Ausgabe 
11.12.1926
 
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zellig mit dem biblischen Passah: so konnte auf dieses der uralt I heidnische Name übergehen.

Richt so klar liegt der vorchristlici»« Ursprung in den Namen unseres Weihnachtsfestes zutage. In den Namen, denn Weih­nachten ist nicht der einzige Name des Festes. Zwar was an ab­weichenden Benennungen heute und seit langem an den Gestaden der Nordsee gilt, englisch ch r i st m a s, holländisch k e r s m i s und kersfeest, früher auch k e r s d a ch, weiter östlich k e r s n a ch t, trägt im ersten Bestandteil den Namen Christi und ist schon darum jungen, christlichen Ursprungs. Das gleiche gilt von Christtag, der in unserer oberhessischen Mundart, aber auch in Thüringen, Lothringen, Luxemburg und Westfalen ursprünglich bodenständigen Benennung des Festes, die erst neuerdings von dem Schriftwort Weihnachten zurückgedrängt wird. Neben diesen verhältnismäßig jungen Namen herrscht im östlichen Niederdeutschland der älteste von allen: Jul. Er greift mit der Gewalt eines Urworts in völlig gleicher Gestalt über nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Eng­land und Island, überall ist er von ehrwürdigstem Alter. Im Goti­schen hat er der winterlichen Jahreszeit den Namen jiuiels ge­liehen, im alten Norden bezeichnet ylir die Zeit der winterlichen Schneestürme. Ans dem Urnordischen haben in vorgeschichtlicher Zeit die Finnländer ihr Wort j u h l aFeier, Fest" und die Mehr­zahl s o u l uWeihnachten" entliehen, durch sie ist s u o v l aWeih­nachten" ins Lappländische gelangt. Diese Entlehnung, vollzogen lange Jahrhunderte vor der Bekehrung dieser nordischen Stamme zum Christentum, beweist, daß die Germanen em vorchristliches mehrtägiges Mittwinterfest gefeiert haben. Wem die Feier galt, zeigt ihr ältester englischer Name m <5 d r a n i h tMutternacht , durch öas Zeugnis des ehrwürdigen Beda im 8. Jahrhundert ausdrücklich auf die Zeit der christlichen Weihnacht festgelegt. Die Mütter, nach denen es heißt, find heidnische Gottheiten, deren Verehrung nament­lich am Niederrhein reich bezeugt ist: über 400 Steine aus der römischen Kaiserzeit, den Matronen gewidmet, haben sich bis heute erhalten. Sie gelten als erneuernde Spenderinnen alles Lebens: an sie richtet man Gelübde und Gebete um neue Fruchtbarkeit, wenn das alte Leben der Natur erloschen und abgestorben schemt^Ms Fruchtbarkeitsfest entschleiert sich uns damit die altgermamse-e .,'iitt-

Die Umprägung eines vorchristlichen Festes wird bestätigt burd) unser Wort Weihnachten, obgleich dieses ursprünglich mir hoch­deutsch und nicht vor 1170 bezeugt ist. Damals liefert der «pruch- dichter S p e r v o g e l den für uns ältesten Beleg:

Er ist gewaltic unde starc, der zu wihen naht geborn wart, daz ist der heilige Krist, ;ä lobt in allez dazdir ist, niwan der tievel eine: dur sinen grszen übermuot io wart ime diu Helle ze teile.

Ze wihen naht das alte Zeugnis zeigt in vollkommener Durchsichtigkeit, wie das Wort zustande gekommen 'st: vor den Dativ naht tritt, abhängig von J e, das Adiektw w i h. Dies ist ein Wort vorchristlichen Alters und einst weit verbreitet, mit <>t. v.ctima,

