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Mark, der Jndustriekönig tausend Mark!

Gar nicht aufzuzählen ist, was der König Saul olles verstauen muhte! Hinter der Bretterwand lag die Wöchnerin und immer klingelte das Ministrantenglöcklcin, wenn jemand gegangen war, und die Männer schütteten wahllos ihre Freude der Kindesmutter ins übsrfreudige Herz, und ihre Wangen röteten sich hellauf.

Wie wenn der König Saul hätte dämpfen wollen, sagte er dies: O, ihr alle," sagte er,die ihr am Weihnachtsabend so gerne wohl­tätig seid und euch rühren laßt von dem göttlichen Kindlein, um das ihr euch das ganze Jahr nicht mehr kümmert müsset doch, daß der zerfallene Stall jener Fluren Bethlehems nunmehr in den Straßen eurer Städte steht und immer weiter zerfällt, wenn ihr nicht, den Hirten gleich, kommt mit euren Gaben! Und wisset weiter, daß jede gute Tat in den zerfallenen Ställen eurer Herzen ein .Kindlein gebiert, eine göttliche Freude, die euer vom Geld verödetes Leben glückhaft überstrahlt!"

Wahrlich: es gab kein Haus, wo nicht des Domkindes gedacht wurde gleich dem Jesuskind, und an den Straßenecken blieben die Leute stehen und richteten dis Blicke nach dem höchsten Damturm. Mancher tat feine Börse auf und schenkte mehr, als er sonsthin schenkt, und es darf gesagt sein, daß das Domkind an diesem heiligen Abend alle Menschen dieser Stadt in etwas besser machte!

Um sechs Uhr läuteten die Glocken aller Kirchen, nur die des Domes schwiegen.

Wie zart von unserm König Saul!" sagte die Wöchnerin zu ihrem Mann,aber ich habe mich eigentlich auf das Geläute gefreut, und mein Söhnchen hat sich auch gefreut! Doch heute haben wir ja Freude genug!"

König Sunt stand draußen an der steinernen Brüstung und starrte in die Landschaft und hörte das Gswogs der vielen fernen Glocken, hörte sicher auch das ländlich rotbäckige Gebimmel seiner Heimat und freute sich. Als er dann herunterstieg vom Turm, saß auf der un­tersten Treppenstufe der Küster Tippenkucker und rauchte sein Pfeif­chen, das er draußen im Dom nicht rauchen durste.

Gloriaengel," sagte der König Saul,Gloriaengel, Ihr habt heute lang auf mich warten müssen!"

Ich hab denkt:s ist Christabend heut, da schmauch ich ein Pfeifchen mehr, und es kommt gewiß nicht drauf an!"

Wart Ihr schon oben, Tippenkucker?"

Ich oben? Was soll ich oben tun? Ich gehöre unten hin!"

Doch, geht einmal hinauf: ein allerliebstes Kindlein, sag ich Ihnen!"

He? Was sagen Sie, ein Kind? Wer hat ein Kind?"

Die Türme rin hat doch heut ein Söhnchen bekommen!"

Tippenkucker steckte die erkaltete Pfeife in die Rocktasche, zog den Schlüssel, dem Kapellmeister aufzuschließen^und sprach im Tonfall des Bischofs:Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, aus dessen Schultern Herrschaft ruht! . . . Aber was geht das dem Gloriaeugel an?"

2.

Um die Mitternachtsstunde wird alljährlich im Dom dis Christ­mette gefeiert, und obgleich nur mit einem dünnen Glöcklein ge­läutet wurde, war doch der Dom zum Bersten voll von Menschen. Hinter dem von hundert Kerzen mnlcuchteten Hochaltar schmetterte der Domchor unter des Königs Saul Leitung dis Weihnachts­antiphon: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, auf dessen Schultern Herrschaft ruht! Und die hellen Stimmen der Kna­ben erhoben sich über die Bahakkorde der Männer wie Raketen aus der Nacht und schossen an den Gewölben hin, als wollten sie die Ge­wölbe zerbrechen, um hinaufzuschweben in die Turmstuben, wohin ein Stück des Wunders von Bethlehem eingskehrt war. Der Bischof schritt feierlicher als sonst inmitten der jungen Kleriker dem Altäre zu und trug den Glanz feines Brokates in den Glanz der Kerzen, dis Domherren gingen gesammelter als sonst hinter ihm drein, und auf eines jeden Antlitz lag ein besonderer Glanz. Und als sie an der Krippe vorüberkamen, die zwischen den mächtigen Vierungs- pfeilcrn unter Fichten und Stroh errichtet war, sah ein jeder einmal in die von einer roten Ampel belichtete Szene, und ein feder sah statt des gipsernen Kindleins ein lebendiges Kindlein strampeln. Einer der Domherren aber strahlte wirklich Licht aus Augen und Stirn.

