Ausgabe 
11.5.1926
 
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nmig der Beobachtungs-Instrumente und der damit gleichen Schritt haltenden Beobachtungs-Methoden ist die Wissenschaft der Himmelkunde heut« schon sv weit fortgeschritten, daß der Laie sich nur schwer zu ihrer Höhe emporzuschwingen vermag und an Stelle des Verstehens Glauben und Vertrauen setzen muh, Ver­trauen in die Ergebnisse der exakten Forschung.

Wenn mm die Wissenschaft der neueren Zeit zu der Er­kenntnis geführt hat, daß nicht nur der Heraklitsche Satz von der Bewegung aller Körper zu Recht besteht und sich gleich der Erde auch die Sonne und das ganze Planetensystem, ja auch die fernen Fixsterne und die noch entlegeneren Rebel im Raume fort­bewegen, sondern mehr noch., datz alle Bewegungen eine logische Folge dieses Gesetzes nur relative Erscheinungen sind, so haben wir gewissermaßen den Boden unter den Füßen verloren und greifen wie ein Ertrinkender nach einem festen Gegenstände. Wo aber liextder ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht"? In einem großen Weltkörper werden wir ihn nicht suchen dürfen, und sei er auch millionenmal größer als die uns bekannten größten Riesensterne Beteigeuze und Antares, weil di« Masse eines solchen Körpers gegenüber der eines ganzen Fixsternsystems doch wieder völlig belanglos wäre und weil biefer Körper nicht den stillstehenden.Mittelpunkt des Weltalls bilden kann, denn das Weltall hat keinen Mittelpunkt, sondern ist unendlich So bleibt nur der eine Ausweg, den den unermeßlichen Raum zwischen den Welten und Weltsystemen ausfüllenden Arther oder Lichtäther mit H. 21. Lorentz als ruhend anzunehmen, um die wahren, absoluten" Bewegungen und Geschwindigkeiten der Weltkörper zu erkennen.

Mr die Bewegung der Erde und der übrigen zu unserem Sonnensystem gehörenden Planeten, Kometen und Meteore, für die Bewegung der Sonne mit ihrem ganzen Planetensystem, end­lich für die Bewegung der Fixsterne können wir zunächst von dieser Erkenntnis absehen und uns das Milchstraßensystem, zu dem all diese Körper gehören, als relativ stillstehend denken, damit wir wenigstens eine Vorstellung von den direkt meßbaren Bewegungen gewinnen. Da zeigt sich Nun, daß die Erde in ihrer Dahn um die Sonne eine mittlere Geschwindigkeit von 29.6 Kilo­meter in einer Sekunde, d. h. eine 36mal fo große Geschwindigkeit wie eine Granate schwersten Kalibers, wenn sie aus dem Laufe tritt. Je näher die Planeten der Sonne find, um so schneller bewegen sie sich, und je weiter sie von ihr abstehen, desto lang­samer schreiten sie fort. Der sonnennächste Planet Merkur durch­eilt in jeder Sekunde 47,5 Kilometer, dagegen legt der am weitesten entfernte Planet Reptun nur 5,4 Kilometer in einer Sekrmde zurück; jener übertrifft die Granate 56mal, dieser nur reichlich 6mal, Merkur läuft also 8,8mal schneller als Reptun. Wesentlich größere Geschwindigkeiten entwickeln viele Kometen während ihrer Sonnennähe, besonders solche, die der Sonne sehr nahe kommen, wie die großen Kometen von 1680 und 1843. Der erste soll frei seiner Sonnenumkreisung nach Enckes Berechnung mit der ungeheueren Geschwindigkeit von 546 Kilometer in der Sekunde dahin gerast fein. Am so langsamer ist aber auch wieder die Bewegung vieler Kometen in ihrer Sonnenferne; beispiels­weise soll die des sehr weit enteilenden Kometen von 1680 nur 3,9 Weder pro Sekunde betragen, ein wahrer Schneckengang für «inen Himmelskörper.