Ovkertier", verwandt und demgemäß von altheidnifcher Opfer- Handlung weithin gebraucht. Erhalten hat es fid).nur spurweise: es aibt südbayerifche Mundarten, in denen der Gründonnerstag dar baige pfinztag heißt, und in bayerisch-österreichischen Orts- nanren, wie Weihenstephan oder Weihenzell, tut das alte deutsch Wort die qlcidjen Dienste wie anderwärts das Fremdwort in St. Blasien oder St. Moritz, oder die jüngere Bildung heilig.in H^- -ligeubera, -blut, -dämm, -kreuz usw. Denn heilig als angelsacysisch- fränkischer Ausdruck hat das altoberdeuische^w i h zuruckgedrangt und dieses nur spurweise in den christlichen Sprachgebrauch übergehen lassen. Damit aber ist der Name der Weihnacht ipracygeschichtlich vereinzelt worden, ein Vchickjal, das er mit den Namen der alten Götter, aber nud) mit Wörtern wie Deilcind oder Fronleichnam teilt Zum Träger eines kirchlichen Gefühlswerts ist er darum nur um" so besser geeignet mit dem Klang feierlicher, unverstandener 'Itt$onUi)ödi?tem Alter ist auck) der zweite Wortteil., Die Zeitrech­nung nach Nächten statt nach Tagen nennen Casar wie Tacitus a s eine ihnen auffallende Eigentümlichkeit der alten Germanen. Meh­rer- Reste dieser Zählweise leben im Englischen fort, bei uns ist, uon landschaftlichen Ueberbleibseln abgesehen, nur noch Fast­nacht vergleichbar. Der Weihnacht mußte zugute kommen, daß Ke Geburt Christi, wie sie Lukas im zweiten Kapitel erzählt gleichfalls in der Nacht spielt. Früh hat sich dann sedes Gefühl für den Wider- spruch verloren, der darin liegt, daß man den Tag des28. Dezem- bers oder die ganze Festzeit Weihnacht nennt. Da Nacht hier .einen Wortsinn verloren hatte, wurde er nötigenfalls durch Ergänzung neu gewonnen: Wihnade z' nahds heißt es bezeichnend genug in sothringifcher Mundart.

Aber nur in der Bestimmung der Tageszeit gab das Reue Testa­ment der christlichen Vorstellung feste Grundlagen. Im übrigen bleibt Christi Geburtstag völlig unbestimmt: die Bibel nennt ihn nicht und gibt auch keine Anhaltspunkte, ihn zu erschließen. D e Stimmung der ersten Christenheit ging überhaupt nicht dahin, Werktage aus Christi Leben zu begehen. Die älteste Kirche kannte nur ein iähriidies Fest, das Paffcih. Die Kirche des Ostens feierte den 8. Januar, der zugleich Fest der Erscheinung und Christi Tmistag war, als Christfest. Die armenische Kirche hat diesen uralteii Brauch bis heute beibehalten, in Rom reicht er dis ins Jahr 353. Am 25. Dezember 354 hat dann als erster Papst Liberins Weihnachten

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gefeiert: gegen die klimatische Wahrscheinlichkeit, denn es ist nicht anzunehmen, daß auf den Bergen des allen Judäa Hirten mit ihren Herden die Wintsrnackst im Freien verbringen konnten. Das ger­manische Julfest kann die Wahl des Tages nicht bestimmt haben, weil sie in den kirchlichen Kreisen der Mittelmeerländer vollzogen wurde. Für diese aber waren astronomische Gründe maßgebend: mit Christi Geburt nimmt der Tag zu, die Nacht (des Unglaubens) ab. Es ist der Geburtstag des Unbesiegten, des Sonnengottes Mithras, auf Christus umgedeutet unter Berufung auf prophetische Stellen des Alten Testaments. Entsprechend wurde die Geburt Jo­hannis des Täufers auf den Tag der sommerlichen Sonnenwende, den 24. Juni, gelegt, unter Umdeutung des Johanneswortes:Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen."

Im Zug solcher Sinnbildlichkeit liegt cs, das Jahr nut dem 25. De­zember beginnen zu lassen, und in der Tat hat durch das ganze deutsche Mittelalter dieser sogenannte W e i h n a ch t s a n f a n g ge­aalten. Mittelalterliche Urkunden, die zwischen dem 25. und 31. De­zember ausgestellt sind, müssen wir nack) unserer Zählweise stets um ein Jahr zurücksetzen. Daß Papst Leo III. Karl den Großen am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser krönte sollte eine Neujahrshandlung sein. Wenn man die Zeit nach Jahren Christi zählte, wollte man eben ckuch Christi ersten Erdentag zum Aus­gangspunkt der aesamten Zeitrechnung nehmen. Im 16. Jahrhundert hat sich bann nach altrömischem Muster der erste Januar als Jahres­anfang durchgesetzt. Die Kalenden des Januars erscheinen als Oktave des Christtags. Acht Tage nach Christi Geburt fanden nach Lu­kas 2, 21 Beschneidung und Namengebung statt, die Zeit dazwischen wird durch wichtige Heiligentage zur Festwoche, die von bürgerlichen Leistungen frei bleibt, der Familie und einem besinnlichen Abschluß des Jahres gewidmet. Im Mittelalter beging man im bürgerlichen Leben das Fest vier Tage lang, ein Rest davon hat sich im aleman­nischen Schwarzwald gehalten, wo man z. B. m Bonndors sur Weihnachten heute noch den Namen Vi er fest hoion kann. Noch weiter, bis zum 6. Januar, reichte die kirchliche Festzeit: so er­füllte sid) die Frist der heiligen zwölf Nächte