Die alten deutschen Weihnachtslieder ein viertel Tauchen höher gesungen, als die Orgel das wünschte strahlten Licht; aus den Worten des Predi-zers strahlte Licht, die Alumnen des Priester­seminars strahlten Licht aus Gebärden und Gebeten, und die kleinen Meßdiener glichen wirklichen Engeln. Wenn sie Weihrauch auf die Holzkohlen des Rauchfasses schöpften, nahmen sie das goldene Löffel- chen übermäßig voll und schöpften viermal oder gar fünfmal, damit der Qualm gewaltig aufsteigen sollte durch die Löcher der Glocken­feile bis hinauf zu dem kleinen Gespielen. Wenn sie die silbernen Schellen schwangen, mutzte der Arm alle Kraft hergeben damit das Kindlein im Turm auch etwas Habs! Und wer nach der Mette aus dem Dom fortging, blieb stehen und sah nach der Türmerwohnung, und die kalte Nacht umglitzerte mit all ihren Sternen den seltsamen Stall.

Gleich am ersten Feiertag wurde das Kind getauft, und der Bischof ließ sich vom Türmer zu einem Glase Wein einladeu und ging durchs Türchen, und der etwas dicke Bürgermeister, der das Glau­bensbekenntnis gut gebetet hatte schritt mit wippenden Schultern hinterdrein.

Am folgenden Tag, am zweiten Feiertag, kamen nacheinander die sieben Domherren, und ein ieder besah sich das Kindlein und schenkte ihm etwas und legte unsichtbar aus der Fülle feiner Weis­heit noch einen besonderen Wunsch dem Kindlein hin, und jeder

ging wieder und trag jein Herz die unendliche Treppe hinab und betrachtete es nachdenklich und verklärt.

Und am vierten Weihnachtstag kamen die getreuen Diener, die Küster aller Kirchen, die Balgtreter und ihre Frauen, die Putzweiber und ihre Kinder.

Das ist bestimmt die Josephsgarde, die angerückt kommt!" sagte die Wöchnerin.

Und dann füllten sich sogleich die beiden großen Stuben und die Frauen kamen ins Schlafzimmer, und zwei oder drei Männer trieben sich im scharfen Winde des Rundgangs umher. Die Frauen fangen Stille Nacht, heilige Nacht", die Kinder fielen ein, und die Männer zögerten nicht lange, so daß dieses wonnige Lied bestimmt unten in der Stadt gehört werden konnte. Während man sang, trugen die Frauen die kleine Wiege, die der Türmer aus geweihten Hölzern zu­rechtgezimmert, heraus in die Wohnstube und stellten alle Blumen rundum auf, daß es eine Art hatte. Dann nahmen sie ihre Kinder zur Seite und knieten nieder und falteten die Hände, und als das Lied zu Ende war, fingen sie nochmals von vorne an.

Joseph Güldenpenning, der beim Generalvikar diente, zog ein hölzernes Schäfchen, das mit Watts flockig bekleidet war, aus der Tasche, sagte mitten ins Lied hinein: er sei ehedem Schäfer gewesen, und stellte das Tierchen auf seine Streichholzbeinchen in die schon angewelkten Nägel eines Fliederstraußes, der auf der Bettdecke lag. Das Schäfchen starrte zum Kindlsin hin, als habe es zeitlebens nichts anderes zu tun gehabt. Ein vorwitziger Knabe erhob seine Stimme und sprach:

Nun ist aber kein Ochs da und kein Esel!" Und sogleich platzten etliche Weiber mit einem hellen Lachen heraus, zerstörten das Lied vollends, denn Güldenpenning und Tippenkucker sollten Ochs und Esel sein!

