Fortseyung.r
Bis auf zwei Aufsätze, „Ein Wort über Vogler", das im „Morgenblatt für gebildete Stande" (Nr. 146 vom 20. Sunt 1810) und „Abt Voglers Iugendjahre", der in der „K. K. privilegierten Prager Zeitung" (Nr. 204 vom 22. Juli 1816) erschien, haben sich keine auf Vogler bezüglichen Papiere in Webers Nachlaß gefunden.
Der Tod Voglers, der ihn an Darmstadt erinnerte, mag die Ursache gewesen sein, weshalb Weber am 8. Juli 1814 dem Groß- Herzog Ludewig I. von Prag aus seine vor seinem Darmstädter Aufenthalt entstandene Oper „Silvana" in der Form, die sie durch die Berliner Aufführung (10. Juli 1812) erhalten hatte, mit einem Schreiben folgenden Inhalts übersandte:
„Durchlauchtigster Großherzog! Gnädigster Fürst und Herr! Wenn ich es wage Euer König!. Hoheit mit gegenwärtigem zu belästigen, so kann ich nur Entschuldigung in der Gnade und Äuld finden, mit der Höchstdieselben mich bey meinem Aufenthalte tn Darmstadt beglückten, und in der guten Aufnahme die meine Oper Silvana nach einigen bedeutenden Veränderungen von Seiten der Musik und des Textes in Berlin fand; und in welcher Gestalt ich mich nun unterfange, sie Euer Hoheit von dem Wunsche beseelt zu Füüen lege, sie auf dem Hof Theater eines so erlauchten Kenners .msgefihrt zu wißen. L ....
Könnte ich mir mit dieser Hoffnung schmeicheln, und gewtß fern, daß Euer König!. Hoheit meine Arbeit nicht ungnädig aufnehmen, so würde unendlich beglückt sich fühlen, der in tiefster Ehrfurcht erstirbt
Euer Königlichen Hoheit des Durchlauchtigsten Großherzoges
Prag d. 8. Iulv 1814. unterthänigster Diener
Earl Maria von Weber Direktor der Oper und Kapellmstr. der königl. böhm. Ständischen Theater."
Als die üebersendung ohne Antwort blieb, wandte sich Weber wahrscheinlich an den Geh. Kabinettsekretär Sckleiermacker mit folgendem Schreiben:
„Ew. Hochwohlgebohren
Verzeihen, wenn ich dieselben mit gegenwärtigem belästige, indem ich auf Ihre allbekannte Gefälligkeit und Nachsicht rechne, und auch als Freund des verewigten Geh. Nach Voglers auf Ihre Güte baue. Ich habe mich im Iuly vorigen Jahres unterstanden, Sr. Hoheit dem Herrn Großherzog meine Oper Silvana nach der Berllner Aufführung in Ehrfurcht zu Füßen zu legen und zu über- schicken. Da ich nun bis jetzt gar nichts Weiter davon gehört habe, so muß ich mit Recht befürchten, daß Se. Hoheit mein Wort ungnädig ausgenommen haben, oder daß selbes gar nicht angekommen fet>. Der erste Fall würde mir höchst schmerzlich, — der zwecke wenigstens unangenehm seyn. Meine Bitte an Ew. Hochwohl- gebohren geht also dahin, mir durch ein paar Zeilen Beruhigung oder Gewißheit zu verschaffen.
„Ich weiß wie kostbar Ihre Zeit, und daher auch die Erfüllung meiner Bitte ist, und doch kann ich mir die Hoffnung der Gewährung nicht versagen, indem ich zugleich die Gefühle der ausgezeichneten Hochachtung ansfpreche mit denen ich zu sein die Ehre habe
Euer Hochwohlgebohren
ergebenster Diener
Prag d. 18. März 1815 Carl Maria von Weber,
Direktor der Oper, und Kapellmster. der königl.
böhm. Ständischen Theater zu Prag."
Der Erfolg dieses Schreibens war, daß ihm am 31. März zehn Karolin überwiesen wurden. Die Ausführung des Werkes erreichte er aber nicht, diese erfolgte erst siebzig Jahre später, am 11. Oktober 1885, in einer Neubearbeitung, bei der Ernst Pasgus den textlichen und Ferdinand Langer den musikalischen Teil übernommen hatte.
Das Jahr 1815 ist insofern für die Beziehungen Webers bemerkenswert, als am 29. Januar zum erstenmal ein Werk von ihm auf dem Darmstädter „Operncheater" aufgeführt wurde, nämlich „Abu Hassan", den er dem Großherzog vier Jahre zuvor gewidmet hatte.
Im folgenden Jahre überreichte Weber die am 18. Dezember 1815 vollendete und vier Tage später in Prag unter seiner Leitung zum erstenmal aufgeführte „Kantate zur Feier der Vernichtung des Feindes im Juni 1815 bei Belle-Allianee und Waterloo, Glaube und Sieg" (op. 44) dem Großherzog mit folgendem von Kopisten- hand geschriebenen Begleitbriefe:
„Durchlauchtigster Großherzog! Gnädigster Fürst und Herr! In tiefster Ehrfurcht und innigst vertrauend auf die weltbekannte Huld und Nachsichtsvolle Milde Ew. Königl. Hoheit, wage ich es Allerhöchstdenenselben beiliegendes Werk allernnterthänigst zu Füßen zu legen. ,
„Es ist Eines der beglückendsten Vorrechte der schönen Künste und Wißenschasten, große und herrliche Weltbegebenheiten im freundlichen Gewände nochmals vor die Augen der Welt zu führen; und diefes fchöne Vorrecht möge auch die Kühnheit entschuldigen, mit der ich es wage bei Ew. Königl. Hoheit als dem erhabensten Beschützer und Beförderer alles Strebens zum Guten um gnädige Aufnahme des Meinigen zu flehen.