Anser« Sonne selbst und mit ihr das ganze Planetensystem wandert verhältnismäßig langsam , durch den Raum, auf einen Zielpunkt Apex- genannt hin, der auf der Grenze der Sternbilder Herkules und Leier liegt. Ihre Geschwindigkeit zu ««Mitteln, unterlag bedeutenden Schwierigkeiten und gelang erst in neuester Zeit durch genaue Messungen der scheinbaren Be­wegung vieler Tausende von Sternen nach verschiedenen Metho­den. Als sicherste Werte gelten die von Campbell, 19,5 Kilometer, D. Boß, 21,6 Kilometer, Gyllenberg, 19,8 Kilometer, und Ström­berg, 21,5 Kilometer, im Mittel also etwa 20 Kilometer in der Sekund«. Run ist aber die Sonne, so groß sie uns ihrer Aqhe wegen auch erscheinen mag, nur ein Stern unter Sternen und würde, von einem anderen Sterne aus gesehen, sich nicht von den übrigen glitzernden Punkten des Himmels unterscheiden; sie ist nur eine der Tausende von Millionen Sonnen, die unser ge­waltiges Fixsternfhstem, das System der Milchstraße, zufammen- setzen. Alle diese unzähligen glühenden großen Körper beschreiben gleich unserer Sonne ihre bestimmte Bahn, scheinbar regellos durcheinander und doch nach ewigen ehernen Gesetzen. Indessen, der Abstand selbst der nächsten Fixsterne der Stern Mpha im südlichen Bilde des Centauren, unsere Rachbarsonne. besitzt noch eine Entfernung von 4,3 Lichtjahren von je 9,46 Billionen Kilometer ist sv ungeheuer groß, datz die jährliche Ortsver­änderung außerordentlich geringfügig wird und nur mit starken Instrumenten gemessen werden kann.

In der unendlichen Mannigfaltigkeit der Sternbewegungen unterscheidet man zwei Hauptrichtungen, die Bewegung an der Sphäre die sog. Lateralbewegung, und die Bewegung in der Gefichtslinie, di« fvg- Radialbewegung; alle anderen Richtungen sind Komponenten dieser beiden. Sternbewegungen der ersten Art mißt man mit dem Fernrohr, der zweiten Art mit dem Spektrographen. Halley war (1718), wie vbm schon angedeutet, der erste, der die Ortsveränderung einiger Sterne nachwres, 3. Cassini folgte ihm. Am die Witte des 19. Jahrhunderts schuf Argelander schon einen Katalog von 560, Mädler daraus einen siolchen vom 3200 Sternen, und 1910 brachte ®8 L Roh auf

6188 Sterne mit bestimmten Eigenbewegungen. Radialbewegung«« vermochte erst 1888 Bogel mit Hilfe der Photographie an 50 Sternen nachzuweisen, heute kennt man deren schon über 2000. Am aus der lateralen die absolute Bewegung eines Sternes zu berechnen, mutz man seine Entfernung kennen; die radiale Be­wegung wird direkt in Kilometern aus gedrückt. Man fand nun, daß die meisten Sterngeschwindigkeiten sich in ähnlichen Grenzen halten wie die Sonnen- und Erdgeschwindigkeiten Beispielsweise nähert sich uns der Sirius mit einer Sekundengeschwindigkeit von 6 Kilometer, der Polarstern mit einer solchen von 15 Kilo­meter, während sich Capella mit 30 Kilometer und Aldebaran mit 55 Kilometer pro Sekunde von uns entfernt. Es gibt aber auch viele Sterne, die über 100 Kilometer in der Sekunde zurücklegen; Darnards Pfeilstern, der die größte bekannte Eigenbewegung, 10,3 Dogensekunden im Jahr, besitzt, durcheilt 132 Kilometer, der schwache Stern A. G. Berlin 1366 sogar 494 Kilometer, d. L beiläufig das 580fache einer Granate!

Panta rhei, wo alles sich bewegt, da können auch die große» Sternsysteme keine Ausnahme machen. An der Sphäre zeigen diese Systeme, die Spiralnebel,' sv gut wie gar feine Ortsveränderung, weil sie allzuviel, Jehntausende, ja Hunderttausende von Licht­jahren von uns entfernt sind; aber in der Gesichtslinie hat der an keine Entfernung gebundene Spektrograph ihr» Geschwindigkeit verraten. Sie ist in den meisten Fällen erstaunlich groß, oft~ viele hundert Kilometer. Beispielsweise nähert sich uns der berühmte Andromedanebel mit einer Schnelligkeit von 300 Kilometer pro Sekunde, zwei Spiralnebel im Haar der Berenice und in 6er Jungfrau enteilen mit der enormen Geschwindigkeit von 1100 Kilo­meter, der Rebel R. G. V. 936 entflieht mit einer solchen von 1300 Kilometer und der Rebel R. G. C. 584, beide im Walfisch gar mit einer solchen von 1800 Kilometer in jeder Sekunde.