Tippenkucker, der Küster, aber stellte sich seitab gegen die Tür, die in den Rundgang führt, zog sein Pfeifchen aus der Tasche und stopfte es behaglich. Und wenn nicht dis ganze Schar auf einmal gegen ihn losgsgangen wäre, so hätte der Gloriaengsl wahrhaftig in der Krippe zu Bethlehem ein Pfeifchen geraucht!

Und dann ging der Gloriaengel, und Männlein und Weiblein folgten ihm,»und die vielen Kinder schlüpften treppab an ihnen vor­über und waren doch zuerst unten. Die Türme rin aber ließ die Fenster aufreitzen, und die kalte Luft blies wild in alle Ecken.

Wenn der Türmer sagte:Unser Kind träumt unter Rosen, Flieder und Palmen", so entgegnete die Türmerin:

Rosen und Flieder entstammen dem warmen Treibhaus und beginnen schon zu welken, und das Pälmchen ist erst recht nicht an unser Klima hier oben gewöhnt und wird auch nicht mehr lange leben!" Und dann setzte sie hinzu:

Wenn unser Kind aber leben soll, so müssen wir näher an die Erde und unter die Menschen!"

In der Tat, als die Wöchnerin-wieder ausstand, um ihren häus­lichen Pflichten nachzugehen, waren die Blumen gänzlich abgestorben, und von aller Pracht lebten nur noch das Pälmchen, das in einer Blumenscherbe stak, nicht viel größer als eine Kindesfaust. Eigentlich waren es drei Pälmchen, deren Stämmchen eng aneinander'aufge­wachsen waren und eine einzige schwunghaft ausgebreitete Krons ergaben. Cs stand überm Bettchen des kleinen Paulus, und fast bewegte der leise Atem seine zierlickzen Blättchen.

Die kleinen Fensterscheiben waren mit dicken Eisblumen über­deckt, wie mit erstarrten Palmblättern; vor der Tür hingen Eis­zapfen so groß und so dick wie ein Gassenbub. und wenn Frau Strohschniiter ein freies Plätzchen ins Eis der Scheiben hauchte, sah sie Brüstung und Rnndgang gänzlich zugeweht von Schnee. Der Domdekan hatte bei der Hochzeit gesagt:Ihr könnt eure Flitter­wochen da oben verbringen, über ein Weilchen, bis der Winter wieder kommt, werdet ihr durch elektrische Maschinen ersetzt sein!" Aber nun waren die Flitterwochen zu Flittermonaten geworden, und es ging in die Flitterjahre, und noch bestand keine Aussicht, herunterzukommen aus der himmlischen Einöde!

(Fortsetzung folgt.)

Der Nerme Weihnachten.

Von Professor Dr. Alfred Götze, Gießen.

Bon den drei großen Festen der Christenheit trägt im Deutschen nur eines einen Namen rein christlichen Ursprungs, das ist P f i n g st en. Der fünfzigste Tag nach Ostern, an dem es gefeiert wird, Hot im neutestamentlick)en Griechisch den Namen geliefert, den schon Ulfila als paintekuste in seine gotische Bibel übernehmen konnte. Die Goten haben das Wort mit Kirche und Pfaffe in den Donaulandschaften den Deutschen weitergegeben, wie der Anlaut unseres Worts Pfingsten zeigt, schon vor den Tagen der hochdeut­schen Lautverschiebung, wenn es zufällig auch erst weit später in unseren Quellen erscheint. So gilt für dieses Fest bei uns und allen Germanen ein rein christlicher Name

Dagegen hat Ostern, bevor es zum Namen der christiichev Pasjahfeier wurde, ein heidnisches Fest der Westgermanen bezeichnat. In unserm Namen des Osterfestes lebte die Göttin fort, die am bekanntesten unter ihrer lateinischen Benennung A u r o r a ist und deren Name sich mit ind. ufrä,Morgenröte , deckt. Die altgep- manische Austrü ist aber keine Göttin der Morgenröte getucjfli, viel­mehr war sie zur Lichtgöttin des Frühlings geworden. Ihr Fest wurde in der Zeit der wachsenden Tage begangen, etwa gleich-