Auf Uebertragung altrömischen Reusahrsglliubens beruht die Bedeutung der Weihuachtsiage für das Wetter. Sie sind Lostage für das ganze kommend« Jahr, von ihnen geht die bekannteNVetter regel aus:Grüne Weihnachten, weiße Ostern . die, nach ihrer weiten Verbreitung in deutschen Mundarten zu schließen, uralt sein muß. Der Gedanke, daß sid) aus dem Wetter der Weihnachtstage das des kommenden Jahres bestimmen lasse, wird weitergefuhrt in

dem -4 udj. s E Weihnachten feucht und naß.

gibt's leere Speicher und leere Faß:

-ns günstige gewendet, findet sich der Gedanke im preu^en Sam. land:Lichte Wine, düstre Sdstine", immer.aber geht der wch s, vom Weihnachtswetter auf das anderer Jahreszeiten, me um- gekehrt.

Schlafittchen.

Bon Manfred K y b e r»).

Bevor ich sage, wer Schlafittchen war, mutz ick) erst etwas von der Gletschersrau erzählen. Die Gletscherfrau wohnte hoch o^'i m hen Bergen auf einem Gletscher und war ganz aus Eis. Nur aus

tirnir hatte sie ein bißchen Schnee, da, wo andere Leute die Haare haben. Das Eonnte nicht anders sein, denn sonst hatte sie nicht immer oben auf dem Gletscher leben können. Die Gletscherfrau war sehr alt und sehr dick und groß, denn jedes Jahr fror sie etwas daz ;mb !o war sie allmählich sehr umfangreich geworden. Dazu atz sie auch ieden Tag Kräutereis, das sie ganz vorzüglich zu bereiter-verstand. Sie konnte das !o schön machen, daß sie Köchin bei der EisEomgin geworden war, und das will gewiß viel heißen, denn die Eiskvmgin. die tief unten im blauen Gletschereis lebte, hatte eine.Krone au, bem &rm und war eine sehr anspruchsvolle Person. Es ist vielleicht nicht S richtig ^m7ich sage daß die Gletschersrau Köchin bei der E.S- königin war, aber wie soll man das anders sagen. Kochen tat f nntih-firh nicht richtig denn heiße Sachen konnten diese falten Leute nur n <ht nertraX ian^rn nur Kräutereis, Wenn die Mletscherfrau oder die Eisköittgin zum Beispiel eine Tasse heißen Tee getrunken hätten, so wäre ihnen der ganze Magen meg^fdjroommen Strauter^

r gu i-den Tag und sie froren immer fester dadurch und wurden dich.und g^und dabesi Die Leute sind -den verschieden.

Es war dies aber durchaus nicht die einzige Tätigkeit, welche du JÄäW'äS «f »Ä ÄÄ «ALL.Ä'LKWL * S gg «S SS

benn die Arbeiten auf dein Gletscher sind durchaus houchrcn l cher

«:s mar das io, daß sid; erst einmal em paar kleine Arme ünb Beine bildeten, gerade aus dem blauen Eise heraus, und dann ein Kopf mit zwei runden und nod) ein bißchen ^en. uS --Tv,Ä i,i, f«hr spaßhaft aus, und man kann es wohl verstchen, daß es der @leHdierfrau viel Freude machte, dabei zuzusehen. Sie war auchechkiLtteb. Wenn mm solch ein Eiskind m t ben {leinen Armen und Beinen und den runden, em bißchen dummen Augen

*1 Entnommen dem neuen Katalog des Bottsverbandes der Bücherfreunde, Wegweiler-Berlag, G. m.b. H., Berlin.