In jüngster Zeit ist es nun nach einer Abhandlung in den Astronomischen Nachrichten L. Eourvoisier in Potsdam gelungen, die Geschwindigkeit unserer Erde relativ zu dem als ruhend ge­dachten Lichtäther (Koordinatensystem des Lichts) zu bestimme. Aus sieben verschiedenen Methoden, darunter einer mit selbst­konstruiertem Gravimeter, fand er als Gesamtrefultat 750 Kilo­meter pro Sekunde und die Richtung der Bewegung auf dem hellen Stern Capella im Fuhrmann zu. GS ist aber sehr wahr­scheinlich, oder sagen wir gewiß, datz mit der Erde und Sonne und ihren Körpern als Fixsterne, fraglich unser ganzes, 20 000 Lichtjahre im Durchmesser großes Spiralshstem der Milchstraße, sich mit dieser Geschwindigkeit durch den endlosen Raum bewegt.

Der GMcksfall.

Don Luise Glaß.

imv für «in

Ich?" sagte mich Onkel Ede, weiter nicht». Altimo- geschäfte hatte er nicht gemacht, und Frau Emmellne hatte nichts

Das hilft nun nichts, Jule, da mußt du mit deinen Privat- moneten aushelfen." .

Jule sah den Bruder dumm an. Aushelsen? Er, der Kinder zu Hause hatte und eine begehrliche Frau? Gr der auf Drängen Xrmi auch noch mit dem aesälliaen Vermittler feine Altimo-

(Schluß.)

Jule schwieg und rauchte, nicht einmal feinRana!" rutschte ihm über die Lippen; Onkel Ede ging hinunter, um dort sein Gedächtnis aufzufrischen. Aber der Großvater und Lisbeth konn­ten ihm nicht helfen, sie waren vor dem Streit schlafen gegangen.

.Garstig," sagte Onkel Ede,ich kann's Zanken nich leiden, stört mein Wohlbefinden. Ja, ja. das gute Jahr ist mi eben rum Sag' mal. Großvater, was hast denn du mit deinem Geld unternommen?" <

Angelegt, mein Junge", antwortete der 2llt« zufrieden, und Lisbeth sah lächelnd nach ihrer Wäschtruh« hinüber.

Sicher, Großvater?"

Auf den: Sichersten, was es auf Erden gibt.

Ra, dann geht es ja noch", antwortete Ede und frramwe sich eine Zwanzigpfennigzigarre an.

Dis zum ersten April ging es wirklich noch Dann mußten sie den Laden in der Stadt zumachen.Julius Vierling und Kompanie, Herrentailleurgeschäft" war nicht mehr der ge­meinsame Geldschrank konnte ohne Gefahr offen Metoen.

Der Geschäftsführer hatte sich davvngemacht, da« DrerA- jahrgeld für Gesellen und Miete hatte er mitgehen heißem Die fertigen Sachen im Geschäft waren im Sommer von Oltotten angefallen worden und hatten sich im Winter auf irgendeine unberechenbare Art vermindert. Don dem Rest wollte die neue Mode nichts mehr wissen.

Jule und Ede waren an diesem Ersten ausnahmstE« beide nach der Stadt gegangen. Jule wollte stch Geld holen, Ede wußte es besser, er war sogar ein bißchen neugierig, tote es werden würde. 2lber des Geschäftsführers Antreue warf auch ihn beinah über den HaufM. , .. , ,, , . .. .

Alle konnte es schon werden, toi« frte Semmel alle wird, an der die Mäuse knabbern, aber doch nicht mit Schulden um*

zu Hause hatte uno eine ttegctjciiqje atu» 1 , , ,1

biefer Frau auch noch mit dem gefälligen Vermittler sAne Miimo- geschäftchen gemacht hatte, infolge deren er den Altimo für em gefräßiges Angeheuer hielt. _ ,

Ich?" sagte er,ich wollte mir eben hier Geld holen. Aber du. Ede. du bist doch nur einer auf Fünfundzwamzigtausend ge-