„In tieffter Ehrfurcht ersterbend
Ew. König!. Hoheit
allernnterthänigster
Prag, d. 11. Septbr. 1816 Carl Maria von Weber,
dermalen Direktor der Oper und Kapellmster. der königl. böhm. Ständ. Theater zu Prag".
Dieses Mal brauchte Weber nicht auf die Antwort zu warten: am 17. Oktober wurden ihm sechs Karolin angewiesen.
Am 4. November 1817 führte Weber feine Braut, Karoline Brandt, heim. Tags darauf reifte er mit feiner jungen Fran und feiner Schwiegermutter über Karlsbad, Baireuth, Bamberg, Würzburg und Heidelberg nach Mannheim, wo sie am 10. November ankamen (Brief an Heinrich Lichtenstein vom 14. Mai 1818.) Nach längerer Trennung fah feine Frau hier ihren Vater wieder, bei dem ihre Mutter zurückblieb. — Am 15. November begaben sich die beiden jungen Ehegatten nach Darmstadt, wo sie wie anderwärts zur Deckung eines Teils der Reisekosten ein Konzert zu geben gedachten. In einem Briefe an Gänsbacher vom 24. August 1818 ruft er aus: „Wie sehr erinnert mich hier (d. h. in Mannheim) und in Darmstadt, wo ich den 15. hinging, alles an unsre Zeit und die vielen heitern Tage, die wir da verlebten und die nun da nicht mehr zu finden waren." Während der vier Tage, die er diesmal in Darmstadt weilte, hat er sicher auch das Hostheater besucht, denn er schreibt aus Mainz, wohin er am 21. November abreffte an den Dresdener Intendanten Grafen Heinrich Vitztum: „In Würzburg sehe ich eine elende, in Mannheim, Darmstadt und hier (d.h.Mainz), sehr mittelmäßige Gesellschaft. (Der Tenor Franz) Wild (1/92 bis 1860, in Darmstadt von 1817—1825) und überhaupt die Oper nicht schlecht. Madame (Auguste) Kr-üger-(Aschenbrenner 1796—1874) recht brav, aber führ uns doch nicht zweckmäßig."
„Voll Sehnsucht, einen Teil der Trias wieber zu schauen, fo heißt es in dem letzterwähnten Brief an Gänsbacher, „eute ich nach Mainz zu Gottfried (Weber). Dies war aber der trübste Punkt meiner Reise, denn ich kam mit dem alten Kerzen voll Liebe an, und — es war nicht das Alte. Ich will nicht ungerecht Mi, ich kam zu einem ungünstigen Zeitpunkte, er hatte täglich Krimmalgeschafte, war eben ausgezogen, die Frau lag in Wochen etc. etc., wodurch er dazu kommt, an nichts mehr rechten Anteil außer fetnem Bremen zu nehmen, und ein bißchen rechthaberisch und absprechend geworben ist. Kurz es tat mir unenblich wehe, ich hatte mich so baraut gefreut, es war ein Hauptzweck meiner Reise gewesen."
Aehnlich äußerte sich Weber in einem Briefe, ben er am 14. Mar 1818 an seinen Freund, ben Berliner Zoologen Hmrrch Lichtenstein (1780—1857): „Das (b. h. Mainz) war ber einzige bittere Punkt meiner Reise. Mit bem liebevollsten Herzen, wie ich es vor sechs Jahren von Mannheim mitnahm, kam ich nach Mainz su toottfneb Weber unb fanb leiber nicht mehr ganz benfelben, überhäufte Ge- fchäste, isoliert stehen, hatte ihn in sich lelbft befangen, unb wir konnten nicht fo auftaueit unb bie alte Zeit zmuckrufen, wre ich es gehofft hatte. Cs tat mir recht von Herzen wehe, ich hatte rmch jv sehr barauf gefreut.--Nach sechs verstimmt verlebten Tagen
ging ich nach Darmstadt zurück, wo ich nach mancherlei überwundenen Hindernissen den 6. Dezember Konzert mit Crfolg gab.
Im Anschluß an bie aus bem Briefe an Gansbacher angefteüte Briefftelle knüpft Webers Sohn, Max Maria von Weber, m cmer Lebensbeschreibung seines Vaters (Bb. 2 S. 133) bte Bemerkung. .Die Freunde lebten sich unter den Umstanden wenig miteinander ein. Sechs peinliche Tage hindurch versuchten sie das alte Ver- hältms herzustellen, gemeinschaftliche Spaziergange, gemeinsames Musizieren, selbst die Heiterkeit der Kmdtaufe wurde als Heilmittel angewandt, doch die Mitteilung der nach verschiedenen Richtungen hin fortgebildeten Kunst- und Lebensansichten entnembefe immer mehr. Die beiden Weber schieden kühl, und d,e alte Freundschaft hatte einen unheilbaren Riß erhalten". Das war zu viel (Klagt, die Entfremdung beider Freunde war nur vorüberaehenb wre bes Meisters spätere Briese an seinen Freund Gottfried Weber beweisen. So schreibt er am 22. April 1822 von Dresden aus an diesen. Wie soll ich Dir, mein herzlieber Bruder, die Freude beschreiben.


